00:00Amen.
00:30In Bethlehem is born tonight.
00:39For Jesus, Son of Mary bright, in Bethlehem is born tonight.
00:49Three mamas stood before my door, clad in garment thin and poor.
01:06They prayed me by Saint Charity, to grant them kindly courtesy.
01:20I bade them welcome to my board, for love of Christ, our Sovereign Lord.
01:31I bade them bread, I bade them wine, for Mary's sake that made divine.
01:48And who should be those mamas three, but Joseph and his fair lady.
02:01And she, the Christ's hide meek and poor, who entered in my humble door.
02:17To all the souls in Christendom may holy peace and solace come.
02:36For Jesus, Son of Mary bright, in Bethlehem is born tonight.
02:47For Jesus, Son of Mary bright, in Bethlehem is born tonight.
02:56Benjamin Appel und dann Burtin entzünden hier wirklich musikalische Weihnachtskerzen.
03:20Das war zuletzt The Three Mamas von Michael Head.
03:25Ja, Benjamin, das ist auch ein Stück, was du auf deinem Weihnachtsalbum aufgenommen hast.
03:30Du hast vorhin gesagt, als ihr das aufgenommen habt mit den Regensburger Domspatzen,
03:34das Album und dem Münchner Rundfunkorchester.
03:36Deine Mutter ist auch dabei, Edeltraut Appel spielt Gitarre.
03:40Dass da auch viele Kindheitserinnerungen aufgekommen sind aus deiner Zeit.
03:44Bei den Regensburger Domspatzen, das muss eine extrem wichtige Zeit für dich gewesen sein.
03:51Sicherlich, das ist eine wichtige Zeit, wo man zuerst als Knabenstimme natürlich seine eigene Stimme finden muss.
03:58Wo man lernt, sich auf neue Kulturen einzustellen, wo man viel rumreist,
04:03wo man eine musikalisch gute Grundausbildung bekommt.
04:06Dann natürlich die Zeit des Stimmbruchs, die sehr schwer ist, weil sich das Leben total umstellt.
04:10Die aber, denke ich, auch sehr wichtig ist, dass man neue Interessen findet,
04:14wie Tanzkurs oder mehr Fußball spielt.
04:17Also wirklich nochmal einen Schritt zurück macht.
04:20Und wo man auch nochmal wieder als junger Mann heranreift,
04:24wo man seine Stimme wiederfinden muss und dann als junge Männerstimme dazu singen.
04:29Das waren wirklich Zeiten, wo ich mir lange überlegte, ob ich Sänger werden wollen würde.
04:35Dennoch schreckte mich das Leben ab, dass ich jetzt leben darf aus dem Koffer.
04:39Und hatte Banklehre gemacht, Betriebswirtschaft studiert und trotzdem diese Liebe zur Musik gegründet.
04:46Im familiären Musizieren, aber eben auch bei den Ringsbördomspatzen, hat mich dann doch zurückgezogen.
04:52Es hat also irgendwie den Boden dafür auch bereitet, wobei du ja auch aus einer Familie kommst.
04:57Da hast du vorhin schon gesagt, ihr habt auch viel Musik zu Hause gemacht.
05:00Ist das auch heute noch so, dass ihr euch trefft und gemeinsam Musik macht?
05:04Eigentlich ja. Meine Mutter hat auch Chöre gegründet.
05:09Das war sehr lustig. Ich habe zwei ältere Brüder.
05:12Sie hatte begonnen, als Mädchen in unserem Ort so um die zwölf, zehn, elf, zwölf Jahre waren.
05:21Die wurden dann älter.
05:21Dann hat sie Männerstimmen von den Domspatzen dazu geholt.
05:24Junge, 18-jährige Männer.
05:26Das wurde dann ein richtiger Dating-Spot, dieser Chor.
05:29Ich war da selbst auch Mitglied für ein paar Jahre dort.
05:33Nicht im Dating-Club, aber im Chor.
05:36Und inzwischen gibt es diesen Chor immer noch.
05:38Und ich glaube, es gibt vier oder fünf Ehepaare.
05:41Und die bringen jeden Freitag ihre Kinder mit.
05:43Und es gibt inzwischen wieder einen Kinderchor davon.
05:45Also gemeinschaftliches Singen ist sehr wichtig.
05:48Bis heute auch in meiner Familie.
05:51Und ich hoffe, dass das noch so lange auch über die nächsten Generationen bleiben wird.
05:55Ich glaube, dieses gemeinsame Singen, das ist ja auch was, was wirklich tatsächlich über Jahrhunderte im Grunde schon auch zu Weihnachten was ganz Besonderes ist.
06:04Die Menschen haben immer zusammen Musik gemacht.
06:05Und jetzt haben wir relativ unterschiedliche Stücke eben gehört.
06:08Aber es ist immer irgendwie sowas Verbundenes.
06:12Es ist immer was, wo auch so ein bisschen was Volksmusikalisches durchklingt.
06:15Oder, Doran?
06:16Ja, auf jeden Fall.
06:17Und für mich hat es auch so alles angefangen im Knabenchor in den Niederlanden.
