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00:00I had a voice that said that the goal is to take care of what you're doing, regardless of what
00:05you're doing, regardless of what you're doing.
00:05Was there a moment when someone else told you that you're too thin and that's dangerous what you're doing?
00:11Yes, I was in a fitness studio and then a man spoke to me, who I've seen before.
00:17And he came to me and said that if you're doing so, it looks absolutely not good.
00:23Thank you, Laura.
00:27Liebe Laura, danke, dass du heute bei uns bist.
00:30Wir freuen uns so sehr.
00:31Vor allem, weil wir werden über ein Thema sprechen, was viele Frauen betrifft.
00:36Du hattest nämlich sehr unter deinen zu großen Brüsten gelitten
00:39und hast dann eine Brustverkleinerung machen lassen.
00:42Dachtest dann, es wird eigentlich alles gut, aber dann kam leider das Gegenteil.
00:47Darüber sprechen wir heute.
00:48Wir spulen jetzt aber erstmal zurück in den Moment, wo du in dem kleinen Dörfchen bei München groß geworden bist.
00:54Da hattest du noch keine 2,3 Millionen TikTok-Abonnenten, sondern da warst du noch dieses kleine Mädchen in der
01:00Pubertät.
01:01Und du hattest damals auch ein Problem mit deiner Brust, aber nicht, weil sie zu groß war, sondern weil sie
01:05erstmal gar nicht da war.
01:07Genau.
01:08Ich glaube, viele junge Mädels können das wahrscheinlich nachvollziehen, dass man von Freunden, bekannten, Klassikameraden sieht,
01:14hey, okay, die bekommen jetzt langsam eine Oberweite, kommen in die Pubertät und bei mir war das irgendwie nicht so.
01:18Und ich war so, hm, komisch.
01:21Und hab mir da so ein bisschen Sorgen gemacht und hab dann angefangen so, okay, Push-Up-BHs, was gibt's
01:26da so in die Richtung.
01:27Ähm, ja, turns out, dann zwei Jahre später hab ich's dann bereut.
01:31Aber genau, ganz am Anfang war's bei mir auch noch so, dass ich eher das Verlangen hatte, dass endlich mal
01:36was losgeht.
01:36Kannst du dich denn noch an eine konkrete Situation erinnern, wo für dich deine Brüste das erste Mal so eine
01:43richtige Belastung waren?
01:44Ich glaube, das allererste Mal direkt in der Schule, weil wir eine Schulbekleidung hatten.
01:51Also es war quasi obenrum immer ein T-Shirt oder ein Pulli.
01:54Und ich bin auch im tiefsten Sommer mit einem Pulli rumgelaufen, ohne dass ich's so wirklich aktiv verstanden habe.
02:00Also es war so ein Reflex, ich hab's einfach gemacht, weil es war für mich die einzige Option.
02:06Und das war so in der siebten Klasse das erste Mal, wo ich gemerkt hab, okay, irgendwas ist grad ein
02:11bisschen anders.
02:12Vor allem, du warst auf einer Privatschule, da gab's noch eine weitere Schülerin, ansonsten waren's nur Jungs.
02:17Genau, also zwei, aber...
02:18Ja, und das hat's wahrscheinlich auch nicht leichter gemacht, oder?
02:21Nee.
02:21Wenn man an so pubertäre Jungs denkt, was, was musstest du da so über dich ergehen lassen?
02:26Also ich muss sagen, die waren schon sehr lieb, deswegen, also dadurch, dass ich's auch versteckt hab, haben's viele gar
02:32nicht gewusst.
02:33Ähm, aber wenn's mal bekannt wurde, oder wenn ich mal ein T-Shirt anhatte, dann hat man schon gemerkt, wenn
02:38mit mir geredet wurde, waren meine Augen nicht mehr so ganz oben.
02:41Das war immer so ein unangenehmes Gefühl.
02:44Ja, das heißt, du hast die auf der einen Seite verstecken wollen, aufgrund der Brüste, aber du hattest vor allem
02:49auf der anderen Seite, du hattest ja auch wirklich körperliche Beschwerden.
02:51Genau, also vor allem Rückenschmerzen, auch nicht nur quasi vom Einschneiden, sondern auch quasi so ganz unten am Rücken, weil
02:58man dann die ganze Zeit so eine ganz krumme Haltung hat.
