Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 1 Woche
Querschnitt - Der Ast, auf dem wir sitzen, Teil 2: Kippt das Klima-Gleichgewicht? , Hoimar von Ditfurth, 1978.

Im zweiten Teil steht die Zerstörung eigenständiger Lebensgemeinschaften durch die Zivilisation und ihre Auswirkungen auf die Biosphäre im Mittelpunkt. Untersucht werden Maßnahmen, die einer Klimakatastrophe entgegenwirken könnten.

https://www.zdf.de/dokus/querschnitt---der-ast-auf-dem-wir-sitzen-movie-102


https://www.deutschlandfunk.de/hoimar-von-ditfurth-vor-100-jahren-geboren-er-warnte-100.html

Kategorie

📚
Lernen
Transkript
00:00Von dieser Situation, meine Damen und Herren, waren wir in der letzten Sendung ausgegangen.
00:24Wir hatten versucht, uns unsere Situation einmal objektiv, das heißt von außen aus dem Weltraum, vor Augen zu führen.
00:30Hier fliegen wir in Gedanken am Saturn vorbei und nähern uns unserer Sonne.
00:35Vor dem Hintergrund von Millionen, Milliarden, Sternen, anderen Sonnen wie unsere eigene, in unerreichbarer Ferne.
00:42Hier unsere Sonne, ein frei im Raum schwebender, riesiger Atomreaktor, der die Planeten, die um ihn kreisen, mit seiner Strahlung überschüttet.
00:54Hier der Merkur, der Innerste, viel zu nah an der Sonne, viel zu heiß, als dass die Chance bestünde, dass sich ihr Leben entwickeln könnte.
01:01Die Venus, immerhin schon mit einer dichten Wolkenatmosphäre, aber auch noch viel zu heiß.
01:07Auf der Oberfläche eine solche Hitze, dass hier Blei schmelzen würde.
01:10Aber dann, ein bisschen weiter draußen, wo es kühler wird, plötzlich ein Planet unserer Erde.
01:16Eine vergleichsweise winzige Oase, auf der sich Leben hat entwickeln können.
01:21Wir fliegen noch am Mond vorbei.
01:28Und dann kommt die Erde immer näher.
01:30Aber nun ist es ja keineswegs so, dass diese ganze Kugel zur Heimat des Lebens werden konnte,
01:38sondern nur eine hauchdünne Gasschicht auf ihrer Oberfläche.
01:41Wir müssen sehr nah herangehen, um sie überhaupt sehen zu können.
01:45Und jetzt schneiden wir in Gedanken die Erde durch, der Querschnitt wird sichtbar.
01:56Und dann erkennen wir zwischen der eisigen Kälte des Weltraums oben und der Glut des Erdinneren
02:02diese dünne Gasumhüllung der Erde, die Biosphäre, die wir so oft in Verkennung der wirklichen Situation die Welt nennen,
02:11wenn wir von Weltgeschichte reden, von Weltpolitik oder ähnliche Begriffe gebrauchen.
02:17Die einzige Zone im Kosmos, in der Leben in der Form, wie wir es kennen, stattfinden kann.
02:22Und wenn man das sieht, wenn man die tatsächlichen Verhältnisse sieht, hier dazwischen diese schmale Zone,
02:28dann wird unmittelbar verständlich, dass der Ast, auf dem wir sitzen,
02:31dass das Gleichgewicht dieser Biosphäre nicht so selbstverständlich für alle Zeiten garantiert ist,
02:36wie wir es Gedankenlos oft voraussetzen.
02:39Das ist in Wirklichkeit hier eine große Zahl der verschiedensten Faktoren in einem komplizierten Zusammenspiel.
02:43Das Gleichgewicht, das hier herrscht, Temperaturgleichgewicht, die richtige Gasmischung,
02:47all das, worauf wir angewiesen sind und alle anderen irdischen Lebensformen, immer wieder ausgleichen und herstellen muss.
02:53Und wir hatten in der letzten Sendung auch davon gesprochen, dass diese Kreisläufe,
02:56wir hatten insbesondere den Sauerstoffkreislauf, den Kreislauf des Kohlendioxids und die Temperaturbilanz näher betrachtet,
03:03dass die heute durch Einflüsse der Zivilisation tatsächlich aus dem Gleichgewicht zu geraten drohen.
03:08Wir haben uns insbesondere mit der Temperaturbilanz beschäftigt und darauf aufmerksam gemacht,
03:13dass der stetige Ansteig des Kohlendioxids in der Atmosphäre durch Verbrennung, aber auch durch Vegetationsvernichtung
03:19zu einer allmählichen Aufheizung, einer heute schon nachweisbaren Aufheizung der Erde zu führen droht.
03:25Und über die Konsequenzen haben wir gesprochen.
03:29Dieser einfache Trick zeigt eine der unweigerlich eintretenden Konsequenzen.
03:33Eine Erwärmung der Erde wird zu einem Abschmelzen der Polkappen führen.
03:38Das wieder zu einem selbst verstärkenden Effekt insofern, als eine kleinere Polkappe dann weniger Sonnenlicht in den Weltraum zurückwirft,
03:45die Erde wird immer heißer, Anstieg des Meeresspiegels, vielleicht nur 6 bis 10 Meter.
03:51Dies die Konsequenz für eine küstennahe Stadt.
03:55Dass das keine billige Schwarzmalerei ist, zeigt diese Kurve hier durch ein Observatorium auf Hawaii gewonnen.
04:02Anstieg des Kohlendioxidsgehalt unserer Atmosphäre in den letzten 20 Jahren.
04:06Man sieht den allmählichen Anstieg.
04:08Interessant ist jetzt noch folgendes Detail.
04:11Der Anstieg erfolgt ja nicht gleichmäßig, sondern so in jahreszeitlichen Rhythmen.
04:15Das ist die Atmung der Erde durch die Vegetation.
