Spätestens seit den Qualifikationsspielen für die EURO 1988 in Deutschland (West) war der 1966 geborene Montenegriner ein Begriff. Die Bayern haben besonders ungute Erinnerung an Savicevic - im Halbfinale der Champions League 1990/91 entwischte er ein- um`s andere Mal dem für seine Schnelligkeit berühmten Außenverteidiger (und Weltmeister 1990) Stefan Reuter. Dank eines Eigentores von Klaus Augenthaler zogen die Belgrader ins Finale ein, das sie im Elfmeterschießen gegen Olympique der Marseille gewannen. Im Jahr darauf wechselte Savicevic, inzwischen 26jährig, dorthin, wohin es fast alle Weltklassespieler damals zog: nach Italien, in die Serie A.. Genauer: zum großen AC Milan, der unter Trainer Sacchi in den späten 80ern zweimal in Folge die Champions League gewonnen hatte. 1991 war der Pressing-Stratege Sacchi von dem Defensiv-Ideologen Fabio Capello abgelöst worden, aber noch hing der Geist seines Vorgängers in den heiligen Hallen von San Siro und Milanello. Mit der bewährten Achse niederländischer Weltklassespieler - Van Basten, Gullit, Rijkaard - gewann Milan den Scudetto 1991/92, ohne ein einziges Match verloren zu haben. Dagegen konnte Capello schwerlich etwas einwenden, oder ? Im EURO-Sommer 1992 änderte die UEFA infolge der Lobby-Arbeit Berlusconis und Tapies ihre Ausländer-Regularien: 3 Ausländer pro Spiel, aber jeder Verein darf bis 6 ausländische Spieler unter Vertrag haben. Offensichtlich plante Capello die Zukunft ohne die Holländer, die den Offensiv-Fußball der Sacchi-Ära ikonisch verkörperten. Wenn Capello seine bête noire Ruud Gullit spielen ließ, unterlief der Niederländer das Austeritätsgebot seines Trainers, in der Saison 1992/93, als ihm bereits die Neuverpflichtungen Papin, Boban und Savicevic im Nacken saßen, sorgte Gullit dafür, daß die Rossoneri fröhlich stürmten. Im ersten Match der Saison hatte Capello ihn auf die Tribüne gesetzt, gegen den AC Florenz, den die Experten mit seinen Neuerwerbungen Brian Laudrup und Effenberg für einen Scudetto-Aspiranten hielten, stand Ruud Gullit wieder von Anbeginn auf dem Platz. Milan fing sich 3 Gegentore, die Capello ärgerten, und umso mehr, als das Spiel ihm keinen Grund lieferte, den unbequemen Niederländer auszusortieren, zumal Gullit eine Weltklasseleistung gezeigt und zum 3-7 Erfolg 4 sehenswerte Treffer beigesteuert hatte. Savicevic stand in den Startlöchern bereit - Gullit & Van Basten sorgten weiterhin für Kantersiege mit 2 oder 3 Gegentoren. Van Basten war unantastbar, aber Gullit mußte in der Weihnachtspause seine Sachen packen. Beim Ligakonkurrenten Sampdoria Genua brillierte er derart, daß manche sich fragten, wie Capello einen solch genialen Spieler nur habe ziehen lassen können. Bald darauf stürzte Capello den großen Frank Rijkaard, einen der komplettesten Allrounder der Fußball-Historie, einen Spieler, der schlechterdings - und mehr noch als Ruud Gullit - auf jeder Position spielen konnte. Rijkaard blieb nicht in Italien, sondern kehrte zu Ajax Amsterdam zurück.
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