Skip to playerSkip to main content
  • 1 day ago
Oddaja odkriva delovanje najnevarnejših hekerjev na svetu.
Imenujejo se Fancy Bear in Cozy Bear, in so elitne enote ruskih obveščevalnih služb.
Njihovi cilji: Bundestag, ameriške volitve in trenutno Ukrajina.

Category

📚
Learning
Transcript
00:00:00Nach dem Hackerangriff auf den Bundestag bemüht sich die Verwaltung des Parlaments um Aufklärung.
00:00:05Wie kann das eigentlich sein? Hacker beschaffen sich Informationen und beeinflussen dann eine Wahl.
00:00:11And Mexico will pay for the wall.
00:00:14Und alle dachten, was passiert jetzt?
00:00:17Da könnte was kommen. Und da kommt genau das gleiche wie in den USA.
00:00:21Dann nimmt man.
00:00:22Sura Uno.
00:00:25Also wenn ich ganz ehrlich sein soll, war meine Überraschung eher, dass die Deutschen nicht gemerkt haben.
00:00:32Prolog. Die Bären.
00:00:37Es waren einmal fünf Bären.
00:00:41Die lebten alle in Russland.
00:00:48Sie waren alle ganz unterschiedlich in den Dingen, die sie mochten und taten.
00:00:56Doch eine Gemeinsamkeit hatten sie.
00:01:00Sie waren alle ganz schön gefährlich.
00:01:06Da war der schicke Bär, elegant, gewandt und hinterlistig.
00:01:15Der faule Bär, der es sich gerne in den Heimen anderer bequem machte, um dort auf sie zu warten.
00:01:27Der Bär.
00:01:28Der Bär, der sich sehr für Energie in all ihren Formen interessierte und was man mit ihr anstellen kann.
00:01:39Der Voodoo-Bär, der eine ganze Palette an dunklen Künsten beherrschte.
00:01:46Und nicht zuletzt der giftige Bär, mit dem wirklich nicht zu spaßen war.
00:01:55Sie alle waren unerschrockene Kämpfer.
00:01:59Gemeine Kreaturen, die die Welt in Angst und Schrecken versetzten.
00:02:03Selbst in den entferntesten Ländern kannte und fürchtete man sie.
00:02:11Noch eines haben all diese Bären gemeinsam.
00:02:15Sie sind Metaphern, Spitznamen für Spezialeinheiten russischer Geheimdienste.
00:02:25In diesen Einheiten arbeiten Hacker.
00:02:28Die wohl gefährlichsten der Welt.
00:02:30Sie haben unterschiedliche Aufgaben.
00:02:33Spionieren, Bloßstellen, Verwüsten.
00:02:36Sie sind nicht nur eine Bedrohung für Computer oder Netzwerke.
00:02:40Sie sind eine Gefahr für westliche Demokratie.
00:02:44Sie sind ein Werkzeug der Destabilisierung, der psychologischen Kriegsführung, der politischen Manipulation.
00:02:52Sie haben es schon bis in den Bundestag geschafft.
00:02:56In die E-Mail-Postfächer der Abgeordneten unseres Landes.
00:03:00Sie haben Donald Trump in seinem Wahlkampf 2016 mit aller Macht unter die Arme gepackt.
00:03:06Sie reisen um die Welt im Interesse des Regimes von Wladimir Putin.
00:03:11Und sie spielen seit Jahren eine wichtige Rolle in Russlands brutalem Krieg gegen die Ukraine.
00:03:18Diese Dokumentation zeigt, wer diese Hacker sind, wie sie operieren und wie wir uns vor ihnen schützen können.
00:03:44Die Welt im Interesse des Regimes von Wladimir Putin.
00:04:13Kapitel 1
00:04:14Die E-Mail
00:04:17Diese Geschichte beginnt mit diesem Strich über dem E.
00:04:21Und mit Claudia Heid.
00:04:23Sie arbeitet damals in Berlin.
00:04:25Als Mitarbeiterin einer Abgeordneten im Bundestag.
00:04:29Ja, mein Büro ist unter den Linden 50.
00:04:33Es hört sich schön an.
00:04:34Vor meinem Fenster sind allerdings Birken und keine Linden.
00:04:38Aber es ist eigentlich ein sehr schönes Büro in der Nähe des Bundestages.
00:04:42Von meinem Büro aus blicke ich mitten in einen schönen Innenhof,
00:04:45auf dem sowohl schöne Birken sind, als auch ein Kunstwerk, das eine Sonne mit einem Sonnenstrahl symbolisiert.
00:04:53Es ist der 8. Mai 2015.
00:04:56Ein warmer Freitag im Frühling.
00:04:58Das Wochenende steht vor der Tür.
00:04:59Ja, ich versuche eine E-Mail zu schreiben an René.
00:05:02Wir müssen zusammen einen Ausschuss vorbereiten.
00:05:05Ich schreibe ihm und stelle fest, ich kann das Axon Degue über René nicht setzen.
00:05:11Und da es ihm aber sehr wichtig ist, schreibe ich nicht einfach weiter,
00:05:14sondern versuche erstmal herauszufinden, Wört schließen, öffnen, ändert sich nichts.
00:05:19René hat immer noch keinen Axon über seinem E.
00:05:22Ich lasse den Computer runterfahren, wieder hochfahren.
00:05:24René hat immer noch keinen Axon über dem E.
00:05:27In dem Moment brauche ich Hilfe.
00:05:32Der Bundestag hat eine eigene interne Service-Hotline für solche Fälle, die 117.
00:05:37Ich rufe an, bitte um Unterstützung.
00:05:40Ich bekomme den freundlichen Hinweis, ich könnte den Computer hoch und runter fahren.
00:05:44Meinen Hinweis habe ich schon gemacht.
00:05:46Ich versuche darauf hinzuweisen, ich vermute, dass ein Trojaner drauf,
00:05:50wenn die Tastaturbelegung ohne irgendeinen äußeren Anlass sich plötzlich verändert,
00:05:55muss etwas passiert sein.
00:05:56Ich wurde dann beruhigt.
00:05:58Nein, nein, sie können ja auch über die Sonderzeichen Axon über das E setzen.
00:06:03Das war der Moment, da habe ich das Gespräch einfach abgebrochen.
00:06:09Damals wusste ich natürlich noch nicht, wie ernst die Lage wirklich ist.
00:06:16Auf Claudias Computer ist tatsächlich ein Trojaner.
00:06:20Sie wurde gehackt.
00:06:21Doch nicht nur ihr Computer ist infiziert.
00:06:24Während sie mit der 117 telefoniert, befinden sich Hacker bereits tief in den Systemen des Bundestags.
00:06:32Sie arbeiten im Auftrag des russischen Militärgeheimdienstes GRU.
00:06:39Putins Bären toben sich so richtig aus, im Netzwerk der politischen Macht in Deutschland.
00:06:51Das alles weiß Claudia Heidt an diesem Freitag noch nicht.
00:06:55Damals bin ich einfach nur genervt.
00:07:06Acht Tage zuvor, am 30. April 2015, haben zahlreiche Abgeordnete und ihre Mitarbeiter eine E-Mail erhalten.
00:07:14Diese E-Mail sah so aus, als würde sie von den Vereinten Nationen kommen, von der UN.
00:07:19Und im Betreff stand was über die Ukraine und die Wirtschaftssituation in der Ukraine.
00:07:24Und das war ja damals 2015, ein Jahr nach der Annexion der Krim und sozusagen dem ersten Einmarsch Russlands in
00:07:31die Ukraine.
00:07:32Konflikt zwischen der Ukraine und Russland.
00:07:34Die russische Invasion der Ukraine.
00:07:36Die Situation in der Ukraine war damals schon ein sehr heißes politisches Thema.
00:07:41Dazu musste man auf dem Laufenden bleiben.
00:07:44Und wenn dann augenscheinlich die Vereinten Nationen etwas rumschicken, Claudia Heidt und viele andere klicken drauf.
00:07:50Und in dem Moment installiert sich eine Schadsoftware.
00:07:54Ganz heimlich, also man sieht das nicht, das taucht dann einfach in ihrem Computer auf.
00:07:59Und damit sind die Hacker dann auf ihrem Rechner und nicht nur auf ihrem Rechner, sie sind im Bundestagssystem.
00:08:05Und die wollen sich Administratorenrechte geben.
00:08:09Administratorenrechte bedeutet, du hast Schlüssel, um jede Tür zu öffnen.
00:08:13Also sie können sich dann Zugänge geben zu Bereichen, in die sie sonst nicht reinkommen würden.
00:08:17Und das schaffen sie. Und so durchdringen sie quasi das gesamte IT-System des Bundestages.
00:08:22Das war ein sehr smarter Angriff.
00:08:24Die gehen dann von einem Computer zum nächsten und schauen sich an, wo sind vielleicht interessante Sachen auf dem Rechner
00:08:30und in den E-Mails.
