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  • vor 2 Monaten
Allen Kriegen und geopolitischen Spannungen zum Trotz kennen die wichtigsten Börsenindizes weltweit aktuell nur eine Richtung – immer aufwärts. Droht eine neue Blase? Und wann platzt sie? Unsere Gäste: Christian W. Röhl (Chefvolkswirt Scalable Capital); Clemens Schömann-Fink (Finanzjournalist und Autor); Corinna Budras, (FAZ); Lars Halter (DW)

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Transkript
00:00Zocken sie noch oder zittern sie schon? Die Börsen feiern eine scheinbar endlose Party.
00:06Tech-Giganten wie Nvidia, Microsoft und Apple treiben die Kurse.
00:11Milliarden fließen in künstliche Intelligenz.
00:14KI gilt klar als Heilsversprechen. Investoren überschlagen sich mit Rekordsummen.
00:19Doch hinter dem Glanz wächst die Sorge. Droht eine neue Dotcom-Blase?
00:24Denn die reale Wirtschaft siehend hinterher.
00:27Trumps Zollpolitik sorgt zudem für Spannung und die USA und China hängen Europa zunehmend ab.
00:33Deutschland droht schon ein drittes Rezessionsjahr in Folge.
00:36Wir fragen bei Auf den Punkt. Börsenhype trotz Wirtschaftsflaute? Wann kommt der Crash?
00:42Ein ganz herzliches Willkommen zu Auf den Punkt. Ich freue mich sehr, Ihnen meine Gäste heute vorzustellen.
00:59Und einen könnten Sie schon kennen. Lars Halter, mein DW-Kollege, langjähriger Börsenkorrespondent in New York.
01:05Schön, dass du da bist, Klaas.
01:06Dankeschön.
01:07Außerdem Christian W. Röhl, Finanzmarktprofi mit 30 Jahren Erfahrung.
01:12Sie sind Chefvolkswirt beim Neo-Broker Scalable Capital.
01:17Danke, dass Sie hier sind.
01:18Corinna Budras, herzlich willkommen.
01:21Wirtschaftsredakteurin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und auch Buchautorin.
01:24Und zugeschaltet aus München ist Clemens Schümann-Fink. Sie sind Finanzjournalist bei Fokus Online, schreiben Bücher und stecken hinter dem YouTube-Kanal René Will Rendite.
01:37Ja, wunderbar, dass wir hier beisammen sind. Es geht ja um was Hochspannendes. Spekulation und Geopolitik.
01:44Ein Mix, unfassbare Summen, unfassbare Milliarden, Giganten, Gelder, die wir hier hin und her schieben können, die auf dem Spiel stehen.
01:53Und um wankende Wirtschaftsordnung und Weltordnung geht es außerdem. Sehr herausfordernde Zeiten für die Volkswirtschaften.
02:00Und die Wette auf die Zukunft, Lars Halter, die findet weiterhin an den Börsen statt.
02:05Bisschen unruhig in diesen Tagen zudem.
02:08Für den Laien, worauf schaust du, wenn du morgens aufstehst und dir einen Überblick verschaffst als erstes?
02:16Also ich bin vor allem morgens, wenn ich aufwache und da auf die Kurse schaue, wenn sie wieder dann oben sind.
02:21Das fängt ja aus unserer Sicht in Europa mit den asiatischen Märkten an.
02:24Man hat dann aber auch noch gesehen, was vielleicht am Vorabend aus den USA noch kam.
02:28Dass es einfach doch weiter und weiter nach oben geht, obwohl ja die Unsicherheit so groß ist.
02:33Es ist jetzt egal, auf welcher Seite man steht, eines auf jeden Fall.
02:37Klar, wir haben so viel Unsicherheit geopolitisch und auch im Markt reflektiert wie sonst eigentlich nie.
02:44Und da ist dann doch erstaunlich, dass der Markt nicht zurückhaltender einfach ist, sondern dass in Europa mag er das sein.
02:51Aber gerade zum Beispiel in den USA geht es halt in eine Richtung nach oben immer weiter und immer weiter, als gäbe es einfach keine Risiken zurzeit.
02:59Bei Ihnen liest man, wenn ich es richtig gesehen habe, Clemens Schürmann-Fink von einer Stimmung am Kipppunkt und von Warnungen auch, dass es hier jetzt die kritische Phase ist.
03:14Ja genau, also wie er halt da schon gesagt hat, es ist eigentlich überraschend, dass die Kurse immer und immer weiter steigen.
03:21Ich meine, ich hoffe, das Blasenthema, das beschäftigt uns seit ungefähr drei Jahren, vier Jahren, als es mit Nvidia so richtig losging.
03:28Und es zeigt sich einfach, dass da eine wahnsinnige Dynamik dahinter steckt, wenn man sich anguckt, wie viel Geld gerade die großen Tech-Unternehmen in die Rechenzentren stecken.
03:38Das ist irgendwie investieren, als gäbe es kein Morgen.
03:41Das ist einfach eine wahnsinnige Wette, dass wir KI in dieser Form brauchen, wie sie gerade konzipiert wird, auf Basis von gigantischen Rechenzentren.
03:49Da fragt keiner nach, ist das wirklich nötig, geht es vielleicht auch billiger, kommt da irgendwie vielleicht technischer Fortschritt, der viele dieser Investitionen womöglich überflüssig machen würde.
03:59Wir hatten ja den Diebstieg-Schock, der schon wieder irgendwie vergessen, als deutlich wurde, ja, man kann womöglich auch KI auf eine ganz andere Basis erzeugen.
04:07Die Frage, ob wir KI brauchen oder nicht, das ist ja, die stellt sich ja gar nicht.
04:12Es ist klar, dass unser Leben, unsere Art des Arbeitens revolutionieren wird.
04:16Aber brauchen wir diese Milliardenausgaben, die da getätigt werden?
04:21Und ja, genau, wir sehen, dass halt die Nervosität größer wird.
04:26Bitcoin zum Beispiel, der Kryptomarkt ist da für mich ein ganz guter Indikator und worauf sie anspielen.
04:31Die Goldman Sachs-Boss David Solomon, der hat gesagt, naja, es könnte mal durchaus sein, dass wir in den nächsten zwölf Monaten eine Korrektur von 10 bis 20 Prozent sehen.
04:40Auch das zeigt einfach, dass die Duft ist extrem dünn geworden.
04:44Sehen Sie das auch so? Gefährlicher Mix?
04:47Also die Aussage von David Solomon ist ja in Banalität nicht zu überbieten.
04:51Das muss man leider zugeben, weil wenn wir einfach in die Geschichte der Kapitalmärkte schauen, dann sind 10 bis 20 prozentige Korrekturen irgendwann immer die Regel.
05:01Und das passiert alle drei Jahre.
05:04Und wir sollten auch wirklich jetzt drei Jahre nach dem öffentlichen Launch von ChatGPT und damit dem Start dieses KI-Booms einfach mal zugeben,
05:14dass dieses KI-Narrativ an der Börse bislang ja noch nie ernsthaft auf den Prüfstand gestellt wurde.
