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00:00The worst thing in my mind would be that I'm on my birthday morning from the Friseur, from the Makeup
00:13Artist,
00:14my dress, my clothes, I see myself in the mirror and think,
00:21oh, is your body thick, oh god, are your arms thick and what a round face do you have actually?
00:31I want to be on this day a wonderful and slant bride to be.
00:41Straffer Busen and a great Taille, flacher Bauch,
00:48schöne Beine, ohne Zellulite, schöne Waden.
00:53Ich sehe da bei den anderen halt eben immer nur die schönen Seiten, was die halt eben alles haben.
01:00Und dann sehe ich halt die schlechten Seiten bei mir.
01:04Ich habe nie mein schlankes, schönes Prinzessin-Ich aus mir raus gemeißelt.
01:11Sondern ich kann sagen, egal wie dick oder dünn ich war, ich habe immer noch mehr Fehler gefunden.
01:27Drei Frauen sprechen über ihren Traum von einem dünneren Ich.
01:32Es ist ein Albtraum, den Millionen Frauen kennen.
01:36Immer im falschen Körper, immer auf Diät, niemals perfekt und selten in der gewünschten Kleidergröße.
01:43Ein Leben lang.
01:46Für immer zu dick.
01:55Ich bekam meine erste Diät als Kleinkind von drei Jahren.
02:00Eine Magerquark-Diät.
02:02Meine Mutter machte sich Sorgen, dass ich zu dick werden könnte.
02:05Zu dick werden, das erschien mir schon sehr früh als das Schlimmste, was einem Mädchen überhaupt im Leben passieren kann.
02:15Es waren die 70er Jahre.
02:17Das Körperideal für Frauen dünn.
02:22Es wurde oft erzählt, dass meine Mutter, gleich nachdem sie mich geboren hatte, in ihre alte Größe 36 einfach reingeschlüpft
02:30war.
02:31Und schon früh war klar, dass ich dickere Gene habe, dass ich nicht perfekt bin, so wie ich bin.
02:44Ich war nicht fett, ich war nicht übergewichtig, aber ich war eben nicht zierlich.
02:52Sagen wir, ich war eben so ein bisschen pummelig, so ein bisschen kompakt, ein bisschen pausbäckig, einfach ein bisschen runder,
03:00einfach kräftig.
03:01Und das ist schon immer so gewesen.
03:11Ab der dritten Klasse durften wir einmal die Woche im benachbarten Hallenbad schwimmen gehen.
03:19Und meine Mama hat mir einen, ich weiß das noch, einen pinken Barbie-bedruckten Badeanzug gekauft und ich war so
03:27stolz, den auszuführen.
03:30Und ich habe dann da meinen süßen Badeanzug angehabt und dachte, hm, in ihren ganzen kleinen Bikinis und Badeanzügen sind
03:44meine Klassenkameradinnen so süße, zarte, schlanke Elfchen.
03:50Und ich habe in dem Moment so das erste Mal gefühlt, wie sich so mein kleines dickes Bäuchlein gegen den
03:58Badeanzug gespannt hat und ich so dicke, watschlige Oberschenkel in meinen Gedanken hatte, die auch gerieben haben.
04:07Und plötzlich ist mir das erste Mal so bewusst geworden, warum kann ich nicht so eine zarte, kleine Elfe sein?
04:23Ich glaube, für meine Mutter ist das ziemlich schwierig gewesen, weil ich mich schlecht fühle und die anderen Kinder über
04:29mich lachen.
04:31Ich glaube, in der Situation konnte sie nicht viel mehr tun, als mir zu sagen, ach, das ist Babyspeck, das
04:38verwächst sich, du bist süß, so wie du bist.
04:45Eigentlich hatte ich eine total normale Figur. Und eigentlich hatte ich auch ein ganz normales Verhältnis zu meinem Körper.
04:52Ich weiß es noch ganz genau. Da waren wir im Urlaub. Da sagte die Pensionswirtin zu meiner Mutter, während ich
04:59dann da Eis löffelte,
05:00sie müssen aber aufpassen, das Mädchen hat die Neigung zum Dickwerden. Und das ist, das hat sich eingebrannt.
05:08Meine Mutter hat das überhaupt nicht wahrgenommen, aber bei mir hat sich das eingebrannt.
05:13Das ist durchaus, als ich Kind war, mal vorgekommen, dass eine Freundin bei mir übernachtet hat.
05:17Und wir dann eben zu viert mit meinen Eltern einen Film geguckt haben.
05:22Und meine Mutter hat dann so eine Schüssel mit Pralinen auf den Tisch gestellt.