00:08:31Und sie dringen auch vor auf zwei Computer in einem Bundestagsbüro der CDU.
00:08:37Und das ist ein ganz besonderes Büro.
00:08:39Im Abgeordnetenbüro von Angela Merkel.
00:08:50Florian Flade und Hakan Tanriverde sind Investigativjournalisten.
00:08:55Sie haben einen Podcast zu diesem Vorfall produziert.
00:08:58Der Mann in Merkels Rechner.
00:09:01Beide beschäftigen sich seit etlichen Jahren mit Cybersecurity.
00:09:04Der Bundestagshack ist einer der schwerwiegendsten Cyberangriffe in der Geschichte dieses Landes.
00:09:11Nach dem Hackerangriff auf den Bundestag.
00:09:13Es ist wirklich ein Super-GAU.
00:09:15Er wird harte Konsequenzen nach sich ziehen.
00:09:18Eine internationale Spurensuche.
00:09:20Und schließlich bis dahin undenkbare Haftbefehle.
00:09:25Aber im Bundestag selbst bemerkt man ihn ziemlich lange überhaupt nicht.
00:09:31Zurück zu Claudias Telefonat mit der 117 am Freitagnachmittag.
00:09:36In meiner Verzweiflung über das erste Gespräch mache ich jetzt das, was ich sonst auch immer mache bei Outlines.
00:09:42Ich rufe einfach nochmal an und hoffe, ich finde einen Gesprächspartner, der ein bisschen mehr versteht, worin das Problem liegt.
00:09:49Der zweiten Person sage ich dann meinen Verdacht.
00:09:52Ich glaube, es ist ein Trojaner hier drauf.
00:09:55Und diese Person hat das aber überhaupt nicht ernst genommen.
00:09:59Ich war sauer und dann war es aber auch so, dass ich dann beschlossen habe,
00:10:03okay, wenn Freitagnachmittag alle Feierabend machen, ich will so nicht weiterarbeiten mit diesem Rechner.
00:10:08Ich fahre den runter und gehe nach Hause.
00:10:16Das Wochenende verstreicht.
00:10:18Am Montagmorgen lockt sich ein IT-Mitarbeiter remote auf Claudias PC ein.
00:10:24Er installiert Word neu.
00:10:26Das bringt natürlich nichts.
00:10:28Montagnachmittag kommt endlich ein Mitarbeiter persönlich vorbei.
00:10:31Der Mitarbeiter bringt Claudia einen neuen Rechner und zieht leider alle alten Daten auf die neue Maschine, inklusive der Schadsoftware.
00:10:40So erinnert sich zumindest Claudia.
00:10:42Mittlerweile sind die Hacker seit mindestens zwei Wochen im System.
00:10:46Und noch immer ahnt fast niemand, dass es sich um einen Hack handeln könnte.
00:10:51Während in Berlin ein PC-Ausfall noch als kleine IT-Panne behandelt wird, fällt einer Sicherheitsfirma in Großbritannien etwas auf.
00:11:00Sie beobachtet seit einer ganzen Weile einen verdächtigen Server im Ausland.
00:11:05Von dem aus werden immer wieder Hackerangriffe gesteuert.
00:11:09Und dieser Server steht jetzt in Kontakt zu Servern des Bundestags.
00:11:14Der Verfassungsschutz gibt die Warnung einen Tag später an die Geheimschutzstelle des Bundestags und das BSI in Bonn weiter.
00:11:23Die deutsche Bürokratie macht ihr Ding und es dauert nur sportliche drei Tage, bis die Warnung ankommt.
00:11:30Dann fällt der Groschen und das BSI schickt umgehend ein Spezialteam nach Berlin.
00:11:36Und deren Job ist es, durch die, das nennt sich Logs, zu gehen.
00:11:40Logs sind automatische Aktivitätenprotokolle, die Computer und Netzwerke in der Regel anfertigen.
00:11:46Wer was wann gemacht hat, welches Programm wie ausgeführt wird, solche Sachen.
00:11:51Und dann schauen die, können wir anhand dieser protokollierten Daten sehen,
00:11:55A, ist es wirklich ein größerer Vorfall, B, wenn ja, was hatten die Hacker vor,
00:12:01C, sind sie noch in den Netzwerken, ja oder nein.
00:12:04A, yes, auf jeden Fall.
00:12:06B, nicht ganz klar, aber augenscheinlich klauen sie Daten.
00:12:09C, oh ja, ganz tief drin.
00:12:12Das Spezialteam des BSI zieht umgehend Konsequenzen und fährt das gesamte Netzwerk herunter.
00:12:18Und das wirkt ein bisschen so, als hätte man da einfach den Stecker gezogen.
00:12:22Und dann fuhr auch schon der Computer wie mit Geisterhand runter.
00:12:25Ich hab so das Gefühl, gleich geht auch noch das Licht aus.
00:12:28Am gleichen Tag berichtet der Spiegel als erstes Medium über den Cyberangriff.
00:12:33Viele Politiker erfahren aus der Presse von diesem Angriff.
00:12:37Ab jetzt ist die Hölle los.
00:12:39Die Abgeordneten sind sauer.
00:12:42Niemand kann normal arbeiten, E-Mails beantworten oder Berichte lesen.
00:12:46Das ist so ein Moment, wo man total verzweifelt.
00:12:50Ich weiß nicht, was los ist, niemand redet mit mir.
00:12:52Normalerweise könnte man meinen, okay, du weißt, dass da Hacker drin sind, was ist das Problem?
00:12:56Schmeiß dir raus, alles gut.
00:12:57So läuft es aber überhaupt nicht.
00:13:00Das IT-Netzwerk ist riesig und schwer zu überblicken.
00:13:04Stück für Stück kämpft sich das BSI-Team vorwärts,
00:13:08versucht zu verhindern, dass Daten geklaut werden
00:13:10und bringt das Netz unter ihre Kontrolle.
00:13:13Es dauert Wochen, das ganze System zu reinigen.
00:13:17Währenddessen können Abgeordnete und ihre Mitarbeiter die IT nur in Teilen nutzen.
00:13:22Über allem schwebt die Angst, dass die Hacker sich gerade durch die eigenen Postfächer wühlen,
00:13:27vielleicht mitlesen.
00:13:29Vieles wird in der Not nur auf Papier festgehalten.
00:13:34Die IT-Sicherheit des Bundestages ist damals offensichtlich völlig überfordert
00:13:39und wird in der Öffentlichkeit harsch kritisiert.
00:13:43Es ist wirklich ein Super-GAU und wir müssen mehr tun zur Erhöhung unserer IT-Sicherheit.
00:13:48Ehrlich gesagt fühlt man sich ganz schön beschissen, wenn man nicht weiß,
00:13:50was tatsächlich jetzt hier in diesem Netzwerk passiert,
00:13:54wer Zugriff hat, welche Daten abgeschöpft werden.
00:13:57Also wenn ich ganz ehrlich sein soll, war meine Überraschung eher,
00:14:00dass die Deutschen nicht gemerkt haben.
00:14:02Das ist Linus Neumann. Er ist
00:14:10Und Sprecher des Chaos-Computer-Clubs.
00:14:12Es ist natürlich lächerlich, dass das ein Vierteljahr später geschieht,
00:14:16als man erkannt hat, dass der Angriff stattgefunden hat.
00:14:19Dann kommt die rettende politische Sommerpause.
00:14:22Die wird genutzt, um das marode System von Grund auf neu aufzubauen.
00:14:29Im Trümmerfeld der Bundestags-IT beginnt auch die Suche nach den Tätern.
00:14:34Und die Hinweise führen von Beginn an nach Russland.
00:14:39Auf Claudia Heids Computer wurde unter anderem die Schadsoftware X-Tunnel installiert.
00:14:44X-Tunnel funktionierte wie ein tatsächlicher Tunnel.
00:14:48Eine permanente Verbindung, durch die die Angreifer jederzeit Zugriff auf das Netzwerk hatten.
00:14:53Im Code dieser Schadsoftware finden sich Hinweise auf einen Server.
00:14:58Dieser Server wird augenscheinlich von APT28 genutzt.
00:15:02Auch der damalige BSI-Präsident spricht in internen Sitzungen von dieser Abkürzung.
00:15:09APT28. Das kann man gelegten Dokumenten entnehmen.
00:15:14APT28 ist eine Hackergruppierung.
00:15:16Advanced Persistent Threat steht für Hacker, die sehr viel Zeit haben und gut sind.
00:15:23Also eine anhaltende Bedrohung. So werden besonders qualifizierte Hackergruppen genannt.
00:15:29Also besonders gefährliche Hackergruppen. Und die werden dann so durchnummeriert.
00:15:33APT28 ist eine Gruppe mutmaßlich russischen Ursprungs. Da sind sich die meisten ziemlich sicher.
00:15:40Die hat auch andere Namen. Die wird auch zum Beispiel Fancy Bear genannt.