04:20Die Vegetation der nördlichen Halbkugel überwiegt so stark an Masse, dass sie den Takt angibt.
04:26Folgendes Resultat dabei.
04:27Immer im Winter, wenn die Vegetation schläft und keinen Kohlenstoff verbraucht,
04:32steigt das Kohlendioxid in der Atmosphäre besonders stark an.
04:36Und im Sommer, wenn die Photosynthese wieder in Gang kommt,
04:39die Pflanzen also Kohlenstoff verbrauchen, um Grundnährstoffe aufzubauen,
04:43sinkt das Kohlendioxid, der Kohlensäuregehalt der Atmosphäre wieder ab.
04:47Insgesamt aber, wie gesagt, dieser Anstieg um 5 Prozent in den letzten 20 Jahren.
04:53Eine sehr geringe Zahl, sollte man denken.
04:55Aber erinnern Sie sich an den Treibhauseffekt.
04:56Der Kohlendioxidgehalt entscheidet über die Wärmeaufnahme durch die Atmosphäre.
05:02Dieser Anstieg bedeutet schon einen Anstieg der Durchschnittstemperatur der Erdoberfläche von einem halben Grad.
05:08Und wenn diese Tendenz erhalten bleibt, so haben die Experten, die Klimatologen ausgerechnet,
05:14werden wir in den kommenden Jahrzehnten eine Aufheizung der Erde um 2, 3, vielleicht sogar bis 5 Grad erleben.
05:19Die Wüstengebiete werden sich ausdehnen, werden wandern, die Polkappen werden abschmelzen,
05:24der Wasserspiegel wird ansteigen.
05:26All das wirkt jetzt noch wie ein Szenario aus einem Science-Fiction-Roman von einer Wüstenfantasie ausgedacht.
05:35Unsere Kinder spätestens, unsere Enkelkinder werden erfahren, dass das mehr ist.
05:40Was sollen wir machen?
05:41Sollen wir also auf Kernkraftwerke setzen?
05:44Dann fällt wenigstens die Verbrennung aus als Quelle neuen Dioxidgehalts in der Atmosphäre.
05:51Aber wir hatten auch schon davon gesprochen, es würde uns nichts helfen.
05:53Ganz abgesehen einmal davon, von all den Bedenken und Sicherheitsrisiken,
05:57die noch nicht ganz geklärt sind im Zusammenhang mit den Kernkraftwerken.
05:59Es würde nichts helfen, weil wir inzwischen gemerkt haben,
06:02dass die Vegetationszerstörung weltweit auf der Erde zum Kohlendioxidanstieg
06:06schon mindestens genauso stark beiträgt, wie alle stattfindende industrielle oder auch private Verbrennung.
06:12Wir haben nämlich angefangen, die Urwälde, die letzten Urwälde auf der Erde zu roden
06:17und damit zu zerstören und damit den biologischen Kohlenstoffspeicher zu zerstören.
06:23Das ist wilde und, wie wir immer meinen, im Grunde nutzlose Natur.
06:31Nichts scheint unschuldiger und legitimer und selbstverständlicher zu sein,
06:40als dass der Mensch, wenn er sich immer weiter auf der Erde ausbreitet, anfängt,
06:45hier einzugreifen und die Grundlage zu schaffen zu seiner Ernährung.
06:49Und so wird dann ja auch gesagt, wir wollen die Wüste in Gärten verwandeln,
07:05wir wollen aus den Urwäldern Kulturlandschaften, Plantagen machen.
07:09Immer dann nämlich, wenn darauf hingewiesen wird, dass die Menschheit immer weiter wächst
07:13und neue Anbaufflächen zu ihrer Ernährung braucht, das geht aber nicht.
07:18Wir können die Erde, wir können die Biosphäre nicht so einseitig,
07:22nur aus der Perspektive eines einseitigen Konsumenten, nämlich von uns selbst betrachten.
07:28Warum das nicht geht, das wollen wir uns eben mal überlegen.
07:30Wir wollen einen solchen Urwald mal nicht aus der Konsumentenperspektive
07:34als nutzlose Natur betrachten, sondern aus biologischer Perspektive.
07:38Und da entpuppt sich ein solcher Urwald plötzlich als eine sich selbsttragende,
07:43selbstständige, mit sich im Gleichgewicht befindliche Lebensgemeinschaft.
07:48Eine Fülle von Lebewesen, die in dieser Pflanzen- und Tiergemeinschaft
07:51in verschiedenen Etagen ganz verschiedene Anpassungsbedingungen findet.
07:56Von den winzigen Sekten unten auf dem Boden und den Rinden dieser Bäume
08:00und auf den Blättern dieser Lianen bis zu größeren Tieren, bis zu Vögeln,
08:04bis zu Raubtieren, Wirbeltieren, die hier ihren Unterhalt finden.
08:08Und in einem Kreislauf untereinander dafür sorgen, dass die Gemeinschaft,
08:11ohne dass sich der Mensch drum zu kümmern braucht, selbst trägt und erhält.
08:16Auch im Boden unten, der lebt noch.
08:18Auch dieser Boden, der Wasser gespeichert hat, wimmelt von Würmern, Insekten, Bakterien, Pilzen und lebt.
08:24Und trägt von sich aus dazu bei, dass das hier sich selbst erhalten kann.
08:30Eine ungestörte, mit sich im Gleichgewicht befindende Lebensgemeinschaft.
08:35Und jetzt wollen wir diese Natur, diese angeblich nutzlose Naturlandschaft mal verlassen
08:39und uns der Kulturlandschaft zuwenden und vergleichen, wie es hier aussieht.
08:45Dies die Natur, nachdem der Mensch, man möchte sagen, zugeschlagen hat.
08:50Aus der Fülle, der Vielfalt der einzelnen Lebensarten, der pflanzlichen und tierischen Lebensgemeinschaften,
08:58duldet der Mensch nach Möglichkeit auf einer solchen Plantage nur noch eine einzige Spezies,
09:03eine einzige Nutzpflanze.
