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  • vor 5 Monaten
Die vielleicht größte Überraschung dieser gamescom ist Dawn of War 4. Zum einen, dass es überhaupt kommt, zum anderen von wem es kommt. Statt Relic übernimmt nämlich jetzt King Art, das Team hinter Iron Harvest die Entwicklung. Und die haben damit einiges vor: Direkt zum Release vier Fraktionen mit vier dicken Singleplayer-Kampagnen, außerdem Koop, Skirmish und Multiplayer.
Transkript
00:00Mit Dawn of War 4 hätte ich nie gerechnet. Manche Franchises legen Bruchlandungen hin,
00:15von denen es einfach keinen zurückgibt. Und Dawn of War 3 schien mir genau das zu sein. Es sollte
00:23die Marke nach jahrelanger Pause zurückbringen. Mit Relic war sogar der Originalentwickler an Bord.
00:28Doch das finale Spiel enttäuschte reihenweise Fans und wurde vom Studio unmittelbar nach Release
00:34fallen gelassen. Ein ziemlicher Exterminatus. Aber ich lag falscher als Fulgrim. Knapp acht
00:41Jahre später nimmt sich ein neues Studio der Marke an, das zu Dawn of War passt wie Topf
00:46auf Deckel. Das deutsche Team King Art aus Bremen hat 2020 das Strategiespiel Iron Harvest veröffentlicht.
00:53Quasi ein Company of Heroes mit gigantischen Mechs. Und da Company of Heroes eine geistige
00:59Fortsetzung zu Dawn of War ist und Mechs und so ... naja, ihr seht die Verbindung. Also,
01:05Dawn of War 4. King Art scheut hier nicht den großen Aufschlag. Dawn of War 4 soll all die
01:12Stärken des ersten Teils zurückbringen. Es bietet direkt zum Release vier Fraktionen mit vier dicken
01:19Singleplayer-Kampagnen, außerdem Koop, Skirmish und Multiplayer. Darüber hinaus sieht es zum
01:26Anbeißen aus. Die Bolter der Space Marines spratzeln durch reihenweise Orks, die Necron-Monolithen
01:32rasieren die Landschaften, die schweren Imperial Knights der Techpriests stapfen über die Hügelkämme.
01:38Kann das also was werden? Gut, dass ihr fragt, denn ich konnte Dawn of War 4 schon spielen und
01:45hab zumindest ein erstes Gameplay-Fazit für euch. Also, klären wir erstmal die wichtigsten Infos zum
01:51Spiel. Dawn of War 4 wird, wie bereits angedeutet, ein ganz klassisches Echtzeitstrategiespiel im
01:56Dunstkreis des ersten Serienteils sowie Company of Heroes. Ihr zimmert in Windeseile eure Basis
02:02zusammen, produziert ein paar Truppen und schickt sie über die Map, um Kontrollpunkte einzunehmen.
02:07Kontrollpunkte bringen euch Ressourcen, die ihr wiederum in Upgrades und neue Einheiten
02:12investiert, um irgendwann den Gegner zu überrollen. Dawn of War 4 beschränkt sich auf zwei Ressourcen,
02:18Requisition und Energie. Fans des Originals finden sich damit in Windeseile zurecht.