05:27Und ich habe mir dann irgendwie die zweite genommen und dann hat sie gesagt, hey, es ist hier jetzt auch
05:30mal gut.
05:31Also die Leute, mit denen ich befreundet bin, die dürfen Süßigkeiten essen und ich darf das nicht,
05:34weil ich sonst zu dick werde oder weil ich sowieso schon zu dick bin.
05:42Meine Mutter, sie hat auch immer Probleme mit ihrer Körpergröße gehabt und auch beim Thema Essen.
05:49Und letzten Endes war es so, dass ich das bei ihr auch gesehen habe, wie sie dann immer gesagt hat,
05:55ich kann das nicht tragen und ich kann das nicht essen und dies geht nicht und das geht nicht.
06:00Und so ein Stück weit hat sie das auch auf mich übertragen.
06:03Und letzten Endes war es halt so, dass ich dann eher gedacht habe, mit mir stimmt was nicht,
06:07wenn ich mich okay finde.
06:12Irgendein Nachbar, der mal bei uns gewohnt hatte, sah mich irgendwo an einer Bushaltestelle
06:19und erzählte meiner Mutter, ach hier, ich habe ihre Tochter neulich gesehen,
06:23die ist ja eine richtig hübsche junge Frau geworden.
06:25Und meine Mutter hat mir das gesagt, erzählt, sehr viel später, mit dem Zusatz,
06:32das wollte ich dir eigentlich gar nicht erzählen, nicht dass du eingebildet wirst.
06:37Und das ist auch etwas, das sich eingebrannt hat.
06:41Also nach dem Motto, ich darf nichts Gutes über mich sagen, weil sonst bin ich eingebildet.
06:48Also habe ich über mich mehr das Schlechte gesagt, die guten Sachen nicht gesagt.
06:54Auch nicht zugelassen zu sagen, ich habe hübsche Augen oder irgendwie sowas.
07:06Verschiedene Studien haben gezeigt, wie groß der Einfluss von Müttern darauf ist,
07:11wie zufrieden Mädchen mit ihrem Körper sind.
07:15Sie geben das weiter, was sie selber erleben, ständig aufgrund ihres Äußeren bewertet werden.
07:22Aber damals hat niemand darüber gesprochen.
07:25Als ich 16 Jahre alt war, pendelte ich zwischen Hungern und Heißhunger.
07:31Ich wusste von allen Grundnahrungsmitteln und von allen Süßigkeiten, wie viel Kalorien sie haben.
07:38Es gab wohl Menschen, die mich hübsch fanden, aber die konnte ich nicht ernst nehmen.
07:43Dagegen allerdings jede einzelne abwertende Bemerkung über meine Figur.
07:49Ich war überzeugt, dass ich nur endlich dünner werden müsste, um glücklich zu sein.
08:00Irgendwann bin ich 14 geworden und Bauchnabelpiercings, das war so das modische Ding,
08:09was alle Mädchen in der Mädchenzeitschrift hatten.
08:14Meine Mama hat Ja gesagt und ich habe ein Bauchnabelpiercing bekommen, so ein ganz schönes.
08:21Es war ein silberner kleiner Schmetterling mit kleinen, pinken Steinchen und kleinen Ketten, die runtergehangen haben.
08:30Und ich war richtig, richtig stolz.
08:33Bis dann plötzlich ein Mädchen in der Klasse auf meinen Bauch zeigte und sagte,
08:39boah, guckt mal, Hannas Bauch ist so fett, das sieht aus, als würde der Bauchnabel das Piercing auffressen.
08:55Ich habe mal als Teenager in der Schulzeit einen Korb bekommen von jemandem und er hat tatsächlich zu mir gesagt,
09:00ja, also wenn du 20 Kilo abnehmen würdest, dann könnten wir nochmal drüber reden.
09:04Da war ich 16.
09:06Ja, das war so mit bei meinem ersten richtigen Freund, der dann irgendwann meinte, boah, wenn du ein bisschen abnimmst,
09:15dann liebe ich dich noch mehr.
09:18Und dann ging es los, dass ich meinen Körper nicht mehr mochte, dass ich auch dachte, bin hässlich und so.
09:25Ich bin mit 19 nach dem Abi ausgezogen, mit doch meinem ersten damals langjährigen Freund.
09:37Das ist jemand gewesen, wo ich immer dieses unbestimmte Gefühl hatte, dass er mich verändern möchte
09:46und dass ich nicht so richtig bin, wie ich bin.
