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  • vor 42 Minuten
Wie ist aktuell der Austausch zwischen Schiedsrichtern und Bundesliga-Trainern? Kann man mit der Eingriffsschwelle des VAR zufriedener sein als zuvor? Und wie reagieren die Schiris auf die zunehmenden Blockvarianten bei Eckbällen? Im kicker-Interview spricht der Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH Knut Kircher unter anderem über diese Themen.

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Sport
Transkript
00:02So, einen wunderschönen guten Tag vom DFB Campus hier in der DFB Schiri GmbH. An meiner Seite heute
00:09Knut Kircher, der Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH. Herr Kircher, grüße Sie.
00:14Hallo, grüße Sie. Vor anderthalb Wochen, der erste Montag in der Länderspielphase,
00:20da gab es regionale Treffen von Mitgliedern der DFB Schiri GmbH, von aktiven Schiedsrichtern und
00:26Bundesligatrainern auf der anderen Seite. Herr Kircher, Sie waren in Frankfurt. Wer war denn da
00:30von den Trainern? Ja, bei uns in Frankfurt war von den Bundesligatrainern Vincent Wager, Julian Schuster,
00:37Adi Hütter und Urs Fischer. Was waren die Schwerpunkte des Austauschs und was waren vielleicht
00:44auch die Hauptanliegen der Trainer an die Schiedsrichter nach dem Saisonstart? Ja, wir haben noch nicht so viele
00:50Spieltage gehabt jetzt in der Bundesliga und der zweiten Liga. Deshalb war es uns ganz wichtig,
00:55einfach noch mal zu resümieren. Wir haben viele Neuerungen gehabt, unter anderem auch die
01:01Countdowns. Wie kommt das an? Und dann ist es für uns immer wichtig, sind wir noch auf der gleichen
01:07Seite, wenn wir den Fußball betrachten, in Richtung Serious-Foul-Play, Handspiel. Und da haben wir
01:13festgestellt, ja, wir sind da noch auf der gleichen Seite, obwohl es auch kontroverse Diskussionen gab.
01:19Und es ist auch gut so, dass es die gibt im Fußball. Es gibt nicht immer nur 100 Prozent
01:23einer Meinung. Und dann auch verschiedene Blickwinkel von Trainern einzunehmen, was genau diese
01:30Regelneuerungen denn auch bewirken, die wir wiederum dann Anfang Oktober mitnehmen in die
01:35Stützpunkte mit den Aktiven. Was kam von den Trainern zurück? Die Countdowns waren jetzt,
01:39glaube ich, kein großes Thema, bei der WM schon eingeführt. Aber ich glaube, es gab interessante
01:45Perspektivwechsel. Ja, auf jeden Fall. Die Perspektivwechsel betreffen dann immer das Thema,
01:50ist es jetzt ein Foul, ist es kein Foul, ist es ein Hand, ist es kein Handspiel. Und da gab
01:55es
01:55unterschiedliche interessante Perspektiven. Aber auch beim Countdown gab es unterschiedliche
01:59Ansichten, denen im Fußballkontext, wenn eine Mannschaft vorne liegt, wenn eine Mannschaft
02:05hinten liegt, wer soll und darf angezählt werden mit dem Countdown, schon interessante Sichtweisen,
02:13um dann in seine Ursprungsformation als Mannschaft zurückzukehren. Und solche Dinge nehmen wir auf.
02:20Bereiten sie auf und bringen sie dann in die Diskussion mit den Aktiven, um zu sagen,
02:23wie können wir darauf agieren, reagieren, uns aufstellen, sodass vielleicht ein Gefühl der
02:32Ungerechtigkeit gar nicht erst aufkommt, sondern dass wir dann nach vorne gerichtet wieder eine gute
02:36Gleichbehandlung innerhalb der Liga haben. Wir haben ja vorhin schon gesprochen, um es noch mal
02:40konkreter zu machen. Also die Trainer sagen, nicht nur die Mannschaft, die in Führung liegt, soll so ein
02:46bisschen unter Druck gesetzt werden von den Countdowns, sondern auch die, die vermeintlich
02:50ja noch aufholen müssen, dass es da eine Gleichbehandlung gibt im Sinne von Stress und
02:55zurückkehren in die Formation. Ist das richtig? Ja genau, das ist mitunter ein Blickwinkel, der
03:00eingebracht wurde und das durchaus legitim. Ja, wo man vielleicht sagt als Schiedsrichter, naja,
03:05wieso sollte denn die zurückliegende Mannschaft denn Zeit von der Uhr nehmen? Das nimmt normalerweise
03:11nur die Mannschaft, die vorne liegt. Aber das hat dann schon auch und deshalb ist es ja gut, diesen
03:17Austausch zu haben, einfach von Fußballpraktikern mit dann diese Blickwinkel rein zu bekommen, um das in
03:24die Gesamtgemengelage eingliedern zu können und zu sagen, ja, wie wollen wir denn da handeln? Und das
03:30ist mitunter ein Aspekt gewesen. Immer größere Bedeutung nehmen Standardsituationen ein für die
03:36Mannschaften. Es wird immer schwieriger, Standardsituationen oder Gegenstandardsituationen
03:41zu verteidigen. Offensiv-Mannschaften wollen auch ganz gezielt die Schlüsselspieler der Defensive der
03:48gegnerischen Mannschaft aus dem Spiel nehmen. Da kommt es zu diesem Blockverhalten. Wie wurde da
03:53von den Trainern argumentiert? Was ist denen wichtig, wenn es auch um das Verhalten gegenüber dem
03:58Torwart geht? Also in erster Linie, da ging es speziell um alle Entscheidungen, dass wir eine große
04:04Berechenbarkeit haben, eine Nachvollziehbarkeit, eine einheitliche Linie. Idealerweise in einem Korridor,
04:09wir reden seltenst von Linie, sondern mehr im Korridor. Und dass wir dann schon auch klar sind,
04:16wann ein VAR eingreift und wann nicht. Wir haben jetzt für diese Saison das Torwartblocken noch
04:21mal nach vorne gehoben, haben das klargezogen, sind da im Austausch mit den Trainern auch auf einer
04:27Ebene. Und das andere Thema Blocken von Abwehrspielern bzw. von Stürmern gegen Abwehrspieler auch da. Wenn
04:34das in einem unmittelbaren Zusammenhang hängt mit einer dann vielleicht Torerzielung, die dann
04:39Zustande käme, dann sind wir angehalten oder sind unsere Schiedsrichter angehalten, das dann
04:44auch zu sanktionieren bzw. der VAR. Jetzt müssen wir kurz dazu erklären, hier wird gebohrt am DFB-Campus,
04:50gewerkelt und gebaut und zwar am neuen VAC, das ja bekanntlich umzieht von Köln nach Frankfurt.