02:23Und auch das Szenario dürfte Veteranen bekannt vorkommen. Erneut geht es auf die Gruftwelt
02:28Chronos, die ihr zuletzt im zweiten Dawn of War Addon Dark Crusade erobert habt. Die Story spielt
02:34zweieinhalb Jahre nach Dark Crusade, aber wirklich geändert hat sich relativ wenig. Die
02:38Bloodravens kehren zum Planeten zurück und werden von jeder Menge Krieg erwartet. Fans dürfen sich
02:44auf dem Wiedersehen mit alten Bekannten freuen. Auf Seiten der Space Marines tritt beispielsweise
02:48der Scout Cyrus aufs Feld und die Orks werden wieder angeführt vom guten alten Gorguts, der offenbar
02:54einfach nicht tot zu kriegen ist. Apropos Fraktionen. Zum Launch schlüpft ihr in Dawn of War 4 in die Haut von
03:01vier unterschiedlichen Völkern. Die Space Marines schlagen Masse mit Klasse. Sie setzen auf wenige
03:07Einheiten, die davor zur absoluten Elite des Imperiums gehören. Darunter die klassischen
03:11Intercessors mit dicken Boltern, aber natürlich rekrutiert ihr auch Terminatoren, Scouts, Nahkämpfer
03:17sowie mächtige Dreadnoughts. Die Orks sind das genau Gegenteil der Space Marines. Die Boys überfallen
03:23euch mit unzähligen Horden von dicken wie dünnen, großen wie kleinen Grünhäuten und kämpfen sich in eine
03:30Warg-Rage, die wiederum mächtige Stratagems freischaltet. Orks haben natürlich trotzdem
03:35auch dicke Einheiten, darunter die mächtigen Gorka-Naut-Walker. Und die Necrons werden in
03:41Dawn of War 4 garantiert wieder die nervigsten Gegner, weil sie sich selber heilen, sie können
03:45sich teleportieren, sie sterben einfach nicht und im Late-Game mit diesen verfluchten Monolithen
03:49lasern sie ganze Regimenter weg, nachdem sie die komplette Map assimiliert haben. Und last but not least,
03:56das Adeptus Mechanicus ist mein persönliches Highlight unter den Fraktionen, weil die Tech-Priests
04:01einfach die schrägsten Geschütze auffahren. Ihre Skitari-Schützen sind mehr Maschine als Mensch,
04:07die mächtigen Imperial Knights stapfen über die Map. Dank fortschrittlicher Technologie können die
04:12Kollegen Feindbewegungen auch im Fog of War erkennen. Außerdem verteilen sie spezielle
04:17Knotenpunkte auf der Map, die ihre Einheiten buffen. Im Tutorial schlüpft ihr außerdem in die Rolle der
04:23Imperialen Armee, die allerdings darüber hinaus nicht eigenständig spielbar ist. Ich kann mir
04:28gut vorstellen, dass die Imperial Guard zu den ersten Fraktionen gehört, die nach Launch als DLC
04:33nachgeliefert werden. So, jetzt genug Grundlagenarbeit, springen wir mal rein ins Match und ich erzähle
04:38euch ein bisschen, was ich gezockt habe. Die Gamescom-Demo, die ich gespielt habe,
04:41dauerte etwa 30 bis 40 Minuten und ist ein vorgefertigtes Skirmish-Szenario, das ich euch
04:46hier leider nicht zeigen kann, weil das ganze Material hinter verschlossenen Türen bleiben muss.
04:51Die Fraktionen sind also vorgegeben. Ich kämpfe als Bloodravens gegen die Orks,
04:55klassischer geht's kaum. Das Szenario wird ein bisschen von Story-Fluff eingerahmt,
05:01die Imperial-Armee beißt sich an den Grünhäuten die Zähne aus, also stürzen die Bloodravens,
05:06angeführt von Cyrus, aus dem Himmel herab, um Gerechtigkeit regnen zu lassen. Danach erwartet
05:12mich eigentlich konstant Action. Aber ich habe inmitten dieses Chaos drei Punkte ausgemacht,
05:17die Dawn of War 4 in meinen Augen jetzt schon richtig gut hinbekommt.
