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  • vor 9 Minuten
 

Assassin's Creed startete 2007 mit einer absoluten Besonderheit: Die eigentliche Geschichte fand nicht, wie vorher vermutet, in der Vergangenheit statt - sondern in der Moderne. Eigentlich übernimmt man in der Serie Desmond Miles und erlebt durch einen magischen Sci-Fi-Apparat die Erinnerungen seiner Vorfahren nach.

Dieser Kniff war aber mehr als nur eine nette Idee - Assassin's Creed baute geschickt haufenweise Mysterien und Plotlines auf... von denen leider viele ins Leere liefen.

Aber warum ist Ubisoft an der Gegenwartsgeschichte derart gescheitert? Was war ursprünglich mal für die Serie geplant und warum plagt sie Assassin's Creed bis heute? Das schauen wir uns in diesem Video einmal genauer an!
Transkript
00:05Assassin's Creed ist ne Reihe der Superlative. Mit 13 Spielen zahlreichen Ablegern und über
00:11230 Millionen verkauften Einheiten ist das hier die erfolgreichste Ubisoft-Marke überhaupt. Man
00:17könnte also sagen, dass Assassin's Creed ne riesige Erfolgsgeschichte ist. Aber in einem
00:22Punkt, da ist die Serie krachend gescheitert. Es gibt nämlich diese eine geniale Idee, die die
00:27Reihe niemals vernünftig zu Ende gebracht hat. Nämlich seine Gegenwartsgeschichte.
00:32Ja, richtig gehört. Von Anfang an erlebt man in Assassin's Creed ja eigentlich nur die Erinnerung
00:38von den Vorfahren der eigentlichen Spielfigur Desmond Miles nach. Und ja, das klingt jetzt
00:43erstmal unnötig kompliziert, aber dieser Storykniff war genial. Und verdammt schlecht für die ganze
00:48Reihe. Wieso, weshalb, warum und inwiefern hat Assassin's Creed hier massiv Potenzial verschwendet,
00:53das zeige ich euch in den nächsten Minuten. Also nicht mehr lange schnacken, lasst knacken!
01:062007 erscheint das allererste Assassin's Creed und wartet mit einem ziemlich überraschenden Kniff
01:11auf. Eigentlich dachte ich bei der Ankündigung 2006, dass man einfach nur einen Assassinen zu
01:15Zeiten der Kreuzzuge spielen und sich damit den Templern anlegen würde. Im fertigen Spiel stellt
01:19sich aber raus, man übernimmt die Rolle von Barkeeper Desmond Miles in der Gegenwart,
01:24der lediglich die Erinnerungen seines Vorfahren in der Sci-Fi-Maschine Animus nacherlebt. Und diese
01:30Idee ist bis heute ziemlich genial. Zum einen macht diese moderne Ebene die Story von Assassin's Creed
01:35von Grund auf interessanter. Wieso ist der Assassinen-Templer-Konflikt auch hunderte Jahre
01:40später noch so wichtig? Weshalb wird Desmond von der Firma Abstergo festgehalten? Und was sollen diese
01:46merkwürdigen Symbole hier? Ich will von Anfang an nicht nur in der Vergangenheit die Geschichte
01:55verfolgen, sondern auch wissen, was das hier alles soll und welche Geheimnisse der Konzern
02:00Abstergo Industries verbirgt, also der, der Desmond hier festhält. Und natürlich frage ich mich auch,
02:05ob ich der Gehilfin Lucy Stillman vertrauen kann. Die ist nämlich erstaunlich nett zu mir. So,
02:10und zum anderen war und ist der Animus eine so unglaublich clevere Idee für mögliche Nachfolger.