00:15:43Fancy Bear ist dem GRU unterstellt. Das ist der russische Militärgeheimdienst.
00:15:48Die Gruppierung ist berüchtigt. Hier arbeiten sie. Im sogenannten Aquarium in Moskau.
00:15:55Man weiß nicht, wer diese Menschen sind. Man weiß nicht, wie viele es sind.
00:15:58Doch man weiß, dass sie besonders skrupellos vorgehen. Sie schrecken vor wirklich nichts zurück.
00:16:05Nicht mal vor dem Rechner der damaligen Bundeskanzlerin.
00:16:08Doch ausgerechnet dort findet sich eine Spur zur Identität einer dieser Hacker.
00:16:14Denn er macht einen folgenschweren Fehler.
00:16:17Also die Hacker sind irgendwann auf dem Computer im Vorzimmer von Angela Merkel im Bundestag.
00:16:22Also ihr Rechner, ihr E-Mail-Fach. Das ist das, was sie wollen. Die Dateien wollen sie offensichtlich.
00:16:28Und dann programmiert der Hacker ein Programm, das diese E-Mails ausleiten soll.
00:16:33Also legt er von dem Outlook-Postfach eine Kopie an und versucht, diese Kopie an einen Server zu schicken, den
00:16:41er kontrolliert.
00:16:42Und dafür haben sie ein Tool geschrieben.
00:16:49Um die Daten auszuleiten, muss vsc.exe auf einen ganz bestimmten Dateipfad zugreifen.
00:16:56In diesem Dateipfad kommt das Wort Abgeordnetenbüro vor.
00:17:00Sein Programm kannte das Sonderzeichen Ü aber nicht.
00:17:04Da war so ein Fragezeichen, R-O. Und dann konnte er diesen Ordner nicht finden, weil es so einen Ordner
00:17:08nicht gab.
00:17:09Der Hacker scheitert also zunächst an der deutschen Sprache.
00:17:12Und dann ist natürlich die Gefahr, Hackerangriffe können jederzeit auffliegen und er denkt sich, vielleicht habe ich nicht so viel
00:17:18Zeit.
00:17:19Die rät vermutlich ein bisschen unter Druck und sagt dann, ich schreibe einfach das Ding nochmal.
00:17:24Ich sage dem Programm, dass es die deutsche Sprache ist, mit der er rechnen muss und dass da eben ein
00:17:30Ü vorkommt.
00:17:31Einen Tag später versucht er es mit dieser neuen Version von vsc.exe erneut. Und es funktioniert.
00:17:38Er klaut erfolgreich eine Kopie des E-Mail-Postfaches.
00:17:42Das ist zwar nicht Merkels Schriftverkehr aus dem Kanzleramt, aber dennoch ein unfassbarer Coup.
00:17:48Doch der Hacker macht einen schwerwiegenden Fehler. Vermutlich wegen des Zeitdrucks.
00:17:53Vielleicht ist er auch etwas nervös.
00:17:55Im Code seines Programms finden Ermittler später eine wichtige Information.
00:18:00Er vergisst den Namen seines Rechners zu löschen. Und in dem Fall steht dann drin C-Users und dann Slash
00:18:09und dann Scaramouche.
00:18:16Scaramouche ist eine Figur aus dem italienischen Theater. Sowas wie ein Clown oder Harlequin.
00:18:21Man kennt das vielleicht auch aus dem Song Bohemian Rhapsody.
00:18:24Das ist der Nickname dieses Hackers. Das ist sein Tarnname.
00:18:35Im Geheimen werden Scaramouche und seine Kollegen mit allen Mitteln gejagt.
00:18:39Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionageverdachts.
00:18:43Angela Merkel spricht später von hybrider Kriegsführung.
00:18:47Doch in der Öffentlichkeit macht die Regierung nach dem Angriff erstmal keine konkreten Anschuldigungen.
00:18:53Damals, das muss man sich so ein bisschen ins Gedächtnis zurückrufen, war das mit dem Finger auf Verdächtige zeigen, hat
00:19:02einfach niemand gemacht.
00:19:03Heute ist es anders. Heute wird viel öfter gesagt, hey, das waren die Russen, das waren die Nordkoreaner und so
00:19:08weiter.
00:19:08Damals, no way, niemand.
00:19:10Obwohl es ein bis dahin absolut beispielloser Angriff ist, verschwindet der Bundestags-Hack schnell wieder aus dem Rampenlicht.
00:19:18Abgasskandal.
00:19:19Flüchtlinge.
00:19:19Entsetzen und Trauer in Frankreich und weltweit.
00:19:23Es gibt zu der Zeit schlicht andere, dringendere Themen.
00:19:26Die Hacker haben also E-Mails aus dem Büro der Kanzlerin gestohlen.
00:19:30Insgesamt sind aus dem Bundestagsnetz mutmaßlich rund 16 Gigabyte an Daten abgeflossen.
00:19:36Genau weiß man es bis heute nicht.
00:19:3816 Gigabyte. Wirkt erstmal nicht nach besonders viel, oder? Ein alter USB-Stick.
00:19:46Ich glaube, 16 Gigabyte sind sehr viel, wenn man bedenkt, vielleicht sind es einfach nur E-Mail-Dateien und dann
00:19:53nicht besonders große, dann ist 16 Gigabyte durchaus eine Menge.
00:19:57Wie viele E-Mails könnten in 16 Gigabyte sein?
00:20:01Müsste ich rechnen und selbst, ich bin nicht so gut im Kopf rechnen, also sehr viele, wenn es hilft.
00:20:08Doch vielleicht war das ja auch alles halb so wild.
00:20:11Etwas Spionage gibt's immer.
00:20:13Tagesgeschäft.
00:20:14Das sind zwar diese abgeflossenen Daten, aber hey, was könnte man damit schon anstellen?
00:20:22Dann kommen die US-Präsidentschaftswahlen 2016.
00:20:26Putins Bären demonstrieren, zu was sie wirklich fähig sind.
00:20:35Welche Grenzen sie bereit sind, zu überschreiten.
00:20:39Wie viel Schaden man mit ein paar Gigabyte anrichten kann.
00:20:49Kapitel 2 Die Orange
00:20:58Die US-Wahlen im Jahr 2016 haben das Land nachhaltig verändert.
00:21:03Populismus gab es natürlich schon vorher.
00:21:05Die Republikanische Partei hatte bereits seit Jahren einen hart rechten Flügel.
00:21:09Doch alles ändert sich, als Donald Trump Mitte 2015 als Präsidentschaftskandidat antritt.
00:21:17Anfangs nimmt ihn erstmal niemand ernst.
00:21:20Ich hatte den Eindruck, sie halten gar nicht viel von europäischen Werten.
00:21:33Ein großer europäischer Wert ist sicher die Mutterliebe.
00:21:37Aber weil er so anders ist, so ungehemmt, weil er so viele unsagbare Dinge einfach sagt, stürzen sich die Medien
00:21:53auf ihn.
00:22:03Ein ungeheures Statement nach dem anderen.
00:22:09Lange Diskussionen, was ist denn über das Land Aussage, wenn dieser Mann mit sowas so erfolgreich Wahlkampf macht.
00:22:16Und Anfang 2016 ist er plötzlich kein Außenseiter mehr, sondern der Favorit in der Republikanischen Partei.
00:22:23Im Rennen gegen die Demokratin Hillary Clinton.
00:22:31Auf der anderen Seite der Erde, im Kreml.
00:22:34Wladimir Putin verfolgt das Geschehen.
00:22:37Er mag Hillary Clinton nicht.
00:22:39Die beiden haben eine Vorgeschichte.
00:22:412011 war sie die Außenministerin der USA.
00:22:44In Russland fanden in dem Jahr Wahlen statt.
00:22:47Im Anschluss verkündete Clinton, dass sie möglicherweise manipuliert waren.
00:22:51Es gab große Proteste im Land wegen der möglichen Wahlmanipulation.
00:22:56Putin behauptete daraufhin, die USA hätten diese Proteste angezettelt.
00:23:01Er hat Clinton nie für die öffentlichen Angriffe vergeben.
00:23:04Sie war außenpolitisch jahrelang seine härteste Gegnerin.
00:23:08Nur am Rande, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wird später feststellen,
00:23:12dass die 2011er Wahlen in Russland tatsächlich manipuliert waren.
00:23:15Putin drückt im Kreml eher Clintons Gegner die Daumen, dem lauten Milliardär.
00:23:20Trump hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder positiv zu Putin geäußert.
00:23:25Trump empfindet Putin als starken Herrscher und als jemanden,
00:23:29mit dem er als potenzieller Präsident gut klarkommen würde.
00:23:33Also spricht Putin mit seinen drei Geheimdiensten und trifft eine Entscheidung.
00:23:39Am 19. März 2016 erhält John Podesta eine E-Mail.
00:23:44John Podesta ist der Wahlkampfmanager von Hillary Clinton.