05:19Clemens Schirmen-Fink hat DeepSeek erwähnt, also die Nachricht aus China, dass man dort mit sehr viel weniger Aufwand ein sehr leistungsfähiges KI-Modell, Large Language-Modell programmiert hat.
05:31Die hat mal am Anfang des Jahres so für zwei, drei Tage Magengrimm gesorgt.
05:35Aber wir haben nicht wirklich einen Einbruch gesehen in den letzten drei Jahren, der durch eine Reflexion dieses KI-Narrativs erreicht worden wäre.
05:44Wir haben natürlich ein paar Einbrüche gehabt, aber da ging es eigentlich immer um Zinsen, dann ging es mal um Japan, Anfang des Jahres dann Trumps Liberation Day.
05:51Also insofern, ja, es kann durchaus mal wieder Zeit werden.
05:56Ich möchte aber nochmal ein bisschen den Blick unter die Haube der Indizes wagen.
06:01Es ist richtig, wir sehen beispielsweise beim amerikanischen Leitindex, beim S&P 500 eine Reihe von Hochs.
06:08Allerdings werden die wirklich getragen von den Big Techs, beziehungsweise den Unternehmen, die KI tatsächlich als Potenzial oder zumindest Fantasie haben.
06:19Während wir im breiten Markt, also beispielsweise bei Industrieunternehmen, die noch nichts mit KI zu tun haben, vor allem aber bei Konsumgütern oder auch im Gesundheitsbereich, bei Immobilienwerten, eher rückläufige Kurse sehen.
06:33Also beispielsweise Colgate Palmoli, sicherlich kein schlechtes Unternehmen, der Zahnputzhersteller dieses Jahr über 25 Prozent im Minus.
06:42Und das ist gefährlich, die Mischung, oder?
06:44Die Mischung muss nicht unbedingt gefährlich sein. Die Mischung zeigt eine gewisse Akzentuierung der Märkte, die aber durchaus auch einen realwirtschaftlichen Hintergrund hat.
06:52Denn in den letzten Jahren sind die Unternehmensgewinne nur im Technologiebereich wirklich gestiegen, während sie im Bereich der sonstigen Industrien eher stagniert haben.
07:04Auch in den USA, die ja angeblich so exzeptionell sind.
07:07Das heißt, Technologie hat einen immer höheren Anteil an der Wertschöpfung und spiegelbildlich auch an der Börsenkapitalisierung.
07:16Corinna Budras, da kommt ja dann noch hinzu, dass man so als Normalsterblicher schlecht zusammenbringt, was man einerseits liest, dass es die ganzen schwächelnden Volkswirtschaften gibt.
07:27Also auch mit China, einer riesigen Volkswirtschaft, die aber nicht so viel Wachstum mehr generiert.
07:32Frankreich fast abgekracht, wenn ich es mal so ein bisschen sagen darf. Deutschland steht auch nicht gut da.
07:38Wie bringen Sie das alles, was jetzt gesagt wurde, dann noch damit zusammen?
07:42Also einerseits eben diese guten Werte und so eine Art vom losgelöster Börse, haben die irgendwie quasi den Boden mit der Realwirtschaft verloren?
07:51Na, da würde ich einfach dann doch mal in den Raum werfen, dass es ja KI, ich merke schon die Skepsis hier am Tisch und Sie haben schon von einem KI-Narrativ gesprochen.
08:03Aber man muss ja kurz auch nochmal innehalten und sagen, dass das, was wir hier sehen, ja schon der größte Technologie-Boom mit den größten Auswirkungen ist, den wir seit langer, langer, langer Zeit gesehen haben.
08:16Das ist ja schon etwas anderes, auch als wenn wir uns zurückerinnern an die Dotcom-Blase.
08:21Das hat ja wirklich solche umwälzenden Auswirkungen auch in unserem privaten und natürlich beruflichen Leben.
08:31Das kann man ja schon einmal konstatieren.
08:34Deswegen würde ich fast sagen, KI ist immer noch der große Hoffnungswert, der tatsächlich von den wirtschaftlichen Daten, die wir ansonsten in den Volkswirtschaften sehen, klar entkoppeln müssen.
08:44Also, Sie haben es bereits gesagt, Deutschland ist jetzt im dritten Jahr der Rezession.
08:51Das wird im nächsten Jahr vielleicht ein bisschen besser aussehen, weil wir ja auch unglaublich viel Geld in die Wirtschaft jetzt pumpen mit dem Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro.
09:02Also da tut sich eine ganze Menge.
09:04Aber nichtsdestotrotz, gesamtwirtschaftlich sieht es schlecht aus.
09:10Automobilbranche ist ja ein Stichwort, das man hier an dieser Stelle auch nochmal bringen muss.
09:14Da würde ich sagen, ist der KI-Boom tatsächlich der Einzige, der auch wirklich nachhaltig auch noch was verändern kann.
09:22Also ich will nochmal einhaken.
09:24Jetzt wollen zwei was sagen.
09:25Vielleicht erst Herr Röhl, dann Sie, Herr Schilmann-Fink.
09:27Ich will nur mal einhaken, nur beim KI-Narrativ, das war von mir in keiner Weise abwertend gemeint,
09:33sondern eher in Anlehnung an das Buch von Nobelpreisträger Robert Schiller, Narrative Wirtschaft,
09:38wo er uns nämlich einfach zeigt, dass die Börsen, aber eben auch die Realwirtschaft sehr, sehr entscheidend von Narrativen, von Erzählungen getrieben werden.
09:46Und momentan ist einfach das Narrativ, dass es riskanter sei, nicht oder zu wenig in KI zu investieren, als zu viel zu investieren.
09:55Und das ist ja auch eine Lehre aus der Dotcom-Blase, weil da war es ja auch schon ähnlich, dass natürlich massiv einiges überbewertet war,
10:05aber einige Werte waren ja nicht überbewertet.
10:08Wir hatten damals in der Dotcom-Blase ja auch einige absurd hochbewertete Unternehmen, wie zum Beispiel Amazon, aus denen ist ja was geworden.
10:17Und die sind ja noch deutlich mehr gewachsen.
10:19Und ich denke, man hat deswegen aus der Dotcom-Blase ja auch zwei Lehren gezogen oder zwei Lehren kann man daraus ziehen,
10:25dass es zu weit geht in vielen Fällen, aber dass man auch nicht eben Missing Out möchte.
10:31Diese Fear of Missing Out, ich will dann natürlich diesen Trend nicht verpassen, weil drei oder vier Unternehmen werden das Risiko Narrat zurückbezahlen.
10:40Aber genau das kennen wir ja von André Kostolany, der den Vergleich mit Hund und Teilchen hatte.
10:43Ich würde jetzt aber gerne nicht verpassen, was Herr Schöman-Fink schon seit ein paar Minuten sagen will.
10:48Also zum einen wollte ich halt ergänzen, was halt die Wirtschaftsaussichten angeht.