02:16Egal welches Land, welche Zeit und welche Kultur, dank der Erinnerungsmaschine kann Assassin's Creed
02:21quasi überall spielen. Es gibt keine Grenzen. Und netter Nebeneffekt im eigentlichen Spiel. Der
02:26Animus erklärt extrem einfach und elegant, wieso alle Menschen hier Englisch oder halt Deutsch sprechen
02:31und wieso die offenen Welten Grenzen haben. Da hören halt einfach die Erinnerungen auf. Und ja,
02:36nicht jeder ist von diesem Story-Rahmen genauso begeistert wie ich. Seit dem ersten Teil gibt's
02:41auch die Fans, die die Ausflüge zu Desmond massiv nerven. Einfach weil sie zu oft auftauchen und
02:46damit zu sehr aus dem historischen Setting rausreißen. Und weil sie zugegebenermaßen
02:50spielerisch auch echt lahm sind. Man geht wirklich nur von A nach B, liest maximal eine Mail oder unterhält
02:54sich kurz und danach geht's zurück in den Animus. Erst gegen Ende wird die Geschichte auch in der Gegenwart
02:59richtig spannend, da hätte man sich viel Leerlauf vorher sparen können.
03:10Das macht 2009 Assassin's Creed 2 deutlich besser. Hier geht's wirklich nur ab und zu in die
03:13Gegenwart. Und das Spiel macht die Verbindung von Vergangenheit und Moderne sogar noch spannender.
03:18Denn hier lernt man, dass die Zeit dem Animus bei Desmond nen Sicker-Effekt auslöst. Das bedeutet,
03:23dass sich der gute Mann nach und nach die Fähigkeiten seiner Vorfahren aneignet. Klettern,
03:27Meucheln und Prügeln geht ihm automatisch in Fleisch und Blut über. Und das hat auch wirklich
03:31nur ganz kleine Nebeneffekte. In Assassin's Creed 2 passiert zudem noch deutlich mehr mit dem
03:44eigentlichen Helden. Ich kloppe mich durch Absterberwachen, klettere an Geländen empor und
03:48lerne mehr über den Assassinen-Templar-Konflikt, der ja wirklich bis heute noch im Gange ist,
03:52nur eben nicht mehr seinem Kreuz zügen. Desmond bekommt sogar endlich ein vernünftiges Ziel. Er soll
03:57dank Sicker-Effekt zum Meist-Assassin werden und so den Konflikt endlich mit beenden.
04:01Die Gegenwartsgeschichte verbindet also auch die einzelnen Teile, in denen ich dann aber die meiste
04:06Zeit in den Erinnerungen eines von Desmonds Vorfahren schlüpfe. Aber da hört Assassin's
04:10Creed 2 noch lange nicht auf. Das Spiel führt nämlich die Isu ein. Eine alte vormenschliche Rasse,
04:15die vor einer großen Katastrophe waren und sich dabei sogar direkt an Desmond wenden.
04:30Das war 2009 wirklich ein absoluter Mindfuck und die perfekte Vorlage für ein großes Finale. Was steht
04:37mir vor? Wird Desmond zum Meist-Assassin und gewinnen die Meuchelmörder endlich die Schlacht gegen die
04:42Templer? Man kann die Gegenwartshandlungen mögen oder halt auch nicht, aber feststeht,
04:46bis Teil 2 nutzen die Spiele diese einmalige Erzählstruktur wirklich hervorragend.
04:57Mit dem Aufbau der ersten beiden Spiele ist eigentlich klar, es muss jetzt ein Ableger in
05:01der Gegenwart kommen. Immerhin dienen die ganzen Erinnerungsausflüge ja auch nur dazu,
05:05dass Desmond ein Assassine wird. Und tatsächlich war auch genau das der Plan. Assassin's Creed-Director
05:10Patrice Desilets hatte die Reihe ursprünglich als Trilogie entworfen. Im eigentlichen Assassin's
05:16Creed-Reihe sollte Desmond wirklich ein Meister-Meuchelmörder werden, gegen die Templer kämpfen und
05:20den Weltuntergang verhindern. Oder es zumindest versuchen. Ich kann euch dank eines 2022 aufgetauchten
05:26Interviews nämlich verraten, wie Assassin's Creed eigentlich mal ausgegangen wäre. Teil 3 hätte
05:312012 gespielt. Passend zum Ende des Maya-Kalenders hätte eine riesige Sonneneruption die Erde bedroht
05:37und tatsächlich auch … ausgelöscht. Nur Desmond und Mitstreiterin Lucy hätten die Katastrophe
05:42überlebt, indem sie in einem Raumschiff die Erde verlassen und auf einem anderen Planeten
05:47eine neue Zivilisation gegründet hätten. Ganz wie bei Adam und Eva.