00:23:47Die E-Mail sieht so aus wie eine Google-Sicherheitswarnung.
00:23:50Sie wurden gehackt, Sie müssen sofort Ihr Passwort ändern, klicken Sie hier sinngemäß.
00:23:55Dr. Kerstin Zettel-Schabbat forscht an der Universität Heidelberg zu Cyberkonflikten.
00:24:00John Podesta ist ein relativ erfahrener Mann in Sicherheitskreisen in DC.
00:24:06Der ist schon lange im Business und ist deshalb so schlau und fragt einen DNC-IT-Staff.
00:24:11Der fragt diesen Mitarbeiter, ob das eine legitime E-Mail ist und erhält blöderweise als Antwort,
00:24:17das ist eine legitime E-Mail, obwohl der Mitarbeiter eigentlich schreiben wollte,
00:24:21das ist eine illegitime E-Mail.
00:24:23Ein Tippfehler mit brutalen Konsequenzen.
00:24:26John Podesta denkt, naja, dann kommt die E-Mail wohl tatsächlich von Google.
00:24:31Also klickt er auf den Link und kommt auf diese gefälschte Seite.
00:24:35Dort gibt er sein Passwort ein.
00:24:37Und dann sind die Hacker im System der Demokratischen Partei
00:24:40und haben Zugriff auf die interne Kommunikation, auf die E-Mails,
00:24:44auf nahezu alles, was den Wahlkampf betrifft.
00:24:47Die Hacker sind alte Bekannte.
00:24:51Mitglieder von Fancy Bear.
00:24:56Sie stehlen 50.000 E-Mails von Podesta.
00:25:00Diese Methode nennt man allgemein Phishing.
00:25:03Phishing bezeichnet die hohe Kunst, einen Menschen an seinem Computer dazu zu bringen,
00:25:08etwas zu tun, was der Mensch nicht tun sollte.
00:25:11Im Zweifelsfall irgendwas, was in Sicherheitsannahme umgeht.
00:25:15Irgendwo sein Passwort eingeben, irgendwo eine Software runterladen und ausführen.
00:25:19All das ist so der Bereich des Social Engineering, zu dem man immer dann greift als Angreifer,
00:25:25wenn, naja, die technischen Hürden auf jeden Fall im Weg sind.
00:25:28Der Begriff kommt vom Angeln, weil man das Opfer ködert.
00:25:31In Podestas Fall sind die E-Mails sehr genau auf ein bestimmtes Ziel zugeschnitten.
00:25:36Das nennt man dann Spearfishing.
00:25:38Spearfischen.
00:25:39Mit der gleichen Methode greifen die Hacker 300 weitere Mitarbeiter von Clintons Kampagne an.
00:25:45Es ist unklar, wie oft sie erfolgreich sind.
00:25:48Anfang April angelt Fancy Bear dann beim Democratic Congressional Campaign Committee, kurz DCCC.
00:25:55Das ist ein entscheidendes Wahlkampforgan der demokratischen Partei.
00:25:59Mithilfe weiterer, täuschend echt wirkender E-Mails klauen sie die Logins von mindestens einem DCCC-Mitarbeiter.
00:26:07Und schon sind sie drin.
00:26:11Nach dem initialen Zugriff zu den Netzwerken benutzt Fancy Bear vor allen Dingen zwei Malware-Typen, X-Agent und X
00:26:19-Tunnel.
00:26:20X-Tunnel, das ist die gleiche Malware, die auch auf Claudias PC gefunden wurde.
00:26:26Damit kann man quasi die Zielsysteme kontrollieren und Befehle an das System senden, in diesem Fall mit dem Ziel, Daten
00:26:32exfiltrieren zu können.
00:26:34Während die Hacker das DCCC ausspionieren, finden sie sehr spannende Logins.
00:26:40Mit denen können sie sich in die Parteizentrale der Demokraten einschleichen, das Democratic National Committee, kurz DNC.
00:26:48Dort finden sie zahlreiche Dokumente zur Wahlkampfstrategie der Demokraten.
00:26:53Zum Beispiel ein Dossier zu Trump, voll mit Dingen, mit denen man ihm schaden könnte.
00:26:59Anfang Mai werden die Hacker endlich bemerkt.
00:27:02DCCC und DNC heuern eine Cybersicherheitsfirma an, um ihre Systeme zu säubern.
00:27:08Das wird trotz enormer Anstrengungen bis Oktober dauern.
00:27:13Dabei hätte man die Eindringlinge eigentlich viel früher entdecken müssen.
00:27:21Ein unscheinbares Büro in Moskau.
00:27:23Die Leute, die hier an den Rechnern sitzen, sind Hacker.
00:27:27Sie gehören zu Cozy Bear, einer Gruppe, die höchstwahrscheinlich dem SVR unterstellt ist.
00:27:33Das ist der russische Auslandsgeheimdienst.
00:27:35Diese Hacker sind schon seit Juni 2015 in den Systemen der Demokraten.
00:27:40Viel länger als Fancy Bear.
00:27:42Cozy Bear ist vor allen Dingen für subtilere Cyberspionage bekannt, gegen unterschiedlichste Ziele.
00:27:48So absurd es klingt, Cozy und Fancy Bear wussten wahrscheinlich nichts voneinander.
00:27:53Die haben unterschiedliche Auftraggeber, die mögen sich untereinander nicht, die reden auch nicht miteinander.
00:27:59Und deswegen ist es nicht unüblich oder es ist schon öfter passiert, dass sie im selben Netzwerk waren.
00:28:04Cozy Bear setzt in der Regel alles daran, möglichst lange unbemerkt zu bleiben.
00:28:09Doch in diesem Fall werden sie bei ihrer Arbeit beobachtet.
00:28:13Die Spione werden ausspioniert.
00:28:15Dem niederländischen Geheimdienst AIVD ist ein Geniestreich gelungen.
00:28:20Er hat bereits 2014 Sicherheitskameras in dem Moskauer Gebäude gehackt.
00:28:26Sie schauen Cozy Bear buchstäblich auf die Finger.
00:28:29So bemerkt der AIVD, dass die Hacker im DNC-System herumschleichen.
00:28:34Und deswegen konnte der niederländische Geheimdienst relativ früh auch die US-amerikanischen Partner darüber warnen,
00:28:41dass Cozy Bear das DNC gehackt hat.
00:28:44Hiervon erfährt dann auch das FBI.
00:28:46Und das FBI hat dann im Laufe des Jahres 2015, ich glaube im September, das erste Mal auch Kontakt zum
00:28:51DNC aufgenommen.
00:28:52Ein FBI-Agent in Washington ruft beim DNC an und erzählt den IT-Mitarbeitern dort von den russischen Hackern in
00:28:59ihrem System.
00:29:00Doch er stößt, bittererweise, auf völlig taube Ohren.
00:29:04Die DNC-Chefs werden später behaupten, sie hätten erst viel später von diesem Anruf erfahren.
00:29:10Man hätte die Hacker viel früher entlarven können.
00:29:13Hätte man sich um Cozy Bear gekümmert, hätte man höchstwahrscheinlich bemerkt, dass sich auch Fancy Bear Zugang verschafft hat.
00:29:19Man hätte nahezu alles, was im Sommer 2016 geschehen ist, verhindern können.
00:29:29Hat man aber nicht.
00:29:33Zurück im Frühling 2016.
00:29:36Fancy Bear erstellt eine Website.
00:29:38DCLeaks.com
00:29:39DC für Washington DC, das politische Zentrum der USA.
00:29:44Auf der Website lassen sie ab Juni eine Bombe nach der anderen platzen.
00:29:48Sie erstellen eine Fake-Persona, Gütziffer 2.0.
00:29:51Sie geben sich als einzelner Hacker aus Rumänien aus, der für alle Leaks verantwortlich sein soll.
00:29:57Gütziffer bekommt seinen eigenen Blog.
00:30:00Er kontaktiert die Presse und bietet Informationen an.
00:30:04Dieser DNC-Hack sorgt für Schlagzeilen, sofort Breaking News im Fernsehen.
00:30:08Hillary Clinton ist about to hold a press conference, answering questions for the first time.
00:30:11There she is at the UN about that email controversy that's cropped up in the last week.
00:30:15Es wird darüber diskutiert.
00:30:17Es kommt all dieser Schmutz, den es innerhalb der demokratischen Partei gibt.
00:30:21All diese Gerüchte und Intrigen.
00:30:24Über all das wird plötzlich diskutiert, weil das plötzlich draußen ist in der Öffentlichkeit.
00:30:27Und das schadet natürlich massiv Hillary Clinton und der Partei im Wahlkampf.
00:30:32E-Mails, die zeigen sollen, dass das Democratic National Committee Hillary Clinton klar bevorzugt
00:30:36gegenüber Bernie Sanders, was es eigentlich nicht tun sollte.
