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  • vor 6 Stunden
n Aschaffenburgs Innenstadt gibt es einen Ort, der auch während des Urlaubs besucht werden sollte.

Das Museum Jüdischer Geschichte und Kultur erinnert mit historischen Dokumenten an das wechselvolle Leben der jüdischen Gemeinde in Aschaffenburg, seinerzeit eine der grössten in Bayern.

Kategorie

🏖
Reisen
Transkript
00:00Musik
00:00Üblicherweise ist dieses Magazin unpolitisch.
00:19In Aschaffenburg gibt es jedoch einen ungewöhnlichen Ort zum Nachdenken.
00:30Wir befinden uns hier im ehemaligen Schul- und Rabbinatshaus, das einst direkt neben der Synagoge stand.
00:44Hier im Modell sehen wir den Vorgängerbau und da sieht man die ursprüngliche Situation.
00:51In dem Haus hat 1984 bereits die Stadt Aschaffenburg ein jüdisches Dokumentationszentrum eingerichtet.
01:00Das ist eines der frühesten Institutionen gewesen, die sich mit der Aufarbeitung einer jüdischen Gemeinde und ihrer Geschichte beschäftigt hat.
01:10Das ist also wirklich eine große Besonderheit.
01:13Unsere Synagoge gibt es heute nicht mehr.
01:16Die ist, wie viele andere Synagogen auch, in der Pogromnacht von 9. auf 10. November 1938 angezündet und ist niedergebrannt worden.
01:27Sie ist ein ganz imposanter Bau gewesen, diese Synagoge mit orientalischen und maurischen Architekturelementen.
01:38Und ich sage immer, wenn sie heute noch stünde, wäre es eines der Highlight-Bauwerke nach Schloss Johannesburg und Pompejanum hier bei uns in der Stadt.
01:50Persönliche Dinge oder wie dieses Firmenschild eines hiesigen Modehauses lassen die Distanz aus dem Geschichtsunterricht zu dem Geschehen vor knapp 100 Jahren verschwinden
02:02und machen es beklemmend begreifbar.
02:05Ein ganz besonderes Objekt ist der Fluchtrucksack von Helen Feingold, mit dem sie 1941 auf die Flucht gegangen ist und Deutschland verlassen hat in die USA.
02:23Sie war damals eine junge Frau.
02:24Wir sehen sie hier auch auf dem Foto.
02:26Sie war Jahrgang 1924 und ihr und ihrer Familie ist es als einer der letzten Aschaffenburger gelungen, die Stadt noch zu verlassen.
02:38Sie kam 2008 hier zu Besuch und hat uns ihren Rucksack überlassen.
02:45Sie ist erst im letzten Jahr hochbetagt mit knapp vor 100 Jahren gestorben und ich bin ihr immer noch ganz, ganz dankbar für dieses ganz außergewöhnliche Objekt.
03:032009 haben wir in Kisten im Depot Thora Wimpel gefunden.
03:08Das war eine echte Entdeckung, ein richtiger kleiner Sensationsfund.
03:12Einige davon zeigen wir hier.
03:15Was sind Thora Wimpel?
03:17Wenn ein Knabe, ein jüdischer Knabe, acht Tage alt ist, ist er früher und auch heute noch beschnitten worden.
03:24Und diese Windel, diese Stoffwindel, ein rechteckiges Stück Stoff, ist damals dreimal durchschnitten worden und diese vier Stücke sind aneinander genäht worden.
03:35Und so hat man ein langes Band bekommen, so drei, dreieinhalb Meter lang und das ist beschriftet worden.
03:42Mit dem Namen des Kindes, dem Namen des Vaters, Geburtsdatum des Kindes und einem Segensspruch.
03:49Es gibt diese Thora Wimpel bestickt und bemalt und sie haben uns einen ganz, ganz anderen, neuen Blick auf die jüdische Gemeinde hier in Aschaffenburg ermöglicht.
03:59Auch wenn dieses Kapitel deutscher Geschichte keine leichte Kost ist, ist ein Besuch hier in diesen Räumen sehr zu empfehlen.
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04:28Untertitelung des ZDF, 2020
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