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#benajaminappl #daanboertien #thethreemummers #michaelhead
Mit Schuberts "Winterreise" verzückte der junge Bariton vor zwei Jahren die Kritik. Seitdem stehen ihm die großen Bühnen Europas offen. Angefangen hat Benjamin Appls Sängerkarriere im berühmten Knabenchor seiner Heimatstadt Regensburg. Mit den Regensburger Domspatzen hat er gerade sein erstes Weihnachtsalbum eingespielt. An der Staatsoper Hamburg ist er zum Beispiel im Dezember und Januar als Papageno zu erleben in Mozarts "Zauberflöte". Er präsentiert zusammen mit dem niederländischen Pianisten Daan Boertien bei NDR Kultur EXTRA eine Auswahl seiner liebsten Weihnachtslieder. Moderation Friederike Westerhaus.
18.12.2024

Kategorie

🎵
Musik
Transkript
00:00Amen.
00:30In Bethlehem is born tonight.
00:39For Jesus, Son of Mary bright, in Bethlehem is born tonight.
00:49Three mamas stood before my door, clad in garment thin and poor.
01:06They prayed me by Saint Charity, to grant them kindly courtesy.
01:20I bade them welcome to my board, for love of Christ, our Sovereign Lord.
01:31I bade them bread, I bade them wine, for Mary's sake that made divine.
01:48And who should be those mamas three, but Joseph and his fair lady.
02:01And she, the Christ's hide meek and poor, who entered in my humble door.
02:17To all the souls in Christendom may holy peace and solace come.
02:36For Jesus, Son of Mary bright, in Bethlehem is born tonight.
02:47For Jesus, Son of Mary bright, in Bethlehem is born tonight.
02:56Benjamin Appel und dann Burtin entzünden hier wirklich musikalische Weihnachtskerzen.
03:20Das war zuletzt The Three Mamas von Michael Head.
03:25Ja, Benjamin, das ist auch ein Stück, was du auf deinem Weihnachtsalbum aufgenommen hast.
03:30Du hast vorhin gesagt, als ihr das aufgenommen habt mit den Regensburger Domspatzen,
03:34das Album und dem Münchner Rundfunkorchester.
03:36Deine Mutter ist auch dabei, Edeltraut Appel spielt Gitarre.
03:40Dass da auch viele Kindheitserinnerungen aufgekommen sind aus deiner Zeit.
03:44Bei den Regensburger Domspatzen, das muss eine extrem wichtige Zeit für dich gewesen sein.
03:51Sicherlich, das ist eine wichtige Zeit, wo man zuerst als Knabenstimme natürlich seine eigene Stimme finden muss.
03:58Wo man lernt, sich auf neue Kulturen einzustellen, wo man viel rumreist,
04:03wo man eine musikalisch gute Grundausbildung bekommt.
04:06Dann natürlich die Zeit des Stimmbruchs, die sehr schwer ist, weil sich das Leben total umstellt.
04:10Die aber, denke ich, auch sehr wichtig ist, dass man neue Interessen findet,
04:14wie Tanzkurs oder mehr Fußball spielt.
04:17Also wirklich nochmal einen Schritt zurück macht.
04:20Und wo man auch nochmal wieder als junger Mann heranreift,
04:24wo man seine Stimme wiederfinden muss und dann als junge Männerstimme dazu singen.
04:29Das waren wirklich Zeiten, wo ich mir lange überlegte, ob ich Sänger werden wollen würde.
04:35Dennoch schreckte mich das Leben ab, dass ich jetzt leben darf aus dem Koffer.
04:39Und hatte Banklehre gemacht, Betriebswirtschaft studiert und trotzdem diese Liebe zur Musik gegründet.
04:46Im familiären Musizieren, aber eben auch bei den Ringsbördomspatzen, hat mich dann doch zurückgezogen.
04:52Es hat also irgendwie den Boden dafür auch bereitet, wobei du ja auch aus einer Familie kommst.
04:57Da hast du vorhin schon gesagt, ihr habt auch viel Musik zu Hause gemacht.
05:00Ist das auch heute noch so, dass ihr euch trefft und gemeinsam Musik macht?
05:04Eigentlich ja. Meine Mutter hat auch Chöre gegründet.
05:09Das war sehr lustig. Ich habe zwei ältere Brüder.
05:12Sie hatte begonnen, als Mädchen in unserem Ort so um die zwölf, zehn, elf, zwölf Jahre waren.
05:21Die wurden dann älter.
05:21Dann hat sie Männerstimmen von den Domspatzen dazu geholt.
05:24Junge, 18-jährige Männer.
05:26Das wurde dann ein richtiger Dating-Spot, dieser Chor.
05:29Ich war da selbst auch Mitglied für ein paar Jahre dort.
05:33Nicht im Dating-Club, aber im Chor.
05:36Und inzwischen gibt es diesen Chor immer noch.
05:38Und ich glaube, es gibt vier oder fünf Ehepaare.
05:41Und die bringen jeden Freitag ihre Kinder mit.
05:43Und es gibt inzwischen wieder einen Kinderchor davon.
05:45Also gemeinschaftliches Singen ist sehr wichtig.
05:48Bis heute auch in meiner Familie.
05:51Und ich hoffe, dass das noch so lange auch über die nächsten Generationen bleiben wird.
05:55Ich glaube, dieses gemeinsame Singen, das ist ja auch was, was wirklich tatsächlich über Jahrhunderte im Grunde schon auch zu Weihnachten was ganz Besonderes ist.
06:04Die Menschen haben immer zusammen Musik gemacht.