10:53Ich finde es ganz interessant, wenn man auf die USA blickt, die noch eigentlich ja ganz gute Wachstumsdaten haben,
10:58ein ganz gutes Wirtschaftswachstum haben, trotz der Zirne von Donald Trump, trotz seiner Migrationspolitik.
11:03Aber was ja spannend ist, wenn man einmal halt die ganzen Investitionen der Tech-Riesen ausblendet,
11:10dann sind die USA, dann ist dort die Wirtschaft auch eher am Stagnieren.
11:14Also auch da zeigt man einfach, das zeigt einfach nochmal, welche Bedeutung gerade dieses KI-Narrativ,
11:21ich würde da auch Christian Ruhl folgen, hat einfach für die Börsen, aber halt eben auch für die Wirtschaft in den USA.
11:28Wenn man jetzt mal die ganzen Investitionen ausblenden würde, dann würde es dort auch ganz anders aussehen.
11:33Und was ich auch noch zu den Investitionen der Tech-Unternehmen sagen wollte,
11:40es wird sich auch mal zeigen, wie viele denn tatsächlich am Ende da gebraucht werden.
11:46Ob das so ein Wunder-Takes-it-all-Business wird, wie wir es bei Betriebssystemen haben,
11:50wie wir das bei den großen Internetplattformen haben,
11:52oder ob da tatsächlich mehrere Parallelen nebeneinander stehen können.
11:57Und der Kapitalmarkt-Experte Mohamed El-Erian hat ja auch schon gesagt,
12:02es wird Tränen geben, weil nicht einfach jeder der Gewinner sein kann.
12:05Dann schauen wir bitte mal gemeinsam auf die Player, die da jetzt sich schon in Pole Position begeben haben.
12:10Also die Währungen der Stunde heißen, Hoffnung, das haben wir schon gehört, Bitcoin, KI.
12:14Es scheint fast, als führe die Börse eine Art Eigenleben losgelöst von den realpolitischen wirtschaftlichen Entwicklungen.
12:21Und wir gucken auf die, die da eine Rolle spielen.
12:25Von Nikkei bis Nasdaq.
12:28Die wichtigsten Aktienindizes sind seit Jahresbeginn teils um ein Fünftel gestiegen.
12:33Der Grund? Der Hype um künstliche Intelligenz.
12:35Vor allem die Aktien großer US-Tech-Konzerne schießen in die Höhe,
12:41befeuert von der Hoffnung, dass KI die Welt revolutionieren wird.
12:46Nvidia, führender Chip-Hersteller für den KI-Boom,
12:50hat als erstes Unternehmen weltweit die Marke von 5 Billionen Dollar Börsenwert überschritten
12:56und ist damit wertvoller als Apple und Microsoft.
13:01Auch Mark Zuckerbergs Meta meldet Rekordumsätze.
13:03Doch der Gewinn des Mutterkonzerns von Facebook und Instagram brach zuletzt um 83 Prozent ein.
13:11Und die Aktie stürzte zeitweise ab.
13:15Ein Grund? Die hohen Investitionen in KI.
13:18Anleger fragen sich zunehmend, ob sich die Milliarden wirklich lohnen.
13:23Experten warnen bereits vor einer Blase, wie zur Jahrtausendwende,
13:27als das Internet die Märkte elektrisierte.
13:28Auch heute steigen die Kurse schneller, als die reale Wirtschaft hinterherkommt.
13:34Die Angst vor einem Börsencrash wächst.
13:37Der große Börsenrausch. Ist das noch Wachstum oder schon Wahnsinn?
13:41Ja, das halt da. Oder beides?
13:46Beides auf jeden Fall.
13:47Wie gesagt, ich habe es ja angesprochen, es wird solche und solche Unternehmen geben.
13:50Und das haben wir vor Jahren gesehen.
13:52Und wer natürlich jetzt auf das richtige Pferd setzt, hat natürlich an diesem Wachstumanteil.
13:58Aber jetzt bei manchen Bewertungen, also gerade bei Nvidia, muss man sich natürlich schon fragen,
14:02ob das Potenzial überhaupt erreicht werden kann.
14:04Und damit will ich jetzt auch KI nicht kleinreden.
14:06Aber ich glaube, da müssen wir alle vermutlich zugeben, dass wir nicht ausrechnen können,
14:10konkret, wie groß und wie wertvoll dieser Markt sein wird.
14:14Dass er ein Megamarkt sein wird, ist ganz klar. Das ist unbestritten.
14:19Aber ob das natürlich 5 Billionen rechtfertigt für ein Unternehmen,
14:24das ja selbst eben, ja gut, als Marktführer natürlich eine potenziell große Rolle spielen kann,
14:30aber dann doch nur ein Unternehmen unter vielen sein wird.
14:33Wer sind die Gewinner, wer sind die Verlierer momentan?
14:36Vielleicht, um sich mal so ein Bild zu machen in diesem Rausch.
14:40Ist das absehbar, wer die Gewinner und Verlierer sind?
14:43Das ist ja immer sehr, sehr kurzfristig.
14:46Also auch da haben wir wieder ein Narrativ gesehen über einige Monate.
14:51Die Google-Suche wird massiv darunter leiden,
14:54dass viele Menschen jetzt Gemini oder Perplexity oder ChatGPT nutzen.
15:00Jetzt haben wir zwei Quartale in Folge von Google gesehen,
15:03die extrem stark waren bei der Google-Suche, bei den Anzeigenumsätzen.
15:07Wir haben steigende YouTube-Umsätze gesehen.
15:10Wir sehen dazu, dass sie Fuß fassen bei KI.
15:13Dass sie noch andere Wetten haben, ja, so wie Waymo, das selbstfahrende Taxi.
15:20Und da sehen wir, dass Unternehmen halt doch in der Lage sind, sich wundervoll anzupassen.
15:25Nicht alle Unternehmen schaffen das.
15:26Wir haben ja selber in Deutschland auch so einen Fall, Siemens, ja, gerade hier in Berlin.
15:33Das war mal eine Telefonfirma.
15:35Wenn die einfach nur Telefone gemacht hätten, weil dann würde es die heute nicht mehr geben.
15:38Die haben sich aber ständig neu erfunden, haben mit der Evolution mitgemacht,
15:41die ja in uns Menschen drinsteckt.
15:43Und sind jetzt heute auch ein Unternehmen, das mit digitalen Fabriken,
15:47mit smarter Infrastruktur und Software auch am KI-Boom verdient
15:51und in Zukunft noch mehr verdienen kann.
15:53Also insofern ist es schwierig, wirklich sich so auf Gewinner und Verlierer festzulegen.
15:59Deswegen ist ja auch für viele Menschen sehr wichtig, breit zu investieren.
16:04Beispielsweise mit einem ETF, entweder auf ein globales Portfolio wie ein MSCI All Country World
16:09oder wenn man dann halt wirklich nur die Tech-Riesen aus Amerika haben will auf den Nasdaq 100.
16:14Die Frage ist ja auch, ehrlich gesagt, gibt es eine Alternative zu den Investments?
