00:00Mit Dawn of War 4 hätte ich nie gerechnet. Manche Franchises legen Bruchlandungen hin,
00:15von denen es einfach keinen zurückgibt. Und Dawn of War 3 schien mir genau das zu sein. Es sollte
00:23die Marke nach jahrelanger Pause zurückbringen. Mit Relic war sogar der Originalentwickler an Bord.
00:28Doch das finale Spiel enttäuschte reihenweise Fans und wurde vom Studio unmittelbar nach Release
00:34fallen gelassen. Ein ziemlicher Exterminatus. Aber ich lag falscher als Fulgrim. Knapp acht
00:41Jahre später nimmt sich ein neues Studio der Marke an, das zu Dawn of War passt wie Topf
00:46auf Deckel. Das deutsche Team King Art aus Bremen hat 2020 das Strategiespiel Iron Harvest veröffentlicht.
00:53Quasi ein Company of Heroes mit gigantischen Mechs. Und da Company of Heroes eine geistige
00:59Fortsetzung zu Dawn of War ist und Mechs und so ... naja, ihr seht die Verbindung. Also,
01:05Dawn of War 4. King Art scheut hier nicht den großen Aufschlag. Dawn of War 4 soll all die
01:12Stärken des ersten Teils zurückbringen. Es bietet direkt zum Release vier Fraktionen mit vier dicken
01:19Singleplayer-Kampagnen, außerdem Koop, Skirmish und Multiplayer. Darüber hinaus sieht es zum
01:26Anbeißen aus. Die Bolter der Space Marines spratzeln durch reihenweise Orks, die Necron-Monolithen
01:32rasieren die Landschaften, die schweren Imperial Knights der Techpriests stapfen über die Hügelkämme.
01:38Kann das also was werden? Gut, dass ihr fragt, denn ich konnte Dawn of War 4 schon spielen und
01:45hab zumindest ein erstes Gameplay-Fazit für euch. Also, klären wir erstmal die wichtigsten Infos zum
01:51Spiel. Dawn of War 4 wird, wie bereits angedeutet, ein ganz klassisches Echtzeitstrategiespiel im
01:56Dunstkreis des ersten Serienteils sowie Company of Heroes. Ihr zimmert in Windeseile eure Basis
02:02zusammen, produziert ein paar Truppen und schickt sie über die Map, um Kontrollpunkte einzunehmen.
02:07Kontrollpunkte bringen euch Ressourcen, die ihr wiederum in Upgrades und neue Einheiten
02:12investiert, um irgendwann den Gegner zu überrollen. Dawn of War 4 beschränkt sich auf zwei Ressourcen,
02:18Requisition und Energie. Fans des Originals finden sich damit in Windeseile zurecht.
02:23Und auch das Szenario dürfte Veteranen bekannt vorkommen. Erneut geht es auf die Gruftwelt
02:28Chronos, die ihr zuletzt im zweiten Dawn of War Addon Dark Crusade erobert habt. Die Story spielt
02:34zweieinhalb Jahre nach Dark Crusade, aber wirklich geändert hat sich relativ wenig. Die
02:38Bloodravens kehren zum Planeten zurück und werden von jeder Menge Krieg erwartet. Fans dürfen sich
02:44auf dem Wiedersehen mit alten Bekannten freuen. Auf Seiten der Space Marines tritt beispielsweise
02:48der Scout Cyrus aufs Feld und die Orks werden wieder angeführt vom guten alten Gorguts, der offenbar