09:04In diesem Fall ist es also Kohl.
09:07Der Boden dazwischen ist nackt und bloß.
09:10Alles, was da wächst, wird sofort als Unkraut beseitigt.
09:13Das hat viele, viele Folgen.
09:15Das hat unter anderem die Folge, dass dieser von einer Monokultur besetzte Boden
09:20nicht mehr aus eigener Kraft existieren kann.
09:23Man muss ihn hacken, sonst trocknet er aus.
09:26Man muss ihn düngen, sonst geht ihm die Nährkraft aus.
09:29Sonst fehlen für die Pflanzen die notwendigen Nahrungsstoffe.
09:33Es kommt noch etwas dazu.
09:35Die Lebensdauer, die unterschiedliche Lebensdauer.
09:38Im Urwald pflanzen die riesigen Bäume mit Lebensdauern bis zu Jahrhunderten.
09:44Hier eine extrem kurze Lebensdauer.
09:46Ein Vierteljahr im Frühjahr gepflanzt und im Spätsommer abgeerntet.
09:51Ein möglichst rascher Umsatz des biologischen Kohlenstoffs wieder im Interesse eines einzigen Konsumenten,
09:58nämlich von uns selbst.
09:59Da drüben ein biologischer Kohlenstoffspeicher, der den Kohlenstoff auf Jahrhunderte festhält und bindet.
10:05Hier kurzfristige Umsetzung der Kohlenstoff geht vermehrt als Kohlendioxid in die Atmosphäre.
10:12Man braucht nur noch eine einzige Information zusätzlich.
10:1690 Prozent allen biologisch gespeicherten Kohlenstoffs steckt in den Wäldern dieser Erde.
10:23Im Rest von Waldbestand, den unsere Erde noch hat, muss man sagen.
10:27Und wenn man das alles weiß und wenn man das berücksichtigt und wenn man weiß, dass die Vegetation ursprünglich ein Ort der Aufnahme von Kohlendioxid,
10:37heute längst zu einer Quelle von Dioxid, Anreicherung der Atmosphäre geworden ist,
10:42aufgrund dieser Veränderung der Natur in eine Kulturlandschaft, gilt gültig für immer größere Teile der Erdoberfläche,
10:49dann kann einem Angst und Bange werden, wenn man Bilder sieht wie die folgenden hier.
10:55Dann kann einem Angst und Bange werden, wenn man miterlebt, dass immer größere Teile dieser Naturlandschaft vernichtet werden.
11:02Was die da tun, geschieht in aller Unschuld und ist ganz selbstverständlich.
11:11Sie brauchen neue Anbauflächen, sie haben sich vermehrt, sie haben viele Kinder, sie müssen sich ernähren.
11:17Wovon denn?
11:19Sie roden Urwald, nur ein kleines Stückchen, um anzupflanzen, was sie brauchen, um existieren zu können.
11:32Wo bisher Urwaldriesen standen, da stecken jetzt diese kleinen Keimlinge im Boden.
11:44Dasselbe in einer anderen Gegend der Erde.
11:46Nun schauen Sie sich mal an, was aus dem Boden geworden ist.
11:50Der schöne Humus hat sich in fast tote Erde verwandelt.
11:55Wenn man drüber hakt, staubt's.
11:58Der Boden ist tot.
11:59Er lag nackt in der Sonne und er kann sich auch nicht mehr selbst da halten.
12:04Er muss künstlich bewässert werden.
12:08Bedarf ständiger Pflege, um nicht zur Wüste zu entarten.
12:12Urbaumachung
12:25Urbaumachung, das ist ein schönes Wort, ein Begriff mit positiven Klang.
12:30Biologisch gesehen aber bedeutet Urbaumachung die Vernichtung in Jahrhunderten, in Jahrtausenden gewachsener biologischer Lebensgemeinschaften,
12:37pflanzlicher und tierischer Lebensgemeinschaften, die sich in Harmonie selbst erhalten konnten.
12:43Ihre endgültige definitive Vernichtung.
12:46Das aber hat zur Folge, dass der biologische Kohlenstoffspeicher immer kleiner wird.
12:51Die Erde verliert ihre Fähigkeit atmend, wir haben ja von der Atmung der Erde eben gerade gesprochen,
12:58atmend den Kohlenstoff aus der Atmosphäre wieder aufzunehmen und zum Aufbau von Grundnahrungsstoffen zu verarbeiten.
13:04Mithilfe der Vegetation, die sie überzieht, mithilfe der Photosynthese.
13:09Dieser Prozess ist nicht grundsätzlich neu.
13:12Wo immer der Mensch als Kulturwesen aufgetreten ist im Verlauf seiner ganzen langen Geschichte, hat sich dieser Prozess abgespielt.
13:18Nur noch nie in dem Ausmaß und mit der dramatischen Geschwindigkeit, wie es in unseren Tagen der Fall ist.
13:26Blicken wir einmal zurück vor 2000 Jahren.
13:29Da war die Küste des Mittelmeers noch bewaldet.
13:31Da waren Sizilien und die nordafrikanische Küste noch Kornkammern des Römischen Reiches.
13:39Und Sie alle wissen heute, zumindest von Ihren Urlaubserfahrungen her, wie es heute an dieser Küste aussieht,
13:44die total verkastet ist und wie erbärmlich hoffnungslos die Versuche sich ausnehmen,
13:50hier und dort diesen Prozess rückgängig zu machen.
13:53Das ist praktisch mit noch so viel Aufwand nicht möglich, wenn der Prozess einmal abgelaufen ist.
13:57Europa hat in den letzten 1000 Jahren insgesamt ungefähr 70% seines Waldbestandes eingebüßt.
