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#cocochanel #starkefrauen #frauengeschichten
Willkommen zur ersten Folge von "Sie war mehr – als du denkst", dem Podcast über Frauen, die Geschichte schrieben – leise, laut, berühmt oder beinahe vergessen.

Ich erzähle aus ihrer Sicht. In der Ich-Form. Direkt, emotional, persönlich – mit einem Augenzwinkern.

In dieser Episode: Coco Chanel, die Ikone der Modewelt. Aber sie war mehr als nur „Chanel No. 5“ und das kleine Schwarze. Sie war Kämpferin, Strategin, ein Kind des Waisenhauses – und vor allem: unbeirrbar.

🎧 Hör rein und entdecke die Frau hinter dem Mythos.

✨ "Ich habe die Frauen befreit. Nicht aus Überzeugung – sondern aus mir heraus."

Kategorie

Menschen
Transkript
00:00Ich bin Coco Chanel.
00:04Und nein, ich bin nicht auf die Welt gekommen, um Kleidchen zu nähen und brav zu lächeln.
00:10Ich bin gekommen, um Regeln zu brechen, um zu zeigen, dass Eleganz ein Akt der Rebellion sein kann,
00:18dass eine Frau nicht glitzern muss, um zu leuchten.
00:21Ich wurde am 19. August 1883 geboren, in Sommur, in einem Armenhaus.
00:32Das klingt romantischer, als es war.
00:35Mein Vater, Albert, war Hausierer, einer von denen, die Versprechen verkaufen und sich selbst irgendwann gleich mit.
00:43Meine Mutter, Jean, starb jung, überarbeitet, überfordert, übersehen.
00:53Ich war zwölf.
00:55Mein Vater verschwand daraufhin einfach.
00:58Und ich wurde, wie sagt man so schön, ins Kloster gegeben, nach Obosin.
01:06Die Nonnen dort waren hart.
01:09Ihre Welt war grau, ihre Blicke scharf.
01:12Ihre Regeln aus Stein.
01:15Aber dort lernte ich das, was mich zu dem gemacht hat, was ich bin.
01:20Einfachheit.
01:22Strenge Linien.
01:24Und das Nähen.
01:26Wussten Sie, dass Schwarz dort die Farbe des Alltags war?
01:30Kein Wunder, dass ich Schwarz später zu einer Ikone gemacht habe.
01:36Mit 18 war ich raus.
01:38Und frei.
01:39Na ja, so frei man als mittellose junge Frau in einer Welt voller Männer sein kann.
01:46Ich arbeitete bei einem Wäschehändler, sang abends in Cafés, wo gelangweilte Offiziere herumlungerten.
01:53Ich sang »Ki k'a vu coco dans le cradero«, nicht besonders gut, aber offenbar charmant genug.
02:04Coco blieb an mir haften.
02:07Und ich ließ meinen neuen Spitznamen nicht mehr los.
02:10Dann kamen die Männer.
02:14Nicht irgendwelche, sondern Männer mit Einfluss.
02:18Und Pferden.
02:22Etienne Balson war mein erster großer Gönner.
02:26Reich durch Pferde, geadelt durch Langeweile.
02:30Ich zog zu ihm aufs Landgut Royallieu.
02:35Dort lernte ich reiten, rauchen, widersprechen.
02:40Und eine Welt kennen, in der Frauen hübsch und stumm zu sein hatten.
02:45Ich war das Gegenteil.
02:50Und dann kam Boy.
02:53Arthur Keppel.
02:55Mein einziger.
02:58Intelligent, charmant.
03:01Mit diesem britischen Understatement, das einem die Knie weich macht.
03:07Er war mein Geliebter.
03:09Mein Partner und mein Komplize.
03:11Er glaubte an mich, bevor ich an mich selbst glaubte.
03:18Er finanzierte meine erste Boutique in Paris.
03:22Und er trug meine ersten Hüte.
03:25Also nicht wortwörtlich, aber seine Meinung zählte.
03:31Als er starb, Weihnachten 1919, bei einem Autounfall, zerbrach etwas in mir.
03:39Ich ließ ihn ein letztes Mal einkleiden.
03:45Ich saß stundenlang an seinem offenen Sarg.
03:49Und dann trug ich jahrelang seinen Mantel.
03:54Der Geruch, das Gewicht, es war wie er.
03:58Ich habe nie wieder jemanden so geliebt.
04:02Ich begann mit Hüten.
04:07Schlichte, elegante, klare Linien.
04:12Ein Affront gegen die Modesünde jener Zeit.
04:15Frauen trugen auf dem Kopf ganze Gärten.
04:20Ich kam mit einem Streifen Stoff und sagte, das reicht.
04:25Und Paris hörte hin.
04:27Dort eröffnete ich weitere Boutiquen.
04:35Ich fing an, Kleidung zu entwerfen.
04:38Jersey war mein Stoff.
04:40Jersey.
04:42Ein Material für Unterwäsche.
04:45Ich machte daraus Kleider.
04:48Sie waren bequem, beweglich, frei.
04:51Frauen konnten plötzlich atmen.
