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Lehren aus dem Ukraine-Krieg: Wie einsatzfähig ist die deutsche Reserve?

Der Krieg in der Ukraine verändert die Verteidigungsplanung Europas. Reservistenpräsident Bastian Ernst spricht über Ausrüstung, Ausbildung und Wehrübungen.

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Transkript
00:00Nein, wir sind noch nicht an dem Punkt, wo wir sein müssten, aber wir können hier viel lernen.
00:03Zum einen haben wir den Austausch unter der Industrie, aber auch mit Beschaffern, aber auch mit Politik.
00:09Und ich glaube, da sind wir schon weiter als vor drei, vier, fünf Jahren, wo wir uns jetzt auch intensiver
00:13austauschen.
00:14Und vor allem lernen wir hier auch viel von den ukrainischen Freundinnen und Freunden,
00:18was die für Erfahrungen haben, die sie leider bitterlich bezahlen.
00:21Und deswegen freut es mich natürlich, wenn wir die ukrainischen Partner sehen, dass wir sie weiterhin unterstützen.
00:26Aber wir müssen sie auch noch stärker unterstützen. Aber es ist auch ein Lernprozess.
00:28Und Sie sind jetzt seit knapp zwei Monaten Präsident des Reservistenverbandes.
00:33Ich erinnere mich an ein Zitat Ihres Vorgängers von letztem Jahr, der gemeint hat,
00:38wenn heute der Krieg wäre, dann müssten die Reservisten mit ihrem eigenen Fahrzeug zur Front fahren.
00:44Sieht es immer noch so aus? Und meine Frage dazu ist,
00:47müssten die Reservisten theoretisch nicht ihre eigene Drohne mit zur Front nehmen?
00:52Also die Reserve stellt sich gerade neu auf. Wir machen gerade das Reservestärkungsgesetz,
00:56was vor der Sommerpause noch verabschiedet wird. Und damit haben wir zum ersten Mal
00:59ein haushaltsbegründendes Dokument. Also wir wollen eine voll ausgestattete Reserve.
01:03Das bedeutet Material, Personal und Infrastruktur. Und da zählen dann auch Drohnen dazu.
01:07Das ist natürlich auch ein Teil, der vor 10, 20, 30 Jahren natürlich nicht so vorhanden war.
01:12Auch in der Denke gar nicht und in den Doktrinen.
01:14Und Drohnen ist jetzt im Prinzip eine Fähigkeit, die jeder beherrschen muss in der Aufklärung.
01:19Und deswegen gehen wir ja auch schon in die Drohnenausbildung.
01:21Und ja, wir sind nicht da, wo wir sein müssen. Aber wir gehen das Problem an.
01:26Also wird es eine Drohnenausbildung für Reservisten geben?
01:29Genau. Die gibt es aber auch jetzt schon.
01:31Also es gibt schon eine Ausbildung bei uns im Bereich der militärischen Ausbildung für Drohnenpiloten.
01:35Die Frage ist aber auch, muss man am Ende des Tages immer einen großen Drohnenführerschein haben?
01:39Wenn ich jetzt so in die Generation Gen Z reingucke, die damit aufwächst, damit zu fliegen, damit umzugehen,
01:43umzugehen, glaube ich, müssen wir es noch, noch bürokratischer und unbürokratischer und einfacher machen.
01:49Und deswegen, ja, Scheine, Trainings ist richtig und wichtig, aber wir dürfen es auch nicht übertreiben.
01:54Und in den Medien ist ja, oder generell ist ja gerade das Thema doppelte Freiwilligkeit ein großes Thema.
02:00Und da geht es ja darum, dass die Reservistenübungen eigentlich noch nicht verpflichtend sind
02:04und dass die Arbeitgeber sich da ein bisschen querstellen.
02:07Denn wie geht es denn da voran?
02:09Weil ich meine, wenn wir an sowas schon scheitern, beziehungsweise an sowas schon hängenbleiben,
02:15dann kann man ja keine ernsthafte Reserve aufbauen.
02:17Also ein Land mit über 80 Millionen Einwohnern muss es hinkriegen,
02:20200.000 Reservisten zu beordern, auszustatten und in Übung zu halten.
02:24Andere Länder, in den skandinavischen Ländern, machen sie uns das vor,