16:18Natürlich kann man immer ein bisschen bescheidener sein, aber im Silicon Valley sind die Tore offen.
16:26Man sieht, im Blick nach China fühlt sich da natürlich auch in die Enge gedrängt.
16:30Jetzt hätte man Anfang des Jahres denken können, na gut, dann wird das Ganze ein bisschen zusammengeschrumpft,
16:35weil es eben auch billiger geht. Das hat ja Diebseek jetzt auch gezeigt.
16:40Scheint nicht den Effekt gehabt zu haben.
16:42Wir haben ja auch Rechenzentren, die gebraucht werden, unglaublichen Stromverbrauch.
16:48Das muss alles jetzt in richtige Bahnen gelenkt werden.
16:52Deswegen finde ich es zumindest nachvollziehbar, dass jetzt erstmal ein bisschen zu viel Geld in die Hand genommen wird,
16:58als zu wenig. Die Erfahrung, wie gesagt, hat man ja in der Vergangenheit auch schon gemacht.
17:02Aber so ein Fall wie Meta, machen wir es vielleicht mal konkret, gerne auch mit Ihnen, Herr Schömann-Fink.
17:08Also lohnt es sich, würden Sie sagen, es lohnt sich jetzt doch nicht, diese gigantischen Milliarden in KI zu investieren?
17:14Sollte man da lieber vorsichtiger sein?
17:16Ja, das ist halt so, wie soll ich sagen, das ist halt extrem undankbar, weil es ist halt klar,
17:25also aus meiner Sicht wird das ein The winner takes it all Business werden.
17:29Und wer da halt jetzt nicht mutig und offensiv investiert, der wird halt am Ende den Kürzeren ziehen.
17:36Aber halt die Frage, wer kommt an und wer nimmt den Preis mit?
17:39Also wenn man vielleicht mal so einen Vergleich macht zum Oktoberfest in München,
17:45ich bin ja aus München zugeschaltet, das ist ja auch so, wenn halt irgendwie ein Platz da frei wird für ein neues Wiesenzelt,
17:51da muss man halt auch investieren, wenn man halt dieses Zelt haben will,
17:54damit man halt eben rechtzeitig fertig ist, wenn halt die Wiesn losgeht und dann eben mit seinem Zelt dann dort sein kann.
18:00Ob man dann am Ende den Zuschlag kriegt, das weiß man leider nicht.
18:03Die Wiesnwürte sind dann so clever und sprechen sich ab und sagen,
18:05komm, derjenige, der dann am Ende den Zuschlag kriegt, der bezahlt dann das Zelt.
18:10Aber das ist natürlich jetzt bei den KI-Unternehmen jetzt nicht so einfach möglich.
18:14Die sind ja auch Gäste im Weißen Haus, ne?
18:17Also das müssen wir jetzt an der Stelle schon mal transparent machen,
18:19wenn Sie jetzt schon den Wiesnwürt-Vergleich ziehen.
18:22Nun war ich auch ehrlich gesagt noch nie auf der Wiesn,
18:25aber ich möchte sagen, also das finde ich nicht total zwingend,
18:27dass dieses Winner-takes-it-all-Prinzip hier besteht.
18:32Also ich würde schon denken, das ist ein ziemlich breites Feld,
18:35wo es auch immer wieder Nischen gibt, in die die Unternehmen,
18:39wenn sie clever sind, reindrängen können, wäre mein Gefühl.
18:42Unternehmen werden sich vielleicht auch neu zusammensetzen.
18:45Wir sollten auch nicht nur über die börsennotierten Unternehmen sprechen,
18:48denn wir stellen ja fest, dass es abseits der Börse auch ausreichend Kapital gibt,
18:52um ein Unternehmen wie OpenAI, das ja mit ChatGPT zumindest Vorreiter in diesem KI-Trend ist,
19:01zu finanzieren in einer Bewertung inzwischen von 500 Milliarden US-Dollar als privates Unternehmen.
19:08Das sind Summen, die haben wir noch für zehn Jahre noch nie für möglich gehalten in den privaten Märkten.
19:14Das ist etwas, wo Anlegerinnen und Anleger privat ja nur über Private Equity, über LTIVs investieren können.
19:21Dazu gibt es andere Spiele, wie beispielsweise eine Anthropic, eine ganze Reihe von Startups.
19:26Wir wissen nicht, wer in zehn Jahren die dominierenden Unternehmen sind.
19:30Und wir erinnern uns einfach mal zurück, wie war das vor 25 Jahren im Internet-Boom?
19:35Wir hatten keine Ahnung, was das Internet überhaupt mit unserem Alltagsleben,
19:39mit unserem Wirtschaftsleben anstellen würde.
19:41Und wir hatten auch keine Ahnung, welche Unternehmen es sein würden.
19:45Also 2000, ich meine, wir haben doch alle Yahoo genutzt, AOL war cool, Boris Becker war drin.
19:53Das sind Unternehmen, deren lumpige Reste jetzt gerade mal wieder von Private Equity durchgequält worden sind,
19:58irgendwie in der Bewertung von einer Milliarde oder so.
20:01Das waren mal die Giganten.
20:03Da wird sich eine ganze Menge tun.
20:04Und deswegen haben wir sicherlich da das Prinzip des Survival of the Fittest,
20:09was ja dann auch so ein Index wie der S&P 500 oder wie dann global gesehen der MSCI All Country World genau umsetzt.
20:16Wer zu klein wird, fliegt irgendwann raus.
20:18Das ist jetzt die Wirtschaftsperspektive.
20:19Und gleichzeitig reden wir von KI-Implementierung.
20:22Das heißt, wir reden davon, dass vieles effizienter gestaltet wird
20:25und menschliche Arbeitskraft auch an Stellen wegfällt.
20:30Darüber müssen wir reden, weil Survival of the Fittest löst natürlich Ängste aus.
20:33Auch bei Leuten, die einfach gut ihre Arbeit machen wollen.
20:36Funzieren jetzt sozusagen hier die Anleger an der Börse dann ihre eigene Überflüssigkeit?
20:42Also wenn ich jetzt investiere, dafür, dass ich dann hinterher meinen Job verliere, runtergebrochen?
20:46Also es wird eine erhebliche Disruption geben.
20:50Und an dieser Disruption sollte man, sofern man die Möglichkeit hat,
20:53insoweit beteiligt sein, wie das in den USA als Reaktion heißt,
20:58you gotta own the damn robots.
20:59Also dem müssen am Ende die Roboter gehören.
21:02Und wir haben ja die Möglichkeit als Anlegerinnen und Anleger uns daran zu beteiligen über Aktien.
21:07Das ist freilich nur ein Teil der Wahrheit.
21:10Auf der anderen Seite müssen wir sagen, es wird den Arbeitsmarkt massiv disruptieren in den nächsten zehn Jahren.
21:15Aber KI wird natürlich vor allem solche sachlichen Themen machen.
21:19KI hat keine Empathie.
21:22Das, was uns Menschen ausmacht, wird vielleicht noch viel wichtiger.