05:58Aber dazu ist es ja bekanntermaßen nie gekommen. Wenn auch zumindest ein paar Ideen im tatsächlich
06:03erschienen in Assassin's Creed 3 doch noch gelandet sind. Die Sonneneruption, der Kampf gegen Abstergo,
06:08alles das gibt's zumindest in abgespeckter Form im Spiel. Nur stirbt eben nicht die Menschheit und
06:12die ganze Erde, sondern ausschließlich Desmond. Aber warum eigentlich kein Gegenwart zu Assassin's
06:17Creed? Wieso hat die lange angekündigte Schlacht zwischen Assassinen und Templer nie
06:21in einem ganzen Spiel stattgefunden? Nun, im Grunde ist es ganz einfach und dafür müssen wir nur
06:26einmal ganz kurz zum Anfang dieses Videos zurückspulen. Mit 13 Spielen zahlreichen Ablegern und über 230
06:37Millionen verkauften Einheiten ist das hier die erfolgreichste Ubisoft-Marke überhaupt. Jawohl,
06:43Assassin's Creed ist simpel gesagt zu erfolgreich geworden. Renaissance-Held Ezio aus Teil 2 war bei
06:48Spielern so unglaublich beliebt, dass Ubisoft schon nach dem zweiten Assassin's Creed gleich mal die
06:52Trilogiepläne komplett verwarfen. Und das ist ein Problem und beeinflusst die Marke bis heute. Denn
06:58Desmonds Geschichte steuerte immer auf einen Höhepunkt und auf ein Ende zu. Der Erfolg von
07:03Assassin's Creed bedeutete aber, dass diese Serie auf gar keinen Fall enden darf. Eine doofe Situation.
07:08Was macht man also? Naja, zunächst einmal versucht es Ubisoft mit Streckung. Die Fans wollten mehr Ezio,
07:13die Fans bekamen mehr Ezio. Assassin's Creed Brotherhood und Revelations spinnen die Geschichte
07:18vom Fanliebling weiter, soweit so kein Problem. Das ist ja das Tolle an der Animus-Serie
07:22Idee. Man kann quasi endlos Helden der Vergangenheit folgen. Aber nochmal, das geht bei Desmond nicht
07:28und an dem hängt ja nun einmal alles dran. Also hat Ubisoft zunächst einmal die Story in
07:32den Gegenwartsabschnitten ab Brotherhood massiv gestreckt. Mit einer Ausnahme rund um Lucy passiert
07:38für ganze zwei Spiele wirklich verdammt wenig um Desmond. Ich lerne zwar mehr Hintergründe über
07:43die Welt, aber das war's dann auch. Ich mein, der Held liegt in Revelations halt einfach bis zum Ende
07:47im Koma. Spannendes Storytelling sieht wirklich anders aus. Die einfachste Lösung wäre wohl gewesen,
07:53wenn Ubisoft Desmond einfach streicht. Viele Spieler wollten immerhin in erster Linie in die
07:57Vergangenheit eintauchen, historische Settings erkunden und Ezios Geschichte weiter erleben,
08:01nicht einem Barkeeper beim Klettern an Hochhäusern zuschauen. Außerdem müssten Neueinsteiger beim
08:06Wegfall von Desmonds Geschichte auch nicht alle Teile nachholen. Wir sind ja hier nicht beim MCU.
08:11Aber so einfach ist es halt nicht. Desmond ist nun mal die Basis von allem. Weglassen geht also
08:16schlecht. Und Fans wie ich mögen ja auch gerade diese Mischung aus modernem und historischem
08:21Setting so gern. Eine echte Zwickmühle, aus dem es wirklich nur einen einzigen Ausweg gab.
