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  • vor 2 Tagen
Millionen Syrerinnen und Syrer flohen vor dem Krieg. Viele fanden in Deutschland ein neues Zuhause. Manche arbeiten als Ärztinnen und Ärzte. Doch die Stimmung kippt: Viele fühlen sich nicht mehr willkommen.

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Transkript
00:00Deutschland ohne Ärztinnen und Ärzte aus Syrien?
00:03Mittlerweile kaum vorstellbar.
00:05Über 7000 von ihnen arbeiten aktuell hier.
00:08Sie helfen dabei, das Gesundheitssystem am Laufen zu halten.
00:11Hier behandelt ich jährlich über 1000 operative Patienten.
00:15Wenn die Hälfte von diesen Ärzten nach Syrien zurückkehren,
00:18wird das Gesundheitssystem Deutschland deutlich darunter leiden.
00:24Viele dieser Ärzte sind hin- und hergerissen,
00:26hier gebraucht, in der Heimat vermisst.
00:28Wir wollen alle unser Land wieder aufbauen.
00:33Wir müssen alle mitmachen, kooperieren miteinander.
00:36Und nun, da deutsche Politiker darüber diskutieren,
00:39ob Geflüchtete nach Syrien zurückkehren sollten,
00:42stellen sich viele eine schmerzhafte Frage.
00:44Sind wir hier noch willkommen?
00:46Wir treffen 2 Ärzte, die in verschiedenen Städten in Deutschland leben.
00:50In Cuxhaven an der Nordsee und in der Hauptstadt Berlin.
00:53Einer von ihnen ist Amar Jabur in Cuxhaven.
00:562013 flieht er aus Syrien.
00:58Dort hatte er sich den Protesten gegen den ehemaligen Präsidenten Bashar al-Assad angeschlossen.
01:03Wir sind einfach still gestanden mit Schildern,
01:07dass wir einfach wollen, ein bisschen Demokratie, Freiheit.
01:10Das hat nicht mal 10 Minuten gedauert,
01:13bis wir von dem Geheimdienst und von der Assad-Milizin angegriffen wurden.
01:18Wir sind verfolgt worden.
01:19Ich bin einfach verhaftet worden.
01:21Dank seiner Geschichte und Qualifikationen kann Amar schnell ein Visum für Deutschland bekommen.
01:27Mit seiner Familie baut er sich ein neues Leben auf, als angesehener Augenarzt.
01:31Meine Connection zu der Arbeit ist super gut.
01:36Zu den Patienten, nach zwei Wochen Urlaub vermisse ich wirklich die Arbeit.
01:40Ich will gerne unter den Menschen bleiben.
01:42Zweiterseits fühle ich mich in letzter Zeit sehr unwohlkommen in diesem Land.
01:47Was ihn beschäftigt, die ständige Debatte über Migration.
01:51Pauschal nicht differenziert genug aus seiner Sicht.
01:53Momentan, jede Woche oder alle zwei, drei Wochen gefühlt,
01:57hört man irgendwelche Kommentare, die auf die Migranten gezielt sind.
02:01Auch als Migranten, der einen deutschen Pass hat,
02:05fühlt man sich als Deutsche mit zwei Klasse.
02:08Kürzlich hat der deutsche Bundeskanzler diese Unruhe verstärkt.
02:12Friedrich Merz meint, Syrer könnten in ihre Heimat zurückkehren.
02:15Eine Aussage, die selbst in seiner eigenen konservativen Partei auf Kritik stößt.
02:20Der Bürgerkrieg in Syrien ist zu Ende.
02:23Und dieses Land braucht jetzt alle Kräfte,
02:26vor allen Dingen die Syrerinnen und Syrer, zum Wiederaufbau des Landes.
02:31Und deswegen wird es sicherlich viele geben,
02:33die aus Deutschland von sich aus in das Land zurückkehren.
02:36Die Regierung denkt auch darüber nach, Syrer zurückzuschicken,
02:39die Straftaten begangen haben oder als schwer integrierbar gelten.
02:43Ammar ist inzwischen deutscher Staatsbürger.
02:46Er wäre von Abschiebung nicht betroffen.
02:48Doch würde er freiwillig zurückkehren?
02:50Ende Oktober war er für eine medizinische Konferenz in Damaskus,
02:54konnte sich ein eigenes Bild machen.
02:57Große Gebiete sind ohne Wasser, Strom und medizinische Einrichtungen.
03:01Das ist die Straße, wo wir gewohnt haben.
03:04Es gibt Städte, die komplett zertrummelt sind.
03:07Die sind nicht mehr bewohnbar.
03:09Und das macht diese freiwillige Rückkehr nach Syrien
03:11momentan in dieser Phase nicht möglich.
03:14Basel Assaid arbeitet als Oralchirurg in Berlin.
03:17Er ist 2003 nach Deutschland gezogen
03:20und nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges nie zurückgekehrt.
03:23Die Äußerungen des deutschen Bundeskanzlers stören auch ihn.
03:27Herr Merz versucht irgendwie, ein bisschen mehr Stimmen zu bekommen.
03:31Aber er macht wieder einen Fehler.
03:33Weil diese Hassstimmung wieder, die Rechtsextremismus usw.,
03:38dann kommt von Fehler zum Fehler.
03:41Basel ist auch Vorstandsmitglied des Verbandes Deutsch-Syrischer Hilfsvereine.
03:46Er unterscheidet zwischen zwei Gruppen von Syrern,
03:48die von der aktuellen Rückkehrdebatte unterschiedlich betroffen sind.
03:53Die Gruppe, die betroffen, das heißt die neuen, geflüchteten Leute hier,
04:00die haben ein bisschen Angst.
04:02Weil sie haben dort nichts.
04:04Sie haben sogar ihren Vermogen dort alles abgegeben,
04:08damit irgendwie einen Weg für sich, für die Familie zu finden hier in Deutschland.
04:12Ich vielleicht oder meine, ja, die Leute, die haben etwas gegründet.
04:16Sie gehen gerne auch vielleicht zurück nach Syrien.
04:19Aber wir haben andere Ängste.
04:22Ärzte wie Ammar und Basel schließen in Deutschland wichtige Lücken im Gesundheitssystem.
04:27Mediziner aus Syrien stellen mittlerweile die größte Gruppe ausländischer Ärzte.
04:31Was würde passieren, wenn sie tatsächlich entscheiden, zurückzukehren?
04:35Aber das könnte wirklich lokal und in kleinen Städten und ländlichen Regionen
04:40sehr starke negative Folgen haben.
04:45Aber wir müssen nicht nur auf die Ärzte und Ärztinnen schauen.
04:48Viele Syrer und Syrerinnen arbeiten in Pflege- oder Gesundheitsberufe
04:52oder auch in Bereichen, die zu kritischer Infrastruktur gehören.
04:58Ammar ist zu einer dauerhaften Rückkehr noch nicht bereit.
05:01Er sucht nach anderen Wegen, seinem Land zu helfen.
05:05Wir organisieren momentan eine zweite Konferenz
05:07und einen humanitären Ansatz auch in Süd-Syrien,
05:11dass wir über 100 Patienten kostenlos operieren.
05:14Das können wir einfach durch die Spende hier organisieren.
05:17Beide Ärzte wünschen sich in Deutschland
05:19eine faire und konstruktive Debatte über Migration.
05:22Damit Menschen wie sie sich weiter zugehörig fühlen können.
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