21:25Und gerade auch die Entwicklung von Social Skills, von sozialen Talenten, von Empathie, von Einfühlungsvermögen,
21:33wird viel, viel bedeutsamer werden in Zukunft für den Karriereweg.
21:37Man muss ja vielleicht auch sehen, dass die Leute, die jetzt hier massiv investieren,
21:41das sind ja auch nicht die Leute, die als erstes möglicherweise ersetzt werden.
21:45Im Aktienmarkt ist ja jetzt auch nicht die gesamte Bevölkerung gleichermaßen beteiligt.
21:50Im besten Fall hat der größte Teil der Bevölkerung Anteile über ein ETF oder über einen Rentenfonds, über die Bank oder so.
21:58Aber das sind ja keine aktiven Spekulanten oder aktive Investoren.
22:03Die aktiven Investoren, das sind die Top 20 Prozent der Bevölkerung.
22:08Und das sind die auch meistens in Jobs, die jetzt eben nicht absolut werden.
22:12Also das muss man auch ein bisschen trennen.
22:13Und deswegen muss man auch sehen, dass wenn der Markt so hoch geht im Moment und sich scheinbar löst von der realen Wirtschaft,
22:21dann stimmt das natürlich auch nur insofern, als die Wirtschaft für die, die massiv im Markt vertreten sind, ja, bestens läuft.
22:28Aber gibt es eine Chance, dass das wieder zusammengeht mehr?
22:32Ist das sozusagen der Weg, um auch einen Crash zu verhindern?
22:35Dass im Prinzip Realwirtschaft und Börse wieder sich näher rücken?
22:42Gibt es da einen Weg hin?
22:44Ich weiß gar nicht, ob das so zwingend notwendig ist, ehrlich gesagt.
22:47Ich weiß nicht, wie es die Börsenexperten hier sehen.
22:49Aber ich muss offen gestehen, es ist natürlich, also ein positiver Schub tut natürlich auch der Gesamtwirtschaft gut an der Börse.
22:56Also es ist ja nicht so, als würde diese Euphorie spurlos an uns vorbeigehen im wirtschaftlichen Umfeld.
23:02Das ist natürlich ein Lichtblick in diesem ganzen Zusammenhang.
23:06Und was man ja auch sehen muss, ist, dass wir jetzt im Moment durch die KI einen unglaublichen Produktionsschub erleben.
23:14Der schlägt sich noch nicht ganz in Zahlen nieder.
23:16Aber im anekdotischen Sinne kann man natürlich schon erleben, wie ich zum Beispiel das im täglichen beruflichen Umfeld erlebe.
23:27Da sind Recherchen möglich, da sind Analysen möglich, die man wesentlich schneller, also wirklich innerhalb von ein paar Minuten jetzt erledigen kann, für die man mehrere Tage gebraucht hätte früher.
23:40Und ich denke, das wird die erste Stufe sein.
23:44Ich gebe Ihnen recht, dass das mit dem Arbeitsmarkt etwas tun wird, was wir noch nicht vorhersehen können.
23:50Aber ich glaube auch, dass die erste Stufe tatsächlich ist eine große Hilfe, eine große Unterstützung bei vielen qualitativ hochwertigen Arbeiten, die wir täglich leisten müssen.
24:02Also ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie dieses positive Bild auch mal an dieser Stelle malen.
24:08Und das sollten wir mit Blick auf die Börse sehen.
24:10Ich habe manchmal den Eindruck, also wenn die Börse steigt, dann wird geschrien, oh Hilfe, es ist eine Blase.
24:14Wenn die Börse fällt, heißt es, oh Gott, wir verlieren alle Geld.
24:17Ja, aber Börse läuft nun einmal nicht linear und der Jahrhundertspekulant André Kostolany, der hatte diesen schönen Vergleich zwischen Realwirtschaft und Börse wie zwischen Herrchen und Hund.
24:32Ja, langfristig laufen sie in dieselbe Richtung, aber manchmal läuft der Hund halt weit voraus und manchmal hängt er zurück.
24:39Momentan ist der Hund halt vielleicht mal weit vorausgelaufen, vielleicht ist das Herrchen in manchen Teilen der Welt auch mal stehen geblieben.
24:45Ja, das wird sich auch vielleicht durch einen Spurt vom Herrchen oder dadurch, dass der Hund mal zurückkommt, wieder eingrenzen.
24:52Aber das ist völlig normal an der Börse, weil es eben nicht linear ist, sondern unter Schwankungen läuft.
24:59Gern Sie noch kurz, Herr Schömann-Fink, und dann schauen wir uns mal das Geopolitischere auch noch genauer an.
25:03Ja, ich wollte noch was kurz zum Thema Arbeitsmarkten, Arbeitskräfte bei Steuern, nämlich man darf ja auch nicht vergessen, dass wir den demografischen Wandel haben und tendenziell eher halt in einen Arbeitskräftemangel reinsteuern.
25:17Und da kann natürlich dann KI helfen, halt eben trotzdem halt die Produktivität der Wirtschaft hochzuhalten, auch wenn die Arbeitskräfte fehlen.
25:25Und vielleicht noch ein Gedanke, wenn wir halt so viel über die Blase bei KI reden.
25:29Es ist ja immer so die Frage, platzt die Blase dort, wo man sie erwartet, wo alle draufschauen?
25:33Oder ist es eher irgendwo anders, wo auf einmal dann der große Knall kommt, was man eben nicht auf dem Schirm hatte?
25:41Und das sollte man vielleicht auch bedenken, dass nicht unbedingt dort dann der Einbruch herkommt, wo man ihn jetzt vermutet, in diesem Fall bei KI-Aktien.
25:49Schön, oder auch nicht. Spannend auf jeden Fall.
25:52Wir gucken mal, also zu den Gewinnern des Börsenbooms gehören auch der Staat USA und deren Präsident oder dessen Präsident Donald Trump.
26:02Der Boom spült viel Geld in die US-Staatskassen.
26:05Auch Trumps Privatvermögen ist seit dem Beginn seiner zweiten Amtszeit vor einem Jahr um drei Milliarden US-Dollar gewachsen.
26:12Drei Milliarden.
26:13Und trotzdem, Trump hat ein Problem, den Strategie-Giganten China nämlich.
26:17Wir schauen uns dieses Duell etwas genauer an und auch die Folgen für Europa.
26:23Impulsiver Dealmaker trifft kühlen Kalkulator.
26:27Was Trump und Xi unter sich ausmachen, hat globale Folgen.
26:31Die beiden mächtigsten Rivalen der Welt spielen ihre Handelsmacht aus über Zölle und Exportverbote.
26:37In ihrer Hand die Schlüsseltechnologien der Zukunft.
26:41Die USA führen bei KI, China bei E-Mobilität und Rohstoffen.
26:46Ihren Handelskonflikt haben sie vorerst entschärft.
26:49Xi setzt Exportstops für seltene Erden ein Jahr aus.
26:53Trump lockert Zölle.
26:54Die Börsen feiern erst mal weiter.
26:56Doch Europa wird immer mehr zum Zaungast.
