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Transkript
00:00Dies ist die Geschichte der größten Wirtschaftskriminellen des letzten Jahrhunderts.
00:07Rudolf Fine Steindling, Geschäftsfrau, Kulturmäzenin und Kommunistin.
00:13Sie werden wenige Leute in Wien in der Politik oder in der Finanzwelt antreffen, die Rudolf Fine Steindling nicht gekannt haben.
00:22Von den Wienern liebevoll die Rote Fini genannt.
00:26Die Dame der Gesellschaft, gut verheiratet, guter Job.
00:31Wie hat sie es geschafft, so weit zu kommen?
00:35Sie hat halt für Geld alles gemacht.
00:37Um wie viel Schilling geht's denn?
00:39Sie hat Riesenbeträge veruntreut. Also Frau Steinling war für mich eine Wirtschaftskriminelle.
00:45Der Handel zwischen Ost und West, das war ihr Revier.
00:49Keine Sorge, ich mach nix, wo kein Geld rausspringt.
00:53Scheffelte sie so ihre Millionen?
01:03Wie kam sie zu dem vielen Geld? Gewitztheit, Skrupellosigkeit oder war sie Profiteurin besonderer Zeitumstände?
01:14April 1945. Die Sowjetunion gewinnt die Entscheidungsschlacht um Wien.
01:19Damit haben die Russen zunächst das Sagen in der Stadt.
01:23Die junge Rudolf Fine Eckel ist da gerade mal zehn Jahre alt.
01:27Haben die harten Nachkriegsjahre ihr Streben nach Macht und den unbedingten Willen zum Erfolg geprägt?
01:35Zu Beginn der 1950er Jahre besucht sie zunächst die Handelsschule, erlernt die Grundlagen der Bilanzbuchhaltung.
01:43Nach der Lehre beginnt Fine bei der Zentralwechsel- und Kreditbank, der Wiener Filiale einer ungarischen Bank.
01:52Sie kommt gut voran, ist ehrgeizig und bringt es bis zur Prokuristin.
02:00Die junge Fine wirft ein Auge auf den gut aussehenden Bankkaufmann und angehenden Vizidirektor Adolf Steinling, der sich Dolly nennt.
02:09Fine weiß, dass der bereits verheiratet ist.
02:13Mit der jüdischen Ex-Widerstandskämpferin Wilma hat Dolly zwei Kinder, Elisabeth und Ruth.
02:24Dann haben sie auch schon sehr bald so eine Beziehung miteinander begonnen, die aber heimlich war.
02:31Also das hat ein Doppelleben geführt. Aber mein Vater hat immer geglaubt, dass wir von nichts wissen. Er hat uns immer für blöd verkauft.
02:401966 lässt sich Adolf Steinling von seiner Frau scheiden. Endlich kann Fine ihren Dolly heiraten. Eine gemeinsame Tochter kommt zur Welt.
02:52Dolly ist tatsächlich zum Bankdirektor aufgestiegen. Jetzt spielt Fine sozial und wirtschaftlich in der richtigen Liga.
03:00Doch als Ehefrau des Direktors kann sie in der Bank nicht bleiben. Es könnte Interessenskonflikte geben, deshalb muss Fine ausscheiden.
03:08Ist Fines Höhenflug schon wieder zu Ende?
03:16Die Lösung für Prokuristin Fine ist die Kommunistische Partei Österreichs. Wie Dolly ist auch Fine Mitglied in dieser Partei.
03:24Die KPÖ unterhält ein Firmenimperium, das Fine verwalten soll.
03:30So wie die wirtschaften, muss man denen einmal ordentlich auf die Finger schauen.
03:35Das ist aber ein fesches Ringerl.
03:39Das Ringerl, das ist von meinem Dolly. Er kann es nicht lassen, er weiß, dass ich die schönen Dinge mag.
03:47Ja, das ist aber auch ein fescher Mann, wenn ich das sagen darf.
03:50Eigentlich kommt das Ringerl da gar nicht richtig zur Geltung. Das war in meiner Bank anders mit den vielen Kunden.
03:59Aber hier ist es auch nicht schlecht, gell? Dann werden wir eben da alles schön machen.
04:05Die KPÖ profitiert von der Situation nach dem Krieg. Bis 1955 ist Österreich unter den Alliierten aufgetreten.
04:13Den Osten kontrollieren die Sowjets, Wien alle gemeinsam.
04:19Wir hatten wie in Berlin eine Sektorensituation, nur mit dem Unterschied, dass es damals in Wien keine Grenze oder keine Mauer gab,
04:29die so unüberwindlich war wie in Ost- und West-Berlin.
04:33So dass ein sehr starker Austausch zwischen sowjetischen und den Sowjets,
04:38Österreichischen Geschäftsträgern war.
04:45Viele Wiener finden in den von den Sowjets verwalteten Betrieben Arbeit.
04:50So kommt die Wirtschaft wieder in Schwung und die Sowjets sichern sich wirtschaftlichen Einfluss.
04:56Und planen durch die Kontrolle wichtiger Branchen ein Österreich nach kommunistischem Vorbild.
05:02Eine Win-Win-Situation.
05:04In der sowjetischen Besatzungszone gibt es einen sowjetischen Wirtschaftsapparat, die sogenannten USIA-Betriebe.
05:10Und die KPÖ beginnt während der Besatzungszeit ihr eigenes Firmenimperium.
05:15Das ist auf Betrieben gefußt, die in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone waren, hauptsächlich im Rohstoffbereich.
05:21Kohle, Öl, Holz, Textilien auch.
05:26Nach Abzug der Alliierten 1955 beginnt die KPÖ in Wiesbaden.