04:56Ich zeigte Knöchel, Arme, Haare und vor allem Haltung.
05:04Einmal, das vergesse ich nie, kam eine Kundin empört zurück.
05:10Mademoiselle, in ihrem Kleid hat man mir ein Taxi angeboten.
05:15Ich sagte, dann tragen Sie es weiterhin.
05:18Es wirkt offensichtlich.
05:211926 kam es auf den Markt.
05:27Mein kleines schwarzes.
05:29Ein einfaches Kleid.
05:31Keine Spitze, keine Schleife.
05:34Nur Linie, Eleganz, Selbstbewusstsein.
05:39Wurg schrieb eine Art Fort der Mode.
05:43Ich war entzückt.
05:44Ich war entzückt.
05:45Endlich ein Kleid, das jede Frau tragen konnte.
05:49Unabhängig von Herkunft oder Reichtum.
05:52Ich entwarf auch Hosen für Frauen.
05:56Stellen Sie sich das vor.
05:58Frauen in Hosen.
06:00Die Empörung war enorm.
06:02Und dann wurde sie zur Imitation.
06:05Ich machte Frauen stark, ohne sie zu maskulin zu kleiden.
06:10Ich machte sie sichtbar.
06:14Ich wollte mehr.
06:17Ich wollte etwas Unsichtbares.
06:20Das bleibt.
06:22Parfum.
06:24Ich traf Ernest Beau, einen Parfümeur, mit russischen Wurzeln.
06:31Ich sagte, ich will einen Duft, der wie eine Frau riecht, nicht wie ein Blumenstrauß.
06:37Er zeigte mir zehn Muster.
06:42Ich wählte die Nummer fünf.
06:45Warum die Nummer?
06:47Ich war am fünften Tag des fünften Monats in Deauville debütiert.
06:53Ich glaubte an Zeichen.
06:55Also wurde es Chanel Nummer fünf.
06:59Der Flacon war schlicht.
07:01Keine Schnörkel, nur ein Quadrat.
07:03Männer hassten es.
07:06Und Frauen liebten es.
07:09Und Marilyn Monroe?
07:11Sie sagte einmal, sie trage nachts nur ein paar Tropfen Chanel Nummer fünf.
07:18Werbung, die man nicht kaufen kann.
07:231939.
07:25Der Krieg brach aus.
07:27Ich schloss mein Modehaus.
07:29Ich zog ins Ritz.
07:31Bequem, sicher.
07:34Und ja, ich hatte eine Liaison mit einem deutschen Offizier.
07:39Hans-Günther von Dinklage.
07:43Elegant, kultiviert.
07:46Und Agent der deutschen Abwehr.
07:49Und irgendwann war auch ich auf dem Papier Agentin.
07:53F-7124.
07:57Codename Westminster.
08:01War ich naiv?
08:03Berechnend?
08:04Patriotisch?
08:06Nein.
08:08Ich war Überlebenskünstlerin.
08:11Ich war Chanel.
08:14Und Chanel verliert nie die Kontrolle.
08:17Nicht mal im Krieg.
08:18Nach dem Krieg wurde ich verhaftet.
08:23Kurz.
08:25Churchill, ein alter Freund, sorgte für meine Freilassung.
08:30Ich zog nach Lausanne.
08:33Die Welt hatte sich verändert.
08:35Und ich?
08:36Ich war vergessen.
08:381954.
08:421954.
08:43Ich war 70.
08:46Die Mode gehörte Dior, Bonanciage, Givenchy.
08:51Alle feierten den New Look.
08:56Enge Taillen, weite Röcke, versteckte Körper.
09:02Ich sagte, sie machen aus Frauen wieder Blumenvasen.
09:07Ich kam zurück.
09:09Mit Tweet, Goldknöpfen, Taschen mit Kettenriemen.
09:14Ich machte Mode für Frauen, die leben wollten.
09:19Nicht nur gut aussehen.
09:21Die Presse war skeptisch.
09:26Die Pariser Haute Couture rümpfte die Nase.
09:31Doch die Amerikaner verstanden mich.
09:34Sie sahen, da ist eine Frau, die sich nicht beugt.
09:39Die nie still ist.
09:41Die nie vergisst, wer sie ist.
09:43Ich arbeitete bis zum letzten Tag.
09:49Ich starb am 10. Januar 1971 im Ritz.
09:55Alle meine Kleider lagen fein gefaltet im Schrank.
10:01Ich hatte noch ein neues Kostüm skizziert.
10:04Ein Letztes.
10:07Meine letzten Worte?
10:09So stirbt man also.
10:11Nicht dramatisch.
10:15Eher lakonisch.
10:16Eher lakonisch.
10:17So, wie ich war.
10:19An meinem Begräbnis kamen sie alle.
10:23Die Models trugen schwarz.
10:25Die Models trugen schwarz.
10:26Nicht aus Trauer.
10:28Aus Stil.
10:30Ich war keine Heilige.
10:35Ich war kein Engel.
10:37Ich war eine Frau, die wusste, was sie wollte.
10:41Und die es sich nahm.
10:44Ich habe Frauen befreit.
10:46Nicht durch Politik, sondern durch Mode.
10:50Ich habe Eleganz neu definiert und ich habe nie um Erlaubnis gebeten.
10:55Denn eines bleibt wahr, egal wie sich die Welt dreht.
11:02Ich mache keine Mode.
11:05Ich bin Mode.
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