02:54einfach nicht tot zu kriegen ist. Apropos Fraktionen. Zum Launch schlüpft ihr in Dawn of War 4 in die Haut von
03:01vier unterschiedlichen Völkern. Die Space Marines schlagen Masse mit Klasse. Sie setzen auf wenige
03:07Einheiten, die davor zur absoluten Elite des Imperiums gehören. Darunter die klassischen
03:11Intercessors mit dicken Boltern, aber natürlich rekrutiert ihr auch Terminatoren, Scouts, Nahkämpfer
03:17sowie mächtige Dreadnoughts. Die Orks sind das genau Gegenteil der Space Marines. Die Boys überfallen
03:23euch mit unzähligen Horden von dicken wie dünnen, großen wie kleinen Grünhäuten und kämpfen sich in eine
03:30Warg-Rage, die wiederum mächtige Stratagems freischaltet. Orks haben natürlich trotzdem
03:35auch dicke Einheiten, darunter die mächtigen Gorka-Naut-Walker. Und die Necrons werden in
03:41Dawn of War 4 garantiert wieder die nervigsten Gegner, weil sie sich selber heilen, sie können
03:45sich teleportieren, sie sterben einfach nicht und im Late-Game mit diesen verfluchten Monolithen
03:49lasern sie ganze Regimenter weg, nachdem sie die komplette Map assimiliert haben. Und last but not least,
03:56das Adeptus Mechanicus ist mein persönliches Highlight unter den Fraktionen, weil die Tech-Priests
04:01einfach die schrägsten Geschütze auffahren. Ihre Skitari-Schützen sind mehr Maschine als Mensch,
04:07die mächtigen Imperial Knights stapfen über die Map. Dank fortschrittlicher Technologie können die
04:12Kollegen Feindbewegungen auch im Fog of War erkennen. Außerdem verteilen sie spezielle
04:17Knotenpunkte auf der Map, die ihre Einheiten buffen. Im Tutorial schlüpft ihr außerdem in die Rolle der
04:23Imperialen Armee, die allerdings darüber hinaus nicht eigenständig spielbar ist. Ich kann mir
04:28gut vorstellen, dass die Imperial Guard zu den ersten Fraktionen gehört, die nach Launch als DLC
04:33nachgeliefert werden. So, jetzt genug Grundlagenarbeit, springen wir mal rein ins Match und ich erzähle
04:38euch ein bisschen, was ich gezockt habe. Die Gamescom-Demo, die ich gespielt habe,
04:41dauerte etwa 30 bis 40 Minuten und ist ein vorgefertigtes Skirmish-Szenario, das ich euch
04:46hier leider nicht zeigen kann, weil das ganze Material hinter verschlossenen Türen bleiben muss.
04:51Die Fraktionen sind also vorgegeben. Ich kämpfe als Bloodravens gegen die Orks,
04:55klassischer geht's kaum. Das Szenario wird ein bisschen von Story-Fluff eingerahmt,
05:01die Imperial-Armee beißt sich an den Grünhäuten die Zähne aus, also stürzen die Bloodravens,
05:06angeführt von Cyrus, aus dem Himmel herab, um Gerechtigkeit regnen zu lassen. Danach erwartet
05:12mich eigentlich konstant Action. Aber ich habe inmitten dieses Chaos drei Punkte ausgemacht,
05:17die Dawn of War 4 in meinen Augen jetzt schon richtig gut hinbekommt.