05:31Nach Abzug der Alliierten 1955 übernimmt die KPÖ auch die Firmen in der bisherigen sowjetischen Besatzungszone.
05:41Ich glaube, da ist eine Menge Potenzial in den Anleihenfirmen.
05:46Man muss sie nur richtig auf die Spur bringen.
05:51Das tut Fini mit kapitalistischem Gespür und unter dem alleinigen Ziel der Gewinnmaximierung.
05:58Fakt ist, dass sie relativ bald im Wirtschaftsapparat der KPÖ immer mehr Funktionen übernimmt und dann ja auch 1969 ihre Parteimitgliedschaft zurückgibt,
06:08was eine übliche Vorgangsweise war, wenn Parteimitglieder im Wirtschaftsapparat die Führungsfunktionen waren.
06:16Und während Fini das Firmengeflecht der KPÖ zum Wachsen bringt – sie legt Firmen zusammen und liquidiert solche, die kein Geld mehr bringen –
06:23verdüstert sich die politische Großwetterlage.
06:28Seit dem Bau der Mauer sind die Beziehungen der ehemaligen Verbündeten USA und Sowjetunion auf dem Nullpunkt.
06:35Der kalte Krieg, der die nächsten Jahrzehnte prägen wird, hat begonnen.
06:42Der eiserne Vorhang scheint undurchdringlich. Handelsbeziehungen zur DDR kommen zum Erliegen.
06:50Doch im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland, die sich ausschließlich nach Westen orientiert, agiert das neutrale Österreich ganz anders.
07:02Österreich war schon immer eine Schnittstelle für den Ost-West-Handel.
07:06Nach Abzug der Alliierten nehmen die Firmen der KPÖ eine Schlüsselrolle ein.
07:10Von den 50er Jahren an gibt es eine DDR-Kammervertretung in Wien. Die arbeitet auch mit den verschiedensten KPÖ-Firmen zusammen.
07:18Da gibt es dann für jede Branche eine Firma, die zuständig ist.
07:22Und Fini kümmert sich um die Vermittlung und um die Finanzen.
07:27Bei ihr laufen alle Fäden zusammen.
07:30Auf Einladung Österreichs kommt 1967 die erste Delegation um DDR-Wirtschaftslenker Günther Mittag zu Besuch nach Wien.
07:39Beide Seiten unterstrichen die Notwendigkeit, langfristige Wirtschaftsverträge zwischen der DDR und Österreich abzuschließen.
07:47Österreich ist ein exportorientiertes Land.
07:51Es ist daher jedes Land für uns interessant, welches österreichische Waren kauft.
08:01Doch viele Waren sind in der DDR-Kammer nicht mehr in der Hand.
08:05In der DDR-Kammer sind die Waren nicht mehr in der Hand.
08:09In der DDR-Kammer sind die Waren nicht mehr in der Hand.
08:12In der DDR-Kammer sind die Waren nicht mehr in der Hand.
08:16Doch viele Waren dürfen nicht mehr in den Osten exportiert werden.
08:20Seit 1950 gilt ein Embargo, das es Westfirmen verbietet, Hochtechnologie in Ostblockstaaten zu liefern.
08:28So sollen die Länder im sowjetischen Einflussbereich wirtschaftlich geschwächt werden.
08:34Doch viele Firmen wissen, wie sie das Embargo umgehen können und exportieren weiter in Hightech-Produkte heimlich.
08:43Für den verdeckten Geldfluss hilft Finanzexpertin Rudolf Fine gerne weiter.
08:52Ja, der Herr Kanner.
08:55Grüß Gott Kneffrau.
08:57Was bringen Sie mir denn heute wieder Gutes?
08:59Hier, die Überbringersparbücher. Diesmal sind noch ein paar mehr hinzugekommen.
09:04Was, so viele?
09:06Das Geschäft spricht sich rum. Quittung braucht man nicht, gell Kneffrau?
09:10Nichts ist besser als Vertrauen.
09:13Mit einem legalen Bankprodukt, kreativ eingesetzt, etabliert Fine ein diskretes Bezahlsystem für West und Ost.
09:20Überbringersparbücher sind anonyme Sparbücher, die es dem Empfänger des Sparbuchs ermöglichen,
09:27sofern er zusammen mit dem Sparbuch auch das geheime Losungswort dafür erhalten hat,
09:32das Geld unkompliziert und ohne weitere Ausweisleistung in bar abzuheben.
09:37Natürlich lässt sich über diese Praxis theoretisch Geld waschen.
09:45Ich denke, dass Frau Steinling Ideale hatte. Dazu war sie auch eine überzeugte Kommunistin,
09:55auch wenn sie eine Kommunistin war, die man als Gucci-Kommunistin bezeichnet hat.
10:02Trotz ihrer Erfolge ist Fine die Welt der KPÖ zu klein.
10:07Sie will richtig im Ost-West-Handel mitmischen, doch dafür fehlen ihr die Kontakte zur westlichen Wirtschaftsseite.
10:14Das bringt mir alles nichts.
10:18Da fällt ihr das Dossier der Firma Novum in die Hände.
10:22Eine Handelsgesellschaft für Import und Export mit Sitz in Ost-Berlin.
10:27Vielleicht der Schlüssel zu einem neuen Geschäftsbereich?
10:32Die Novum soll Vertreter und Vermittler sein für Westfirmen, die mit der DDR Handel treiben wollen.
10:40Bisher hat die Novum kaum etwas an Vermittlung zustande gebracht.
10:46Die Verträge offenbaren, dass es sich um eine Tarnfirma der SED handelt, für die man nur treuhänderisch arbeiten kann.