09:50Ich habe mir damals sehr schöne Unterwäsche gekauft, ich weiß noch, doch ein sportlich sexy Set bei Calvin Klein.
10:01Und ich habe die angezogen, um ihn damit zu überraschen und die Reaktion war so ein abschätzender Blick mit Schulterzucken.
10:10Und ja, das ist schöne Unterwäsche, aber das sieht schon besser aus, wenn du dünn wärst.
10:19In meiner letzten Beziehung war es so, dass mein damaliger Freund ein bisschen kleiner war als ich, ich glaube, so,
10:24weiß ich nicht, fünf oder sechs Zentimeter.
10:27Und es war am Anfang unserer Beziehung sehr lange ein sehr wichtiges Gesprächsthema, dass ich größer war als er.
10:33Und jedes Mal, wenn ich mich vor ihm ausgezogen habe, hat er gesagt, schinken.
10:45Ich hatte nie das Gefühl, dass der mich irgendwie gerne anfasst. Und ich hatte immer das Gefühl, mir das erarbeiten
10:52zu müssen, dass der mit mir zusammenbleibt.
10:55Und das ist irgendwann so weit gegangen, dass ich für ihn eine Abschlussarbeit geschrieben habe, weil er das nicht auf
10:59die Kette gekriegt hat,
11:00weil ich dachte, dann bleibt er auf jeden Fall bei mir. Weil er hat ja sonst keinen Grund, bei mir
11:03zu bleiben.
11:07Und wenn du dann vs ut, dann bin ich gerade ein.
11:10Ich kann overc principidir.
11:12Und dabei bist du dann.
11:27Und dann ist es auch, wie oft im Kopf hin назад.
11:29Und unsere Saal.
11:29Und die Z ήmk soundskeGS-² wieder an叶いい, aber wir werden nicht oft wieder gemacht.
11:31Ich glaub nie.
11:33Du hast es nicht.
11:34Du hast Questionen, ach he Hass nehmen.
11:34Du hast es nur einЕ Kiste.ф
11:34»Psmus roundenwג sie denn richtig gut? ER.
11:54I need to feel the weight
11:57I need to change my mind
11:59My mind
12:02I need to change
12:06I wake up
12:09I need to change
12:21Ich habe irgendwann angefangen im Internet nach guten Diäten zu googeln.
12:28Ich glaube 230 sind zugelassen in Deutschland, 231 davon habe ich gemacht.
12:32Ich erinnere mich noch ganz deutlich, das hieß die Knast Diät, Wasser und Brot.
12:41Also habe ich mich wirklich von zwei, drei, vier trockenen Brotscheiben am Tag ernährt und habe ganz, ganz viel Wasser
12:52getrunken, um dieses schlimme, leere Gefühl im Bauch und den knurrenden Magen zu unterdrücken.
13:00Sieben Tage sieben Kilo. Den ersten Tag darfst du nur Brühe. Und den zweiten Tag darfst du in die Brühe
13:06dann irgendwie Weißkohl reintun. Und den dritten Tag darfst du dann eine Karotte essen. Und den vierten Tag darfst du
13:11dann eine Banane essen.
13:12Und strenges Kalorien zählen. Und zwar nicht auf Kohlenhydrate oder sowas gucken, sondern einfach nur weit unter 1000 Kalorien bleiben
13:21am Tag.
13:22Boah, dann auch diese Schoko-Diät, die habe ich natürlich ausprobiert, wo man irgendwie vor dem Essen so eine ganz
13:28hochprozentige Zeit Bitterschokolade essen sollte.
13:31Also ich habe dann wirklich teilweise manchmal am Tag nur ein oder zwei Knäckebrote gegessen.
13:36Dann habe ich natürlich alles mögliche an Saftdiäten gemacht und Smoothies und das hast du nicht gesehen.
13:41Ich fand auch Intervallfasten ganz schlimm, das habe ich glaube ich nur drei Tage durchgehalten.
13:45Ah, die Third-Food-Diet, genau, die gab es noch. Angeblich hat Adele sich damit halbiert.
13:52Ich bin Schritt für Schritt wirklich in eine Essstörung reingerutscht, die ich nicht mehr kontrollieren konnte.
14:01Und jedes Mal, wenn ich das Gefühl hatte, oh, das ist eine halbe Brotscheibe zu viel gewesen, ein, zwei Tabletten,
14:10Abführmittel und dann war das wieder gut.
14:14Dann gab es zum Beispiel auch Appetitzügler. Meine Mutter hatte die genommen, die hießen Rekatol.
14:19Gibt es heute nicht mehr, das ist ja brandgefährlich, das Zeug.
