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KurzfilmeTranskript
00:00Bei dem Titel des Films, da bieten sich ja sämtliche Grillfragen eigentlich an,
00:04deswegen hake ich das jetzt gleich mal ab.
00:08Was ist denn die schlimmste kulinarische Todsünde auf dem Grill,
00:12was vielleicht sogar ähnlich exklusive Konflikte auslöst?
00:16Also was ich ja nicht mag, ist nur durcheinander auf dem Grill.
00:19Ich habe das gerne ordentlich.
00:21Wurst kommt zu Wurst, Steak kommt bei Steak und Gemüse bei Gemüse.
00:25Und das soll jetzt nicht irgendwie alles durcheinander.
00:27Wenn einer so rumwurschtet und die Flamme zu hoch ist, da bin ich schon bedient.
00:32Ich bin ein ordentlicher, sauberer Griller.
00:37Und deswegen schmeckt es dann auch gut, wenn ich grille.
00:40Und Schwein getrennt von Rind und Rind nicht mit Huhn.
00:43Ich will es gerne klar haben auf dem Grill.
00:47Die Frage ist sicherlich am naheliegendsten.
00:51Haben Sie schon mal eine extra Wurst gehabt?
00:53Also ich verrate, glaube ich, kein Geheimnis, wenn ich sage, ich bin ja dadurch, dass mich der ein oder andere kennt.
01:01Und wenn man dann so reißt, dann kriegt man schon mal eine extra Wurst.
01:05Also ja, hatte ich schon.
01:07Und ich nehme die auch gerne.
01:08Und ich fühle mich dann auch gebauchpinselt, muss ich ehrlich sagen.
01:11Was hat Sie persönlich an dem Projekt gereizt?
01:14War es das Thema oder der Humor oder die Vorlage war richtig gut?
01:19Also an dem Projekt extra Wurst haben mich ganz viele unterschiedliche Sachen gleichzeitig fasziniert.
01:26Erst einmal der Name des Regisseurs, Markus Rosenmüller.
01:29Ich kannte den Rosi nur so ein bisschen aus der Ferne über die Bande.
01:33Wir sind uns mal begegnet zusammen mit dem Sepp Filzmeier.
01:36Und das war eine sehr nette Begegnung.
01:38Und ich bin großer Fan von Markus Rosenmüller.
01:41Und als die Anfrage kam, der hätte mich gerne in einer Hauptrolle für seinen neuen Film,
01:47habe ich gedacht, das brauche ich mir gar nicht durchzulesen, das Buch.
01:49Das spiele ich, wenn der die Regie macht.
01:52Dann las ich dieses wunderbare Buch von Moritz und Dietmar,
01:56was völlig zu Recht eines der erfolgreichsten Theaterstücke der letzten 20 Jahre in Deutschland war.
02:02und war wirklich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert und liebte meine Rolle.
02:08Diesen korrupten, etwas unbeholfenen, präpotenten, lustigen, irgendwie auch auf eine verschwurbelte Art herzensguten Harry wert,
02:19sodass ich eigentlich relativ schnell zugesagt habe.
02:22Und die Dreharbeiten haben auch genau den Spaß gemacht, den ich vermutet habe.
02:26Aber es war auch verdammt viel Arbeit.
02:30Das ist ein guter Punkt, weil in dem Film wird ja fast auch schließlich nur gestritten, also bestimmt 80, 90 Prozent.
02:36Ich bin überrascht gewesen, wie man das so aufrechterhalten kann und immer noch Stufe weiter und weiter.
02:42War das denn anstrengend beim Drehen?
02:45Und bleibt die Spannung dann auch zwischen den Takes?
02:47Oder kann man es einfach abschütteln?
02:50Also dieser Film führt uns vor Augen, also es ist in etwa so, die Eskimos haben, glaube ich, 100 Wörter für Schnee.
02:58Und wir haben in diesem Film 100 Varianten von Streit gefunden.
03:02Es gibt den etwas unterschwelligeren, dann gibt es den richtig handfesten Streit, wo auch die Fetzen fliegen.