00:30:39Es sind zum Beispiel Informationen darüber enthalten, was Clinton in ihren Reden zum Beispiel
00:30:44an der Wall Street bislang verdient hat.
00:30:46Es sind angeblich antikatholische Ressentiments der Partei darin enthalten.
00:30:51This is long from over and she has to demonstrate through action, transparency, not just through words.
00:30:57E-Mails, which have become something of a curse for Hillary Clinton.
00:31:01Trump nutzt die Situation zu seinen Gunsten.
00:31:04Donald Trump sagt wortwörtlich auf einer Wahlkampfveranstaltung, Russia, if you listen.
00:31:09I hope you're able to find the 30.000 E-Mails that are missing.
00:31:15I think you will probably be rewarded mightily by our press.
00:31:19Clinton ist zu der Zeit in eine Affäre rund um ihr privates E-Mail-Postfach verwickelt.
00:31:25Das hat sie in ihrer Rolle als Außenministerin für offiziellen Schriftverkehr verwendet.
00:31:30Allerdings hat sie laut FBI parallel auch immer wieder private E-Mails aus diesem Postfach gelöscht.
00:31:36Daraus wurde ein Verschwörungsmythos gesponnen, sie hätte etwas zu verbergen.
00:31:40Diese Kontroverse verbindet Trump damals mit dem Hagel an Leaks.
00:31:44Am selben Tag sendet Fancy Bear 76 Spearfishing-E-Mails an Clintons Angestellte.
00:31:51Der Einfluss der Leaks auf Hillary Clintons Wahlkampf ist erheblich.
00:31:55Ob er entscheidend ist, kann ich nicht beurteilen.
00:31:58Aber man kann auf jeden Fall sagen, dass die Leaks immerzu für Donald Trump günstigen Zeitpunkten ihm die Karten spielen.
00:32:05Wo am Anfang lediglich Chaos gestiftet werden soll, fokussiert man sich dann im Laufe der Zeit auch gezielt darauf, Donald
00:32:12Trump eben zu unterstützen.
00:32:14Gut einen Monat vor der Wahl spielen die Hacker der Plattform WikiLeaks Podestas E-Mails zu.
00:32:19Und da ist es so, dass Woche für Woche strategisch E-Mails geleakt werden.
00:32:25All diese Leaks sorgen dafür, dass der Eindruck entsteht, bei den Demokraten ist irgendwas shady.
00:32:32Hillary Clinton schwimmt.
00:32:34Sie muss sich zum einen von ihren eigentlichen Themen verabschieden, muss sich vor allen Dingen auf die Inhalte dieser Leaks
00:32:39konzentrieren.
00:32:40Sie muss sich gegenüber Medienvertretern, aber natürlich auch gegenüber Donald Trump in der öffentlichen Auseinandersetzung, zum Beispiel bei Wahlkampfreden, immer
00:32:47wieder dafür rechtfertigen.
00:32:49Die Leaks sind Teil einer größeren Kampagne.
00:32:52Zu den Bären kommt eine Armee von Trollen, die aus diesem Gebäude in St. Petersburg heraus arbeiten.
00:32:58Sie beeinflussen den Diskurs zur Wahl online.
00:33:01Sie rufen sogar erfolgreich zu Demos in verschiedenen US-Städten auf.
00:33:08Hillary Clinton verliert die Wahl.
00:33:11Donald Trump wird Präsident.
00:33:13Es ist fast unmöglich zu quantifizieren, wie viel Einfluss die Leaks und Desinformationskampagnen auf dieses Ergebnis hatten und ob sie
00:33:22in irgendeiner Weise entscheidend waren.
00:33:24Aber viele Experten wie Kathleen Hall-Jameson sind sich einig, dass es einen Einfluss gab.
00:33:32Russland hat die US-Wahlen 2016 zumindest ein Stück weit erfolgreich beeinflusst.
00:33:38Donald Trump triumphiert und macht das möglich, was Experten, Journalisten und politische Beobachter für unmöglich hielten.
00:33:45Er wird als 45. Präsident der USA in dieses weiße Haus hier hinter mir einziehen.
00:33:53Es ist wahrscheinlich die erfolgreichste Hack-and-Leak-Operation aller Zeiten.
00:33:58Datenklauen.
00:33:59Groß veröffentlichen, sich an den Flammen des resultierenden Chaos die Hände wärmen.
00:34:04Die Spionage der Staaten untereinander, das macht die so unter sich aus.
00:34:08Aber das jetzt mal so der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen und damit sehr erkennbar Einfluss auf eine Meinungsbildung und eine
00:34:16Wahl zu nehmen, ist schon ein krasses Ding.
00:34:21Wie kann das eigentlich sein? Hacker beschaffen sich Informationen und beeinflussen dann eine Wahl.
00:34:26Und wenn das aus Russland raus agiert, was passiert hier eigentlich? Greift hier eigentlich ein Staat in den demokratischen Prozess
00:34:33anderer Länder ein?
00:34:34Also das ist schon die große Sorge und ein Super-GAU, wenn man so will.
00:34:39War es jetzt ein Angriff auf die Demokratie? Ich glaube nicht, dass man das an einem einzelnen Teil sagen kann.
00:34:43Aber man kann das in der Gesamtentwicklung sehen, dass der sich einfügt in eine Reihe Aktionen,
00:34:50die das gemeinsame Verständnis der Demokratie unterwandern und zerstören.
00:34:55Und in diesem Kampf im digitalen Raum sind Demokratien einfach im Nachteil.
00:35:01Du kannst einen Fernsehsender machen, du kannst 100.000 Sockenpuppen auf Twitter machen, du kannst Hack-and-Leak-Operationen machen.
00:35:10Und all das spielt in diese Öffentlichkeit rein, die dann darunter zerfasert, zersplittert, sich zerstreitet und die Demokratie destabilisiert.
00:35:20Und gleichzeitig sitzt du in einer Diktatur und hast das Problem nicht, weil sobald irgendeiner aus der Reihe tanzt,
00:35:26kannst du ein Exempel statuieren und das passiert so schnell nicht nochmal.
00:35:37Den USA dämmert erst im Nachhinein, was da eigentlich passiert ist.
00:35:43CIA, FBI und NSA tragen ihre gemeinsamen Erkenntnisse in einem streng geheimen Bericht zusammen.
00:35:49Anfang 2017 werden einige Passagen gestrichen und er wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
00:35:55Besonders ein Satz ist extrem beunruhigend.
00:35:59Wir gehen davon aus, dass Moskau Lehren aus der Kampagne gegen die US-Präsidentschaftswahl ziehen wird, um zukünftig weltweit Wahlen
00:36:08zu beeinflussen.
00:36:09Ich glaube, die Aggressivität, mit der diese russischen Hackergruppen vorgehen, die Art und Weise, was sie da tun,
00:36:15also in Amerika zum Beispiel Hack and Leak, die Präsidentschaftswahl zu beeinflussen,
00:36:20dass sie so weit gehen, diese Prozesse zu stören, dass man dafür alle Mittel einsetzt, eben auch Cyber,
00:36:25das ist etwas, was vielen nicht bewusst war.
00:36:28Und in Deutschland haben die sich gefragt, 2017 haben wir auch eine Wahl, was heißt das eigentlich für uns?
00:36:34Und dann taucht auf einmal so eine URL auf, bt-leaks.com.
00:36:41bt wie Bundestag, so wie dc-leaks.com.
00:36:46Und alle dachten, was passiert jetzt?
00:36:49bt-leaks.com, bt-leaks.org, mehrere dieser Seiten waren plötzlich da
00:36:54und das haben deutsche Behörden festgestellt, dass jemand solche Seiten anmeldet.
00:36:57Und dann war die Angst natürlich noch viel größer, da könnte was kommen.
00:37:01Und da kommt genau das Gleiche wie in den USA.
00:37:03Anfang Mai 2017 fliegt Angela Merkel zum ersten Mal seit dem Bundestags-Hack wieder nach Russland.
00:37:10Sie trifft Putin in seiner Sommerresidenz in Sochi.
00:37:14Dort konfrontiert sie ihn mit dem Vorfall.
00:37:16Putin entgegnet, dass man sich nie in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmische.
00:37:22Darauf antwortet Merkel, dass sie davon ausgehe,
00:37:25dass die deutschen Parteien ihren Wahlkampf untereinander ausmachen können.
00:37:29Deutliche Worte, dass Russland sich bitte raushalten möge.
00:37:34Am Ende wird die Bundestagswahl in Deutschland nicht durch große Leaks beeinflusst.
00:37:38Bis heute ist unklar, was mit den 16 Gigabyte aus dem Bundestag geschehen ist.
00:37:43Ich wüsste auch nicht eine einzige Information, die auf dem Bundestag-Hack bezogen je öffentlich gemacht worden wäre.
00:37:53Aber das ist auch so eine Art, darüber zu denken, es gibt ja auch keine Notwendigkeit.
