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Nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad kehren immer mehr Syrer aus dem Exil in die Heimat zurück. Ist ein Neuanfang in Syrien bereits möglich? Wir begleiten drei Rückkehrer, die es wagen.

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Transkript
00:00.
00:07Syrien, bis heute geprägt von einer der weltweit größten Flüchtlingskrisen.
00:12Millionen mussten ihre Heimat verlassen.
00:15Ich wünschte, ich hätte in Aleppo bleiben können,
00:19aber die Sicherheitslage ließ das nicht zu.
00:22Nach dem Sturz des Assad-Regimes sind Zehntausende Syrer zurückgekehrt,
00:26in der Hoffnung, ihre vom Bürgerkrieg gezeichnete Heimat wieder aufzubauen.
00:33Es war eine schwere Entscheidung, zurückzukehren.
00:38Mehr als 14 Millionen Menschen wurden vertrieben,
00:41seit der Konflikt 2011 begann.
00:44Diese Reportage folgt einer Syrerin und zwei Syrern,
00:48die nach Jahren im Exil zurückgekehrt sind.
00:53Es ist unsere Heimat, unser Land.
00:56Es ist letztlich, was zählt.
00:59Willkommen, kommt rein.
01:05Hallo, Aihun.
01:06Willkommen, kommt rein.
01:08Hallo, Aihun.
01:10Hallo, Aihun.
01:12Fatima Sahra verbrachte gemeinsam mit ihrer Familie fast zehn Jahre in Deutschland,
01:27nachdem in ihrer Heimatstadt Aleppo die Gewalt eskaliert war.
01:31Sie hat sich entschieden, zurückzukehren.
01:34Sie will ihre Kinder in einem Umfeld großziehen, in dem sie sich verwurzelt fühlt, kulturell und religiös.
01:40Ihr Ehemann ist vorerst in Deutschland geblieben, um dort zu arbeiten.
01:43Jeden Tag telefonieren sie, dann geht sie die Kinder von der Schule abholen.
01:47In Deutschland waren wir immer die Ausländer. Wir sind oft angefeindet worden.
01:54Die Unterschiede in den Gepflogenheiten, den Traditionen, den Prinzipien, das hat es uns sehr schwer gemacht.
02:00Hallo.
02:02Jeden Tag bringe ich die Kinder zur Schule und hol sie wieder ab, obwohl es eigentlich einen Schulbus gibt.
02:14Aber ich mache es lieber selbst, um den Kindern die Umstellung zu erleichtern.
02:19In Deutschland haben sie auch nicht den Bus genommen.
02:22Auf geht's, zieht euch um und dann gibt's Mittagessen.
02:25Im Hof wartet Schildkröte Shakira, dass die Jungs Hallo sagen.
02:32Die Schildkröte hatten wir schon vor unserer Flucht. Mein Bruder hat sie uns geschenkt. Er hat ihr den Namen gegeben.
02:40Er mochte den Fußball-WM-Song von Shakira. Der war damals überall zu hören.
02:45Jetzt sind wir zurück und die Schildkröte ist immer noch da.
02:50Dann hat sie das alles hier allein überlebt?
02:52Ja, ganz allein. Eine Kriegsüberlebende.
02:59Fatima zeigt uns die Spuren des Bürgerkriegs. Kugeln, Granaten, Bomben haben auch ihr Haus beschädigt.
03:06Doch sie sagt auch, der Wiederaufbau sei eine Freude, sowohl ihres Hauses als auch des ganzen Landes.
03:12Wer nach einem Krieg den Wiederaufbau eines Landes miterlebt, ist miteinander verbunden. So wie in Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg.
03:22Sie haben mitgeholfen und haben so einen Patriotismus entwickelt. Und das wünsche ich mir auch für mich und meine Kinder, dass wir auch so eine Erfahrung machen.
03:29Aleppo war einst Syriens größte und florierendste Stadt. Doch dann wurde sie zum Schlachtfeld des Bürgerkriegs, der 2011 ausbrach.
03:44Hunderttausende wurden getötet, Zehntausende werden noch vermisst.
