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  • vor 19 Minuten
Während am 14. Februar beim "Tag der Ehre" tausende Rechtsextreme und Neonazis durch Budapest marschierten, wurden heuer alle Gegenproteste und selbst Gedenkveranstaltungen am selben Tag verboten. So konnten die Rechten ungestört den Ausbruchsversuch von Waffen-SS und Soldaten des ungarischen Pfeilkreuzler-Regimes im Jahr 1945 mit einer Wanderung feiern. Als der STANDARD die Teilnehmer vor Ort ansprach, erzählten sie, sie wollten den "Helden" gedenken, die die "Freiheit" gegen die Rote Armee verteidigten. Auf den Holocaust und die hunderttausenden ermordeten ungarischen Juden und Jüdinnen sowie Sinti und Roma angesprochen, reagieren die meisten ausweichend. "Es geht hier nicht um die Juden", meinen gleich mehrere der Wanderer.

Auch Mitglieder der österreichischen und deutschen rechtsextremen Szenen nahmen erneut an der Wanderung teil. Gleich mehrere junge Männer trugen das Emblem des "Dritten Wegs", einer neonazistischen Kleinpartei aus Deutschland. Beim "Tag der Ehre" konnten erneut Hakenkreuze und SS-Runen, die in Österreich etwa unter das Verbotsgesetz fallen, offen getragen werden. Später gab es Shirts mit SS-Runen bei einem Checkpoint der Wanderung zu sehen, bei einem weiteren posierten Personen mit einer, an einem Baum befestigten, Hakenkreuzfahne.

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Transkript
00:00Sind Sie Nazi oder kein Nazi? Es geht nicht wirklich.
00:42Das ist natürlich für österreichische und deutsche Nazis von großem Interesse hierher zu fahren, weil hier einfach Dinge gehen, die
00:50woanders nicht funktionieren.
00:52Sie gehen in Uniformen mit Hitlergruß, alles Dinge, die in der Bundesrepublik noch verboten sind.
00:57Und sie glorifizieren sozusagen die ungarischen Faschisten, die bis zum Schluss an der Seite der deutschen Faschisten gekämpft haben.
01:17Offiziell handelt es sich beim SS-Gedenken um ein Sport-Event, tatsächlich wird es aber von der neonazistischen Blood-and
01:22-Honor-Vereinigung mitorganisiert.
01:23Als wir TeilnehmerInnen ansprachen, bekamen wir Verharmlosungen des Holocaust und der NS-Zeit zu hören.
01:29Dass Jüdinnen im Holocaust getötet wurden, scheint für sie Nebensache zu sein.
01:32Es ist ein Memorial-Honor-Verein, in erinnerung von den Hungarian-German-Heroen des II. Weltwahr.
01:37Wir begrüssen uns, dass unsere Krieg-Heroen von dieser Stadt erholt haben.
01:44Die Deutschland-German-Hunger-Honor-Verein hier in der Kastel haben entschieden, um aus dem Kastel.
01:50Und ich denke, das ist ein sehr guter Beispiel für heute, dass sie heute nicht nachdenken.
02:21Deutschsprachige TeilnehmerInnen des Rechten Marsches wollten nicht mehr umsreden.
02:24Meiner Kollegin Melanie Reidl ist es aber gelungen, sich unbemerkt unter die Wandernden zu mischen, während sie glaubten, unter sich
02:30zu sein.
02:30Ja, da waren zum Beispiel ostdeutsche junge Männer, die haben gesagt, sie wollten sich dort vernetzen, neue Leute kennenlernen.
02:36Und als zum Beispiel ein Polizeihund am Straßenrand gebellt hat, hat der eine gesagt, ich zitiere, es riecht hier wohl
02:42nach Zigeuner.
02:43Und sein Freund hat gesagt, ja, wir sind ja auch kaum Deutsche um uns herum.
02:47Und im Wald hing eine Hakenkreuzflagge, wo dann ein Mann einfach Witze über Schindlers Liste gemacht hat.
02:52Während die Neonazis mit Stahlhelmen und NS-Uniformen wandern durften, wurden alle antifaschistischen Gegenproteste und selbst Gedenkveranstaltungen verboten.
03:00Es sollte dort auch eine ausspitzüberlebende Katalin Sommer sprechen.
03:04Und diese Veranstaltung ist aber verboten worden.
03:07Wenn der Staat sich dann auch noch einfallen lässt, Gedenkfeiern zu verbieten und gleichzeitig diese Nazi-Gedenkwanderung durchführen zu lassen,
03:17dann ist das natürlich auch wieder eine Genugtuung für die anreisenden Fans der Faschisten.
03:22Im Herbst erst hat Viktor Orban die Antifa als Terrororganisation eingestuft.
03:45Selbst eine kleine Pressekonferenz von NS-Widerstandsorganisationen, die dieses Verbot kritisierte,
03:51wurde von Polizistinnen umzingelt und aufgelöst.
03:54Sie durchsuchten sogar die Jacken und Taschen der Anwesenden.
03:57Erst vor wenigen Wochen wurde die deutsche Antifaschistin Maja Thien, Ungarn, zu acht Jahren Haft verurteilt.
04:02Maja wurde vorgeworfen, 2023 rund um den Tag der Ehre an Angriffen gegen Rechtsextreme teilgenommen zu haben.
04:08Dafür gibt es aber keine stichhaltigen Beweise.
04:11Maja ist seit dem ersten Tag in Ungarn in Isolationshaft, war über ein Jahr 24 Stunden am Tag völlig isoliert.
04:18Diese Isolationshaft wird auch als psychische, als weiße Folter gekennzeichnet,
04:23weil die dazu ausgelegt ist, einen Menschen zu zerstören, kaputt zu machen.
04:27Und ich als Vater erlebe auch, wie es schwieriger wird, diesen Bedingungen standzuhalten.
04:31Wenn es Vorwürfe gibt, dann muss man die auf rechtsstaatliche Art und Weise untersuchen.
04:35Dagegen wehren wir uns nicht. Wogegen wir uns wehren, ist dieser Schauprozess.
04:38Generell sehen wir international einen verschärften Kurs gegen antifaschistische Organisationen.
04:45Jeder Mensch, der demokratisch gesinnt ist, der für Rechtsstaatlichkeit, für Menschenrechte einsteht,
04:51ist gleichzeitig Antifaschistin oder Antifaschist.
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