03:08All das gibt es, ich glaube, in Höchstform, auch was vor allem meine Kollegen betrifft, zu sehen.
03:14Das ist, glaube ich, das besonders Reizvolle daran gewesen.
03:18Wie war der zweite Teil der Frage?
03:20Ob die Spannung in dem Paus auch noch bleibt oder ob das...
03:25Also, der Markus Rosenmüller, ich liebe den deshalb so besonders und seine Filme, weil man den Film anmerkt, da kann einer richtig Regie.
03:36Der hat das mit der Mutterbrust irgendwie aufgenommen.
03:40Der ist ein Regisseur aus Fleisch und Blut.
03:42Das hat den Vorteil, dass die Arbeit wahnsinnig viel Spaß macht.
03:47Das hat den Nachteil, dass er unglaublich akribisch und genau, der lässt einem nichts durchgehen.
03:55Und diese langen Streitpassagen, die gehen ja manchmal über 20 Seiten im Drehbuch.
04:02Das hat man normalerweise beim Film nicht.
04:04Beim Film hat man drei Seiten, anderthalb Minuten, Schnitt.
04:07Und so lange spielt man durch.
04:09Wir als Ensemble mussten aber 20 Minuten durchspielen.
04:15Das ist man beim Film gar nicht gewohnt.
04:17Das macht man eher beim Theater.
04:19Was dazu geführt hat, dass wir die ersten zehn Tage als Team nicht ein privates Wort gewechselt haben.
04:26Und nach zehn Tagen kam Christoph Maria Herbst und wir hatten endlich mal eine Verschnaufpause nach unseren Proben und Drehs.
04:34Und er sagte so, jetzt sagt mal alle, wie ihr heißt.
04:36Jetzt können wir uns mal, was habt ihr für Hobbys?
04:39Was macht ihr privat?
04:40Da hatten wir zum ersten Mal überhaupt die Möglichkeit, uns privat zu unterhalten.
04:44So sehr und so toll hat uns die Arbeit gefordert.
04:47Christoph Maria Herbst ist ein gutes Stichwort.
04:50Er ist ja schon erprobt in so hitzigen, frontierten Rollen.
04:54Haben Sie sich da auch irgendwie Tipps einholen können von ihm?
04:57Also ich glaube, wir haben uns als Team gegenseitig sehr unterstützt.
05:02Dieses Ensemble mit diesen wunderbaren Schauspielern zu spielen, war echt ein Geschenk.
05:09Und ich habe mir wirklich bei jedem was abgeguckt.
05:13Also wo ich mir dachte, oh, wie macht er das jetzt?
05:15Und ach, guck mal.
05:16Und es gibt so ein paar Szenen, da habe ich nicht so allzu viel zu sagen.
05:20Da habe ich kurze Einwürfe, die aber schon ziemliche Knallerpointen sind.
05:25Aber da habe ich mich manchmal bei der Probe oder auch beim Dreh erwischt,
05:29dass ich so fasziniert war vom Spiel meines Gegenübers, dass ich vergessen habe zu reagieren.
05:34Wo Rosi sagte, du spielst schon einer mit, gell?
05:38Musst schon einer antickst, musst du auch schon noch abliefern.
05:41Das ist mir ein paar Mal passiert, weil ich wirklich vom Spiel der Kollegen sehr fasziniert war.
05:46Und natürlich guckt man sich bei so einem routinierten Profi wie Christoph ein bisschen was ab, klar.
05:52Und wie hätten Sie denn die Situation aufgelöst?
05:55Hätten Sie auch die Grillfächer irgendwie aufgeteilt oder ein extra Grill dazu gestellt oder vielleicht was ganz anderes?
06:01Tatsächlich glaube ich, dass ich auf ihn, ich will jetzt nicht verraten, welche Lösung der Film parat hat,
06:07aber der Heribert als Vorsitzender dieses komischen Tennisclubs Längenheide, der kommt ja mit ein paar Vorschlägen.