03:51Jahrelang kämpften Einheiten der Opposition und Truppen des Diktators Bashar al-Assad um die Kontrolle von Aleppo und zerstörten die Stadt.
04:01Bis heute sind die historischen Viertel und der größte Teil der Infrastruktur von Aleppo Ruinen.
04:13Amr Yakan ist Rechtsanwalt und stammt aus Aleppo. Auch er ist jetzt zurückgekehrt.
04:19Willkommen. Hier gibt's leider keinen Strom. So ist das nun mal in Aleppo.
04:23Da oben, da gab's eine Art Überdachung. Mit Ziegelsteinen. Es wurde von einer Granate getroffen und zerstört. Wenigstens zum Teil.
04:38Wir haben es gerade wieder aufgebaut.
04:45Amr floh im Jahr 2013 aus Syrien. Erst nach Dubai, dann in die Türkei und dann Kanada.
04:51Dort baute er sich mit seiner Frau und seinen beiden Kindern ein neues Leben auf.
04:56Und doch verspürte er eine Art Pflicht, zurückzukehren.
05:02Das war eine sehr mutige Entscheidung, würde ich sagen.
05:08Das war kurz bevor ich eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für Kanada bekommen sollte und sogar die kanadische Staatsbürgerschaft.
05:15Ich habe darauf verzichtet und bin zurück. Und jetzt bin ich so froh.
05:21Das war alles eine Illusion. Ich habe mich immer gefragt, ob ich jemals zurückkomme. Ich war verzweifelt.
05:26Jeden Tag tourt Amr durch das Zentrum von Aleppo.
05:36Alles in Ruinen, kaum etwas funktioniert noch.
05:40Dennoch sagt er, wichtig ist allein, dass er wieder zurück ist.
05:43Die Leute fragen mich immer, bist du sicher, dass du hierher zurück willst? Bist du verrückt in diesen Zeiten?
05:53Sie können es nicht glauben. Und das macht mir ein schlechtes Gewissen, als ob ich etwas Falsches täte.
05:57Ich weiß, dass ich im Ausland ein luxuriöses Leben führen könnte, aber eben ohne meine Familie und ohne mein Heimatland.
06:08Schau, wie die Leute dort vor der Bank anstehen, um ihren Lohn zu bekommen. Möge Gott ihnen beistehen.
06:13Amr nimmt uns mit zu der Moschee, die seine Vorfahren in der Altstadt gebaut haben, vor fast 300 Jahren.
06:28Er erzählt uns, dass sein Vorfahr, Ottoman Bashar Yagan, im 18. Jahrhundert der Herrscher von Aleppo war.
06:34Wie ihr sehen könnt, wurde die Moschee im Jahr 1728 erbaut. Die Moschee wurde von den Regierungstruppen beschossen und schwer beschädigt.
06:47Aber meine Familie hat sie wieder aufgebaut. Drinnen sind die Grabstätten meiner Vorfahren.
06:51Sie fragen mich immer, warum bist du zurückgekehrt? Weil hier meine Seele steckt.
07:12Amr erzählt uns, mit jeder Ecke hier verbinde er wertvolle Erinnerungen.
07:17An einem Tag war der Beschuss besonders heftig und es traf einen Halbmond, der oben auf der Kuppel angebracht war.
07:27Den habe ich mir geschnappt und bin davon gerannt. Er war komplett aus Kupfer und fast 300 Jahre alt.
07:34Ich habe ihn mit ins Exil genommen, nach Dubai, nach Istanbul, Toronto.
07:40Und jetzt habe ich ihn wieder zurückgebracht. Die ganze Zeit war er bei mir und jetzt habe ich ihn der Moschee zurückgegeben.
07:52Aleppo ist nicht die einzige syrische Stadt, die in Trümmern liegt. Fast 14 Jahre Bürgerkrieg haben weite Teile des Landes verwüstet.
07:59Das wird auch in den Randbezirken der Hauptstadt Damaskus deutlich. Jetzt wieder das Zuhause von Fadi Al-Khatib.