10:54Was die Novum allerdings zu bieten hat, sind sehr gute Verbindungen zu großen Firmen in Österreich, der Schweiz und in Westdeutschland,
11:03die dem System der Zwangsverwaltung unterliegen.
11:08Wie zum Beispiel Föst Alpine,
11:12Steierdaimler Puch,
11:15Ziba Geigy
11:18oder Bosch.
11:21Das bedeutete, dass Westfirmen in der DDR nur dann Geschäft machen können, wenn ein sogenannter Zwangsvertreter zwischengeschaltet ist.
11:30Das hatte zum einen den Vorteil für die DDR, dass man das Geschäft konzentrieren und kontrollieren konnte
11:39und zum anderen auch den ganz klaren, auch lukrativen Vorteil,
11:43dass diese Zwangsvertretergesellschaften Provisionen einkassiert haben.
11:50Am Wiener Kohlmarkt bezieht Fini ihr eigenes Büro und steigt 1973 zu 50 Prozent treuhänderisch bei der Novum ein.
12:00Fini ist damit die einzige weibliche Zwangsverwalterin in Österreich und das beschert ihr ein Jahresgehalt im heutigen Wert von 130.000 Euro.
12:10Die Novum in Wien-Steinlingen am Apparat, was kann ich für Sie tun?
12:16Um wie viel Schilling geht's denn?
12:19800.000.
12:22Ja, dann bis nächste Woche, freu mich. Wiederhören.
12:26Das Zwangsvertretermodell für Geschäfte zwischen Ost und West floriert.
12:31Provisionen betragen üblicherweise 4 Prozent.
12:35Ein neuer Player betritt 1970 die deutsch-deutsche Bühne und verhilft Fini zu noch mehr Geschäft, Willy Brandt.
12:45Als deutscher Kanzler besucht er die DDR.
12:50Jetzt interessieren sich noch mehr westdeutsche Firmen für den DDR-Markt.
12:54Fini ist in ihrem Element. Mit der Novum kann sie neue Märkte erschließen.
13:00Wer von euch hat denn schon mal mit dem Westen zusammengearbeitet? Oder mit dem Osten?
13:05Also wir reden hier nicht über Ramschverkauf, wir sprechen von echten Wirtschaftsbrücken.
13:10Wer von euch hat denn schon mal mit dem Westen zusammengearbeitet? Oder mit dem Osten?
13:17Also wir reden hier nicht über Ramschverkauf, wir sprechen von echten Wirtschaftsbrücken.
13:22Das erste Mal eine deutsch-deutsche Zusammenarbeit. Und die kostet auch was, aber nur für die West-Manager.
13:30Weil für die ist das doch keine große Summe. Das zahlt man, wie es bei uns so schön heißt, aus der Portokasse, oder?
13:36Und dann die Herren aus dem Osten. Wer von euch hat denn eine Vorstellung vom Westmarkt?
13:41Wie könnte eine Zusammenarbeit da ausschauen?
13:45Ja, das fragen wir uns auch. Ich sage nur, Planwirtschaft.
13:49Ihr Leben in der Planwirtschaft. Wie soll das denn zusammengehen?
13:54Ja, meine Herren, es gibt einen Zugang zum DDR-Markt. Aber das könnt's nicht bei jedem kriegen.
14:00Das gibt's nur bei der Novum und bei mir.
14:02Sicherlich war sie in Bezug auf die DDR durch diese Verbindungen mit der Kommunistischen Partei in Österreich eine wichtige, um nicht zu sagen, eine Schlüsselfigur.
14:16Beginnend mit dem österreichischen Kanzler Bruno Kreisky bringt Rudolfin Regierungsmitglieder und Firmenmanager mit der wirtschaftlichen Führungselite der DDR zusammen.
14:28Wer Geschäfte machen will, kommt an Fini nicht vorbei.
14:32Für ihre Verdienste um die österreichische Wirtschaft ernennt sie Bundespräsident Kirchschläger zur Kommerzialrätin.
14:40Immer häufiger pendelt die Novum-Chefin zwischen Wien und Ost-Berlin hin und her.
14:46Grenzkontrollen, lange Warteschlangen, all das gibt es für die rote Fini nicht.
14:52Es gab keine Beschränkung für sie, sie hatte große Freiheiten, also zu Recht, wenn man so ein Unternehmen leitet und solche Verträge in diesen Summen abwickelt.
15:03Am Firmensitz der Novum GmbH in der Wönnigsstraße in Ost-Berlin bringt Fini erfolgreich Manager aus Ost und West zusammen.
15:11Wie kommen wir an die Kunden ran?
15:13Sehr gute Frage, das ist meine Aufgabe. Ich stelle die richtigen Anbieter und Abnehmer zusammen.
15:18Also haben wir eigentlich gar keine Wahl. Planwirtschaft.
15:22Planwirtschaft hat auch ihre Vorteile, das werden Sie sehen.
15:26Aber diese Vorteile leuchten mir noch nie ein.
15:29Sie können jetzt auch Ihren Bedarf an Westprodukten anmelden.
15:33Gut, aber das glaube ich erst, wenn ich es sehe.
15:35Noch Fragen?
15:37Für welchen Zeitraum sind solche Partnerschaften eigentlich angedacht?
15:41Möglichst langfristig, damit man sich nicht auf immer wieder neue Konditionen einstellen muss, das ist doch in unser aller Sinne, meine Herren, oder?
15:51Wenn die Konditionen stimmen.
15:54Bezweifeln Sie das jetzt immer noch?
15:56Wofür uns?
15:58Keine Sorge, ich mache nichts, wo kein Geld rausspringt.
16:02Wir wollen doch alle was verdienen und wir werden was verdienen.