27:00Der deutsche Außenminister Wartefuhl sackt kurzfristig seinen China-Besuch ab, weil er kaum Termine bekam.
27:07Wie abhängig Europa ist, zeigt auch der Fall Nixperia.
27:11Nach einem Gerichtsbeschluss übernimmt die niederländische Regierung die Kontrolle über den chinesisch geführten Chip-Hersteller.
27:17Peking stoppt daraufhin die Rücklieferung fertig gebauter Chips, bedrohlich für deutsche Autobauer.
27:25Trump und Xi bestimmen das Spiel.
27:28Und die Europäer nur Zuschauer?
27:30So ist es, oder?
27:34Ja, so ist es.
27:36Wir gucken zu.
27:38Und das wird einem zunehmend mulmig, wenn man da von außen drauf guckt.
27:43Ich glaube, auch innerhalb der Bundesregierung war die letzte Woche nochmal ein Schockmoment,
27:48wo so deutlich wurde, dass tatsächlich Europa, aber ehrlich gesagt natürlich erst recht Deutschland,
27:55da nicht viel zu sagen hat.
27:57Und man muss ja sagen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz ja so ein bisschen auf einer Welle geschwommen ist im ersten Vierteljahr,
28:04wo er ja auch sehr gute Auftritte hatte, zum Beispiel im Weißen Haus.
28:08Das war ja beeindruckend, mit welcher Lässigkeit er sich da gezeigt hat.
28:13Aber jetzt wurde einem deutlich, das reicht eben nicht.
28:15Da sind wir, obwohl wir ein unglaublicher Wirtschaftsraum sind von 450 Millionen Menschen,
28:23als Zuschauer am Tisch oder neben dem Tisch letztendlich.
28:28Ja, und am Tisch sitzen.
28:31Wir haben sie beiden gesehen.
28:32Wir haben auch den Moment gesehen, wo Xi Jinping und Donald Trump sich die Hande geschüttelt haben.
28:39Ein Flüstermoment.
28:40Und das alles, das sind die beiden, die es unter sich ausmachen.
28:43Ist es so einfach, Lars Halter?
28:44Im Moment, also einfach ist es nicht, einfach ist es gar nicht.
28:47Aber das sind die Fakten.
28:48Natürlich machen die beiden das im Moment unter sich aus.
28:50Und das liegt natürlich daran, dass es im Moment einfach zu solchen Umstößen kommt.
28:57Also natürlich muss man ganz klar sagen, durch die Amtsführung von Donald Trump,
29:01der natürlich auch alles über Bord wirft, was es an internationaler Zusammenarbeit gab,
29:07an internationalen Regeln, ob das Handelsabkommen sind oder Zollpolitik.
29:11Und dass dadurch jetzt so viel Hektik in das Spiel gekommen ist,
29:15dass sich natürlich erstmal die zwei wichtigsten Spieler einigen müssen.
29:19Jeder auf seine Weise, jeder auf seinen Vorteil bedacht.
29:23Und da hat natürlich keiner überhaupt ein Auge für die kleineren Mitspieler.
29:27Und man muss natürlich sagen, Deutschland, selbst Europa, aber Deutschland im Besonderen,
29:31ist natürlich ein sehr kleiner Spieler verglichen mit den beiden Großen.
29:35Unter anderem, weil wir uns natürlich jahrzehntelang auch in der Abhängigkeit begeben haben.
29:40In der Abhängigkeit von den USA sowieso, als quasi der große Bruder oder die Vaterfigur,
29:46die uns überall durchgeführt hat.
29:48Aber auch natürlich in einer Abhängigkeit von China als Produktionsstätte, als Markt.
29:53Und wir haben zu wenig darauf geachtet, unsere eigene Position zu stärken.
29:58Und jetzt schauen wir dazu, wie die Großen erstmal sich einigen,
30:02bevor wir dann quasi wieder zu Tisch gebeten werden.
30:04Sie nicken, Herr Schönmann-Fink.
30:07Ja, total.
30:08Also wir haben nicht wirklich viel, was wir beisteuern können, was wir einbringen können.
30:15Die Chinesen haben als wahnsinniges Druckmittel die seltenen Erden.
30:19Ich glaube, es ist kein Zufall, dass Donald Trump und Xi Jinping da so innig waren,
30:23dass Trump ihm da den Arm um die Schulter gelegt hat,
30:25wie wir da in dem Einspieler gesehen haben, weil er einfach weiß,
30:31er braucht diese seltenen Erden gerade.
30:32Und deswegen ist natürlich da konsilianter, was halt China angeht
30:36und was dann mögliche Deals angeht.
30:37Und wir haben jetzt nicht so viel, was wir da einfach in die Waagschale werfen können.
30:41Wir sind zwar theoretisch ein wahnsinnig großer Binnenmarkt,
30:44aber da halt eine Einigkeit herzustellen, dass man da auch wirklich als geeignete Front auftritt,
30:48das ist einfach wahnsinnig schwierig.
30:50Und das nützen halt die USA und halt China gerade aus.
30:53Es gibt ja kluge Menschen in Europa.
30:56Christian Rül.
30:57Es gibt sehr viele kluge Menschen.
30:59Und zwar, einen möchte ich zitieren, Artur Mensch,
31:01der Gründer des französischen KI-Startups Mistral,
31:04der hat in einem SZ-Interview gesagt,
31:06Wenn wir unser demokratisches Europa bewahren wollen,
31:09müssen wir KI als etwas betrachten, das wir besitzen müssen.
31:12Da sind wir wieder bei Ihrem Roboter.
31:14You have to own it.
31:16Das ist entscheidend für unsere ökonomische, strategische, kulturelle Souveränität,
31:19für unseren Zugang zu Informationen, den Schutz der Demokratie.
31:22Also hier sind wir jetzt auch wirklich in einem Bereich,
31:24wo wir das reine, bittere, spannende, milliardenschwere Wirtschaftsgeschäft
31:30völlig gekoppelt an die Politik lesen müssen.
31:33Ist ja klar.
31:33Und wo ich fragen möchte, sind denn solche Unternehmen wie Mistral oder Aleph Alpha,
31:39haben die eine Chance jetzt irgendwie aufzuholen?
31:41Oder gibt es hier irgendwelche Leute, die eine Power entwickeln könnten,
31:46um sich in diesem Duell so zu platzieren,
31:49dass es für Europa auch ein bisschen besser ausgeht?
31:51Also wir haben dieses epische Ringen zwischen den USA und China.
31:54Und das wird sich nicht wegverhandeln lassen,
31:56nur weil sich ein Präsident der USA und ein Präsident Chinas in Seoul mal kurz umarmt haben
32:02und was ins Ohr geflüstert haben.
32:04Das ist ja ein handelspolitischer Waffenstillstand, mehr ist das nicht.
32:06Es sind ja keinerlei Konflikte gelöst worden.
32:09Durch dieses Moratorium jetzt zu sagen, ein Jahr lang.