05:22Nummer eins, Dawn of War 4 knallt genauso, wie es knallen muss. Das klingt jetzt vielleicht
05:27nach einer Kleinigkeit, aber das Wegspratzeln von Orks mit meinen Space Marine Boltern fühlt
05:32sich genauso wuchtig an, wie ich es mir wünsche. Und tatsächlich ist das Feeling in einem Dawn of
05:37War alles andere als trivial. Einer der größten Kritikpunkte von Dawn of War 3 betraf das Wummsgefühl
05:42der Einheiten. Space Marines fühlten sich nicht wirklich an wie die imperialen Zuchtbullen
05:47Nummer eins, sondern wie stinknormales Bodenpersonal. Dawn of War 4 rückt das wieder gerade. Wenn die
05:54Bloodravens mit ihren Boltern in die Menge ballern, dann spüre ich förmlich, wie die faustdicken
05:58Geschosse detonieren. King Art investiert hier unheimlich viel Detailarbeit, um hunderte Versus-Animationen
06:04zu designen. Dass ein Dreadnought-Walker beispielsweise den Ork greift und in der Hand zerquetscht,
06:09ist eine, naja, handgebaute Bewegungsabfolge. Aber Space Marines teilen nicht nur aus, sondern
06:14stecken auch so viel ein, dass ich mich wirklich wie die Elite des Imperiums fühle. Manche Squads
06:19bestehen nur aus drei Einheiten, die dafür aber kaum totzukriegen sind. Die Demo-Mission bekommt
06:25den Flow, den ich mir wünsche, schon sehr gut hin. Ich erstelle mir zwei Einheitengruppen aus
06:30Navi-Fernkämpfern und bewege mich, Trollpunkt für Kontrollpunkt über die Map. Widerstand wird
06:36gnadenlos niedergeschlagen, auf eroberten Knoten baue ich Abwehrgeschütze, um die Rückeroberung
06:40zu erschweren. Während der Mission erschweren außerdem Sekundärziele immer mal wieder das
06:46Vorankommen. Beispielsweise tüftel die Orks an mächtigen Gorkanaut-Panzerläufern. Ich muss
06:51also schnell sein, um die Dinger noch vor Fertigstellung zu erwischen. Und dann flügen
06:56plötzlich Necrons über die Map. Glücklicherweise eilen mir die Tech-Priests zur Hilfe und es entbrennt
07:01ein Spektakel an Raketenexplosionen und Zerstörung, das ich in dieser Opulenz schon lange nicht
07:07mehr im Strategie-Genre gesehen habe.
07:10Punkt Nummer zwei, Dawn of War 4 bietet wunderbar viele Upgrades. Dawn of War 4 folgt der Designphilosophie,
07:16selbst popelige Starteinheiten sollen mit genügend Erfahrung und Upgrades tödliche Endgame-Einheiten
07:21werden können. Denn auch hier lag eine der Stärken des Originals. Ich konnte meine Space Marines
07:26manuell mit Raketenwerfer, Plasmawerfern und Energieschwertern aufwerten, um die Kollegen zu
07:31noch tödlicheren Killermaschinen zu machen. Dawn of War 4 bietet hier jetzt schon eine
07:36öppige Vielfalt. Ich entscheide selbst, ob meine Terminatoren auf riesige Distanzen
07:40langsame Dum-Dum-Geschosse verballern oder mit Flammenwerfern auf Tuchfühlung gehen. Meine
07:45Einheiten lassen sich auf dem Feld verstärken und upgraden. Ich statte die Kollegen mit Hämmern und
07:50Schwertern aus, entscheide mich für Stalker-Bolter oder Autocannons und so weiter. Außerdem sammelt
07:57jede Einheit mit der Zeit Erfahrungspunkte und steigt im Level auf. So züchte ich mir meine
08:01ganz eigenen Elite-Space Marines heran, die irgendwann ganze Org-Horden im Alleingang
08:06zerpflücken. Gleichzeitig fühlt sich jeder Verlust einer Einheit an, als hätte ich Private Ryan
08:10persönlich vom Panzer überrollen lassen. Nicht dann ins Schmerz.