16:07Mehr als genug.
16:08Mehr als genug.
16:13Persönliche Beziehungen sind im Geschäftsleben das A und O, auch auf höchster politischer Ebene.
16:22Rudolfine Steindling hat dafür einen untrüglichen Instinkt und pflegt die entsprechenden Kontakte.
16:30Wer waren diese SED-Bandsen, die sie in ihrem Adressbuch hatte?
16:34War das jetzt Hornecker, zum Beispiel, oder war es Schaltkoll und Kostke? Nein, offenbar war es hauptsächlich Gerhard Beil.
16:40DDR-Außenhandelsminister Gerhard Beil und Fini verbindet seit Jahren eine verlässliche Partnerschaft.
16:47Wir sind interessiert, die Entwicklung, die sich vor allem in den letzten fünf Jahren so gut abzeichnete, auch in den kommenden Jahren fortzusetzen.
16:56Die DDR profitiert von der Entwicklung insbesondere auch die SED, die Sozialistische Einheitspartei.
17:03Aber auch die österreichische Wirtschaft und vor allem Rudolfine Steindling.
17:101983, nach dem Tod ihres Mannes, übernimmt sie auch die restlichen 50 Prozent der Novum und stürzt sich noch mehr in die Arbeit.
17:24Von den staatlichen Provisionen investiert sie einiges in Immobilienwerte.
17:29Und als Mäzenin fördert sie Kultur und spendet großzügig für die Wiener Oper.
17:37In den 1980er Jahren erzielt sie 117 Millionen D-Mark Gewinn. Und das sind nur die offiziellen Einnahmen.
17:47Für die kleine Gefälligkeit von gestern.
18:02Also in einer Zeit, wo Frauen an der Spitze von Wirtschaftsbetrieben in der Finanzbranche etc.
18:08eine absolute Seltenheit waren, war sie sicher herausragend da, nicht?
18:13Also eine Vorkämpferin kann man fast sagen. Also so viele gab es da nicht.
18:18Daher auch natürlich im Mittelpunkt und auffällig.
18:22Na, was sagst du? Ist das nicht wunderbar?
18:26In Wien wurde sie als Dame der Gesellschaft gesehen.
18:30Sie hat sich als eine Dame der Gesellschaft ausgewählt.
18:34In Wien wurde sie als Dame der Gesellschaft gesehen.
18:38Teilweise als Mäzenin, hat Kunst, Kultur gefördert, auch Sozialprojekte gefördert.
18:43Und das war die öffentliche Wahrnehmung.
18:51Tatsächlich genießt sie es, auch gesellschaftlich im Mittelpunkt zu stehen.
18:58Aber nicht alle trauen ihrem Charme.
19:02Ich würde sagen, süßlich.
19:07Auf Wienerisch würde man sagen, scheißfreundlich.
19:10Ich war immer missträucht, weil ich immer wusste, da rennt im Hintergrund wieder irgendeine Intrige.
19:16Na, wann der Wagner noch nicht immer mit der Länge so übertreibend hält.
19:21Was meinen Sie, Frau Kommerzialrat, Sie sind doch hier die Opernerin.
19:25Ach, wissens...
19:26Ach, wissens... Oje!
19:29Wie ist denn jetzt das passiert? Das wollte ich aber nicht.
19:33Ich zahl die rein.
19:35Ja, passt schon.
19:37Ach, wissens, wenn man den Wagner nicht versteht, dann muss man sich halt eine andere Oper aussuchen.
19:43Rodolfine Steinling hat in einem Land gelebt, in dem das Weglächeln Teil der Tradition ist.
19:57Die Beziehungen zwischen Österreich und der DDR werden immer bedeutender.
20:03Bundeskanzler Kreisky erkennt als erster westlicher Regierungschef die DDR als eigenständigen Staat an.
20:11Und diese Freundschaft ist hilfreich für die Geschäfte der Novum.
20:16Und Novum hat wirklich viel Geld und Provisionen kassiert über die Jahre.
20:21Da waren ein paar große Deals auch dabei, die vermittelt wurden.
20:23Unter anderem hat der österreichische Stahlkonzern Voest Alpine in der DDR in Stahlproduktion investiert.
20:31Auch dieses Geschäft wurde über Novum vermittelt.
20:38Die Voest ist ein verstaatlichter österreichischer Konzern, die Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke.
20:47Das Unternehmen soll für die DDR in Eisenhüttenstadt ein komplettes Stahlwerk schlüsselfertig bauen.
20:54Ein außergewöhnlich großes Vorhaben.
20:57Fertigstellung 1984.
21:01Projektleiter ist Horst Wimmer.
21:06Rodolfine Steinling, das war im Hintergrund die graue Eminenz.
21:12Sie war ja die Chefin der Novum, das war unser Zwangsvertreter.
21:17Aber sie ist nur wirklich sehr sporadisch aufgetreten.
21:22Sie war im Prinzip, würde ich so vielleicht formulieren, das Sprachrohr des Politbüros oder der Nomenklatura uns gegenüber.
21:35Zur Einweihung, großer Empfang für Österreichs Bundeskanzler Fried Sinowaz.
21:42Das Stahlwerk ist nach vierjähriger Bauzeit fertiggestellt.
21:50Am Ende hat Fini den Deal nach Österreich geholt.
22:00Im Hintergrund und doch überall präsent, Rodolfine Steinling, die kräftig mitverdient.
22:12Die Novum mussten wir mit vier Prozent des Auftragswertes bedenken.
22:18Der Auftragswert war 12,33 Milliarden Schilling. Vier Prozent war ja nicht gerade wenig.