03:00Und ich glaub, wir Frauen, wir kennen's sowieso schon alle, wenn man nach Hause kommt, das Erste, was man macht,
03:04wenn man einen BH anhatte, ist den BH auszuziehen, weil's einfach so eine Erleichterung ist.
03:08Aber das mit der Größe ist natürlich nochmal was ganz anderes. Und du hast ja auch damals dann mit YouTube
03:12angefangen.
03:14Ja.
03:14Wie waren da so die Reaktionen, wenn wir jetzt mal an deine Mitschüler und Mitschülerinnen denken?
03:18Gemischt. Also ein Teil fand das ganz cool, ein Teil hat es auch extrem und sicherlich gezogen.
03:23Also ich hatte auch, ich hieß damals Laura's Basic Shit, deswegen das war halt auch nicht so der Name, der
03:27jetzt super schön ist.
03:29Dementsprechend haben das halt dann auch viele so durch den Schulhof geschrien. Wir waren auch direkt neben einer Mädchenschule, das
03:35heißt, da wurde das dann teilweise auch rüber geschrien.
03:38Oder wir hatten in Mathe, ich saß immer neben dem Fenster und das war genau die Zeit, wo die Mädchenschule
03:44nebenan Pause hatte.
03:45Und dann standen die quasi direkt vorm Fenster, während wir unseren Matheunterricht hatten und dann mussten wir wegen mir den
03:49ganzen Sitzplan umstellen. Das fanden natürlich alle nicht so cool.
03:52Ach, weil die Fotos machen wollten?
03:53Genau, weil sie durch das Fenster quasi fotografiert haben, während wir halt gerechnet haben.
03:58Krass, das heißt, du warst damals auf der einen Seite schon total gehypt und die Leute haben deinen Namen geschrien
04:03und der Unterricht konnte gar nicht mehr für dich von Städten gehen.
04:05Genau. Und das war so dieser, so rückblickend denke ich dran, bin so, boah, das ist eigentlich schon heftig.
04:09Aber so damals war das so ein normales Ding, wie andere so ein Hobby haben, war das so mein Hobby.
04:16Deine Mama, die hat uns ein paar Einblicke von der Zeit gegeben, was sie und vor allem wie sie das
04:22damals empfunden hat.
04:23Da schauen wir jetzt zusammen rein.
04:25Also ich habe so gemerkt, als wir beim BH kaufen waren, schlimm und traurig war das eigentlich immer so im
04:31Urlaub, ja.
04:32So, wo sie nicht so mitgekommen ist und Schwimmbad oder so ans Meer hat sie sich immer versteckt.
04:38Ich hatte mein T-Shirt dann drüber getragen.
04:41Das erste Mal, wo ich das richtig gesehen habe, das war beim Chirurg.
04:44Und da muss ich sagen, das war ein Schock für mich.
04:47Ja, wenn du siehst, wie deine Tochter darunter leidet, dann kannst du nicht gegen eine Brustverkleiderung sein.
04:53Ja, das war, wir wollten das Beste für dich auch haben.
05:02Was denkst du, wenn du das hörst und siehst?
05:06Es hat mich schon sehr berührt, auch als ich dann nochmal mit ihr darüber gesprochen habe und sie auch gefragt
05:11habe,
05:12hey, wie war es eigentlich für dich, weil ich das eigentlich nie so richtig gefragt habe.
05:17Und ja, hat mich schon sehr berührt.
05:19Habt ihr denn in der Familie über dieses Thema gesprochen oder war das für dich eher so ein schambehaftetes Thema,
05:26was ja auch bei vielen der Fall ist?
05:28Beides. Also am Anfang war es sehr schambehaftet.
05:31Und dann haben das meine Eltern irgendwann gezwungenermaßen mitbekommen, allein sowas wie im Urlaub.
05:35Und da haben wir dann öfter drüber gesprochen.
05:39Genau, und irgendwann bin ich auch dann zum Frauenarzt gegangen, um diese typische Gebärmutterhalskrebsimpfung zu machen.
05:43Da musste, glaube ich, nochmal eine Mutter mit und da hat die Frauenärztin das angesprochen.
05:46Aber weil sie das dir angemerkt hat, das finde ich irgendwie ein bisschen…
05:49Ja, also sie hatte mich gefragt, ob mich das belastet.
05:52Ah, okay.
05:53Weil das war so ein… ja, es gibt die und die Option.
05:56Ich weiß noch, das war dann direkt der Abend, saß mir so am Tisch und war ich so so, Leute,
06:00ich werde jetzt nach 18 und dann geht's los.