14:23Aber meine Mutter hat die immer genommen, meine Mutter hatte ja auch diesen Spleen unbedingt abnehmen zu wollen.
14:29Und sie hat es mir im Grunde vorgelebt.
14:33Ich hatte nur noch Kraft für Essen vermeiden und zum Sport gehen und meine Arbeit schaffen.
14:44Ich habe mich runtergehungert bis auf 47 Kilo und habe dann auch arge Probleme mit dem Kreislauf gekriegt.
14:53Und dann hat meine Mutter mich zur Seite genommen und gesagt, ich habe Angst um dich, du musst mehr essen.
15:01Und ja, und das habe ich dann auch getan.
15:05Ich nahm ein bisschen zu und fühlte mich dabei aber total unwohl.
15:13Und war so bei, ich glaube, 55 Kilo oder was.
15:17Und fühlte mich aber, ich dachte, ich bin zu fett.
15:22Es gibt viele Untersuchungen darüber, dass weniger als die Hälfte aller Mädchen zwischen 11 und 15 Jahren mit ihrem Körper
15:29zufrieden ist.
15:31Und je älter sie werden, umso unzufriedener werden sie.
15:3780% aller Jugendlichen, also eigentlich fast alle, sind davon überzeugt, dass dünne Menschen beliebter sind als dicke.
15:48Wenn ich heute Fotos von mir aus meiner Teenager-Zeit sehe, dann finde ich sie manchmal sogar schön.
15:55Aber damals habe ich jedes einzelne Bild gehasst.
15:58Ich wollte mich nicht sehen, wie ich bin.
16:03Und ich wollte auch auf gar keinen Fall wissen, wie viel ich wirklich wiege.
16:08Wenn die Waage nur ein Pfund mehr anzeigte, als ich gehofft hatte, dann war der Tag gelaufen.
16:16Das waren ja noch mechanische Wagen.
16:19Da konnte man schummeln.
16:22Also da habe ich mich dann äußerst vorsichtig draufgestellt.
16:26Ich habe mich rechts und links irgendwo abgestützt.
16:30Da habe ich mich ganz langsam losgelassen.
16:34Und ich habe mich dann auch wirklich selbst belogen, um da noch einen Pfund runterzuschummeln.
16:56Ich habe ja nie mich getraut, mal zu sagen, hey Mann, ich bin toll, ich kann das und das und
17:04das alles und so.
17:05Sondern es ist echt so in mir verinnerlicht, eher immer das Schlechte rauszukehren.
17:13Ich habe meistens gar nicht in den Spiegel geguckt.
17:17Ich wollte mich selber nicht sehen.
17:19Der Busen hängt.
17:21Das tat der schon sehr früh.
17:24Weil ich einfach das Bindegewebe nicht habe.
17:28Also der hängt.
17:29Dann habe ich nach dem Essen immer gleich einen Bauch.
17:31Auch die kurzen Male, die ich in den Spiegel geguckt habe, das ist nichts gewesen, was ich schön oder gut
17:44an mir gefunden hätte.
17:45Dann habe ich die hässlichen Beine, dann habe ich die keine schönen Fußfesseln, dann habe ich Zellulite, dann habe ich
17:52dies.
17:53Es ist mir immer auf Anhieb mehr Schlechtes eingefallen als Gutes.
17:59Es war irgendwann so, dass ich vor allem auch einfach immer Angst hatte, irgendwo gesehen zu werden.
18:05Ich habe aufgehört, ich war früher Rettungsschwimmer, ich habe aufgehört zu schwimmen, weil ich mich da ausziehen musste.
18:12Und ich bin halt auch nicht tanzen gegangen, weil das einfach nicht schön aussieht, wenn jemand wie ich tanzt.
18:26Anfang des Jahres haben wir ein Teamshooting gemacht bei einer Fotografin, die ich auch kenne und wo ich weiß, dass
18:31die gut ist.
18:33Und dann waren die Fotos da, dann habe ich die zugeschickt bekommen.
18:36Und ich weiß noch, ich habe die Mail bekommen und ich war natürlich neugierig, ich habe die direkt aufgemacht, obwohl
18:40ich gerade in einem Gruppencall war, einem Videocall.
18:43Und ich musste dann die Kamera ausmachen, weil ich so geweint habe.
18:47Ich habe nur das Doppelking gesehen, was ich hatte und da war eigentlich vorbei, da habe ich auch gedacht, das
18:52kannst du nicht auf die Website packen.
18:56Ich finde die Bilder ganz schlimm.
19:06Das ist das, was ich sehe, wenn ich dieses Foto angucke.