22:28Das Stahlwerk steht, aber es gibt Probleme mit den Embargo-Bestimmungen.
22:34Computer, die das Stahlwerk steuern, dürfen nicht in die DDR eingeführt werden.
22:40Es war für uns dann schlussendlich unmöglich, die Computer zu beschaffen, ohne gegen irgendwelche Embargo-Regeln gravierend zu verstoßen.
22:53Auch die Vöst-Alpene muss sich offiziell an die Regel halten. Keine Einfuhr von Computertechnologie in die DDR.
23:02Gibt es auch dafür kreative Lösungen? Gegen entsprechendes Kleingeld?
23:07Und dann sind sie gekommen, okay, 60 Millionen Schilling, das war ungefähr der doppelte Preis.
23:15Und wir beschaffen uns das selbst. Vier Wochen darauf waren die Computer da.
23:20Also dass man sieht, was Embargos für Wirkung haben. Gar keine.
23:26Innovum in Wien, Steinling am Apparat, was kann ich für Sie tun?
23:30Fini ist inzwischen sehr wichtig für den Geldfluss der SED, aber kann man ihr trauen?
23:36Könnte sie eine Doppelagentin sein?
23:40Fini wird überwacht.
23:43Jetzt sind die schon wieder da.
23:47Mein, glaubt ihr, ich bemerke euch nicht?
23:50Also es wurden viele Westler, die für die DDR nützlich waren und die eigentlich gebraucht wurden, dennoch überwacht.
23:58Dazu muss man auch sagen, mitunter gab es so Eigenmächtigkeiten des Geheimdienstes.
24:07Der gefürchtete Inlandsgeheimdienst der DDR, die Stasi, dringt ohne Vollmacht in die Privatsphäre der Bürger ein.
24:14Und sogenannte IMs, inoffizielle Mitarbeiter, werden von der Stasi in die Novum eingeschleust.
24:25Ob diese IMs dafür sorgen, dass Fini verhört wird?
24:33Jetzt holen Sie mal umgehend den Herrn Minister in die Leitung.
24:37Ja, ich warte.
24:40Ja, Gerd, bist du's?
24:44Ich wollte mich bei dir bedanken, weil du dich im Verhör so vor mir gestellt hast.
24:49Mit denen ist der Arsch auf Grunde gegangen, das sag ich dir.
24:53Das müssen sie erst einmal verdauen.
24:56Aber weißt du, so unter uns, vergiss nicht, Gerd, ich schaffe das.
25:02Ich werde dich nicht vergessen.
25:04Aber weißt du, so unter uns, vergiss nicht, Gerd, ich schaffe deine Partei die Devisen ran.
25:12Wenn man die Stasi weiter so dazwischenpfuscht, dann fliegt man die ganze Novum um die Ohren.
25:17Niemand, weder in Wien noch in Budapest noch in Tel Aviv, wird dann weder mit mir noch mit der Novum weiter zusammenarbeiten.
25:24Und wo bleiben dann eure Devisen?
25:27Trotz Industriespionage und Schmuggelware, die technologische Entwicklung der DDR hinkt zehn Jahre hinter der des Westens her.
25:37Vor allem bei kleinen elektronischen Bauteilen wie Prozessoren oder Festplattenspeichern kann die DDR nicht mithalten.
25:46Man hat in den Jahren zuvor immer einzelne Elemente oder Komponenten im Embargo-Schmuggel in die DDR.
25:54So können Betriebe in der DDR zwar fehlende Teile ersetzen,
25:59doch rechnet man Geheimdienstaufwand und Schmuggelkosten mit ein, ist der Preis vergleichsweise hoch.
26:06Was könnte die Alternative sein?
26:09Die Idee war dahinter, eh mein Netz hier tausend Festplattenspeicher irgendwie in die DDR schmuggelt,
26:17dann holen wir doch gleich eine ganze Fabrik her.
26:19Eine ganze Fabrik? Wie lässt sich so ein gefährlicher Plan umsetzen?
26:26Und was machen wir nachher mit der zweiten Fabrik?
26:29Ich denke, du nimmst das Ganze nicht ernst genug.
26:32Glaubst du, das ist ein Witz?
26:34Wenn die uns draufkommen, wenn das in die Hosen geht, dann ist alles im Arsch.
26:39Weil dann haben wir nämlich die Stasi am Hals, gell?
26:41Finis-Verbindungen in die DDR sind gut, aber dieser Plan ist wirklich tollkühn.
26:46Er bestellte im Prinzip zwei Fabriken. Er bestellte eine Fabrik für Österreich.
26:51Der eine Teil ging nach Wien, wurde dort aufgebaut, im Stadtteil Liesing.
26:56Der andere Teil wurde in die DDR geschmuggelt, nach Meiningen.
27:00Hier im Robotronwerk in Meiningen soll die komplette in die DDR geschmuggelte Produktionslinie zur Herstellung von Festplattenspeichern.
27:07installiert werden.
27:09Die Idee war dann eben auch, dass die zweite Firma in Wien nie die Produktion aufnimmt oder dass die Spuren verwischt sind.
27:18Also eine Fabrik in Meiningen und eine in Wien.
27:21Die zweite Firma, die fackeln wir vielleicht ab. So wie es der Udo Proksch mit der Locona gemacht hat.
27:28Ja, mitten in Wien. Der Proksch hat den Brand auf Hoher See gemacht und den haben sie trotzdem erwischt. Du spinnst wohl.
27:35Was ist denn los mit dir? Du bist doch sonst nicht so ängstlich.
27:39Ich will ja nicht ins Gefängnis, auch nicht mit dir.