06:04Hammer.
06:05Und das Ganze hast du dann ja auch auf YouTube quasi begleitet, beziehungsweise du hast einen Vlog gemacht, hast du
06:10Leute mitgenommen und da schauen wir mal rein.
06:13Mir wurde jetzt gerade Blut abgenommen.
06:15Ich habe vorher noch eine Thrombose-Spritze bekommen in den Oberschenkeln und lieg jetzt hier.
06:23Schaut pretty aus, oder? Was sagt ihr?
06:45Sieht richtig gut aus.
06:48Ja, es sieht sehr gut aus.
06:49Vor allem, finde ich, sieht man auch, wie befreit du wirkst. Also wie hat sich das denn für dich angefühlt?
06:54Also ich glaube, das ist ja voll krass, wenn der Körper auf einmal so anders ist. Du weißt ja vorher,
06:58dass es passiert, aber wie war es dann das Gefühl?
07:01Es war wie so ein zweites Leben. Ja, so Staffel zwei quasi. So ein bisschen. Und das war meine erste
07:08OP und normalerweise hatte ich so ein bisschen Angst.
07:12Aber man hat die ganze Zeit so eine Vorfreude. Man ist so, ich nehme die Schmerzen jetzt hin und ich
07:15freue mich, weil es dann bergauf geht.
07:19Es war aber dann nicht so, kleinere Brüste, Probleme sind gelöst. Du hast dann danach weitere Dinge gefunden, die dich
07:26gestört haben. Was ist dann passiert?
07:28Also vorher, ich glaube, ich hatte ungefähr vier Jahre ein Problem mit meiner Oberweite und habe quasi nur meinen Fokus
07:35darauf gehabt. Also ich glaube, klar, in jungen Jahren hat man immer mal so, man vergleicht sich mit Freunden, man
07:39hat vielleicht mal Selbstzweifel und ich hatte wirklich nur, ich habe mich gesehen und ich habe nur meine Oberweite gesehen.
07:44Es war so, okay, wie kann ich es bestmöglich verstecken? So, das war bis zu meinem 18. Lebensjahr so meine
07:48Hauptsorge. Ich hatte sonst keine Ahnung von irgendwas. Ich hatte nie irgendwie, keine Ahnung, nie das Wort Kalorien gehört.
07:54Also es war mir komplett egal, weil ich hatte ja mein Thema mit der Oberweite. So, das war mein Ding.
07:59Und ich habe nicht mehr in den Spiegel geschaut und nur gesehen, okay, Oberweite, sondern ich habe quasi mich gesehen.
08:04Und da kam dann so das erste Mal wahrscheinlich die Gedanken, die ich in längerer Zeit über die letzten Jahre
08:10mal gehabt hätte. So, ah, okay, vielleicht hier irgendwie gefällt es mir nicht.
08:14Die kamen dann auf einmal und ja, ich bin dann so relativ schnell in Selbstzweifel gerutscht und dann ziemlich schnell
08:20auch in der Essstörung.
08:21Könnt ihr das verstehen und nachvollziehen, dass man Dinge an seinem Körper sieht und die vermeintlich als Problemzone ansieht?
08:28Ja, ich kenne es. Ich kann mir das gut vorstellen, weil es mir tatsächlich auch so ging. Ich habe ja
08:35auch eine große Oberweite.
08:38Und ja, witzig, also wenn Männer jünger sind, dann ist das wirklich so ein Thema. Also ich wurde auch deswegen
08:45ausgelacht in der Schule und so.
08:48Aber ich finde das so komisch, weil es eigentlich ist doch was Schönes. Warum wird man dafür ausgelacht? Das ist
08:52so dumm.
08:54Gerade so Sportunterricht, ne? Also ich denke, ich weiß, also ich weiß genau, was du meinst. Und meine Mama, die
09:01hat auch, also bei uns ist es einfach auch genetisch bedingt, meine Mama, die hat auch eine sehr große Oberweite
09:06und die hat dann auch ihre Brust verkleinern lassen.
09:08Und die ist dann auch irgendwie in so einer Art Essstörung, würde ich sagen.
09:13Ja, also es ist irgendwie krass, dass das so parallel, ne? Ich hatte dann tatsächlich irgendwann ganz großes Glück, als
09:23ich meinen Mann kennengelernt habe.