00:37:57Es kann auch sein, dass sie irgendwas Interessantes gefunden haben, das für sich verwendet haben, auf welche Art und Weise
00:38:02auch immer.
00:38:03Die Jagd auf Scaramouche geht indes weiter.
00:38:06Es wird noch einige Zeit dauern, bis man ihn endlich identifiziert.
00:38:30Einige seiner Kollegen haben da weniger Glück.
00:38:35Kapitel 3 Die Putzkolonne
00:38:50Am 10. April 2018 landet eine Passagiermaschine aus Moskau am Flughafen Sripul in den Niederlanden.
00:38:58Unter den Passagieren befinden sich vier Russen.
00:39:02Sie sehen aus wie ganz gewöhnliche, reisende Geschäftsleute.
00:39:05Alexey Minin und Oleg Sotnikov sind in ihren 40ern.
00:39:10Sie sind gut drauf. Hinter ihnen laufen zwei jüngere Männer.
00:39:14Evgeny Serebriakov und Alexey Morinets.
00:39:18Sie alle sind Diplomaten.
00:39:20Zumindest laut ihren Pässen.
00:39:21Ein gut gekleideter Mitarbeiter der russischen Botschaft empfängt sie in der Eingangshalle und geleitet sie aus dem Flughafen.
00:39:29In Wahrheit sind Minin, Sotnikov, Serebriakov und Morinets Teil eines Spezialteams von Fancy Bear.
00:39:37Sie sind darauf trainiert, Einsätze im Ausland durchzuführen.
00:39:41Die Ersteren sind für klassische Spionage und Aufklärungsarbeit zuständig.
00:39:46Die Letzteren sind Hacker.
00:39:47Die Gruppe mietet sich einen Kleinwagen und fährt nach Den Haag.
00:39:52Dort schauen sie bei einem Elektronikfachhandel vorbei und kaufen eine große 12-Volt-Batterie sowie ein Batterieladegerät.
00:40:00Anschließend checken sie in ein Hotel ein.
00:40:03Am nächsten Tag macht sich Minin auf den Weg zur Zentrale der OPCW.
00:40:09Das ist eine internationale, unabhängige Organisation für das Verbot chemischer Waffen.
00:40:14Die OPCW analysiert hochgefährliche Kampfstoffe und prüft, ob Staaten zum Beispiel in Kriegen gegen internationales Recht verstoßen.
00:40:24Die OPCW hat zu der Zeit gerade die Untersuchung einer sehr heiklen Probe abgeschlossen.
00:40:30Der ehemalige russische Doppelagent Skripal war im Exil in Großbritannien.
00:40:35Dort wurde ein schwerer Giftanschlag auf ihn und seine Tochter verübt.
00:40:39Die Briten vermuten, dass Russland sich so an ihm für seinen Verrat gerecht hat.
00:40:44Das eingesetzte Gift sei das berüchtigte Novichok aus Russland.
00:40:48Der Bericht der OPCW zu dem Vorfall erscheint an diesem Tag.
00:40:52Er wird die britischen Anschuldigungen bestätigen.
00:40:59Minin verschafft sich einen Überblick der Situation vor Ort.
00:41:02Er fotografiert das OPCW-Gebäude und das Marriott Hotel direkt nebenan.
00:41:07In zwei Tagen, am 13. April, wollen die Hacker zuschlagen.
00:41:12Die Zeit drängt.
00:41:15Was sie nicht ahnen, sie werden von Beginn an beobachtet.
00:41:19Vom niederländischen Militärgeheimdienst, dem MIVD.
00:41:33Dieser Mann ist eine hochrangige Führungskraft beim MIVD.
00:41:37Er hat sich uns nicht namentlich vorgestellt.
00:41:40Voraussetzung für das Interview war, dass wir ihn unkenntlich machen.
00:41:44Er muss etwas grinsen, wenn er über den Mietwagen der Gruppe spricht.
00:42:00Seine Organisation verfolgt die Gruppe ab der Sekunde, in der sie Fuß auf niederländischen Boden setzt.
00:42:07Aber woher weiß der MIVD überhaupt, dass sie kommen?
00:42:10We speak with some partners about those kind of topics.
00:42:15And in one of those conversations, we found out for the GRU,
00:42:19hackers are working within the APT28 realm, Sibirjakov and Moronets.
00:42:25And by coincidence, we found out that they were on a flight from Moscow to Amsterdam.
00:42:31APT28, also my vida fancy bear.
00:42:34Laut dem Guardian kam der Tipp womöglich von einem britischen Geheimdienst.
00:42:40Zurück zum Hacker-Team.
00:42:42Es ist Freitag der 13. Sie schlagen zu.
00:42:46Sie fahren mit ihrem Mietwagen auf den leeren Parkplatz des Marriott-Hotels.
00:42:50Möglichst dicht an die Grenze zum OPCW-Grundstück.
00:42:54Die Rückseite des Autos ist auf die Zentrale gerichtet.
00:42:58Im Kofferraum des Wagens befindet sich ziemlich viel Technik.
00:43:02Die frisch gekaufte Batterie und ein Spannungsregler versorgen einen Computer mit Strom.
00:43:06Dieser Computer ist mit einem Laptop vorne im Auto verbunden.
00:43:11Den nutzen Sibirjakov und Moronets, um den Angriff zu steuern.
00:43:15Dazu kommt das Herzstück der Operation.
00:43:17Der Computer ist über einen WiFi-USB-Stick mit einer Flachantenne verbunden.
00:43:22Die liegt unter einer Jacke verborgen auf der Laderaumabdeckung.
00:43:27Mit dieser Antenne imitieren die Hacker das echte WiFi-Netzwerk der OPCW.
00:43:32Geräte im Gebäude verbinden sich dann potenziell automatisch mit dem gefälschten WLAN-Netzwerk der Hacker,
00:43:38im Glauben, dass es sich um eine vertrauenswürdige Verbindung handelt.
00:43:43Sobald sie sich verbinden, können die Hacker die Zugangsdaten der Geräte klauen.
00:43:48Mit diesen Zugangsdaten können sie dann in das Netzwerk der OPCW eindringen.
00:43:53Wahrscheinlich wollen die Hacker Daten der OPCW klauen, um die Ergebnisse des Skripal-Berichts irgendwie anzufechten.
00:44:00Oder vielleicht wollen sie die OPCW irgendwie anderweitig durch einen Leak diskreditieren.
00:44:06Doch so weit kommt es nicht.
00:44:09Die niederländischen Behörden schlagen zu.
00:44:13Spezialeinsatzkräfte fahren in zwei Autos langsam und unauffällig auf den Parkplatz.
00:44:18Dann reißen sie die Türen auf und nehmen die vier Männer fest.
00:44:22Einer wehrt sich und versucht noch, sein Handy kaputt zu treten.
00:44:28Ohne Erfolg.
00:44:43Sie finden eine Plastiktüte mit einigen leeren Bierdosen und anderem Müll aus dem Hotelzimmer der Russen.
00:44:50Ein Versuch, keine Spuren zu hinterlassen.
00:44:53Dazu kommen 20.000 Euro und 20.000 Dollar in bar.
00:44:57In frischen Hunderternoten.
00:44:59In Morinets Hosentasche findet der MIVD eine Taxi-Quittung aus Moskau.
00:45:04Es handelt sich um eine Fahrt von der Rückseite einiger GRU-Baracken zum Flughafen, am Tag der Einreise in die
00:45:12Niederlande.
00:45:13Im Anschluss analysieren die Einsatzkräfte die Geräte der frisch ertappten Hacker und Spione.
00:45:19Eines der vielen Handys, die der MIVD beschlagnahmen konnte, wurde erst am Tag vor der Abreise aktiviert.
00:45:25Der nächstliegende Funkturm ist quasi nebenan der GRU-Baracken.
00:45:31Alles ziemlich entlarvend.
00:45:33Doch der MIVD findet noch deutlich mehr auf den Computern der Männer.
00:45:37Also man stellt fest, als man diese Laptops untersucht hat, dass diese Hacker-Einheit schon an vielen Orten der Welt
00:45:44unterwegs war.
00:45:442016 war Serebriakov mutmaßlich in Lausanne in der Schweiz. Sein Ziel dort war höchstwahrscheinlich die Welt-Anti-Doping-Agentur.
00:45:54Im Skandal um manipulierte Daten von Doping-Tests in einem russischen Kontrolllabor hat die WADA Russland für vier Jahre von
00:46:02allen sportlichen Großveranstaltungen ausgeschlossen.
00:46:05Im Dezember 2017 ist Serebriakov augenscheinlich nach Kuala Lumpur in Malaysia gereist.
00:46:12Dort soll er versucht haben, die malaysische Polizei zu hacken. Die hat zu der Zeit den Absturz der Maschine MH17
00:46:19untersucht.
00:46:20Ein malaysisches Passagierflugzeug ist über dem Osten der Ukraine abgestürzt.