27:42Da brauchst du keine Angst zu haben. Die Stasi hat kein Gefängnis. Da bist du gleich ein Kopfkürzer.
27:50Genau so wird's gemacht. Sie bauen, bauen, bauen.
27:54Genau so wird's gemacht. Sie bauen die Wiener Fabrik und niemand ahnt, dass sie nur der Vorwand ist,
28:01um die Komponenten zur Herstellung von Festplatten in den USA zu bestellen, um diese dann postwendend in die DDR zu schmuggeln.
28:14Damals ist Falk Friemel bei Robotron Experte für Speichertechnik.
28:19Die Teile und auch die Ausrüstung kamen auf riesigen LKWs an, versteckt unter einer ganz anderen Ladung.
28:29Zum Beispiel Weinflaschen oder Schuhe habe ich selbst mal mit ausgeladen.
28:34Und dann war in der Mitte von dem riesigen LKW eine kleine Kiste mit einer Ausrüstung, die dann illegal hier abgegeben wurde.
28:43Hinter diesen Fenstern befindet sich damals die Fertigung der Festplatten.
28:48Ende der 80er begann dann die Produktion hier mit den illegal importierten Teilen.
28:55Und teilweise haben wir dann auch in zunehmendem Maße Einzelteile selbst produziert.
29:03Der waghalsige Plan geht auf.
29:06Während die Bauarbeiten bei der Wiener Fabrik stagnieren,
29:10wird eine komplette Produktionsanlage zur Herstellung von Festplattenspeichern in die DDR geschmuggelt.
29:19Hätte die DDR noch ein Jahr länger bestanden, hätte diese Fabrik auch wirklich so funktioniert, wie sie funktionieren sollte.
29:26Und niemand hat's gemerkt.
29:28Fini ist auf dem Höhepunkt ihrer Macht und ihrer kreativen Kriminalität.
29:36Auf den Novum-Konten liegen jetzt etwa 500 Millionen D-Mark.
29:41Eine halbe Milliarde.
29:44Er wirtschaftet im Auftrag der SED.
29:49Fini sieht einer strahlenden Zukunft entgegen.
29:53Doch dann die Katastrophe.
29:56Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer und Finis Geschäftsmodell endet auf einen Schlag.
30:04Niemand braucht mehr Vermittler für Geschäfte mit der DDR, weil es schon bald keine DDR mehr geben wird.
30:11Die DDR wird in den nächsten Jahrzehnten wieder in die Hand genommen.
30:15Niemand braucht mehr Vermittler für Geschäfte mit der DDR, weil es schon bald keine DDR mehr geben wird.
30:23Schneller als gedacht werden die beiden deutschen Staaten wieder vereinigt.
30:31Und was jetzt beginnt, ist die Jagd nach dem Geld, dem Geld der SED.
30:37Geld, das jetzt der Bundesrepublik Deutschland gehören soll.
30:40Die Parteien der DDR haben enorme Summen angehäuft.
30:45Nicht nur über Vermittlerfirmen, sondern auch über die Zwangsenteignung von Privateigentum.
30:501972 kommt es zur letzten Verstaatlichung von 11.000 Betrieben.
30:56Das Vermögen der SED wurde damals geschätzt ungefähr auf 6,1 Milliarden DM.
31:01Das waren also Bargeldbeträge in Banken, das waren große Firmenvermögen, das waren Hotelkomplexe, das waren Grundstücke und Gott weiß was.
31:11Im Juni 1990 entsteht die UKPV, die Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens von Parteien und Massenorganisationen in der DDR.
31:22Die Expertengruppe arbeitet eng mit der ebenfalls neu gegründeten Treuhandanstalt zusammen.
31:27Die Unabhängige Kommission hatte den Auftrag, das Vermögen der Parteien und Massenorganisationen zu ermitteln.
31:33Diese hatten Rechenschaftspflichten gegenüber der Unabhängigen Kommission.
31:37Die Unabhängige Kommission hatte aber auch die Möglichkeit, eigene Ermittlungen durchzuführen, um das Vermögen festzustellen.
31:44Während Bundeskanzler Helmut Kohl auf einer Welle der Sympathie schwimmt und die Wiedervereinigung voranschreitet, wird es für Fini und ihr Vermögen gefährlich.
31:55Die UKPV kommt zu der Auffassung, dass es sich bei den Novum-Geldern um SED-Vermögen handelt und informiert die Treuhandanstalt.
32:05Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Vermutung?
32:10Die Novum sei nur scheinbar eine eigenständige österreichische Firma, in Wahrheit agiere sie unter dem Dach der SED.
32:18Die Schlinge um Finis Hals zieht sich zu.
32:21Die Novum war eine etwas ungewöhnliche Konstruktion und deshalb haben wir uns das im Handelsregister etwas näher angeguckt und dabei sind wir auf die Treuhanderklärung gestoßen.
32:31Diese Treuhanderklärungen, die die jeweiligen Geschäftsführer und auch Frau Steinling zugunsten der VOB Centrac abgegeben hatte, haben dazu geführt, dass aus unserem Verständnis heraus die Novum als Firma und damit das gesamte in der Novum vorhandene Vermögen, SED-Vermögen und damit Parteivermögen,
32:49ist, was unter treuhänderischer Verwaltung ist.
32:54Fini hat ihre Anteile seinerzeit von der Centrac erhalten, der Zentralen Druckerei-, Einkaufs- und Revisionsgesellschaft, einer SED-Parteifirma.
33:06Im Jahr 1936 wurde die Novum in der Treuhanderklärung abgegeben.
33:11Im Februar 1992 erhält Fini ein Einschreiben von der Treuhandanstalt.
33:16Ab sofort stehe das Novum-Vermögen unter deren Verwaltung.