08:25Assassin's Creed 3 greift, passenderweise 2012, ihr wisst schon, wegen dem Maya-Kalender und so,
08:30doch noch viele Ideen des Gegenwarts Assassin's Creed auf, bringt die ursprüngliche Geschichte zu
08:34Ende und befreit die Reihe damit endlich vom Desmond-Problem.
08:48Ende gut, alles gut? Nee, denn mit dem Ende der Desmond-Geschichte hat sich das Problem der
08:53Gegenwartsgeschichte nicht einfach erledigt. Animus und Gegenwart gehören jetzt seit fünf
08:58Spielen fest zur Marke dazu, also was machen? Und joch, da ist sich Ubisoft bis heute nicht so ganz
09:04sicher und eiert seit mittlerweile über einem Jahrzehnt um eine finale Lösung herum. In Black
09:08Flag sind die Gegenwartsabschnitte erneut zentraler Bestandteil, nur dass ich hier einen namenlosen
09:13Protagonisten aus der Ego-Ansicht spiele. Und Teil 4 schafft sogar eine ziemlich gute Balance zwischen
09:18Gegenwart und Piraten-Abenteuer. Die modernen Ausflüge lenken kaum ab, bieten aber interessante
09:22Nebeninfos und laufen gegen Ende wirklich wunderbar mit der Story von Edward Kenway zusammen. Unity und
09:27Syndicate verzichten hingegen fast komplett auf die Gegenwart. Und mit Origins hat Ubisoft sich mit
09:32Layla Hassan dann doch noch mal einer richtigen neuen Figur versucht. So richtig glücklich war
09:37aber bislang keiner dieser Versuche. Black Flag hat stark angefangen, aber einen Story-Strang
09:42aufgemacht, den die Spiele nie wieder zugemacht haben. Im Ernst, die Geschichte um Juno müsst ihr
09:46in einem Comic zu Ende lesen. Das geht echt gar nicht. Unity und Syndicate haben dann wiederum alle
09:51enttäuscht, die sich liebend gern auf die Lore in der Gegenwart stürzen und Layla Hassan… naja,
09:56die hat ihr Potenzial auch nie so richtig ausschöpfen können. Dafür waren ihre Auftritte einfach viel zu kurz.
10:00Und mittlerweile kann sie ja auch nicht mehr auftreten. Zu guter Letzt klammert Shadows dann
10:04die Gegenwart erneut ziemlich ungalant aus. Ihr seht schon, unterm Strich steckte in der
10:09Gegenwartsgeschichte einmal unglaublich viel Potenzial. Die Erinnerung der Vorfahren,
10:14die mysteriöse Rasse der Isu, die drohende Katastrophe und der immer noch anhaltende Konflikt
10:18zwischen Assassinen und Templern. Assassin's Creed hatte wirklich haufenweise tolle Story-Krümel,
10:23die die Serie allesamt nicht befriedigend auflösen konnte. Und das in kurioser Weise,
10:27weil die Marke zu erfolgreich wurde. Hätte man das überhaupt besser machen können? Das ist die
10:32große Frage. Meiner Meinung nach hätte Ubisoft unbedingt an einem Assassin's Creed in der
10:36Gegenwart festhalten und danach dann einfach Ableger in allen gewünschten Settings machen
10:40sollen. Dann gäbe es ein tolles Finale und die Ausflüge in die Vergangenheit, die dann folgen,
10:44müssen diesen gesamten Ballast in der Gegenwart nicht mehr mit herumschleppen. Und wenn wir ehrlich
10:48sind, genau das passiert doch mittlerweile sowieso. Shadows dreht sich nur noch um die Vergangenheit.
10:53Hätte Ubisoft einfach vorher einen besseren Cut gemacht und die Gegenwartsgeschichte mit einem
10:57Knall beendet, dann würde ihr wahrscheinlich heute auch niemand mehr so stark hinterherweinen.
11:01So bleibt nur die traurige Erkenntnis, dass Assassin's Creed aus dieser tollen Idee nie das
11:05komplette Potenzial abgeschöpft hat.
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