19:09Das sind alles so Sachen, die ich schon mal an mir selber kritisiert habe und die ich an mir selber
19:13nicht mochte, weil ich Angst hatte, dass andere Leute mich dafür scheiße finden.
19:18Zum Beispiel, ich habe ein Doppelkinn und keinen Hals oder dass meine Brüste in verschiedene Richtungen zeigen.
19:23Oder ich habe ein Schwimmerkreuz und Boxerarme und nichts davon sieht gut aus und ich kann nicht an meinem eigenen
19:29Ellbogen lecken.
19:30Das kann zwar niemand, aber das ist das, was von mir erwartet wird und ich kann es nicht.
19:42Wie wäre unser Leben wohl, wenn wir uns selber einfach mögen würden?
19:47Wenn wir uns nicht damit beschäftigen würden, wie vernichtend die anderen vermeintlich über uns urteilen.
19:53Zu hässlich, zu dick, zu plump, zu unförmig, zu alt.
19:57All das, was wir uns selbst ausdenken und was uns vom Leben abhält.
20:04Es gab Tage, da habe ich das Haus nicht verlassen, weil ich mich unzumutbar fand für die Welt da draußen.
20:11Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, mit jemandem darüber zu sprechen. Ich schämte mich.
20:18Dass diese Gedanken sehr krank machen können, ist in zahlreichen Studien längst nachgewiesen.
20:23Aus Essstörungen können Angststörungen und Depressionen werden.
20:28Aber zuerst ist da ein Gefühl von großer Einsamkeit.
20:39Ich bin sicher, dass es vielen genauso geht wie mir.
20:44Auch in dem Punkt, dass jeder denkt, dass er da für sich allein leidet.
20:48Dass es niemandem so geht, dass es allen um dich rum gut geht.
20:52Und das ist das Gefühl, was ich gehabt habe.
20:55Jeder, der um mich rum ist, dem geht es gut.
21:01Dem geht es gut mit sich selbst.
21:03Und niemand kann mich verstehen.
21:22Und dann war es so, dass ich psychisch zusammenbrach.
21:26Und dann bin ich stationär in die Klinik gegangen.
21:28Habe also auch selber drum gebeten.
21:32Und da wurde ich dann erst mal mit Medikamenten neu eingestellt.
21:36Also gegen die Depressionen und gegen die Angststörung.
21:40Und das hat sehr, sehr gut getan.
21:44Gleichzeitig haben diese Medikamente halt wirklich wieder den Appetit sehr angefacht.
21:49Und ich habe ja da dann auch, da waren ja immer Süßigkeiten da von den Leuten,
21:55die da auf Station waren und die Schwestern haben Sonntagskuchen gebracht und all das.
22:01Und dann habe ich die Kontrolle verloren.
22:04Ich habe dann eine Zeit lang Psychopharmaka genommen, unter anderem Antidepressiva,
22:07von denen ich halt auch so, also da hat sich mein Essverhalten halt auch verändert,
22:13weil es eben Menschen gibt, bei denen Antidepressiva das machen.
22:17Und da habe ich in sehr kurzer Zeit sehr viel zugenommen.
22:20Innerhalb von anderthalb Jahren habe ich 50 Kilo zugenommen.
22:2450 Kilo.
22:27Weil ich wirklich total die Kontrolle verloren habe.
22:32Komplett.
22:41Musik
22:42I saw the part of you that only when you're older you'll see too.
22:49You will see too.
22:52It's like you told me, go for it slowly.
22:57It's not a race to the end.