14:05Und die Erde insgesamt, so schätzt man, hat, seit es den Menschen als Kulturwesen gibt,
14:10etwa schon zwei Drittel ihres ursprünglichen Waldbestandes eingebüßt.
14:14Hier ein Beispiel ganz aktuell jetzt aus unserer Zeit.
14:19Das größte zusammenhängende tropische Regenwaldgebiet, das es auf der Erde noch gibt, das Amazonasbecken.
14:25Dieses Amazonasbecken hat in den letzten 25 Jahren nicht weniger als ein Drittel seines Bestandes eingebüßt.
14:32Hier unten fressen sich die brasilianischen Bulldozer immer tiefer in diesen organischen Pflanzenleib hinein.
14:38Und hier von oben die venezolanischen.
14:41Man braucht die Fläche zum Anbau.
14:44Man muss hier Naturland, man muss die wilde Natur in Kulturlandschaft verwandeln,
14:50weil die Menschen, die hier zunehmen, entsprechende Flächen brauchen zur Produktion der von ihnen benötigten Nahrung.
14:57Augenblickliche Verlustrate pro Jahr nicht weniger als 1%.
15:01Mit anderen Worten, wenn das so weitergeht, wird es in 50 Jahren, in 40 bis 50 Jahren, auch dieses Waldgebiet nicht mehr geben.
15:09Der biologische Kohlenstoffspeicher bricht auf diese Weise durch Eingriffe des Menschen immer mehr zusammen.
15:15Aber das ist nun nicht das Einzige.
15:16Es kommt noch etwas anderes hinzu.
15:19Hunderte von Millionen Menschen heute benutzen dieses Holz, roden die Wälder gar nicht,
15:25um anschließend das Land zu kultivieren, zu pflegen, sich darum zu kümmern,
15:29sondern sie roden den Wald, weil sie Brennstoff brauchen,
15:33weil Holz für sie heute noch die einzige erreichbare Energiequelle ist.
15:38Und dann sind die Folgen katastrophal.
15:40Denn dann liegt der Boden anschließend ungepflegt in der prallen, nackten, tropischen oder subtropischen Sonne.
15:45Er überhitzt sich, er wird regelrecht hitzesterilisiert.
15:48Mit anderen Worten, die mikroskopischen Bodenorganismen sterben ab,
15:52die ihn bis dahin zu Humus gemacht hatten.
15:54Der Boden degradiert.
15:55Degradierter Boden aber, der sieht so aus.
16:02Und das hat nun wieder Folgen für den Wasserhaushalt.
16:04Dieser Boden kann das Wasser natürlich nicht mehr festhalten.
16:08Urwald und Humus saugen Wasser auf wie Schwämme.
16:11Hier strömt das Wasser ab mit ungeheurer Kraft,
16:17nimmt Boden mit, schafft tiefe Erosionsrinnen.
16:20Oben, wo das Wasser gebraucht wurde, ist es nicht zu halten.
16:26Und unten, wo man es nicht haben will, trifft es im Übermaß ein
16:31und führt zu solchen verheerenden Fluten wie in Indien in den letzten Jahren von Jahr zu Jahr mehr.
16:36Hier als Folge einer geradezu fahrlässigen Entholzung des Himalaya-Gebiets.
16:42Hier Szenen aus der Sahelzone.
16:45Dasselbe.
16:47Verwüstung ursprünglichen Vegetationsgebietes, auch durch menschlichen Eingriff, aus etwas anderem Grunde.
16:53Hier hat man mit, in bester Absicht, mit gewaltigen Mitteln der Entwicklungshilfe,
16:58tief unten gebohrt, um den Nomaden zu helfen.
17:00Die Folge, zusätzliche Anschaffung von Vieh.
17:03Dies Vieh, diese Übermaß an Viehdichte, hat die Vegetation gefressen und zerstört.
17:10Der Boden lag nackt in der Sonne, er degradierte.
17:13Die Wüste marschiert pro Jahr drei bis vier Kilometer nach Süden vor
17:17und erdrückt dabei alle Vegetationsreste.
17:20Eine von Menschen gemachte Wüste.
17:28Was sollen wir also machen?
17:30Die am häufigsten gehörte Meinung, das am einfachsten erscheinende Heilmittel und Totalrezept lautet,
17:40aufhören.
17:41Stoppt allen Fortschritt.
17:43Die Frage ist nur, ob das so einfach ist.
17:46Wir wollen uns diese Frage einmal vorlegen anhand eines ganz anderen Beispiels,
17:50nämlich einer technischen Rekordleistung wie dieser Concord hier, eines Überschallflugzeugs.
17:56Besonders geeignet als Modell, deswegen glaube ich,
18:00weil es sich einmal ja ohne Zweifel um eine Spitzenleistung modernen technologischen Fortschritts handelt
18:05und dann deshalb, weil es offenbar ja sich um ein Luxusinstrument handelt,
18:10also ein technisches Erzeugnis, auf das man scheinbar besonders leicht verzichten kann.
18:15Aber wir werden ja sehen.
18:17Mit diesem Wundervogel kann man nun die erstaunlichsten Reisen machen.
18:21Wir wollen uns das einmal anschauen.
18:23Wir wollen uns das einmal anschauen.
18:53So, so, for the boarding, you go to the satellite number five.
19:00Half an hour before the departure, you have to be upstairs.
19:02And if you want, there is the Concord lounge, just there on your right, okay?
19:06I wish you a very good trip.
19:07So, so, so, so, so.
19:20Musik
19:50Musik
20:20Musik
20:50Musik
21:20Musik
21:25Musik
21:26Musik
21:35Musik
21:36Musik
21:37Untertitelung. BR 2018
22:08Morgens um 11 in Paris ab und ab gleichem Abend um halb zwölf wieder in Paris im eigenen Hotel.
22:14Da glaubt man fast gar nicht, dass man in der Zwischenzeit drei Stunden in Manhattan gewesen ist.