33:23Wann ist das Schreiben angekommen, gnädige Frau?
33:26Na, heute ist es kommend freilich. Direkt aus Ost-Berlin.
33:30Was denken Sie denn, warum Sie sie daher abzitieren?
33:33Eine Strategie wäre schön, weil die Treuhand behauptet, dass das gesamte Novum gilt, aber jetzt ihr gehört.
33:39Seit wann hat die Treuhand Anspruch auf österreichisches Geld?
33:42Wahrscheinlich ein Missverständnis. Das Schreiben ging ja auch in die Vöhnischstraße in Ost-Berlin.
33:47Geben Sie mal her.
33:52Das ist ein Schreiben von der Treuhand.
33:55Das ist ein Schreiben von der Treuhand.
33:58Das ist ein Schreiben von der Treuhand.
34:00Das ist ein Schreiben von der Treuhand.
34:15Ich werde die Treuhand verklagen.
34:17Gnädige Frau, das können Sie nicht machen. Das ist David gegen Goliath.
34:21Die Treuhand verfügt über ganz andere juristische Mittel.
34:24Das werden wir ja sehen.
34:25Sie können davon ausgehen, dass Frau Steinleng ein sehr starkes, ich sag mal so ein bisschen kriminelles Engagement an den Tag legte.
34:36Und über einen Apparat verfügte, der dazu diente, in damals Ost-Berlin Akten in ihrem Sinne zu manipulieren.
34:47Und während die Akten von den Erklärungen befreit werden, die belegen könnten, dass die Novum insgeheim eine SED-Firma war,
34:57arbeitet Fini auf ihre bewährte Art und Weise daran, etwaige Zeugen zum Schweigen zu bringen.
35:161992 beginnt das Verfahren Steinling gegen Treuhandanstalt. Es wird vier Jahre dauern.
35:31Wie sieht das denn auch aus, wenn Sie keinen einzigen Beleg für die Vorgänger haben?
35:35Ich finde das nicht schwierig. Das hat man halt so gemacht im Kalten Krieg.
35:40Wir sind aber nicht mehr im Kalten Krieg. Sie müssen die Belege herschaffen.
35:43Wie soll ich das jetzt anstellen? Jetzt beruhigen Sie sich mal.
35:48Sie war eine doch sehr selbstbewusste und resolute Frau. Sie hatte ein ordentliches Auftreten und sie war auch charmant.
35:59Man konnte sich sehr gut vorstellen, wie die sowohl mit den Spitzen in der SED umgesprungen ist,
36:05mit einer Mischung aus Charme und Resolutheit, und auch mit Firmenrepräsentanten aus dem Westen.
36:13Und dieses Selbstbewusstsein war im Gericht eigentlich schon auch zu sehen.
36:19Der Geschäftsschwerpunkt ist damals auf drei Ländern gelegen. Ungarn, Sowjetunion und Ostdeutschland.
36:28Ich habe immer einen engen Kontakt gehabt mit dem Herrn Außenhandelsminister Peil.
36:33Da hat sich eine Freundschaft entwickelt, soweit das möglich war.
36:36Papiere? Quittungen? Es ist alles vernichtet worden, wenn die Abrechnungen durch die Parteileitung abgenommen waren.
36:44Ich glaube, das stammt noch aus dem Kalten Krieg.
36:48Fini fährt reichlich Zeugen auf. Und alle behaupten nur das eine.
36:53Die Novum sei immer eine österreichische Firma der KPÖ gewesen.
36:57Sogar Erich Honecker, Versichert aus Chile an Eides Stadt, für ihn sei die Novum nichts anderes als österreichisch gewesen.
37:04Die Beweise, die die Fahnder gesammelt hatten, entkräftet.
37:091996 fällt das Gericht sein Urteil.
37:14Zur Urteilsbegründung. Die umfangreichen Zeugenaussagen und Zeitdokumente lassen nur ein zugunsten der KPÖ gelebtes,
37:23durch praktischen Vollzug ausgewiesenes Treuhandverhältnis hinsichtlich der Geschäftsanteile der Novum erkennen.
37:29Nicht jedoch ein Treuhandverhältnis zugunsten der SED. Der Klage von Rudolfine Steindling wird deshalb stattgegeben.
37:37Also, wer hat wie immer Recht gehabt?
37:42Herzlichen Glückwunsch, Gniffro.
37:44Da sehen Sie, dass ich wieder mein Recht behalten habe. Angriff ist die beste Verteidigung.
37:48Für die Fahnder, die dem Geld seit Jahren hinterherjagen, ist das Urteil eine herbe Enttäuschung.
37:55Wir hatten alle schon im Laufe unseres Berufslebens Prozesse verloren und Prozesse gewonnen.
38:02Das ist nun mal bei Gericht so, wenn man die Richter nicht überzeugen kann, verliert man.
38:07Und jetzt mussten wir eben ran, nochmal was beschaffen.
38:15Die Staatsanwaltschaft legt beim Berliner Oberverwaltungsgericht Berufung ein.
38:19Sie muss beweisen, dass die Novum in Wahrheit eine DDR-Firma war. Dafür loben die Fahnder eine hohe Belohnung aus.
38:30Wer die entscheidenden Hinweise geben kann, dem winken bis zu fünf Millionen D-Mark.
38:38Fini schafft es auf die Titelseite eines Boulevardplatz und damit erhöht sich der Druck auf die Fahnder ein weiteres Mal,
38:44denn jetzt bekommt auch die Öffentlichkeit Wind von Finis Treiben.
38:53Einer von Finis eigenen Anwälten packt schließlich aus.