08:14Nummer 3. Dawn of War 4 ist kein Dawn of War 2. Die Dawn of War-Serie hat diese ungünstige
08:23Gemengelage, dass Teil 1 und 2 a sehr, sehr unterschiedlich und b jeweils ziemlich beliebt
08:30sind. Zwei meiner besten Freunde schwören auf Dawn of War 2 mit dessen stark reingezoomtem
08:35Fokus auf einzelne Einheiten, was sich deutlich mehr wie, naja, wie Echtzeit-Taktik anfühlt,
08:41zumal es den Basisbau auf ein absolutes Minimum reduziert. Hier muss ich euch klar sagen,
08:46Dawn of War 4 orientiert sich wirklich stark am ersten Teil. Ihr habt also ein deutlich
08:52imposanteres Schlachtengefühl, dafür aber auch die sehr rausgesuchte Perspektive. Aber das Spiel
08:58inkorporiert trotzdem einige Stärken aus dem zweiten Teil. Einheiten sammeln wie gesagt
09:02Erfahrungspunkte und leveln auf, was sie langfristig immer besser werden lässt. Der starke Fokus auf
09:08Helden-Einheiten, die ebenfalls aufleveln und neue Fertigkeiten freischalten. Und dann gibt's ja noch
09:13einen Koop-Modus, über den ich allerdings noch keine Infos habe. Außerdem wird es innerhalb der
09:18Kampagne Entscheidungen geben, die in unterschiedliche Missionen münden. Was Dawn of War 4 jedoch gänzlich zu
09:24fehlen scheint, ist ein Moralsystem. Was schade ist, weil es gerade den Orks eine interessante taktische
09:29Zusatznote verschafft hätte. Denn die Grünen heute haben eine chronisch labile Arbeitseinstellung. Auch
09:34das Deckungssystem wirkt bisher deutlich rudimentärer als in Teil 1 und besonders Teil 2. Hier und da
09:40begegne ich mal eine Einheit hinter einer Deckung, aber das Ganze hat wohl eine sehr nachrangige
09:45Bedeutung. Generell, viele Fragen bleiben natürlich noch offen zum neuen Dawn of War. Ob sich die vier
09:51Fraktionen vernünftig ausbalancieren zum Beispiel, wie der Koop konkret funktioniert, ob die Kampagne
09:55spannende Missionen und Vielfalt bietet und und und. Aber zwei Dinge kann ich schon mal festhalten.
10:02Die 30 Minuten Demo fühlt sich schon sehr nach Dawn of War an. Obwohl ich natürlich die üblichen
10:07Alpha-Marken ausklammern muss. Das Ding ruckelt und zuckelt, viele Grafiken sind noch Platzhalter
10:12und so weiter. Das ist völlig normal. Das Spiel setzt außerdem die richtigen Schwerpunkte. Und wo
10:17Dawn of War 3 noch sehr offensichtlich den Mobile-Hype eines League of Legends abgreifen und vor allem
10:22ein Multiplayer auftrumpfen wollte, fühlt sich Teil 4 wie ein Remake des ersten Teils an. King
10:28Art scheint genau verstanden zu haben, was den großartigen ersten Teil ausmacht. Wuchtige
10:33Einheiten, charismatische Helden wie Schurken und ein Fokus auf die Frontlinie. Der Basisbau spielt zwar
10:39durchaus eine Rolle. Ich muss beispielsweise entscheiden, ob ich lieber ein Upgrade-Gebäude
10:43für meine Marines baue oder Fahrzeughallen oder Verteidigungsbunker. Allerdings drückt Teil 4 hier
10:48enorm aufs Tempo. Es gibt nicht mal Servitoren. Dessen rufe ich die Gebäude aus dem Himmel und
10:53konstruiere sie schnell fertig, baue ein paar Einheiten in meine Warteschlange und konzentriere
10:58mich wieder auf das eigentlich wichtige, die Scharmützel um die Kontrollpunkte, in denen
11:03meine Space Marines alles vermöbeln, was nicht bei drei wieder im Weltraum ist. Richtig so.
11:07Am Ende meiner Demo-Mission dränge ich die Orks natürlich in ihre Basis zurück. Im letzten
11:12verzweifelten Gefecht werfen sie mir alles entgegen, was sie noch in der Garage haben. Darunter
11:16gewaltige Schlachtfahrzeuge. Doch ich rufe per Stratagem Bombenteppiche aus der Luft und habe
11:22mittlerweile so viele Terminatoren rekrutiert, dass der Feind keine Chance hat. Wie eingangs gesagt,
11:26mit einem Dawn of War 4 hätte ich nie gerechnet. Aber jetzt, wo es fast da ist,
11:32sehne ich kein anderes Strategiespiel so sehr herbei. Zumindest das hat King Art jetzt schon geschafft.
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