09:25Der hat es geschafft, in dem ersten Date mir nicht einmal auf meine Möpse zu gucken.
09:29Wow.
09:31Ich muss dann wirklich applaudieren.
09:33Ist er hier?
09:34Ja.
09:35Kevin!
09:37Danke.
09:38Bitte ein Beispiel an Kevin, liebe Männer da draußen.
09:41Vielen Dank, dass es dich gibt.
09:43Danke.
09:43Ja, der hat es geschafft.
09:45Da war ich so erstaunt und da dachte ich, egal was noch kommt, den muss ich nochmal treffen.
09:52Sehr gute Wahl.
09:54Ja, okay.
09:56Mann muss man sein.
09:57Bär Minimum, aber das größte Applaus immer.
10:00Ja.
10:02Ich finde es krass, was du gerade erzählt hast mit deiner Mutter, weil das ist ja auch das, was dir
10:05passiert ist, ne?
10:06Die Brustverkleinungen fand statt, das ist alles passiert und dann bist du in eine Essstörung gerutscht.
10:13Wie sah das aus? Also du hast angefangen deine Ernährung zu kontrollieren, Sport zu treiben.
10:17Ja, eigentlich genau das. Ich bin auch, klar, wenn man auch noch viel auf Social Media ist, ist das nicht
10:22so ganz förderlich.
10:23Und bin dann auch noch in so ein paar Rabbit-Holes gerutscht mit ganz viel Sport.
10:26Da gibt es auch ganz, ganz, ganz gruselige Bereiche auf TikTok zum Beispiel.
10:31Oder auch Kommentare von anderen, die dann da Sachen sagen, wo man sich dran langhangelt.
10:35Hattest du ein Ziel, wo du hin wolltest oder hast du...
10:38Ich hatte an sich kein Ziel.
10:39Also ich habe jetzt nicht gesagt, okay, ich bin jetzt bei dem und dem Gewicht und ich möchte zu dem
10:42und dem Gewicht.
10:43Sondern ich hatte eine Stimme, die quasi permanent 24-7 gesagt hat, okay, Ziel ist abzunehmen.
10:49Egal, was du machst, egal, wie du es machst.
10:51Wenn ich wusste, okay, ich habe von 8 bis 16 Uhr Vorlesungen in der Uni, dann musste ich gucken, okay,
10:57stehe ich früher auf?
10:58Mache ich vorher noch was? Oder was mache ich danach? Oder kann ich die Pause sinnvoll nutzen, um da noch
11:02irgendwas zu machen?
11:03Quasi dieser ganze Tag wurde von Gedanken geleitet, die quasi darauf aus sind, abzunehmen.
11:09Also das Abnehmen hat quasi deinen Alltag bestimmt und ab dann ist es ja auch ein Problem oder ein Krankhaftwerden.
11:15Du hast dann viele Lebensmittel auch durch Supplements ersetzt.
11:18Hat es dann, abgesehen von deinem Social-Media-Verhalten, auch körperlich was mit dir gemacht?
11:23Also in der Zeit war das sowas wie Konzentrationsverlust, dass ich in den Vorlesungen drin saß und ich habe gemerkt,
11:29okay, ich bin da.
11:30Aber irgendwie hätte ich es mir auch sparen können, weil ich sowieso irgendwie nichts verstanden habe, weil ich mich nicht
11:34konzentrieren kann.
11:35Mir war die ganze Zeit kalt. Wenn man irgendwie lange gesessen hat, hat man das schneller gemerkt als vorher.
11:43Genau, oder sonst hat langfristig sowas wie eine Osteoporose oder weil wir jetzt vorher auch über das Thema Kinderwunsch gesprochen
11:47haben, Periode, solche Sachen.
11:49Gehen ja ziemlich schnell auch durch zu viel Sport weg. Ja, und das war dann was, was ziemlich schnell dann
11:54passiert ist.
11:55Und du hast dann ja auch total viel abgenommen und warst untergewichtig.
11:59Gab es da einen Moment, wo dir jemand anderes mal gespiegelt hat, du bist zu dünn und das ist gefährlich,
12:04was du tust?
12:05Ja, ich war im Fitnessstudio und dann hat mich ein Mann angesprochen, den ich schon öfter gesehen hatte.
12:12Und der kam auf mich zu und meinte, also wenn du so weitermachst, das schaut absolut nicht gut aus.
12:17Was eigentlich auch irgendwo übergriffig war, aber das war der Moment, der mich so ein bisschen wachgerüttelt hat.