06:23Und ich habe gemeinsam mit meinem Vater und mit meinem Bruder im Knabenchor gesungen.
06:29Und deswegen gibt es auch ganz viele Kindheitserinnerungen an diese Musik.
06:34Und ja, es ist Volksmusik.
06:38Es kommt sehr direkt an.
06:40Ja, das finde ich auch.
06:41Das sind wirklich Stücke, die ihr uns mitgebracht habt, die ganz direkt wirken.
06:45Wir werden trotzdem noch ein anderes Spektrum auch kennen.
06:49Und du wirst im Februar ein Album rausbringen, wo du zwei Komponisten gegenüberstellst.
06:57Nämlich George Kurtag, der ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten, ist inzwischen 98 Jahre alt.
07:04Und den kombinierst du mit Franz Schubert.
07:08Wieso diese Verbindung?
07:09Ich durfte Kurtag vor fünf Jahren kennenlernen.
07:13Er gilt als ein sehr, wie sagt man, einer, der sehr viel fordert von seinen Künstlern.
07:19Ich war da wirklich sehr, sehr nervös, als ich dort hinkam, um seine Werke zu erproben fürs Konzerthaus Dortmund.
07:26Und es ist ein Liederzyklus von ungefähr 14 Minuten.
07:31An dem arbeite ich jetzt seit fünf Jahren mit ihm.
07:33Ich bin alle sechs, sieben Wochen in Budapest für drei, vier, fünf Tage.
07:37Oh ja, das ist sehr intensiv.
07:39Ich weiß, dass ich diesen Zyklus nie mehr in meinem Leben richtig singen werden kann.
07:42Das habe ich festgestellt.
07:45Wir arbeiten oft an einem Takt für drei, vier Stunden.
07:48Sehr unglaublich.
07:48Mir gehen die Synapsen durch.
07:50Herr Kurtag sitzt da wie ein Jugendlicher.
07:53Ich freue mich am Nachmittag, wenn ich zurückkomme auf Tag zwei.
07:55Und er sagt zu mir, fangen wir wieder von vorne an.
07:58Also eine ewige Sisyphus-Arbeit.
08:00Und in dieser Sisyphus-Arbeit haben wir uns entschlossen oder hat eingestimmt, dass wir ein CD-Projekt gemeinsam machen.
08:08Schubert-Lieder, die wir über die Jahre auch gemeinsam musizieren, aus Freude zusammen.
08:13Er sitzt am Klavier, ich singe dazu.
08:15Und diese Stücke, seiner Meinung nach, haben die einen gewissen Bezug zu seinen eigenen Werken.
08:23Und dementsprechend entstand dieses Projekt, das wir über Monate jetzt im 2024 aufgenommen haben.
08:29Lines of Life heißt das, kommt wie gesagt im Februar raus.
08:33Das, was du da beschreibst, das ist ja ein Einsteigen in die Musik.
08:37Das ist derartig intensiv, wie es selten gemacht wird heutzutage, würde ich sagen.
08:43Weil einfach die Zeit praktisch nicht da ist, beziehungsweise die Menschen nehmen sich kaum die Zeit dafür.
08:48Was bedeutet dir das denn? Was macht das mit dir, dass du da ja dann auch aufgefordert bist, so viel Zeit zu investieren?
08:56Das Wunderbare bei Herrn Kurtag ist, dass er ganz einzigartig ist in seiner Herangehensweise.
09:03Etwas, was man in unserer heutigen Musikindustrie sehr vermisst.
09:06Es geht hier nicht um Geld, es geht hier nicht um Zeit, es geht nur um Erlernen und zu hinterfragen.
09:13Und in der Arbeit mit ihm auf einmal kommt ein Beispiel aus der russischen Malerei oder aus der französischen Literatur des 15. Jahrhunderts
09:22oder amerikanische neue Gedichte aus unserer Zeit.
09:28Also sein Wissen ist unendlich, er hat jetzt auch angefangen Mandarin zu lernen, er ist unglaublich jugendlich, neugierig
09:36und das ist etwas, was ganz erfrischend ist in einem Musikbetrieb, wo es wirklich um Kürzungen geht, um weniger Proben, um schnelle Resultate,
09:46um perfekte CDs, die erscheinen werden oder erscheinen, wo besprochen wird, wo alles beurteilt wird.
09:55Und das ist das Wunderbare mit ihm und an ihm, dass es nur um Musik und den Weg zu einem Ideal zusammenzugehen,
10:04das Ideal, das vielleicht nie existieren wird.
10:06Jugendlich mit 98 Jahren, er hat sich das bewahrt, diesen Geist.
10:11Es ist auch insofern interessant, was du sagst, weil das zum Teil, was er schreibt, extrem kurz und komprimiert ist.
10:18Das werden wir auch gleich hören in das Angenehme dieser Welt.
10:21Und nun verstehe ich zwei sehr, sehr kurze Stücke von ihm, aber du beginnst mit Der Wanderer an den Mond
10:28und dann hören wir auch noch Musik von Albert Fischer-Dieskau, dem Vater von Dietrich Fischer-Dieskau, Peter Tchaikovsky und Johannes Brahms.
10:36Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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