23:02You look like yourself, but you're somebody else
23:06Only it ain't on the surface
23:11Will you talk like yourself? No
23:14I hear someone else, but now you're making me nervous
23:29I saw the part of you that only when you're older you'll see too
23:36You'll see too
23:41Meine Freunde sind alle in Beziehungen
23:43Die fangen jetzt an zu heiraten und zu werfen und zusammenzuziehen
23:48Und das Ding ist, da lernt man auch nicht mehr groß neue Leute kennen
23:50Weil die haben sich ja schon, die gehen ja nicht mehr raus auf die Suche
23:53Und da diese Gruppen-Events und ich gehe ja auch nicht feiern
23:56Das heißt, was soll ich machen? Ich gehe auf eine App
24:06Da waren teilweise so diese ersten Fragen, die mir gestellt wurden
24:09So nach dem Match, die waren sehr unangenehm
24:12Also dieses, hast du ein Ganzkörperfoto von dir, weil ich Angst habe, dass du fett bist
24:20Das war sowas, dem habe ich mich dann einfach irgendwann nicht mehr aussetzen wollen
24:26Also die letzte Dating-App, die ich mir installiert habe, die habe ich nach 10 Stunden wieder gelöscht, weil ich
24:30keinen Bock mehr hatte
24:36Ich habe meinen Mann kennengelernt über eine Fotocommunity
24:41Er ist also Fotograf, semiprofessionell und ich war damals sehr unprofessionell unterwegs
24:48Und wir haben uns halt eben darüber kennengelernt
24:50Und das war unser gemeinsames Ding, die Fotografie
24:55Er fing dann an, irgendwann so Aktaufnahmen auch von mir zu machen
24:59Zuerst war ich so, ich habe die Lust dann daran entdeckt
25:06So, Mensch, das sieht ja richtig gut aus
25:09Ich wusste gar nicht, dass ich auch so gut aussehen kann
25:12So mit Accessoires und anständiger Blickwinkel und so weiter
25:18Das hat mein Ego auch ordentlich gestreichelt
25:21Er hat mir versprochen, dass er keine anderen Frauen fotografiert, sondern nur mich
25:28Und das war auch eine ganze Zeit lang ging das dann auch gut
25:32Und irgendwann kam dann der erste Fotoauftrag, da hat er halt meine Arbeitskollegin fotografiert
25:39Junges, hübsches Mädchen, schlank, feste Haut und alles
25:43Alles das, was ich nicht war sozusagen und ich, ah, ich war so eifersüchtig
25:48Du weißt doch, wie es in mir drin aussieht
25:51Du kennst doch mein, dass ich nicht mit mir zufrieden bin und mich so schlecht und hässlich finde
25:59Und so, das weißt du doch
26:00Und dann fotografierst du da so eine hübsche Frau
26:04Die hat eine tolle Figur, die hat einen tollen Körper und sieht toll aus
26:09Und ich stehe daneben und fühle mich wie ein Sack Kartoffeln
26:16Wir sind darauf abgerichtet, neidisch auf das Begehrenswerte, das scheinbar Vollkommene zu starren
26:24So wollen wir auch aussehen
26:25Dafür geben wir viel Geld aus
26:30Sich ständig zu vergleichen, macht unglücklich und unzufrieden
26:35Die Unzufriedenheit frisst sich tief in das ganze Leben hinein
26:39Bestimmt unsere Beziehungen und entscheidet sogar darüber, wen wir lieben
26:47Ich habe eigentlich ausschließlich Freundinnen, die mal phasenweise eine Essstörung hatten
26:54Oder die halt so wie ich auch einfach eine lange, lange, lange Geschichte mit mir essen hatten
26:59Und bei vielen hat es dann damit aufgehört, dass sie in eine dauerhafte gute Beziehung gekommen sind
27:06Wo der Partner ihnen einfach vermittelt hat, dass das völlig okay ist, so wie sie sind
27:19Ich bin jetzt verlobt und werde in ein paar Wochen heiraten
27:25Das ist eine Situation, mit der ich unheimlich glücklich bin
27:30Auch weil ich einen Partner gefunden habe, der mich vollends liebt und akzeptiert, genauso wie ich bin
27:40Und trotzdem setzt mich diese schöne Situation unter unheimlichen Druck
27:46Ich wollte immer schön sein, ich wollte immer dünn sein und perfekt
27:51Und am schönsten Tag meines Lebens möchte ich das auch sein
27:57Noch viel mehr als sonst
28:03Ich bin da mit einer bestimmten Vorstellung in den Laden gegangen
28:06Ich wollte auf Biegen und Brechen ein glitzerndes Prinzessinnenkleid
28:15Ist das nicht schön?
28:21Alles schimmert und ist voller Perlen und Pailletten
28:25Doch, das ist ein Disney-Prinzessinnen-Traum
28:30Eigentlich
28:38Ich habe das Gefühl, dass mir alles rausquillt und das ist so ein süßer, winziger Stoff und der steht einfach
28:50hinten ab und ist nicht mal in der Nähe davon zuzugehen
28:54Also, ich fühle mich dick
29:05Meine Vorstellung von der märchenhaft schönen Braut sind Disney-Filme
29:42Ich habe das Gefühl, dass mir alles rausquillt und das ist so ein süßer, das ist so ein süßer, das
29:51ist so ein süßer, das ist so ein süßer, das ist so ein süßer, das ist so ein süßer
30:09Ich verstehe mich für immer, das ist so ein süßer, das ist so ein süßer, das ist so ein süßer,
30:28das ist so eineconoMärche
30:39And it seems, it seems that I can't shake those memories
30:45I wonder if you have the same dreams too
30:51The little things that take me there
30:54I know it sounds lame but it's so true
30:57I know it's not right but it seems unfair
31:00Things are reminding me of you
31:03Sometimes I wish we could just pretend
31:06Even if only for one we can
31:09So come on, tell me, is this the end?