22:19So weit, so gut. Wie verträgt sich dieses Meisterwerk nun aber mit der Biosphäre?
22:25Im Moment noch sehr gut. Die paar Überschallflugzeuge, die paar Concorde im Moment fliegen, es sind weniger als zehn Stück, die machen nichts.
22:33Aber wenn es mal mehr werden sollten, wenn der Fortschritt weitergeht, wenn es mal 500 auf der ganzen Welt sein sollten, dann wird es schon bedenklich.
22:42Diese Maschine fliegt nämlich, und das muss sie mit Überschallgeschwindigkeit, nicht wie die anderen Jets, zehn oder zwölf Kilometer, sondern 20 Kilometer hoch.
22:50Damit aber schon im unteren Bereich des Ozonschildes in unserer Stratosphäre, jenes Schildes, der uns vor der UV-Strahlung der Sonne schützt und dessen Zerstörung zu einem vermehrten Auftreten von Hautkrebs zum Beispiel führen würde.
23:04Dann also wird es bedenklich.
23:06Nun gut, ehe es so viele geben wird, kann man den Bau ja wieder einstellen.
23:10Ist das wirklich so einfach? Denken wir doch nur mal an die Arbeitssituation.
23:16Hier Bilder aus den Hallen, in denen die Concorde gebaut wird.
23:21Wir müssten uns dann dazu bereit finden, alle diese Arbeitsplätze abzuschreiben, sie zu streichen.
23:27Das würde nicht nur die paar, relativ paar Spezialisten, die wir hier sehen, betreffen, sondern unsichtbar im Hintergrund Dutzende von Elektronikern,
23:38Hunderte von Spezialisten, Tausende von Arbeitssätzen in all den Zulieferbetrieben, die notwendig sind, um ein so kompliziertes technisches System zu schaffen.
23:48Das logische Gegenargument könnte hier natürlich lauten, die Flugkapazitäten müssen doch gestellt werden, dann eben mit Unterschallmaschinen.
24:04Dann werden eben für die Arbeitsplätze, die in Frankreich und England gestrichen werden müsste, müssen zusätzliche Arbeitsplätze bei Boeing in Amerika geschaffen.
24:13Und da finden dort eben mehr Arbeiter Arbeit und Brot.
24:16Diese Entscheidung würde aber eine Eigenschaft voraussetzen, zu der sich die Menschen bisher nicht fähig erwiesen haben,
24:23nämlich die Einstellung einer globalen Solidarität.
24:26Den Verzicht zugunsten von Menschen ganz weit an anderen Stellen der Erde, auf anderen Kontinenten, die man nie gesehen hat und nicht kennt.
24:35Diese globale Solidarität müssen die Betroffenen aufbringen und ihre Familien, vor allem aber die Politiker, die darüber zu entscheiden haben,
24:41ob ein solches technisches Projekt abgestopft wird oder weitergeführt wird.
24:45Das ist das, was man einen Sachzwang nennt. Das ist ein Beispiel für die Sachzwänge, die es so schwer machen, den Fortschritt zu stoppen,
24:53selbst in einem solchen Fall, der so luxuriös und damit im Grunde überflüssig erscheint.
24:58Und noch härter stellen sich einem diese Sachzwänge nun im Weg angesichts der Probleme, von denen in dieser Sendung vor allem die Rede ist.
25:05Rekapitulieren wir das doch noch einmal, was wir bisher betrachtet haben.
25:11So jedenfalls, das dürfte klar geworden sein, darf es nicht weitergehen, sonst würden uns spätestens unsere Enkel mit vollem Recht verfluchen.
25:19Wenn wir weiter in dem bisherigen Maße nicht nur diese sichtbaren Schadstoffe, sondern das unsichtbare und viel gefährlichere Kohlendioxid in die Atmosphäre hineinpusten,
25:29dann wird die Erde in den nächsten Jahrzehnten unweigerlich in eine Klimakatastrophe hineinschlittern.
25:35Sie wird sich aufheizen und in einen Wüstenplaneten verwandeln.
25:39Was also sollen wir machen? Sollen wir darauf setzen, auf Kernkraftwerke?
25:42Nun, wir wissen noch nicht, was wir uns dann vielleicht an anderen Spätfolgeschäden einhandeln, aber eins steht fest.
25:50Kohlendioxid produzieren die Dinger nicht. Die Klimakatastrophe bliebe uns erspart.
25:55Ob die hier daran gedacht haben?
25:58Ich bezweifle gar nicht, die echte Angst, die die hier vor ganz bestimmten Aspekten der Kernkraftwerke haben,
26:03aber ob sie den Zusammenhang insgesamt wohl wirklich berücksichtigt und durchdacht haben?
26:12Die Frage kann andererseits offen bleiben. Denn auch darüber haben wir schon gesprochen.
26:18Inzwischen steht fest, wir können auf alle fossilen Brennstoffe verzichten. Es hilfe uns gar nichts.
26:24Das Kohlendioxid würde weiter ansteigen, unsere Erde würde weiter der Klimakatastrophe entgegenschlittern.
26:30Deshalb nämlich, weil wir in den letzten Jahren in einem geradezu katastrophalen Tempo dazu übergegangen sind,
26:37die natürliche Vegetation der Erde zu zerstören.
26:39Naturlandschaft durch Kunstlandschaft, durch Kulturlandschaft zu ersetzen.
26:46Nun reden Sie aber in dieser Situation einmal von globaler Solidarität oder Verantwortung.
26:53Menschen gegenüber, denen es persönlich um das aktuelle, nackte Überleben geht.
26:57Da bleibt jeder Hinweis auf eine Verantwortung für die Zukunft abstrakt und vollkommen unanschaulich.
27:04Was also sollen wir denn bloß noch machen?
27:10Ein weiterer Ratschlag, den man in dieser Situation oft hört, der heißt,
27:13Wachstum einschränken, sparen, Gürtel enger schnallen.