02:27ohne dass die Wirtschaft zusammenbricht, ohne dass die Menschen in Scharen davonrennen.
02:31Und ich glaube, die Bedenken der Wirtschaft sind ernst zu nehmen.
02:34Sie brauchen Planbarkeit, sie brauchen Verlässlichkeit.
02:36Und genau mit dem Gesetz kriegen sie es ja auch.
02:38Wir kriegen Zahlen, wie lange man üben muss, je nach Dienstzeit.
02:42Man hat die Freiwilligkeit, wenn man länger machen möchte.
02:45Und ich glaube, es ist ein planbares Modell.
02:47Und vor allem geht es um die Sicherheit unseres Landes und unseres Bündnisses.
02:50Und daran haben die Arbeitgeber und die Wirtschaft natürlich auch ein Interesse.
02:53Weil in einem sicheren Land, in einem sicheren Europa, können sie natürlich auch wirtschaftlich handeln.
02:58Und deswegen sehe ich das eher positiv.
02:59Ich möchte die Diskussion auch von der positiven Seite her führen.
03:02Menschen, die sich in der Reserve engagieren, sind Menschen, die sich in ihrer Freizeit dafür einsetzen,
03:06unser Land zu verteidigen, zumindest dafür zu üben, übernehmen Führungsverantwortung.
03:11Und ich glaube, das ist auch einfach wichtig als Arbeitnehmer, wenn man wieder in der Firma ist.
03:14Und Reservisten sind ja auch eher dafür gedacht, für den Heimatschutz und nicht für einen Einsatz an der NATO-Ostfranke
03:21jetzt zum Beispiel.
03:21Sollte es dazu kommen, wird das gut genug kommuniziert?
03:25Weil ich denke, wenn potenzielle Reservisten, die jetzt auch zum Beispiel noch nichts mit der Bundeswehr zu tun haben,
03:33wissen würden, dass sie jetzt nicht, wenn man es jetzt mal so zugespitzt sagt, an die Ostfront geschickt werden,
03:39würde man da nicht mehr Leute anziehen?
03:43Also wir haben ja jetzt eine Diskussion, die wir 10, 15 Jahre gar nicht hatten.
03:47Also das ist ja nach dem Aussetzen der Wehrpflicht komplett unter den Tisch gefallen.
03:51Wir haben die Einsätze in Mali, Afghanistan, die beiden Großen.
03:54Und das war die Realität, die auch an dem Frühstück zwischen dieses Landes stattgefunden hat, wenn überhaupt noch.
03:59Und jetzt führen wir die Diskussion, ich sehe es in vielen Schulklassen, die mich besuchen,
04:02dass das Thema Wehrdienst und Verteidigung unserer Werte, unserer Freiheit wieder aktuell ist.
04:06Und da gehört es auch dazu, dass man verweigern kann.
04:08Das ist ein wichtiger Punkt und ich glaube, es ist auch ein hohes Gut, dass man sagen kann, nein, ich
04:12will das nicht, aus gewissen Gründen.
04:14Und dennoch brauchen wir eine Anzahl von Menschen, die sich dafür begeistern können, Dienst in der Bundeswehr zu tun,
04:18wie ich selber als Wehrpflichtiger, der das dann auch verlängert hat.
04:21Und wir müssen dafür werben, warum es wichtig ist, das zu tun.
04:23Es ist wichtig und richtig, es zu tun, weil es sich lohnt, für unser Land, für Europa zu kämpfen.
04:28Ich bin aufgewachsen in Frieden und Freiheit, das ist aber nicht selbstverständlich.
04:32Und deswegen müssen wir einen sinnstiftenden Dienst, zum Beispiel im Heimatschutz,
04:36wo man, wenn man Wehrdienst geleistet hat, dann zum Beispiel in seiner Region sich engagiert,
04:41um kritische Infrastruktur zu schützen oder andere Punkte in seinem regionalen Zusammenhang.
04:45Und ich glaube, das motiviert die Leute auch, weil sie verstehen können und weil sie den Zusammenhang sehen.
04:49Und es gibt natürlich auch freiwillige Übungen, die länger dauern,
04:53aber das ist nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.
04:57Und ich glaube, das ist nicht die Regel, aber das ist nicht die Regel.

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