31:24Es war immer so, dass ich, dass das schlechte Gewissen immer im Hinterkopf gewesen ist.
31:30Also wenn ich was gegessen habe, immer gleich ein schlechtes Gewissen.
31:33Und dann so diese klassische Spirale, schlechtes Gewissen, Süßigkeiten, schütten Endorphine aus, dann kommt aber der Absturz, schlechtes Gewissen und
31:45dann geht das weiter.
31:47Und das war auch, dass ich dann sehr viel in sehr kurzer Zeit zugenommen habe.
31:51Also wir reden da über 27 Kilo in fünf Monaten.
31:53Das ist sehr viel.
31:55So, das habe ich auch gemerkt.
31:57Das war dann auch so die Obergrenze von dem, was ich jemals gewogen habe.
32:01Und dann habe ich eigentlich im Grunde nur noch Junkfood gegessen.
32:07Weil das auch alles war, was mir wenigstens mal kurz irgendwie ein gutes Gefühl gegeben hat.
32:13Und es war halt immer nur mal kurz, weil danach habe ich natürlich ein schlechtes Gewissen gehabt.
32:16Und ich war ja Studentin, ich habe in einer WG gewohnt und ich habe dann den ganzen Müll, diese ganzen
32:23Junkfood-Verpackungen immer in meinem Zimmer in eine Mülltüte getan.
32:26Und dann rausgebracht, wenn die anderen im Bett waren.
32:29Manchmal habe ich meinen Müll sogar auf mehrere kleine Mülltüten verteilt, damit ich die dann in die öffentlichen Mülleimer tun
32:34kann.
32:34Damit es bloß keiner im Haus mitbekommt.
32:39Ja.
32:40Und da kam ich so in diese klassische Diätfalle.
32:45Also ich habe mich fett diätet sozusagen.
32:47Weil jedes Mal, wenn ich eine Diät gemacht habe und ich habe danach wieder normal gegessen, dann hatte ich es
32:53drauf plus.
32:54Also der klassische Jojo-Effekt plus X.
32:58Und da ging das dann los, dass ich dann, dass ich dann bis, also über Jahre verteilt, fast 100 Kilo
33:08dann hatte.
33:11Es gibt eine Untersuchung aus England, in der Frauen befragt wurden, was sie für ihr Idealgewicht opfern würden.
33:20Zehn Prozent der Frauen sagten, sie wären bereit, für ihre Traumfigur auf zwei bis fünf Lebensjahre zu verzichten, also früher
33:28zu sterben.
33:30Das Gewicht einer Frau hat mehr Einfluss auf ihr Glück als ihr Liebesleben.
33:35Das fanden Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts heraus.
33:43Frauen werden schon so lange über ihren Körper, über ihr Aussehen definiert, dass es quasi ein Teil unserer DNA geworden
33:51ist, uns selber als Baustelle zu betrachten.
33:56Auf dieser Baustelle läuft ständig etwas schief. Nichts ist zufriedenstellend und manchmal gerät alles außer Kontrolle.
34:10Ich bin da irgendwann in so einer Spirale gewesen, wo ich permanent nur Diät gemacht habe und mich nur gezügelt
34:14habe und das nicht mal irgendwie einen Effekt hat.
34:18Und im Grunde war für mich dann der Punkt, an dem ich damit aufgehört habe, der Punkt, an dem ich
34:23erkannt habe, dass es einfach keinen Sinn hat.
34:25Also es ist sehr befreiend festzustellen, dass man aufgeschmissen ist.
34:29Der Auslöser, warum ich dann mich dahinter geklemmt habe und gesagt habe, da muss jetzt was passieren, war, dass ich
34:37gestürzt bin und mir wirklich richtig dolle wehgetan habe.
34:44Und das war noch nicht mal das Schlimmste.
34:45Das Schlimmste war, dass ich da lag wie so ein Wal auf dem Trocknen und nicht mehr hochgekommen bin.
34:52Und das war so beschämend für mich. Dann lag ich da und musste warten, bis mir jemand zur Hilfe eilt,
35:01weil ich mich aus eigener Kraft nicht hochziehen konnte.
35:05Und dann habe ich mich dahinter geklemmt und habe mich erkundigt, wie das ist mit so einer Magenverkleinerung.