38:57Fini habe Zeugen bestochen und belastendes Material aus ihren Akten entfernen lassen,
39:03damit die Novum nicht als SED-Firma enttarnt wird.
39:15Endlich können die Geldjäger Rudolfine Steinbling nachweisen, sie hat aktiv den entscheidenden Beweis,
39:22nämlich die Treuhand-Erklärung, verschwinden lassen.
39:26Am 23. September 2003, immerhin sieben Jahre nach dem Urteil der Vorenstanz, entscheidet das Oberverwaltungsgericht.
39:35Zur Urteilsbegründung. Das Gericht ist zu der Auffassung geschlossen.
39:39Zur Urteilsbegründung. Das Gericht ist zu der Auffassung gelangt, dass die Novum GmbH eine SED-Firma war,
39:45die nur nach außen hin als KPU-Firma galt.
39:49Eine Rechtsverdrehung nenne ich das. Es war damals einfach ein anderes System, da galten andere Regeln.
39:56Ich habe mich immer im Rahmen bewegt, das kann ich dafür, dass der sozialistisch gespannt war.
40:01Kann man noch in eine Revision gehen?
40:03Nein, gnädige Frau, beim Oberverwaltungsgericht ist leider Schluss.
40:06Noch einmal legt Fini Einspruch ein. Ohne Erfolg.
40:11Damit stehen der Treuhandanstalt jetzt die 500 Millionen der Novum zu. Eigentlich.
40:18Denn Fini wäre nicht Fini, hätte sie nicht vorgesorgt.
40:23Rückblende. 1991, also bereits ein Jahr bevor Rudolfine Steinling selbst die Treuhand verklagt,
40:30stattet sie ihrer Hausbank einen Besucher.
40:37Frau Kommerzialrat, welche Ehre Sie wieder begrüßen zu dürfen. Ich freue mich auch.
40:43Im Mai 1991 hatte sie ja noch große Geldbeträge der Novum auf den Konten der Bank Austria in Wien.
40:51Und die Bank Austria hatte eine Tochterbank in der Schweiz,
40:55dann hat Frau Steinling also 240 Millionen von den Konten aus Österreich dahin überwiesen.
41:04Und kurz darauf wurden diese Geldbeträge dann von der Schweiz aus wieder zurücküberwiesen an die Bank Austria,
41:15aber nicht auf ein Konto wieder von Novum, sondern auf ein bankinternes Konto.
41:20Das ist nur der erste Schritt, wie Fini die Spuren des Geldes verwischt.
41:26Ich habe ein paar Transaktionen zu machen.
41:29Ach so, ja. Von welchem Konto denn auf welches?
41:33Ich habe da eine ziemlich lange Liste. Aber keine Sorge, es bleibt ja alles hier.
41:39Ich will es nur ein bisschen anders verteilen.
41:41Fini begann dann, diese ganzen Gelder, die auf den Konten gewesen sind, in alle Welt zu verteilen.
41:45Nach Israel, in die USA, nach London, auf Banken in aller Welt.
41:51Ohne, dass man jetzt nachvollziehen konnte, was der tatsächliche Zweck dieser Überweisung war.
42:00Fini räumt auf.
42:03Sie lehrt Zug um Zug den Safe und das Büro.
42:09Sie verteilt das Geld großzügig und spendet viel.
42:13Auch nach Israel, wo ihre Tochter mittlerweile lebt.
42:19Den deutschen Behörden teilt sie mit, dass sie mittellos sei, bis auf etwas Kleingeld.
42:30Ich hätte gern zwei Millionen im Banken.
42:32Einen so hohen Getrag? Und Sie sind sicher, dass Sie den im Bar wollen?
42:36Ja, freilich. Es braucht nur der, der keine Scheine, der nichts zu versleudern hat.
42:41Dann werde ich das für Sie arrangieren.
42:45Es hilft ja alles nichts.
42:48Ich habe nichts falsch gemacht. Ra ist nur was für Verlierer.
42:54Spricht's.
42:56Und besteigt das Flugzeug nach Israel.
43:07Für die deutschen Behörden ist Fini unerreichbar.
43:14Deutschland sieht von ihr kein Geld.
43:18Aber da sind ja noch die Banken, die allzu bereit waren.
43:21Die werden nun von der Treuhand verklagt.
43:24Die Bank Austrien muss nun das Geld an Deutschland zurückzahlen.
43:28128 Millionen Euro plus 5% Zinsen über 16 Jahre.
43:34Weitere 150 Millionen an Deutschland zurückzuzahlen,
43:38dazu wird das Schweizer Bankhaus Julius Beer erst 2020 verurteilt.
43:43Eine andere Schweizer Bank wird auch nicht zurückzahlen.
43:47Eine andere Schweizer Bank, AKB, war zuvor mit 120 Millionen dabei.
43:52Sie bleibt eines der letzten ungelösten Geheimnisse der Geschichte des Kalten Kriegs,
43:57der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West.
44:01Das macht sie zu einem Mythos, der sie vermutlich auch bleiben wird.
44:06Rudolfine Steindling lebt in Tel Aviv und Wien.
44:11Drei Jahre lang lebt sie in einem Wohnhaus.
44:15Drei Jahre vor ihrem Tod schließt sie 2009 noch einen Vergleich.
44:20Sie überlässt den Deutschen 120 Millionen,
44:24dafür werden alle anderen Ansprüche gegen sie fallen gelassen.
44:33Das Geheimnis aber, wo all das andere Geld geblieben ist,
44:38das nimmt Fini mit ins Grab.
44:40Ich habe meine Arbeit immer gern gemacht
44:44und das ist eigentlich alles, was ich dazu zu sagen habe.
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