32:11Über Taiwan ist nicht gesprochen worden, über Technologietransfer nicht,
32:15über Transshipments nicht, über TikTok nicht.
32:17Das ist eigentlich nur ein Jahr kann man jetzt weiter existieren
32:21und die USA versuchen in diesem einen Jahr dann ihre Kapazitäten bei seltenen Erden aufzubauen.
32:27Scott Basson hat gesagt, man werde in 12 bis 24 Monaten nicht mehr auf China angewiesen sein.
32:32Wollen wir mal schauen, weil die Erden aus dem Berg rauszuklöppeln, das ist das eine.
32:35Die Raffinierung, wofür es in den USA keine Kapazitäten gibt, ist das andere.
32:40Und das Dritte, wenn ich sagen darf, sind die Staaten, die das auch liefern können
32:44und die sehr genau wissen, dass sie jetzt ein Fenster der Gelegenheit haben zu sagen,
32:50wir geben es nicht entweder den USA oder China, sondern wir geben allen ein bisschen.
32:55Oder eben Europa.
32:56Das heißt, wir müssen halt in den Dialog kommen mit diesen Staaten abseits von USA und China.
33:04Ja, da liegt eine wesentliche Chance und es ist natürlich tragisch,
33:08dass Bundeskanzler Merz nicht zum lateinamerikanischen Gipfel fliegt, genauso wie Frau von der Leyen.
33:15Andererseits ist der Bundespräsident in Angola, wo es genau um seltener Erden gehen könnte.
33:19Ja, das ist wichtig, aber wir müssen da auf allen Kanälen entsprechend senden,
33:25damit wir eben auch unsere Stärken entsprechend platzieren sollten.
33:28Und wir sollten uns auch nicht kleiner machen, als wir sind,
33:30weil gerade in diesem Bereich KI, ganz am Anfang der Wertschöpfungskette steht europäische Technologie.
33:36Wenn es ASML, wenn es Carl Zeiss und wenn es Trumpf nicht gäbe,
33:41dann könnte Nvidia sich noch so viele Chips ausdenken und designen.
33:45Sie könnten bei Taman Semiconductor Manufacturing nicht produziert werden,
33:48weil wir liefern die Basistechnologien dafür.
33:51Und auch am Ende der Wertschöpfungskette haben wir eine ganze Menge.
33:54Das sehen wir beispielsweise auch daran, dass unser größtes Softwareunternehmen SAP KI wirklich ja auch als Werttreiber schon einsetzt.
34:02Weil die haben einen großen Vorteil auch.
34:03Sie haben das Vertrauen von Unternehmenskunden.
34:06Sie sind das Rückgrat der Wirtschaft und können das da implementieren.
34:10Das heißt, wir haben durchaus was zu bieten.
34:12Wir haben auch großartige Ingenieurleistungen in vielem, was damit zusammenhängt.
34:16Wenn wir an Elektrifizierung, wenn wir an Energiemanagement denken,
34:20wir müssen nur endlich aufhören, dieses Potenzial ständig klein zu machen.
34:24Erstens klein zu reden und zweitens durch Überregulierung immer wieder runterzuziehen.
34:30Ich glaube, der Unterschied ist jetzt eben einfach auch, das ist die eigentliche Zeitenwende,
34:36dass nicht nur wir da nicht mehr sitzen am Tisch oder vielleicht auch nie gesessen haben,
34:40aber es will uns auch keiner mehr haben.
34:42Man könnte ja auch mal auf die Idee kommen, dass es ja sinnvoll wäre für die USA,
34:47einen Schulterschluss mit Europa zu machen, einfach weil wir dann sozusagen eine ganz andere Kraft werden.
34:56Das hat jetzt erzieherische Maßnahmen, warum diese Zeit vorbei ist.
34:59Denn wir haben uns einfach zu stark auf die Vereinigten Staaten verlassen.
35:04Wir haben zu sehr darauf gehofft, dass sie in unsere Sicherheit investieren,
35:08dass sie viel von dem unserer Arbeit leisten.
35:11Und das ist jetzt vorbei.
35:12Das heißt, wir müssen es aus eigener Kraft machen.
35:14Und das ist ein Umdenkprozess, der sehr schwierig sein wird.
35:20Liegt. Also, wenn wir auf so Start-ups wie Mistral setzen, ich will es hier keine Werbung machen,
35:24aber ich will wirklich es mal konkret haben.
35:26Gerne auch Silas Halter.
35:27Wo können wir hier eine Triebkraft entwickeln?
35:31Ich glaube, da geht es jetzt nicht um das eine Unternehmen, das das machen könnte.
35:34Ich würde den Punkt gerne aufgreifen, dass wir uns richtig nicht kleiner machen sollten, als wir sind.
35:38Aber von diesen essentiellen Unternehmen, die auch wirklich noch so essentiell ihren Beitrag leisten,
35:45davon haben wir halt mittlerweile zu wenig.
35:47Wir haben natürlich gute Ingenieure, aber Deutschland ist auch groß geworden wirtschaftlich durch Innovation.
35:54Und da haben wir halt auch viel abgegeben.
35:55Da haben andere aufgeholt.
35:56Unter anderem natürlich China.
35:59Die brauchen uns nicht mehr mit der gleichen Dringlichkeit, wie das vor 20, 30 Jahren der Fall war,
36:05als die Maschinen hier einfach made in Germany, als das Qualitätsurteil schlechthin.
36:11Das ist es halt nicht mehr, weil es zu wenig ist.
36:14Aber warum haben wir so viel abgegeben?
36:15Weil wir in Deutschland einen völlig unterentwickelten Kapitalmarkt und ein überreguliertes Umfeld haben.
36:22Wenn Unternehmen, die hier in Deutschland als Start-up anfangen, wir haben das gesehen auch in der Quantentechnologie,
36:29wir haben es vielfach in der Biotechnologie gesehen, gute Produkte und Leistungen haben für den Anfang.
36:35Und dann brauchen sie große Mengen Kapital.
36:38Fehlt entweder das Kapital oder es fehlt überhaupt das Verständnis auf der Investorenseite.
36:41Investorenseite, Biotechnologie in Deutschland wäre kapitalseitig tot,
36:45wenn nicht Herr Hopp und die Gebrüder Sprüngmann seit Jahren diesen Sektor am Leben gehalten hätten.
36:51Wir haben überhaupt nicht die Kultur.
36:52Wenn der Bundeskanzler sich hinstellt und bedauert, dass Biontech in den USA an die Börse gegangen ist,
36:58das wäre hier kein Thema gewesen.
37:00Das ist das eine.
37:00Und das andere ist, dass wir immer erstmal bei allen Erfindungen die negativen Seiten sehen.
37:05Und dann kommt halt amerikanisches Kapital und sagt, naja, also wir hätten das Kapital.
37:10Und übrigens, wir haben auch gleichzeitig die Bedingungen drüben.
37:13Und Energie ist bei uns auch noch billiger.
37:15Und der Regulierungsrahmen ist ein bisschen weniger.
37:17Die Regulierung, die Bürokratie sind natürlich das Kernproblem.