00:46:25Das Flugzeug wurde von Separatisten im Dienste Russlands mit einer russischen Bodenluftrakete abgeschossen.
00:46:32Und der Parkplatz vor der OPCW in Den Haag wäre auch nicht der letzte Stopp des Teams gewesen.
00:46:38Sie hatten Zugtickets von der niederländischen Stadt Utrecht nach Bern.
00:46:42Dieses Mal wäre das Ziel wohl das Spitzlabor gewesen.
00:46:46Das Labor hat zu der Zeit ebenfalls das bei Skripai verwendete Gift untersucht.
00:47:02Manchmal ist es für Hacker notwendig, möglichst nah heranzugehen.
00:47:05Da reicht es nicht, einfach E-Mails zu verschicken.
00:47:07Da muss man an die Systeme, die man hacken will, an die Netzwerke möglichst nah heran,
00:47:11zum Beispiel WLAN-Netzwerke oder andere, damit man auch weiß, welche Sicherheitssysteme da implementiert sind.
00:47:17Und manchmal macht es auch Sinn, weil man vielleicht an die Leute rangehen kann, die aus diesem Gebäude rein-
00:47:21und rauslaufen.
00:47:21Wir haben die Hacker die Putzkolonne genannt, weil wir den Eindruck hatten, dass die immer dann tätig werden,
00:47:28wenn irgendwas Wichtiges passiert ist und etwas ist nicht so gelaufen, wie es laufen musste.
00:47:33Und dann müssen die halt hinterherräumen.
00:47:35Ich denke, sie sind gut, sie sind sehr gut. Aber manchmal sind wir besser.
00:47:38Für den MIVD war die Operation ein ziemlicher Erfolg.
00:47:43Normalerweise arbeiten sie im Geheimen.
00:47:45Aber wie sie ein Fancy-Bär-Spezialeinsatzkommando, Hobbs, genommen haben, erzählen sie gerne.
00:47:51Dieses Mal hat der Geheimdienst rund fünf Monate später eine große Pressekonferenz veranstaltet.
00:47:56Und sie geben sogar irgendwelchen YouTubern aus Deutschland Jahre später ein Interview.
00:48:27Das Fancy-Bär-Team lässt der MIVD damals gehen.
00:48:30Und schickt sie zurück in die Heimat.
00:48:32Wohl aus diplomatischen Gründen.
00:48:35Die Putzkolonne sah in diesem Fall ziemlich unglücklich aus.
00:48:39Warum in aller Welt behält man denn so eine verräterische Quittung?
00:48:51Es sind de facto Hacker-Soldaten.
00:48:54Das sind Menschen, die Beamte sind.
00:48:56Die gehen in Russland morgens zur Arbeit und haben ihre Aufträge, die sie erfüllen sollen.
00:49:01Keine Kapuzen, keine Mr. Robot-Vibes, feste Abläufe, feste Arbeitszeiten, fiese Chefs, schlechte Kaffeeautomaten.
00:49:10Und das Geld fürs Taxi muss man sich halt später von der Buchhaltungsabteilung zurückholen.
00:49:14Keine mystischen Figuren.
00:49:17Beamte.
00:49:18Russland bestreitet, dass die vier Männer Spione und Hacker waren.
00:49:22Sie wären einfach auf einem Routine-Trip gewesen.
00:49:24Wer kennt sie nicht? Die Routine-Trips mit der Flachantenne im Kofferraum.
00:49:33Diese etwas absurde Episode auf dem Hotelparkplatz in Den Haag macht eine Sache deutlich.
00:49:39Man kann Putins Bären abwehren.
00:49:42Das gelingt auch in Deutschland immer wieder.
00:49:44Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung wurde zum Beispiel erfolglos angegriffen.
00:49:49Oder in Frankreich.
00:49:51Angriffe auf Emmanuel Macrons Wahlkampf 2017 waren ebenfalls ziemlich erfolglos.
00:49:57Und auch die USA haben die Sabotage ihrer Demokratie nicht einfach so über sich ergehen lassen.
00:50:032018 setzen sie ein Zeichen.
00:50:06Im Februar des Jahres klagt die US-Justiz 13 russische Staatsbürger und drei russische Unternehmen an.
00:50:13Sie alle hätten gezielt versucht, das amerikanische Polizystem zu beeinflussen.
00:50:19Kurze Zeit später haut die US-Justiz eine weitere Monster-Anklage raus.
00:50:24In der geht es spezifisch um Fancy Bear.
00:50:27Und in diesem Anklagepapier kann man dann nachlesen, wie die Ermittler vom FBI dazu gekommen sind,
00:50:32dass diese Leute wohl für den DNC-Hack verantwortlich sind.
00:50:36Und da tauchen mehrere Namen auf und das sind russische Staatsbürger.
00:50:39Und das FBI sagt, die arbeiten für den russischen Geheimdienst.
00:50:42Die Hacker sind in Russland vor dieser Anklage sicher.
00:50:46Sie werden nicht verhaftet.
00:50:47Aber sie werden große Teile der Welt nie wieder bereisen können.
00:50:52Wir wissen nicht nur, für wen ihr arbeitet.
00:50:54Wir haben sogar eure Gesichter und packen die jetzt auf dem Poster, auf dem Wanted steht.
00:51:03Es ist auf alle Fälle der Versuch zu sagen, hier sind Grenzen, bei denen wir nicht mehr bereit sind, dass
00:51:09ihr die überschreitet.
00:51:11Einer der Männer in dieser Anklageschrift ist besonders spannend für die deutschen Ermittler.
00:51:17Einer von denen soll den Nickname Scaramouche benutzen und soll auch das Programm VSC.exe programmiert haben.
00:51:27Dieser Mensch heißt Dimitri Badin.
00:51:32Der Mann in Merkels Rechner. Heute ist er 32 Jahre alt.
00:51:37Es gibt Fotos von Dimitri Badin, die auch die deutschen Ermittler haben.
00:51:40Und darauf sieht man einen jungen Mann mit sehr jungen Gesicht, dunkelblonden, heute schulterlangen Haaren.
00:51:47Er stammt aus Kursk in Russland.
00:51:50Der hat eine Frau, er hat wohl eine Tochter.
00:51:53Er hat gelebt in einem Vorort einer Stadt südlich von Moskau.
00:51:58Ja, er hört Rockmusik, er hört russischen Rock und Techno.
00:52:01Das hat er wohl auch während seiner Arbeit getan, denn die Ermittler konnten auch Daten sichern,
00:52:04die darauf hinweisen, dass er das eben genau während er gehackt hat, irgendwie Musik gehört hat
00:52:08und auch Fußballstreams geguckt hat. Er war wohl auch ein Fan von Cristiano Ronaldo, glaube ich.
00:52:13Irgendwie ein ganz normaler Typ.
00:52:16Und gleichzeitig einer, der für einen totalitären Staat hackt, um westliche Demokratien zu destabilisieren.
00:52:24Im Mai 2020 hat auch der deutsche Generalbundesanwalt Anklage gegen Badin erhoben.
00:52:29Ich glaube, das ist der erste Haftbefehl in Deutschland aufgrund von staatlichem Hacken.
00:52:40Nach der ersten Anklage in den USA im Februar 2018 hat Putin dem amerikanischen TV-Sender NBC ein Interview gegeben.
00:52:50In dem Interview wurde er mit den Anschuldigungen konfrontiert.
00:52:54Thirteen Russen und drei russischen Unternehmen wurden in den USA verabschiedet,
00:52:58von einem specialen Präsidenten, Robert Müller, in den USA, für Interferen in unsere election.
00:53:03Warum würden Sie eine solche Anklage auf den USA geben?
00:53:08Warum haben Sie entschieden, dass die russischen Autoritäten, mich included,
00:53:12jemanden gegeben haben, um das zu tun?
00:53:14Wenn die 13 russischen Nationen, plus drei russische Unternehmen,
00:53:18in fact, Interferen in unsere election, ist das okay mit Ihnen?
00:53:32Putins Beeren wurden nicht gefasst.
00:53:35Ihnen wurde nicht das Handwerk gelegt.
00:53:38Leider ist das hier keine Geschichte mit einem runden Happy End.
00:53:42Ganz im Gegenteil.
00:53:54Es ist der 24. Februar 2022.
00:53:58Der Tag ist erst ein paar Stunden alt.
00:54:07Ein unscheinbarer Mann muss heute sehr früh zur Arbeit.
00:54:11Er sitzt in der U-Bahn.
00:54:20An der Poletzer Jevaskaya muss er raus.
00:54:23Von dort sind es nur 10 Minuten Fußweg zu seinem Arbeitsplatz.
00:54:29Der Mann ist etwas nervös und raucht auf dem Weg noch schnell eine Zigarette.
00:54:34Er arbeitet für den GRU im Aquarium.
00:54:37Er ist Teil der Einheit 7-4455.
00:54:41Im Ausland besser bekannt als Sandworm oder Voodoo-Bär.