06:13Die sind schon sehr abstrus, aber ich glaube, das wären exakt die Vorschläge, die ich auch gemacht hätte.
06:20Insofern ist mir dieser rheinische, komische Heribert von der Denke auch sehr nah.
06:25Und Sie haben ja schon das Theaterstück angesprochen. Das gilt ja als einer der aktuellsten Komödien über Integration und Leitkultur.
06:34Fühlen Sie sich denn mit dem Film als Teil der gesellschaftspolitischen Debatte oder sehen Sie Extrawurst eher als unterhaltsame Komödie?
06:41Ich glaube, Extrawurst ist beides. Es ist unterhaltsame Komödie. Unter dem Aspekt kann man es auch sehen.
06:48Aber es trägt, wenn man will, auch zur gesellschaftlichen Debatte etwas bei.
06:52Ich muss sagen, dass ich meinen wunderbaren Kollegen Fahri sehr bewundert habe, wie er die Rolle des in Anführungszeichen Türken von vorne bis hinten durchzieht
07:04und dieses Außenseitertum, was ihm zugeteilt wird, wie er das in allen Nuancen durchspielt, sich versucht, dagegen zu wehren, zu integrieren, sich abzusetzen.
07:17Das ist hochinteressant und insofern finde ich sein Spiel besonders nuancenreich, was das anbetrifft, sehr glaubwürdig.
07:27Aber ich habe ihn auch als Charakter und als Mensch, als Fahri bewundert, wie er das durchgezogen hat, wie er das geschafft hat, dieses Problem einmal darzustellen.
07:38Ich will nicht zu viel verraten. Es gibt so ein paar unheimlich schöne Sätze im Film, die wirklich hängenbleiben und die was mit einem machen.
07:45In welchen Gedanken oder welche zentrale Botschaft sollte denn das Publikum mit aus dem Film nehmen?
07:52Dass wir jeder von uns, jeder hat einen an der Klatsche. Das ist eine der zentralen Botschaften.
07:58Und wenn wir uns darauf erstmal verständigen können, dass jeder von uns irgendwie manchmal, wenn wir das hinkriegen, dann ist schon viel gewonnen.
08:07Die andere zentrale Botschaft ist, dass wir immer im Gespräch bleiben müssen, dass Kommunikation immer unsere Rettung ist und nie unser Verderben.
08:17Und wenn wir nicht mehr auf einer vernünftigen Ebene kommunizieren, dann sind wir verloren.
08:22Und jetzt nochmal ein kleiner Schwenker. Ich war am Montag, bin ich an einem Kiosk vorbeigekommen und da war eine Zeitschrift, die von Ihrem Comeback geredet hat.
08:34Wie sehen Sie das? Feiern Sie jetzt wirklich ein Comeback?
08:36Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, jedes Mal, wenn ich irgendwas im Fernsehen, im Kino oder auf dem Literaturmarkt mache, heißt es Kerkelings Comeback.
08:47Das ist, glaube ich, jetzt in 40 Jahren mein zehntes Comeback. Sei es drum. Solange die Leute sich freuen, soll es doch ein Comeback sein.
08:56Und was steht denn als nächstes an? Ich habe gehört, da kommt ein neuer Horst-Schlemmer-Film.
09:01Ich scharre schon mit den Hufen. Der Horst-Schlemmer-Film kommt ja nur zwei Monate nach der Extrawurst.
09:09Ist ein bisschen was anderes, ist aber auch eine Komödie. Aber das ist heute nicht unser Thema.
09:15Okay, dann würde ich das beenden mit, ich glaube, ich habe es richtig im Kopf, Punkt aus Streusand drauf.
09:22Punkt aus Streusand. Punkt aus Streusand drauf. Scheiße sagen wir nicht. Wir sagen nicht Scheiße.
09:32Auch eine schöne Szene, wie der Friedrich Mücke mir dann erklärt, dass ich nicht laut Wimbledon bin und mich vor der versammelten Mannschaft erniedrigt.
09:39Das war sehr unangenehm, wie er mich da angeschrien hat. Aber es ist im Film zum Piepen komisch.
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