27:17Ein sehr ehrenwerter Standpunkt.
27:19Sympathisch schon deshalb, weil er mal die Verantwortung nicht anderen zuschiebt,
27:23sondern damit anfängt, dass man selber zum Verzicht aufgerufen wird.
27:26Sehr sympathisch.
27:27Aber bei Betrachtung der wirklichen Verhältnisse vollkommen sinnlos.
27:32Betrachten Sie diese wirklichen Verhältnisse einmal an einem einfachen Beispiel.
27:35Ein US-Amerikaner belastet die Umwelt in gleichem Maße wie zwei Westeuropäer, also etwa zwei Westdeutsche.
27:43Nun heißt aber Umweltbelastung natürlich nicht nur weggeworfene Bierflaschen und Konservendosen.
27:48Umweltbelastung, das ist auch das Maß des Benzins, das man als Kohlendioxid in Luft pustet mit seinen Autos.
27:54Das ist das Ausmaß an Erdbeer, was man verbraucht.
27:57Das ist die Menge an Kunstdünger, die verbraucht wird, um die eigene Nahrung sicherzustellen und so weiter.
28:02Mit anderen Worten, Umweltbelastung ist ein Maßstab für den eigenen Lebensstandard.
28:06Ein US-Amerikaner so viel wie zwei Westeuropäer.
28:09Jetzt schauen wir uns die Verhältnisse auf der übrigen Welt mal an.
28:12Die verbrauchen so viel wie 60 Inder.
28:15Und diese 60 Inder belasten die Umwelt in gleichem Maße wie 160 Tansanier.
28:21Und die belasten die Umwelt in gleicher Weise wie tausend Einwohner des ärmsten Landes der Erde in Ruanda, nämlich in Afrika.
28:32Und nun reden Sie bitte mal von Einschränken, von Sparen, um diesen Menschen zu helfen.
28:38Es ist hier zu Frehen, auf der einen Seite an die moralische Verantwortung, die wir alle haben,
28:43für ein menschenwürdiges Dasein auch für diese Menschen zu erinnern und gleichzeitig zu sagen, Wachstum einschränken, sparen.
28:50Diese Amerikaner da hinten oder auch die Westdeutschen, die können sich einschränken und sparen, bis sie selbst verhungern.
28:55Bei den zahlenmäßigen Relationen ist denen damit kein Deut geholfen.
28:59Im Gegenteil.
29:00Die Situation in der dritten Welt verlangt eine Vervielfachung des augenblicklichen Energieaufwandes.
29:06Sie verlangt eine Vervielfachung der Anlage von Anbauflächen zur Erzeugung von Nahrung.
29:12Nun haben wir aber in der ganzen bisherigen Sendung davon gesprochen, dass das gerade unmöglich ist.
29:17Was denn eigentlich los?
29:18Wir stoßen mit anderen Worten, wohin auch immer wir uns wenden, an immer neue Sackgassen.
29:24Wir müssen die fossilen Brennstoffe einschränken, weil wir sonst die Erde in eine Klimakatastrophe hineinschlittern lassen.
29:31Wenn wir auf alle fossilen Brennstoffe verzichten, nützt uns das nichts, weil wir die Vegetation zerstören, um Anbauflächen zu gewinnen, zur Ernährung dieser und aller anderen Menschen.
29:39Wir können die Waldzerstörung deswegen nicht einschränken.
29:42Also wird die Klimakatastrophe mit Sicherheit kommen.
29:45Wir müssten eigentlich die Kunstdüngerproduktion einschränken, denn Kunstdünger produziert Stickstoffverbindungen.
29:51Über Nitrate im Trinkwasser war ja schon alarmierend in unseren Zeitungen die Rede.
29:55Eine Folge der Kunstdüngeranwendung.
29:58Diese Stickstoffverbindungen steigen auch bis herauf in die Stratosphäre und zerstören dort die Ozonschicht.
30:03Wir brauchen auf die kommende Überschallflugzeuggeneration gar nicht zu warten.
30:07Diese Zerstörung wird früher oder später eintreten.
30:11Andererseits können wir die Kunstdüngerproduktion aus nicht weiter zu begründenden Ursachen natürlich nicht einschränken.
30:17Unmöglich.
30:18Und wir können auch das Wachstum nicht einschränken, wie wir eben gesehen haben.
30:21Sparen hilft uns nichts.
30:23Was ist denn eigentlich los?
30:25Warum diese Sackgasse?
30:27Die Antwort ist furchtbar einfach.
30:28Weil alle diese Formen der Umweltbelastung oder der Erschöpfung der natürlichen Vorräte der Erde, alle nur Symptome sind einer einzigen dahinterstehenden Ursache.
30:39Nämlich der Tatsache, dass unsere Erde heute schon überbevölkert ist.
30:43Dass sie überbesetzt ist mit einer einzigen biologischen Spezies, die allen anderen Lebensformen mehr und mehr den Lebensfaden abzuschneiden droht.
30:52Nämlich mit uns selbst.
30:53Hier eine grafische Darstellung dessen, was man Bevölkerungsexplosionen nennt.
31:00Vor einer Million Jahren gab es etwa eine Million Menschen.
31:04Auf der ganzen Erdkugel.
31:06Am Ende der Steinzeit waren es acht Millionen.
31:09Dann wurde der Mensch sesshaft und nahm sprunghaft zu.
31:13Vor 8000 Jahren bis zur Christi Geburt 300 Millionen.
31:18Zur Zeit frisch des Großen 800 Millionen.
31:20Und dann geht es sprunghaft weiter.
31:23Um 1800 ist die erste Milliarde erreicht.
31:301,3 Milliarden in der Mitte des vorigen Jahrhunderts.
31:35Jahrhundertwende 1,7 Milliarden.
31:401950 zweieinhalb Milliarden.
31:431975 bereits 3,9 Milliarden.