12:25Weil du gemerkt hast, der meint eigentlich nicht, du siehst nicht gut aus und dein Body ist nicht perfekt, sondern
12:29es ist ungesund.
12:31Ja, es war irgendwie so das erste Mal, dass jemand, klar auf Social Media haben das öfter mal Leute gesagt,
12:35aber da dachte ich immer so, ja, ja, die reden.
12:37Aber dadurch, dass es jemand zu mir gesagt hatte, den ich gar nicht kannte, der mich auch nicht kannte, das
12:42war so ein, was ganz anderes irgendwie.
12:46Also irgendwie ein Wake-up-Call?
12:48Ja, voll.
12:48Du hast auch mal ein Foto gepostet, wo du neben deiner Oma standest und drunter geschrieben hast, ich möchte nie
12:55wieder neben einer 93-jährigen Oma stehen und diejenige sein, die näher am Tod ist.
13:00Da sehen wir das Foto.
13:01Was geht dir durch den Kopf, wenn du das Bild heute siehst?
13:03Ich weiß, dass ich diesen Moment überhaupt nicht genießen konnte, als ich bei ihr war, weil ich nicht im Moment
13:09war, sondern ich war da schon wieder beim Abendessen.
13:11Und ich finde es super schade, weil das ist kostbare Zeit, die ich hätte haben können und die ich nicht
13:16mehr haben werde.
13:17Du warst ja aber krank. Also kranke Menschen können ja oft nicht rationale Entscheidungen treffen.
13:23Also ich verstehe, dass du das total bedauerst, aber du warst ja in dem Moment krank.
13:26In welchem Moment hast du gemerkt, ich bin krank und ich brauche Hilfe?
13:30Also die Situation mit dem Mann war schon eine relativ große Wake-up-Call eben und habe dann von einer
13:36Freundin mitbekommen, dass sie sich jetzt in der Tagesklinik angemeldet hat.
13:39Und das war eigentlich nur so ein Gedanke. Ja, ich habe ja jetzt Semesterferien, Januar, Februar, März.
13:45Warum melde ich mich nicht mal an und schaue mal, was wird?
13:49Und ja, das war im Endeffekt dann aber genau dieser Aufenthalt, der dann auch länger ging als März, aber genau
13:54der Aufenthalt, der mir das erste Mal so vor Augen gezeigt hat, was eigentlich wirklich schief geht, gerade bei mir.
14:00Und der mich da auch wieder so ein bisschen rausgeholt hat.
14:03Und da, ja, Applaus dafür.
14:08Ich bin sehr froh, dass du das selber so gemerkt hast und dann auch aktiv was gemacht hast.
14:15Und was ich auch toll finde, ist, dass du das deinen Followern auch gezeigt hast. Da schauen wir mal rein.
14:20Am Anfang bin ich erst mal angekommen und habe meine Sachen entspünkt.
14:22Und dann habe ich auch noch mal kurz in meinen Postfach geschaut. Da sind zum Beispiel Blutwerte drin oder Änderungen
14:26von Therapeuten oder whatever.
14:27Dann ging es auch schon zum Frühstück um 8 Uhr. An dem Tag gab es Müsli-Frühstück.
14:30Dann ging es direkt weiter mit der Wochenendeplanung. Und da habe ich einfach eingetragen, was ich so plane zu essen.
14:36Das Ganze wird dann auch in einer Gruppe mit Therapeuten vorbesprochen.
14:39Das war ganz kurz nach meinem Einzel-, also halt Einzeltherapie.
14:42Dann sind wir auch schon in die Kantine gegangen.
14:44Die ersten drei Monate musste ich immer in der Klinik Mittagessen, weil ich dann eben noch nicht so weit war
14:48quasi.
14:48Da geht man dann noch unbetreut hin ohne Therapeuten.
14:50Hier übrigens mal kurz unser Stundenplan in Anführungszeichen.
14:53Ich hatte an dem Tag dann noch Kunsttherapie am Nachmittag.
14:55Dann gab es immer um Viertel vor vier Kaffee Kuchen.
14:57Also da gab es jetzt nicht immer Kuchen, sondern einfach irgendwie einen Snack.
14:59Und dann ging es nach Hause.
15:07Ja, ich sag, toll, dass du das so teilst.
15:09Weil ich finde, auf TikTok oder Instagram sieht man ganz viel Content von what I eat in a day, bla
15:15bla bla.