06:05Und jetzt haben wir relativ unterschiedliche Stücke eben gehört.
06:08Aber es ist immer irgendwie sowas Verbundenes.
06:12Es ist immer was, wo auch so ein bisschen was Volksmusikalisches durchklingt.
06:15Oder, Doran?
06:16Ja, auf jeden Fall.
06:17Und für mich hat es auch so alles angefangen im Knabenchor in den Niederlanden.
06:23Und ich habe gemeinsam mit meinem Vater und mit meinem Bruder im Knabenchor gesungen.
06:29Und deswegen gibt es auch ganz viele Kindheitserinnerungen an diese Musik.
06:34Und ja, es ist Volksmusik.
06:38Es kommt sehr direkt an.
06:40Ja, das finde ich auch.
06:41Das sind wirklich Stücke, die ihr uns mitgebracht habt, die ganz direkt wirken.
06:45Wir werden trotzdem noch ein anderes Spektrum auch kennen.
06:49Und du wirst im Februar ein Album rausbringen, wo du zwei Komponisten gegenüberstellst.
06:57Nämlich George Kurtag, der ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten, ist inzwischen 98 Jahre alt.
07:04Und den kombinierst du mit Franz Schubert.
07:08Wieso diese Verbindung?
07:09Ich durfte Kurtag vor fünf Jahren kennenlernen.
07:13Er gilt als ein sehr, wie sagt man, einer, der sehr viel fordert von seinen Künstlern.
07:19Ich war da wirklich sehr, sehr nervös, als ich dort hinkam, um seine Werke zu erproben fürs Konzerthaus Dortmund.
07:26Und es ist ein Liederzyklus von ungefähr 14 Minuten.
07:31An dem arbeite ich jetzt seit fünf Jahren mit ihm.
07:33Ich bin alle sechs, sieben Wochen in Budapest für drei, vier, fünf Tage.
07:37Oh ja, das ist sehr intensiv.
07:39Ich weiß, dass ich diesen Zyklus nie mehr in meinem Leben richtig singen werden kann.
07:42Das habe ich festgestellt.
07:45Wir arbeiten oft an einem Takt für drei, vier Stunden.
07:48Sehr unglaublich.
07:48Mir gehen die Synapsen durch.
07:50Herr Kurtag sitzt da wie ein Jugendlicher.
07:53Ich freue mich am Nachmittag, wenn ich zurückkomme auf Tag zwei.
07:55Und er sagt zu mir, fangen wir wieder von vorne an.
07:58Also eine ewige Sisyphus-Arbeit.
08:00Und in dieser Sisyphus-Arbeit haben wir uns entschlossen oder hat eingestimmt, dass wir ein CD-Projekt gemeinsam machen.
08:08Schubert-Lieder, die wir über die Jahre auch gemeinsam musizieren, aus Freude zusammen.
08:13Er sitzt am Klavier, ich singe dazu.
08:15Und diese Stücke, seiner Meinung nach, haben die einen gewissen Bezug zu seinen eigenen Werken.
08:23Und dementsprechend entstand dieses Projekt, das wir über Monate jetzt im 2024 aufgenommen haben.
08:29Lines of Life heißt das, kommt wie gesagt im Februar raus.
08:33Das, was du da beschreibst, das ist ja ein Einsteigen in die Musik.
08:37Das ist derartig intensiv, wie es selten gemacht wird heutzutage, würde ich sagen.
08:43Weil einfach die Zeit praktisch nicht da ist, beziehungsweise die Menschen nehmen sich kaum die Zeit dafür.
08:48Was bedeutet dir das denn? Was macht das mit dir, dass du da ja dann auch aufgefordert bist, so viel Zeit zu investieren?
08:56Das Wunderbare bei Herrn Kurtag ist, dass er ganz einzigartig ist in seiner Herangehensweise.
09:03Etwas, was man in unserer heutigen Musikindustrie sehr vermisst.
09:06Es geht hier nicht um Geld, es geht hier nicht um Zeit, es geht nur um Erlernen und zu hinterfragen.
09:13Und in der Arbeit mit ihm auf einmal kommt ein Beispiel aus der russischen Malerei oder aus der französischen Literatur des 15. Jahrhunderts
09:22oder amerikanische neue Gedichte aus unserer Zeit.
09:28Also sein Wissen ist unendlich, er hat jetzt auch angefangen Mandarin zu lernen, er ist unglaublich jugendlich, neugierig
09:36und das ist etwas, was ganz erfrischend ist in einem Musikbetrieb, wo es wirklich um Kürzungen geht, um weniger Proben, um schnelle Resultate,
09:46um perfekte CDs, die erscheinen werden oder erscheinen, wo besprochen wird, wo alles beurteilt wird.
09:55Und das ist das Wunderbare mit ihm und an ihm, dass es nur um Musik und den Weg zu einem Ideal zusammenzugehen,
10:04das Ideal, das vielleicht nie existieren wird.
10:06Jugendlich mit 98 Jahren, er hat sich das bewahrt, diesen Geist.
10:11Es ist auch insofern interessant, was du sagst, weil das zum Teil, was er schreibt, extrem kurz und komprimiert ist.
10:18Das werden wir auch gleich hören in das Angenehme dieser Welt.
10:21Und nun verstehe ich zwei sehr, sehr kurze Stücke von ihm, aber du beginnst mit Der Wanderer an den Mond
10:28und dann hören wir auch noch Musik von Albert Fischer-Dieskau, dem Vater von Dietrich Fischer-Dieskau, Peter Tchaikovsky und Johannes Brahms.
10:36Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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