08:06Wenn ich morgens aufwache, frage ich mich als erstes, ob ich wirklich in Damaskus bin, ob das Realität ist.
08:22Ich schaue auf mein Handy und checke das Datum. Ist das echt oder träume ich noch?
08:26Fadi Al-Khatib ist 32 Jahre alt. Er ist Filmemacher und Fotograf. Er stammt aus Aleppo, flüchtete im Bürgerkrieg zunächst nach Idlib, damals eine Hochburg der Opposition.
08:41Doch 2023 ereignete sich dort ein Erdbeben, bei dem er seine Familie verlor. Deshalb zog er weiter nach Großbritannien.
08:48Ich habe dort Asyl beantragt. Aber bevor es eine Entscheidung gab, ist das Assad-Regime gestürzt. Also bin ich zurück, um beim Wiederaufbau zu helfen.
09:00Wenn du ein Trauma erleidest, verändern sich deine Träume, deine Ziele. Jedenfalls ist das bei mir so. Ich will das große Ziel meines Bruders am Leben erhalten.
09:12Fadis Bruder Yaman war sein großes Vorbild. Ein bekannter Journalist und Filmemacher, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte,
09:24all die Grausamkeiten und Missstände in Syrien ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.
09:29Yaman hatte den Traum, einen Film zu drehen, der das Leid der syrischen Bevölkerung veranschaulicht. Aber das blieb ein Plan. Fadi will ihn nun verwirklichen.
09:38Ich arbeite an einer Geschichte über Kinder, die nicht zur Schule gehen, sondern arbeiten müssen.
09:46Aus meiner Sicht ist das der Kern von allem.
09:50Wenn Syrien wieder auf die Füße kommen will, dann braucht es eine neue, gebildete Generation.
09:56Kinder sollten zur Schule gehen und nicht arbeiten müssen.
09:59Für meine Generation ist es schwer, Syrien wieder aufzubauen. Wir können nur den ersten Schritt machen.
10:07Es ist die nächste Generation, auf die es ankommt. Und wenn die ungebildet ist, wird das nichts.
10:13Syrien ist im Moment in einer schwierigen Phase. Nach dem Sturz von Bashar al-Assad versucht eine Übergangsregierung die staatlichen Institutionen wieder aufzubauen.
10:28Aber das ist nicht leicht, angesichts einer schweren Wirtschaftskrise, einer volatilen Sicherheitslage und sozialer Unruhen.
10:34Es ist ein mutiger Schritt, jetzt nach Syrien zurückzukehren. Viele Herausforderungen gilt es zu meistern.
10:45Ich habe mir große Sorgen gemacht um die Kinder, wie sie den Schulwechsel hinbekommen. Klar, sie sind traurig.
10:52Tja, mal wieder ein Stromausfall. Jetzt warten wir, dass der Generator anspringt.
11:01Wir sind in einer Übergangsphase. Hier in Aleppo gibt es zwei Stromquellen. Die öffentlichen und die privaten.
11:12Drei Leben, drei Schicksale in einem Syrien, das sich verändert.
11:18Ich bin zuversichtlich und werde mein Bestes tun. Nicht nur für mich, sondern für meine Kinder und meine künftigen Kinder.
11:26Und meine Freunde. Und meine Familie, die ich verloren habe.
11:31Wir haben eine Revolution gewagt. Und das nicht, um uns im Ausland ein schönes Leben zu machen.
11:37Jetzt, da unser Land frei ist, müssen wir uns engagieren. Das ist eine Pflicht, der wir uns stellen müssen.
11:44Ich hoffe, dass wir die Ziele der Revolution erreichen werden. Und dass wir als ganze Familie Fuß fassen.
11:57In Deutschland wären wir nur die Ausländer geblieben.
12:08Es wird noch viele Jahre brauchen, bis Syrien seine dunkle Vergangenheit hinter sich lässt.
12:13Das ist Fadi, Amr und Fatima klar.
12:15Doch sie sind überzeugt davon, dass ein Neuanfang möglich ist.
12:20Musik
12:30youtuber
12:33Vielen Dank.
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