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  • 5 months ago
Mit über 90 Werken zählt die 87-jährige Renate Welsh zu den prägendsten Autorinnen der österreichischen Kinder- und Jugendliteratur. Der Film „Renate“ folgt ihrem bewegten Leben – von ihrer Kindheit voller Schuldgefühle bis zu ihrer literarischen Arbeit mit Christine Nöstlinger und Mira Lobe für sprachlose Außenseiter:innen. In ihren Schreibwerkstätten leitet sie schreibferne Menschen wie Obdachlose oder Bergbäuerinnen an, ihre eigene Stimme zu finden. Doch ein plötzlicher Schlaganfall raubt ihr selbst Stimme und Mobilität.
Ein berührendes Porträt über eine außergewöhnliche Autorin, die die fremde und eigene Sprachlosigkeit überwindet und nie aufgehört hat, Geschichten zu erzählen.
Transcript
00:01Liebe Frau Welch, wie schaffen Sie es das Buch so spannend zu machen, dass man jeden
00:07Abend denkt, ich freue mich schon mein Buch zu lesen. Wie schafft man das?
00:15Ich halte mich da immer an an einem wunderschönen Satz, den mir mal ein Bub
00:19geschrieben hat nach einer Lesung, der geschrieben hat, deine Bücher gefallen mir,
00:24weil so viel Platz für mich drin ist. Dank Ihrer Frau kann ich überhaupt lesen.
00:29Ich habe das so geliebt. Ich habe diese Bücher gefressen.
00:34Ja, genau. Aber das ist trotzdem seit dem Schlag und Fall jetzt schlechter, oder?
00:38Ganz am Anfang habe ich überhaupt nicht reden können. Und das ist halt der Verlust aller Verluste für mich.
00:45Aber es waren immer die anderen, die sprachlos waren. Und plötzlich zu merken, dass ich sprachlos bin,
00:52das war so ein Ich-Verlust.
00:53Ich bitte euch jetzt, während dieser Arbeitseinheit nicht mit dem Nachbarn zu reden, und zwar wirklich gar nicht.
01:02Und dafür alles zu sagen, was euch in irgendeiner Weise durch den Kopf flitzt.
01:09Liebe Frau Welsch, ich habe nicht gewusst, dass es Spaß machen kann, über etwas nachzudenken.
01:18Ich werde dieses jetzt öfters tun, dein Freund unterschrieben. Und ich meine, das ist einfach zu schön, da geht dir
01:27das Herz auf.
01:32Es ist ganz komisch. Du bist wahnsinnig dankbar, wenn du das Gefühl hast, wenn dir Leute sagen, dass die Art,
01:47wie ich schreibe, ihnen das Gefühl gegeben hat, dass sie anders zuhören müssen.
01:56Und ich glaube ja, das Zuhören ist eines von den ganz, ganz wichtigen Sachen.
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