05:22Nummer eins, Dawn of War 4 knallt genauso, wie es knallen muss. Das klingt jetzt vielleicht
05:27nach einer Kleinigkeit, aber das Wegspratzeln von Orks mit meinen Space Marine Boltern fühlt
05:32sich genauso wuchtig an, wie ich es mir wünsche. Und tatsächlich ist das Feeling in einem Dawn of
05:37War alles andere als trivial. Einer der größten Kritikpunkte von Dawn of War 3 betraf das Wummsgefühl
05:42der Einheiten. Space Marines fühlten sich nicht wirklich an wie die imperialen Zuchtbullen
05:47Nummer eins, sondern wie stinknormales Bodenpersonal. Dawn of War 4 rückt das wieder gerade. Wenn die
05:54Bloodravens mit ihren Boltern in die Menge ballern, dann spüre ich förmlich, wie die faustdicken
05:58Geschosse detonieren. King Art investiert hier unheimlich viel Detailarbeit, um hunderte Versus-Animationen
06:04zu designen. Dass ein Dreadnought-Walker beispielsweise den Ork greift und in der Hand zerquetscht,
06:09ist eine, naja, handgebaute Bewegungsabfolge. Aber Space Marines teilen nicht nur aus, sondern
06:14stecken auch so viel ein, dass ich mich wirklich wie die Elite des Imperiums fühle. Manche Squads
06:19bestehen nur aus drei Einheiten, die dafür aber kaum totzukriegen sind. Die Demo-Mission bekommt
06:25den Flow, den ich mir wünsche, schon sehr gut hin. Ich erstelle mir zwei Einheitengruppen aus
06:30Navi-Fernkämpfern und bewege mich, Trollpunkt für Kontrollpunkt über die Map. Widerstand wird
06:36gnadenlos niedergeschlagen, auf eroberten Knoten baue ich Abwehrgeschütze, um die Rückeroberung
06:40zu erschweren. Während der Mission erschweren außerdem Sekundärziele immer mal wieder das
06:46Vorankommen. Beispielsweise tüftel die Orks an mächtigen Gorkanaut-Panzerläufern. Ich muss
06:51also schnell sein, um die Dinger noch vor Fertigstellung zu erwischen. Und dann flügen
06:56plötzlich Necrons über die Map. Glücklicherweise eilen mir die Tech-Priests zur Hilfe und es entbrennt
07:01ein Spektakel an Raketenexplosionen und Zerstörung, das ich in dieser Opulenz schon lange nicht
07:07mehr im Strategie-Genre gesehen habe.
07:10Punkt Nummer zwei, Dawn of War 4 bietet wunderbar viele Upgrades. Dawn of War 4 folgt der Designphilosophie,
07:16selbst popelige Starteinheiten sollen mit genügend Erfahrung und Upgrades tödliche Endgame-Einheiten
07:21werden können. Denn auch hier lag eine der Stärken des Originals. Ich konnte meine Space Marines
07:26manuell mit Raketenwerfer, Plasmawerfern und Energieschwertern aufwerten, um die Kollegen zu
07:31noch tödlicheren Killermaschinen zu machen. Dawn of War 4 bietet hier jetzt schon eine
07:36öppige Vielfalt. Ich entscheide selbst, ob meine Terminatoren auf riesige Distanzen
07:40langsame Dum-Dum-Geschosse verballern oder mit Flammenwerfern auf Tuchfühlung gehen. Meine
07:45Einheiten lassen sich auf dem Feld verstärken und upgraden. Ich statte die Kollegen mit Hämmern und
07:50Schwertern aus, entscheide mich für Stalker-Bolter oder Autocannons und so weiter. Außerdem sammelt
07:57jede Einheit mit der Zeit Erfahrungspunkte und steigt im Level auf. So züchte ich mir meine
08:01ganz eigenen Elite-Space Marines heran, die irgendwann ganze Org-Horden im Alleingang
08:06zerpflücken. Gleichzeitig fühlt sich jeder Verlust einer Einheit an, als hätte ich Private Ryan
08:10persönlich vom Panzer überrollen lassen. Nicht dann ins Schmerz.