00:54:46Am Arbeitsplatz angekommen, zieht der Mann seinen Stuhl heran und macht sich an die Arbeit.
00:54:55Er und seine Kollegen haben diesen Moment über Monate hinweg vorbereitet.
00:54:59Heute sind es nur noch ein paar wenige finale Klicks.
00:55:12Es ist Abend in Austin, Texas.
00:55:15Hier ist es noch der 23. Februar.
00:55:18Dieser Mann ist ein ranghoher Manager bei Viasat.
00:55:22Das Unternehmen bietet Satelliten-Internet an.
00:55:25Das gilt eigentlich als besonders zuverlässig und stellt sicher, dass man auch in abgelegenen Orten eine Verbindung hat.
00:55:32Er will sich gerade auf die Couch legen, als seine Geräte plötzlich mit automatisierten Warnungen überflutet werden.
00:55:39Sie kommen aus der Ukraine.
00:55:41Dort werden zwei Viasat-Bodenstationen mit schädlichen Datenpaketen angegriffen.
00:55:46Das Internet kommt ja nicht von dem Satelliten, sondern von der Erde und diese Bodenstationen bringen das dahin.
00:55:51Und jetzt sind die plötzlich stark überlastet und so stark überlastet, dass sie nicht mehr das Internet bereitstellen können.
00:55:59Das Voodoo-Bär-Mitglied in Russland ist aber lange noch nicht fertig.
00:56:02Solche Angriffe kann man versuchen abzuwehren.
00:56:05Jetzt passiert aber direkt das Nächste.
00:56:07Internetanbieter haben in der Regel Zugriff auf die Modems ihrer Kunden.
00:56:11Den Zugang brauchen sie, um zum Beispiel die Software der Geräte zu aktualisieren.
00:56:16Gleichzeitig sollte dieser Zugang natürlich extrem gut geschützt sein.
00:56:20Ist er im Fall von Viasat leider nicht.
00:56:22Voodoo-Bär hat sich bereits vor Monaten Zugang verschafft.
00:56:26Und sie geben jetzt den Modems in diesem Bereich den Befehl, eine bestimmte Software auszuführen.
00:56:35Und die Modems laden eine Schadsoftware runter, die auf den Modems selber im Prinzip die Zugangsdaten löscht.
00:56:43In Konsequenz können die sich nicht mehr mit dem Netz authentifizieren und können nicht mehr mit dem Netz reden und
00:56:48sind offline.
00:56:48Die Attacke weitet sich aus.
00:56:51Der Top-Manager in Seattle starrt auf seinen Bildschirm und kann nicht fassen, was er sieht.
00:56:5630.000 Modems überall in Europa werden auf einen Schlag zu Elektromüll.
00:57:02In Deutschland gehen plötzlich 5.800 Windräder offline.
00:57:07In einem Dorf in Schweden ist das Internet ebenfalls weg.
00:57:10Viasat hat außerdem einen Großkunden in der Ukraine.
00:57:15Das Militär.
00:57:18Ein Raunen geht durch Armeegebäude überall in dem Land.
00:57:23Die Kommunikationskanäle werden angegriffen.
00:57:28Und das ausgerechnet, während sich die Berichte aus den Grenzregionen häufen.
00:57:32Russische Truppen und schweres Kriegsgerät überqueren in Massen die Grenze.
00:57:38Der Krieg, der über Wochen wie dicker Nebel in der Luft hängt, ist ausgebrochen.
00:57:42Russland hat eine Großoffensive gegen die Ukraine gestartet.
00:57:46Die Eskalation, die alle befürchtet haben, ist da.
00:57:49Die Ukraine erleidet einen brutalen Angriff aus drei Richtungen.
00:57:53Raketen schlagen ein, Befehle werden gebrüllt.
00:57:56Und inmitten des Chaos macht sich die Angst breit, dass die Kommunikation zu Truppen einbrechen,
00:58:02Dashboards offline gehen und Überwachungskamera-Streams zu Schwarzbild werden könnten.
00:58:10Doch das ukrainische Militär war zum Glück vorbereitet.
00:58:36Das ist Viktor Zora, ehemaliger Chief Digital Transformation Officer der SSS-CIP.
00:58:43Das ist die ukrainische Cybersicherheitsbehörde.
00:58:47Zora wurde einige Monate nach unserem Interview aufgrund des Tatverdachts der Untreue aus dem Amt entfernt.
00:58:53Die Behörden verdächtigen ihn und einen anderen hochrangigen Beamten,
00:58:56Software zu einem überhöhten Preis von zwei Unternehmen gekauft zu haben,
00:58:59die angeblich unter ihrer Kontrolle stehen.
00:59:02Seine Aussagen gegenüber uns hat er als offizieller Sprecher der SSS-CIP getätigt.
00:59:10Der Viasat-Hack war ein extrem effektiver Cyberangriff,
00:59:14der präzise mit dem Einmarsch koordiniert war.
00:59:17Aber für die Ukraine war er dennoch absolut nichts Neues.
00:59:21Die Ukraine ist schon sehr, sehr lange im Fokus russischer Cyberangriffe.
00:59:25Nicht erst seit der Invasion oder dem Versuch der Invasion im Jahr 2022,
00:59:29sondern mindestens bereits seit 2014, seit der Annexion der Krim.
00:59:34Russland hat 2014 versucht, die Wahlen in dem Land zu hacken.
00:59:382015 und 2016 hat Voodoo Bear den Strom in Teilen der Ukraine jeweils für mehrere Stunden abgestellt.
00:59:45Zu Beginn des Krieges 2022 hat die Gruppe das erneut probiert, ist aber gescheitert.
00:59:51Putins Bären probieren ihre Strategien wie Wahlmanipulation oft zuerst in der Ukraine aus.
00:59:58Deswegen wird die Ukraine auch als das Test-Battlefield Russlands genannt.
01:00:03Der Krieg ist jetzt seit zwei Jahren in vollem Gange und alle Bären mischen mit.
01:00:08Sie greifen staatliche Systeme mit Viren an, aber auch große Unternehmen.
01:00:13Andere Bären spionieren und leaken erbeutete Daten, um Desinformationskampagnen in sozialen Medien zu befeuern.
01:00:21Doch die Ukraine verteidigt sich auch im Cyberspace augenscheinlich sehr erfolgreich.
01:00:27Das Land hat heute außerdem die Unterstützung zahlreicher westlicher Cybersicherheitsfirmen.
01:00:32Und allgemein macht man ein Kohlekraftwerk ohnehin mit einer Rakete nachhaltiger kaputt als mit einem Hack.
01:00:40Echte Vorteile auf dem Schlachtfeld entstehen viel eher durch Waffen- und Munitionslieferungen als durch kaputte Modems.
01:00:53Epilog
01:00:54Züge
01:00:56Putins Bären sind wie eh und je eine enorme Bedrohung.
01:01:02Einem Kollegen Harkans wurden vor einiger Zeit interne Dokumente der russischen Firma NTC Vulkan zugespielt.
01:01:12Dieses Unternehmen beliefert russische Geheimdienste und das Militär mit diversen Cyberwaffen.
01:01:20Die Vulkan-Files geben erschreckende Einblicke, an was diese Kunden des Konzerns so arbeiten.
01:01:29Anscheinend beschäftigen sie sich zum Beispiel damit, wie man eigentlich in Gebieten vorgeht, sobald man sie erobert hat.
01:01:38Das sieht dann so aus.
01:01:40Hey, unser Ziel ist es, den Willen eines Volkes zu brechen, das ist jetzt meine Wortwahl, und dafür haben wir
01:01:50verschiedene Mittel und Wege.
01:01:52Wenn wir ein Gebiet besetzen, wenn wir es können, zum Beispiel auf der Krim, dann wollen wir, dass die Bevölkerung
01:01:58dort nicht mehr selber entscheiden kann, welche Nachrichten sie aufrufen, sondern nur noch russische Nachrichten bekommen.
01:02:05Abseits davon wird getestet, wie sehr man kritische Infrastruktur unter die eigene Kontrolle bringen kann.
01:02:13Also die testen einfach, ob sie Züge verlangsamen können. Und wer sie verlangsamen kann, kann sie auch beschleunigen.
01:02:19Eins ist sicher, wir werden auch in den kommenden Jahren immer wieder von den Bären hören.
01:02:27Hoffentlich gelingt es, ihre Köder rechtzeitig zu erkennen und die Türen unserer Demokratien sicher vor ihnen zu verschließen.
01:02:38Denn sobald sie einmal drin sind, endet es meist böse.
01:03:09Die Türen unserer Demokratie
01:03:13Die Türen unserer Demokratie
01:04:05Die Türen unserer Demokratie
01:04:12Die Türen unserer Demokratie
01:04:14Die Türen unserer Demokratie
01:04:18Oh, das war's.
01:04:21Die Türen unserer Demokratie
01:04:22Die Türen unserer Demokratie
Comments

Recommended