04:57Vielleicht da kurz die Frage, wie sehr freuen Sie sich darauf und wie sind Sie zufrieden mit dem
05:01bisherigen Handling der VAR-Eingriffsschwelle, die vielleicht noch einen Tick nach oben gerutscht ist,
05:06weil es jetzt auch in den internationalen Vorgaben ein Wörtchen dazukam. Können Sie das noch mal
05:11erklären, bitte? Ja, die Vorgaben, die bis dato galten und ich finde, dass wir sie in der Bundesliga,
05:18in der zweiten Liga auch gut umgesetzt haben mit Clear and Obvious. Wird jetzt ergänzt mit einem Wörtchen,
05:26immediately, sodass wir noch weiter wegbleiben, ein Stück weit eine Zeitkomponente gedanklich auch
05:32dazukommt, so alles um die 60 bis 90 Sekunden maximal zu schauen in den ersten zwei Bildern und nicht
05:40weiter suchen, nicht mikroskopisch vorgehen. Diese Linie wurde auch besprochen bei den Regionaltreffen
05:45mit den Trainern, fand bis dato und findet bis dato eine große Akzeptanz in der Anwendung, weil wieder viel,
05:51viel mehr Spielmanagement seitens der Schiedsrichter auf dem Platz bleiben kann, was die Schiedsrichter
05:57auch sehr begrüßen bis dato. Und deshalb ist diese Linie mit dem VAR gut akzeptiert und vor allen Dingen
06:07führt sie dazu, dass man sie nicht nur in Deutschland so anwendet. Wir haben uns letzte Saison schon auf
06:12den Weg gemacht, sondern man hat sie auch schon jetzt in den anderen Top-Ligen für die Champions League,
06:17Euro League, Conference League, Premier League und so weiter. Da haben wir uns darauf verständigt. Das ist gut.
06:21Einen einheitlichen Weg zu fahren. Also klar und offensichtlich und zwar unmittelbar klar und
06:27offensichtlich falsch, dann soll eingegriffen werden. Genau, das ist die Eingriffsgrenze. Jetzt noch
06:33eine kurze Abschlussfrage. Es gab ja verschiedene regionale Schwerpunkte mit dem Austausch der Trainer,
06:38einmal Frankfurt, Stuttgart, Leverkusen glaube ich, Bremen noch. Waren die 18 Bundesliga-Trainer
06:44komplett vertreten? Nein, die waren nicht vertreten. Wir haben das ja nicht nur für die Bundesliga-Trainer
06:49gemacht oder mit den Bundesliga-Trainer, sondern auch mit den Zweitliga-Trainer und den Drittliga-Trainer
06:53dieses Mal neu. Dementsprechend auch mit den Schiedsrichtern regional verteilt und der Terminkalender
06:59von vielen ermöglicht es nicht immer, dass man da auch teilnimmt. Aber die Teilnahmequote war schon
07:05sehr hoch von allen Trainern. Ja und wenn es denn Company war dabei, von dem man auch immer hört,
07:09dass ihm so ein Austausch wichtig ist mit Trainerkollegen, aber auch mit ihnen. Also ich würde sagen,
07:15all die Trainer, die egal aus welcher Liga teilgenommen haben, kommen, weil ihnen dieser
07:21Austausch wichtig ist. Und natürlich ist es uns auch wichtig, wenn so große Aushängeschilder
07:27dabei sind, weil dieser Blickwinkel, den die einbringen aus Sicht eines Abwehrspielers,
07:32eines Mittelfeldspielers, eines Angreifers, eines Trainers, eines Standardtrainers, das ist wichtig
07:37für uns, um noch mehr Fußballkompetenz zu bekommen, zu verstehen und sie dann zum Wohle des
07:43Fußballs auch umzusitzen. Sehr gut. Vielen Dank für das Gespräch und noch erfolgreiche
07:48Bauarbeiten hier am Campus. Danke.

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