37:20Aber da haben wir jetzt im letzten halben Jahr auch gelernt, dass sich da einfach nichts tut.
37:24Da hieß es Reformen, der Herbst der Reformen.
37:27Was ist denn passiert?
37:28Es ist einfach nicht das passiert, was man erwartet hat.
37:30Wir haben diskutiert, ob man das überhaupt sagt.
37:32Genau, richtig.
37:33Und sehr gut diskutiert.
37:34Herr Schönmann-Fink, aber ich will nicht, dass man sich lustig macht, denn das ist ja auch sehr komplex.
37:38Also wir müssen schon bei der Frage bleiben, wenn wir jetzt dieses Feld von China und USA haben.
37:43Und da gibt es ja auch Unterschiede.
37:45Ist ja auch gar nicht klar, wer ist da eigentlich der Stärkere?
37:47Wohin orientieren wir uns und wie machen wir es?
37:51Boah, schwierige Frage, wohin wir uns orientieren.
37:54Ich meine, wir haben natürlich die Tradition und die kulturelle Nähe, die eher zu den USA ist.
37:58Aber das Wichtigste ist, glaube ich, dass wir halt eher eine eigenständige Kraft entwickeln, dass wir uns, ja, dass wir gar nicht so sehr womöglich auf den einen oder anderen angewiesen sind, sondern eben halt auch eigene Stärke haben.
38:14Und da ist natürlich für mich eine große Hoffnung, die ganzen Investitionen, die jetzt auch durch das Sondervermögen möglich werden, dass da womöglich vieles aufgeholt wird.
38:23Vieles soll in die Rüstung fließen.
38:25Und ja, wenn man da halt sich mal anschaut, da gibt es ja auch viel so Dual Use, so Drohentechnologie, Cyber Security, autonomes Fahren und, und, und.
38:32Und wenn da das ganze Geld, das klug investiert wird, dann kann man womöglich halt eben da so eine neue eigenständige Kraft entwickeln und eben halt dann auch wieder zu einem Spieler werden, der am Tisch sitzt.
38:45Und man muss ja übrigens sagen, wir haben ja auch eine ganze Liste von Aufgaben, die wir mal erledigen könnten als Europa.
38:51Denn die EU, wir denken immer, wir sind ein großer Binnenmarkt, aber letztendlich ist da noch viel zu tun.
38:58Die 450 Millionen Menschen kann man in der Tat nochmal in einem wesentlichen homogeneren Feld platzieren.
39:05Sie sprechen von Kapitalmarktunion?
39:07Kapitalmarktunion zum Beispiel.
39:09Es gibt unfassbar viele unterschiedliche Standards, die einfach immer wieder verhindern, dass es zu einem reibungslosen Austausch zwischen den EU-Staaten gibt.
39:18Ganz wichtiger Punkt, die Kapitalmarktunion vor allen Dingen auf regulatorischer Basis kann man eine ganze Menge tun.
39:23Und das sind diese ganzen niedrig hängenden Früchte, die man pflücken kann.
39:27Stattdessen sagt der Bundeskanzler, wir brauchen eine europäische Superbörse, wo erstens überhaupt nicht klar ist, wie das gehen soll.
39:33Es gibt eben mehrere Börsenbetreiber, wo wir uns zweitens ernsthaft fragen, warum müssen wir das jetzt zentralisieren?
39:39Wir haben immer gelernt, dass Wettbewerb in der Marktwirtschaft dafür sorgt, dass alles eine höhere Qualität bekommt.
39:45Und sprich, dass auch Anlegerinnen und Anleger bessere Preise bekommen.
39:49Und drittens reden wir gerne über europäische Kapitalmarktunion.
39:53Aber der Bundeskanzler hat sehr, sehr frühzeitig klargemacht, dass er also eine Fusion oder Übennahme der Commerzbank durch die Unicredit,
40:02wohlgemerkt EU-intern durch ein sehr, sehr stark gewordenes Haus, nicht billigen würde.
40:07Ja, ich meine, dann können wir aber auch die Sonntagsreden über Bank- und Kapitalmarktunion gleich gehakt legen.
40:12Absolut.
40:13Wunderbar, wir sind bei der Schlussrunde. Und das wird kurz und schnell und spannend, hoffe ich.
40:17Wir hatten ja gefragt, Börsenhype trotz Wirtschaftsflaute. Wann kommt der Crash?
40:23Wer möchte denn mal antworten?
40:25Irgendwann wird er kommen. Aber ich sage es mit Peter Lynch, es ist mehr Geld im Laufe der Jahre und Jahrzehnte damit verloren worden,
40:34einen Crash, eine Krise, eine Korrektur zu antizipieren oder sich darauf vorzubereiten, als dann tatsächlich durch die Korrektur.
40:42Es gehört dazu, entscheidend ist, dass man selbst als privater Anleger in der Lage ist, mit einer solchen Korrektur umzugehen.
40:50Das ist dann auch eine Frage der Dosis. Wie viel man in Aktien hat, das muss jeder für sich anhand seiner Lebensumstände beantworten.
40:57Und wir sollten gleichzeitig als Europäische Union darauf vorbereitet sein, dass wenn irgendetwas Systemisches passiert,
41:05wir auch wieder Antworten finden, so wie wir diese Antworten beispielsweise in der Euro-Krise gefunden haben.
41:11Die waren nicht immer gut, aber wir hatten Antworten.
41:14Ich habe mich auch daran gewöhnt, in den letzten Jahren den Crash nicht mehr kommen zu sehen und einfach die Kurse weiter steigen zu sehen.
41:21Und wenn man das nicht mehr erklären kann, dann bin ich froh, dass ich Journalist bin, der berichtet und nicht Analyst, der vorhersagen muss.
41:26Weil ich weiß nicht, wann es kommt. Irgendwann muss es so sein und man versteht den Zeitpunkt nicht mehr.
41:30Was ist Ihr wichtigster Punkt?
41:32Nee, ich sage ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob der Crash kommt.
41:35Ich rechne mit deutlichen Kurskorrekturen, aber der Crash ist mir zu apokalyptisch.
41:41Sie haben das Schlusswort, Herr Schülmann-Fink. Los geht's.
41:44Oh, welche Verantwortung. Ja, ich habe eigentlich nicht dem viel hinzuzufügen, was Christian Röhl gesagt hat.
41:51Natürlich wird der Crash kommen, aber wer jetzt irgendwie versucht, den Markt zu timen und sagt,
41:55Ah, ich halte mein Geld zurück und investiere erst, wenn der Kursbruch da ist.
41:59Der steht am Ende womöglich ärmer da als vorher, weil er einfach die weiteren Kursbewegungen nicht mitgenommen hat.
42:05Und wenn die Kurse fallen, dann weiß man ja auch nicht so richtig, wann der richtige Einstiegszeitpunkt ist.
42:09Hier fällt jetzt der Vorhang. Machen Sie es gut. Wir sehen uns bald bei Auf den Punkt. Vielen Dank Ihnen.
42:15Vielen Dank.
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