31:49Und im Jahre 2000 werden es nach den Berechnungen der Völkerkundler 6,4 Milliarden Menschen sein.
31:59Man muss sich mal klar machen, was das heißt.
32:01Das heißt, dass in der kurzen Zeit, in 25 Jahren, von 1975 bis zur Jahrtausend, wenn im Jahre 2000,
32:07die Zahl der Menschen um genau den Betrag zunehmen wird, wie es Menschen insgesamt 1950 auf der Erde gab.
32:13Das heißt praktisch Verdoppelung in 30, 35 Jahren.
32:17Da sind wir inzwischen nämlich angelangt.
32:19Und das ist die Wurzel aller Übel, aller Umweltprobleme.
32:23Ob es zu viel Kohlendioxid in der Atmosphäre gibt, ob unsere Wälder kaputt gehen,
32:27ob immer neue Tierarten bedroht sind und aussterben,
32:30ob unsere Rohstoffe knapper werden oder unsere Flüsse verdrecken,
32:34nennen Sie welche Umweltschädigung auch immer Ihnen einfällt.
32:38All das sind Symptome dieser einen Ursache.
32:41Und wer an den Symptomen herumdoktert,
32:44der provoziert nur immer neue Krankheitserscheinungen an gänzlich unerwarteten anderen Stellen.
32:48Der benimmt sich wie ein medizinischer Stümper,
32:51der das Fieber senkt, ohne sich um die zugrunde liegende Infektion zu kümmern.
32:55Die einzige Rettung, die uns bleibt vor der sonst mit Sicherheit bevorstehenden Katastrophe,
33:03ist eine Verringerung der Zahl der Menschen insgesamt.
33:06Nicht nur in Tansania, nicht nur in Ruanda oder in Südamerika.
33:10Dort natürlich auch und dort vordringlich und möglichst rasch im eigenen Interesse der Menschen dort.
33:15Aber genauso gilt das für uns, denn auch unsere Flüsse sind ja verdreckt.
33:18Auch unsere Atmosphäre ist schon verseucht.
33:20Und auch bei uns hat die Biosphäre in Wirklichkeit längst schon ihr natürliches Gleichgewicht verlassen.
33:27Stellen Sie sich vor, was das heißt,
33:29wenn man mit der gleichen Intensität, in der man bisher Entwicklungshilfe betrieben hat,
33:33global, weltweit Aufklärung treibt in diesem Sinne
33:36und den Menschen klar macht, dass es in seinem eigenen Interesse ist,
33:40seine Fruchtbarkeit den bestehenden Verhältnissen anzupassen.
33:43Wenn die Menschheit sich gesund schrumpfen würde
33:46und die Biosphäre wieder Gelegenheit bekäme, sich zu erholen.
33:48Nicht ein Mensch brauchte dabei zu sterben, nicht ein einziger Mensch, was sonst unausweichlich wäre.
33:54Und gleichzeitig wären alle Probleme, von denen wir hier gesprochen haben,
33:58die Sackgassen, sämtliche Ausweglosigkeiten innerhalb weniger Generationen verschwunden.
34:03Sie hätten sich in Luft aufgelöst, als ob sie es nie gegeben hätte.
34:07Das ist der Ausweg.
34:08Wie aber reagiert unsere Gesellschaft auf Vorschläge dieser Art?
34:13Volker Arz zeigt Ihnen einige typische und, wie mir scheint, entmutigende Beispiele.
34:19Die Geburtenrate in der Bundesrepublik sinkt laufend.
34:23Es kommen immer weniger Babys auf die Welt.
34:25Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
34:28Tja, das ist an sich bedauerlich.
34:29Dadurch verringert sich unsere Bevölkerungszahl immer mehr.
34:33Und die Nicht-Deutschen oder Nicht-Europäischen werden immer mehr, also die Unterentwickelten.
34:39Aber es liegt wahrscheinlich daran, dass wir alle egoistischer werden.
34:43Schlimm. Sehr schlimm.
34:45Denn die Nachfolge ist ja gar nicht gesichert. Für alle nicht.
34:49Auch die jungen Leute, die heute mal sagen, durchhaschkrank sind, die uns mal ablösen sollen, die uns die Renten aufbringen sollen,
34:56die sind ja gar nicht in der Lage, uns überhaupt jemals die Renten zu zahlen, die wir heute den alten Leuten zahlen, durch unsere Beiträge.
35:04Das ist nicht gut. Das halte ich gar nicht für richtig.
35:07Aber die sind ja heute alle so im Stress, dass sie meinen, sie haben keine Zeit mehr, Kinder groß zu machen.
35:12Ja, ich finde es schade, wenn es so ist.
35:15Wenn es immer weniger Deutsche gibt.
35:16Ja, natürlich. In den Schulen kommen immer weniger Kinder und die Lehrer werden dauerlich arbeitslos.
35:23Und es gibt sowieso schon genug Lehrer.
35:24Oder die Schüler und die Lehrer haben es besser. Kleinere Klassen.
35:29Ja, kleinere Klassen, aber trotzdem. Wo bleiben denn die ganz Kleinen? Kein Nachwuchs.
35:33Bei uns kommen ja, das wissen Sie, immer weniger Kinder zur Welt. Was halten Sie davon?
35:50Ja, es ist nicht gut. Es ist auch für die späteren Renten und für die, das wirkt sich ja erst später aus.
35:55Also, überhaupt, das wäre nicht, ist nicht gut. Ich halte das gar nicht für richtig.
36:01Also, ich finde das sehr negativ für ein Volk, wenn die Geburtenrate sinkt.
36:06Und ich finde, man sollte vom Staat einiges unternehmen, um das zu ändern.
36:11Nicht anders wird auch in einigen politischen Gremien gedacht.
36:14Diese Politik der Missachtung sittlicher Werte und des nationalen Selbstmordes auf Raten
36:20wird die CDU-CSU mit einer positiven Familienpolitik beantworten.