35:14Was muss ich denn da überhaupt alles mitbringen? Was muss ich machen? Ist das überhaupt was für mich?
35:18Und dann ging das so seinen Weg. Ich habe mir viel Zeit gelassen mit diesem Programm und dann eben Ende
35:28letzten Jahres die Operation gehabt.
35:40Ich habe auch ganz bewusst viele Sachen dann zum letzten Mal gegessen.
35:45Also direkt vor der OP habe ich mir zum Beispiel nochmal einen richtig riesengroßen Eisbecher gegönnt.
35:50Das war der letzte meines Lebens.
36:01Dieses ständige Kreisen ums Essen ist weg. Und auch die Gedanken ums Gewicht, es ist nicht weg, aber es ist
36:09weniger geworden.
36:10Es ist entspannter. Weil ich nehme jetzt nicht so schnell ab wie andere, aber es geht kontinuierlich runter.
36:20Ich werde nie wieder riesen Portionen essen können. Aber gleichzeitig will ich ja auch gar nicht mehr.
36:27Ich habe ja so viel gefuttert in meinem ganzen Leben. Das reicht ja bis ans Lebensende.
36:34Ich habe ja schon 55 Prozent meines Ziels. Ich bin ja schon auf der Hälfte. Ich habe Halbzeit.
36:41Aber es ist eine lebensverändernde Sache. Das ist fürs ganze Leben dann. Da ist nichts mehr rückgängig zu machen.
37:07Ich habe manchmal so Momente, wo ich mich schon frage, ob das jemals vorbei sein wird.
37:11Ob ich jemals eine richtig gute Beziehung haben werde mit irgendwem, für denen das auch okay ist, wie ich aussehe.
37:18Ja, da habe ich schon manchmal Gedanken dran.
37:22Ich bin mittlerweile fast 27 und verlobt. Mir geht es sehr viel besser als damals, aber das ist immer noch
37:32alles in mir drin.
37:35Ich bin nicht mehr das Häufchen Elend, dass ich mit Anfang 20 und am Rande einer Magersucht gewesen bin.
37:46Aber ich würde nicht sagen, dass ich heute schon an einem Punkt angekommen bin, an dem ich komplett zufrieden mit
37:56mir selbst bin.
37:57Ich habe so viel Zeit damit verbracht, mich niederzumachen und mich schlecht zu fühlen.
38:04Und irgendwie, ich meine, jeder von uns hat ja nur das eine Leben.
38:09Und das, ich weiß nicht, ich kann es schwer beschreiben, aber für mich ist es tatsächlich irgendwie so ein bisschen
38:19wie so eine verlorene Zeit.
38:21Manchmal realisiere ich, dass ich so viele Jahre meines Lebens daran vergeudet habe, anders sein zu wollen, als ich bin.
38:35Es wird immer so ein bisschen das Gefühl sein, so ein bisschen schambehaftet.
38:41Also vielleicht, dass ich irgendwann denke, okay, jetzt bin ich so alt, jetzt ist es auch egal.
38:48Ich kann inzwischen ins Schwimmbad gehen. Das geht. Da habe ich nicht mehr so die Probleme damit.
38:56Aber ganz wird es nicht weggehen.
39:10Wenn ich eine Tochter hätte, die sich zu dick findet, dann würde ich versuchen, ihr vorzuleben, wie man seinem eigenen
39:19Körper vertraut, dass der weiß, wann genug ist.
39:21Ich würde ihr auf keinen Fall was verbieten wollen.
39:25Und wenn sie dick ist, würde ich sagen, überleg dir einfach, ob du damit okay bist, weil ich bin damit
39:33okay.
39:40Nach über 50 Jahren habe ich manchmal noch dasselbe Gefühl, das ich als Kind hatte.
39:47Ich höre eine Stimme, sie flüstert mir zu.
39:50Du wirst zu dick.
39:54Und diese Stimme bin ich selber.
40:01Als meine Tochter sich eine Barbie-Puppe wünschte, da erzählte ich ihr, dass es ja jetzt auch ganz neue Barbies
40:07gibt.
40:08Die sind nicht mehr so schrecklich dünn.
40:10Die haben eine ganz normale Figur.
40:15Curvy sind sie, kurvig.
40:17So eine könnte ich ihr doch schenken.
40:22Etwas später bekam ich einen Zettel.
40:24Sie wollte ganz sicher gehen.
40:29Sie wünscht sich eine Barbie mit Klamotten.
40:35Dünn, bitte.
40:50Dünn, bitte.
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