15:16Aber das ist halt die Realität.
15:18Aber das war bestimmt eine sehr harte Zeit für dich, auch wenn es da jetzt irgendwie so ein netter Vlog
15:23ist.
15:23Aber so war es wahrscheinlich nicht.
15:25Was war denn für dich so das Schwierigste daran?
15:28Also zum einen die Zunahme, vor allem weil bei einer Tagesklinik sind immer wieder neue Leute dazugekommen.
15:36Und man hat trotzdem, also auch jetzt würde ich noch sagen, ich habe teilweise trotzdem noch die Stimme, aber man
15:40geht halt anders damit um.
15:41Aber vor allem, wenn du in so einem Klinik-Setting bist und dann kommt wieder eine Person, die so aussieht,
15:47wie du vielleicht vor zwei Monaten aussahst,
15:48dann ist es unfassbar schwierig auszuhalten, quasi zu wissen, okay, ich sah auch mal so aus, ich könnte auch wieder
15:54so aussehen, aber ich mache es gerade nicht.
15:56Ich weiß gar nicht, ob man das nachvollziehen kann, aber das war so unfassbar schwierig.
15:59Und parallel, dass ich Social Media gemacht habe, weil es gibt immer Menschen, ich verstehe es nicht, aber es gibt
16:06immer Menschen, die meinen, ihren Senf dazugeben zu müssen, aber in die negative Richtung.
16:11Zum Beispiel früher bei der Brustverkleinerung haben viele Kirschen kommentiert und dann hatten viele bei dem Klinikaufenthalt Hamster kommentiert, weil
16:18sie meinten, ja, mein Gesicht ist jetzt so explodiert.
16:19Und pass mal auf, du nimmst zu schnell zu und so in die Richtung.
16:25Auch ich denke, es ist super, dass du es teilst, weil Leute sehen das dann, aber ich denke auch gleichzeitig,
16:29mach doch jetzt bitte kein Content, du bist in der Tageslinik, wäre erst mal gesund.
16:33Aber dann denke ich, ich bin wie so eine Mutter, die irgendeinem Kind sagt, mach mal ein Handy beiseite.
16:38Aber gab es nochmal einen Moment, in dem du dachtest, vielleicht lasse ich es jetzt erst mal mit Social Media?
16:44Ja, ich hätte es tatsächlich auch gerne gelassen.
16:47Das Problem war nur, ich bin sehr früh ausgezogen, das heißt, ich muss mich ja selber finanzieren und ich bin
16:53quasi neben meinem Studium noch selbstständig.
16:54Das heißt, ich habe mein Studium, was ich zahlen muss, ich habe meine Wohnung, die ich zahlen muss, meine Versicherung,
16:58das alles.
16:59Und wenn ich sage, ich gehe jetzt von Januar bis Juli komplett raus aus Social Media und in der Zeit
17:05sind ja immer wieder neue Creator nachgekommen, vor allem auf TikTok, ist ja super kurzlebig.
17:09Ich hätte, glaube ich, zu viel Angst gehabt, dass ich gar nicht mehr den Anschluss finde und dass ich dann
17:15vielleicht geheilt zurückkomme, aber dann in extreme andere Sorgen, irgendwie Geldnot, sonst irgendwas komme.
17:21Du bist ja mittlerweile nicht mehr in der Tagesklinik.
17:24Genau.
17:24Wie geht es dir damit?
17:25Ich bin sehr erleichtert und sehr, ja, schon stolz auf mich, dass ich es gemacht habe und ja, kann es
17:33auch wirklich nur jedem ans Herz legen, dass man sich Hilfe sucht, weil klar, es ist ein immenser Schritt und
17:38es ist vielleicht auch ein Schritt, der einen komplett aus dem Alltag reißt.
17:41Auch wenn man 40 Stunden arbeitet, man kann nicht mal so einfach sagen, okay, ich gehe jetzt mal weg, aber
17:45lieber mal kurz weggehen und sich kurz das Leben retten, blöd gesagt, als sich ewig noch weiter rein zu sagen,
17:51ich bin noch nicht krank genug, aber man ist nie krank genug.
17:55Und deswegen kann ich es geben, ja.
17:59Danke, dass du so oft hast.
18:00Danke, dass ich dir gerne.
18:03Noch mehr Talks von Dieb und Deutlich gibt es hier in der ARD Mediathek.
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