08:14Nummer 3. Dawn of War 4 ist kein Dawn of War 2. Die Dawn of War-Serie hat diese ungünstige
08:23Gemengelage, dass Teil 1 und 2 a sehr, sehr unterschiedlich und b jeweils ziemlich beliebt
08:30sind. Zwei meiner besten Freunde schwören auf Dawn of War 2 mit dessen stark reingezoomtem
08:35Fokus auf einzelne Einheiten, was sich deutlich mehr wie, naja, wie Echtzeit-Taktik anfühlt,
08:41zumal es den Basisbau auf ein absolutes Minimum reduziert. Hier muss ich euch klar sagen,
08:46Dawn of War 4 orientiert sich wirklich stark am ersten Teil. Ihr habt also ein deutlich
08:52imposanteres Schlachtengefühl, dafür aber auch die sehr rausgesuchte Perspektive. Aber das Spiel
08:58inkorporiert trotzdem einige Stärken aus dem zweiten Teil. Einheiten sammeln wie gesagt
09:02Erfahrungspunkte und leveln auf, was sie langfristig immer besser werden lässt. Der starke Fokus auf
09:08Helden-Einheiten, die ebenfalls aufleveln und neue Fertigkeiten freischalten. Und dann gibt's ja noch
09:13einen Koop-Modus, über den ich allerdings noch keine Infos habe. Außerdem wird es innerhalb der
09:18Kampagne Entscheidungen geben, die in unterschiedliche Missionen münden. Was Dawn of War 4 jedoch gänzlich zu
09:24fehlen scheint, ist ein Moralsystem. Was schade ist, weil es gerade den Orks eine interessante taktische
09:29Zusatznote verschafft hätte. Denn die Grünen heute haben eine chronisch labile Arbeitseinstellung. Auch
09:34das Deckungssystem wirkt bisher deutlich rudimentärer als in Teil 1 und besonders Teil 2. Hier und da
09:40begegne ich mal eine Einheit hinter einer Deckung, aber das Ganze hat wohl eine sehr nachrangige
09:45Bedeutung. Generell, viele Fragen bleiben natürlich noch offen zum neuen Dawn of War. Ob sich die vier
09:51Fraktionen vernünftig ausbalancieren zum Beispiel, wie der Koop konkret funktioniert, ob die Kampagne
09:55spannende Missionen und Vielfalt bietet und und und. Aber zwei Dinge kann ich schon mal festhalten.
10:02Die 30 Minuten Demo fühlt sich schon sehr nach Dawn of War an. Obwohl ich natürlich die üblichen
10:07Alpha-Marken ausklammern muss. Das Ding ruckelt und zuckelt, viele Grafiken sind noch Platzhalter
10:12und so weiter. Das ist völlig normal. Das Spiel setzt außerdem die richtigen Schwerpunkte. Und wo
10:17Dawn of War 3 noch sehr offensichtlich den Mobile-Hype eines League of Legends abgreifen und vor allem
10:22ein Multiplayer auftrumpfen wollte, fühlt sich Teil 4 wie ein Remake des ersten Teils an. King
10:28Art scheint genau verstanden zu haben, was den großartigen ersten Teil ausmacht. Wuchtige
10:33Einheiten, charismatische Helden wie Schurken und ein Fokus auf die Frontlinie. Der Basisbau spielt zwar
10:39durchaus eine Rolle. Ich muss beispielsweise entscheiden, ob ich lieber ein Upgrade-Gebäude
10:43für meine Marines baue oder Fahrzeughallen oder Verteidigungsbunker. Allerdings drückt Teil 4 hier
10:48enorm aufs Tempo. Es gibt nicht mal Servitoren. Dessen rufe ich die Gebäude aus dem Himmel und
10:53konstruiere sie schnell fertig, baue ein paar Einheiten in meine Warteschlange und konzentriere
10:58mich wieder auf das eigentlich wichtige, die Scharmützel um die Kontrollpunkte, in denen
11:03meine Space Marines alles vermöbeln, was nicht bei drei wieder im Weltraum ist. Richtig so.
11:07Am Ende meiner Demo-Mission dränge ich die Orks natürlich in ihre Basis zurück. Im letzten
11:12verzweifelten Gefecht werfen sie mir alles entgegen, was sie noch in der Garage haben. Darunter
11:16gewaltige Schlachtfahrzeuge. Doch ich rufe per Stratagem Bombenteppiche aus der Luft und habe
11:22mittlerweile so viele Terminatoren rekrutiert, dass der Feind keine Chance hat. Wie eingangs gesagt,
11:26mit einem Dawn of War 4 hätte ich nie gerechnet. Aber jetzt, wo es fast da ist,
11:32sehne ich kein anderes Strategiespiel so sehr herbei. Zumindest das hat King Art jetzt schon geschafft.
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