36:25Und ein Mathematiker und gestandener Professor für Astronomie sieht das ebenso.
36:30Die Zukunft eines Volkes ist letztlich eine Frage der Moral.
36:34Es wird sich entscheiden müssen zwischen einem komfortablen Selbstmord
36:37oder neuen Anstrengungen für eine lebendige Zukunft in seinen Kindern.
36:41Aus all diesen Äußerungen spricht eine tief empfundene Besorgnis, ja sogar Angst,
36:56angesichts der Entdeckung, dass die eigene Bevölkerung schrumpft, statt zuzunehmen.
37:01Eine groteske Verkennung unserer wirklichen Situation.
37:05Aber diese Reaktion findet sich nun überall, nicht nur in unserem, auch in fremden Kulturkreisen.
37:10Sie findet sich unabhängig, nicht nur von politischen Grenzen, Ständen, Klassen, Berufen,
37:14unabhängig auch von politischen Richtungen, unabhängig auch von der jeweiligen Konfession,
37:19der der Betreffende angehört, in allen Kirchen.
37:22Wachstum der eigenen Bevölkerung ist gut, schrumpfen ist schlecht.
37:27Eine groteske Verkennung der Situation, wie gesagt.
37:30Aber heute noch kann man fast in jeder Woche Politiker im sicher ehrlichen Brustton der Überzeugung,
37:36in einem Atemzug sagen hören.
37:38Wir müssen eine Familienpolitik einführen, die dazu führt, dass wir weiter wachsen und im nächsten Augenblick.
37:44Und außerdem müssen wir dafür sorgen, dass unsere Flüsse sauberer, unsere Energievorräte geschont
37:49und unsere Atmosphäre wieder blau wird.
37:52Ein Widerspruch in sich.
37:53Irrational.
37:54Diese Irrationalität lässt dann eine ganz bestimmte Möglichkeit denken.
37:59Nämlich daran, dass diese Reaktion Ausdruck eines uns angeborenen Instinktes ist.
38:04Es wäre ja denkbar, dass die Natur uns in den letzten Jahren Millionen eine Art Vermehrungsinstinkt eingepflanzt hätte.
38:12Denkbar deshalb, weil das sicher jahrmillionenlang für unser Geschlecht nützlich gewesen wäre.
38:17Wie anders hätten die Menschen in ihrer spärlichen Anzahl und ohne natürliche Waffen in einer feindlichen Umwelt überleben können,
38:24wenn dieser Vermehrungsinstinkt sie nicht dazu getrieben hätte, die Erdoberfläche mehr und mehr zu besetzen und zuzunehmen.
38:31Aber die Umwelt hat sich geändert. Die Bedingungen sind heute andere.
38:36Und nun sollten wir daran denken, dass die Erdoberfläche übersät ist mit den fossilen Resten ausgestorbener Arten,
38:44die aus keinem anderen Grunde ausgestorben sind, als aus dem, weil sie es nicht fertiggebracht haben,
38:50ihr Verhalten den veränderten Umweltbedingungen anzupassen.
38:53Alle diese bisher ausgestorbenen Arten aber sind entschuldigt, denn sie hatten nur eine instinktive Ausstattung, die ihr Verhalten steuerte.
39:03Sie hatten gar keine Wahl.
39:05Wir aber sind die erste Spezies auf dieser Erde mit einem Großhirn.
39:10Wir sind mit Recht stolz darauf, dass wir nicht nur biologisch determiniert sind,
39:14sondern dass wir, wenn auch in einem Rahmen biologischer Randbedingungen, uns frei, selbstverantwortlich entscheiden können.
39:22Wir müssen von dieser Fähigkeit Gebrauch machen.
39:25Wir müssen diesen Instinkt, der uns da in unser Verderben steuern lässt, durchschauen,
39:30um ihn eben als geistige, frei verantwortlich entscheidende Wesen zu überwinden,
39:36um die Gefahr abzuweisen, unser einziger Ausweg.
39:38Wir müssen lernen, dass die Erde uns nicht restlos zur Verfügung steht.
39:44Wir müssen einsehen, dass wir das Wort Macht euch die Erde untertan allzu radikal verstanden haben.
39:50Wir haben nur die Wahl, entweder uns einzufügen in das Gleichgewicht der Biosphäre,
39:55die nicht nur für uns da ist, einzufügen mit allen anderen Lebensformen auch,
40:00zurückzufinden in eine so verstandene Harmonie mit der Natur,
40:03oder es wird über uns das Urteil verhängt, dass die Evolution in der Vergangenheit noch immer verhängt hat,
40:09über jede Spezies, die versäumt hat, sich den veränderten Umweltbedingungen anzupassen.
40:16Wenn wir von unserem Großhirn, wenn wir von dieser Einsichtsmöglichkeit nicht in absehbarer Zeit Gebrauch machen,
40:24wird es uns in absehbarer Zeit nicht mehr geben.
40:27Dann werden wir ausgestorben sein, wie unendlich viele Arten vor uns und sicher auch noch in Zukunft.
40:35Dann wird die Geschichte der Menschheit in der Biosphäre und im Kosmos eine vorübergehende Episode sein.
40:44Dann werden auch wir zugrunde gegangen sein, obwohl wir als erste Lebensform auf der Erde die Chance gehabt hätten,
40:55dem Verderben zu entgehen.
40:58Das Universum bleibt davon unberührt.
41:01Die Evolution wird weitergehen, die Biosphäre wird sich wieder erholen.
41:06Niemand im großen Weltall wird registrieren, dass es uns nicht mehr gibt.
41:09Die einzige Frage ist nur, ob wir uns damit abfinden sollen, dass die Geschichte so ausgeht.
41:18Das macht vieloses Gesetz.
41:34Aber das war es passiert.
41:37Vielen Dank.
Schreibe den ersten Kommentar
Kommentar hinzufügen

Empfohlen