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Spaß
Transkript
00:00Die letzte Geschichte
00:02Die Träumer
00:05Jess Weil
00:06blickte von seinem Schreibtisch auf
00:09sein alter, hagerer Körper, seine scharfe Nase
00:12seine tiefliegenden, umschatteten Augen
00:14und das ungebändigte weiße Haar
00:16waren mit den Jahren zu einem Markenzeichen geworden
00:19ein Markenzeichen, das seine Firma
00:21die Dreams Incorporated weltbekannt gemacht hatte
00:25Ist der Junge schon da, Joe?
00:28Joe Dooley war ein Pücknicker, untersetzt und rundlich
00:31Zwischen seinen feuchten Lippen hing eine Zigarre
00:34Er nahm sie für einen Moment aus dem Mund und nickte
00:36Seine Eltern sind mitgekommen
00:38Sie haben genauso viel Angst wie der Junge
00:42Ist es auch kein falscher Alarm, Joe? Ich habe nicht viel Zeit
00:45Er blickte auf seine Uhr
00:47Um zwei habe ich eine Verabredung mit einem Mann vom Informationsministerium
00:51Es ist eine sichere Sache, Mr. Weil, sagte Dooley ernst
00:55Seine Hängebacken gerieten in Bewegung
00:58Wie ich Ihnen schon erzählte
00:59Ich habe ihn auf dem Schulhof geangelt, wo er mit anderen Jungen Fußball spielte
01:03Sie hatten ihn sehen sollen
01:04Er roch förmlich danach
01:06Wenn er am Ball war, musste ihm seine eigene Mannschaft das Ding wegnehmen
01:10weil er alles im Alleingang machen wollte
01:12Er sah sich als Star
01:14Verstehen Sie, was ich meine?
01:16Für mich war das die Antwort
01:18Haben Sie mit ihm gesprochen?
01:19Sicher, ich habe ihn nach der Schule abgefangen
01:22Sie kennen mich
01:23Dooley beschrieb eine weit ausholende Geste mit der Zigarre
01:26und fing mit der anderen Hand geistesgegenwärtig die herabfallende Asche auf
01:31Junge, sagte ich
01:33Und?
01:34Er hatte das Zeug zu einem Träumer
01:36Ich sagte
01:37Junge
01:38Ich komme gerade aus Afrika und
01:40Weil hielt die Hand hoch
01:42Schon gut
01:43Ihr Wort hat mir schon immer genügt
01:45Ich weiß nicht, wie Sie es machen
01:47aber wenn Sie sagen, ein Junge sei ein potenzieller Träumer
01:50gehe ich eine Wette darauf ein
01:51Bringen Sie ihn herein
01:54Der Junge trat ein, flankiert von seinen Eltern
01:57Dooley schob ihnen Stühle hin
01:59und Weil stand auf und schüttelte ihnen die Hände
02:02Er lächelte den Jungen wohlwollend an
02:05Du bist also Tommy Slatzky
02:08Tommy negte stumm
02:09Er war ungefähr zehn und für sein Alter ein wenig klein
02:12Sein dunkles Haar war mit Wasser mühsam geglättet worden
02:16und sein Gesicht war frisch geschrubbt
02:18Und du bist ein braver Junge, fragte Weil
02:21Die Mutter des Jungen lächelte sofort und tätschelte ihm mütterlich den Kopf
02:25Eine Geste, die Tommys ängstlichen Gesichtsausdruck nicht zu verwischen vermochte
02:30Er ist immer ein sehr braver Junge, sagte sie stolz
02:33Weil ließ diese zweifelhafte Feststellung auf sich beruhen
02:37Erzähl mir mal, Tommy, sagte er und hielt dem Jungen ein Lutschbonbon am Stiel hin
02:41der erst zögernd betrachtet, dann angenommen wurde
02:45Hörst du dir manchmal Träume an?
02:47Manchmal
02:48sagte Tommy mit piepsiger Stimme
02:51Mr. Slatzky räusperte sich
02:53Er war ein breitschuldriger Arbeiter, der seinen Sohn wie ein Turm überragte
02:58Wir haben für den Jungen ein oder zweimal welche gemietet, ganz alte
03:03Weil nickte
03:05Haben sie dir gefallen, Tommy?
03:07Sie waren ziemlich blöd
03:09Du denkst dir selber besser aus, nicht wahr?
03:12Über das Gesicht des Zehnjährigen lief ein schüchternes Grinsen
03:16und Weil fuhr freundlich fort
03:18Würdest du für mich einen Traum machen?
03:21Tommys Verlegenheit
03:22gewann sogleich wieder die Oberhand
03:24Ich
03:26lieber nicht
03:27Es wird nicht schwer sein
03:29Es ist sogar ganz leicht so
03:32Dooley schob eine spanische Wand zur Seite
03:34und rollte ein Traumaufnahmegerät heran
03:37Der Junge stach das mit großen ängstlichen Augen an
03:40Weil nahm den Helm mit beiden Händen und hielt ihn dem Kleinen vors Gesicht
03:45Weißt du, was das ist?
03:47Tommy wich zurück, nein
03:50Es ist ein Denker
03:51Wir nennen es so, weil die Leute da hinein denken
03:54Du denkst, was du willst
03:56Und was passiert dann?
03:58Gar nichts
03:59Es fühlt sich fein an
04:01Nein, sagte Tommy zaghaft, ich
04:04ich möchte es lieber nicht
04:07Seine Mutter beugte sich eilig über ihn, es tut nicht weh, Tommy
04:10Und jetzt machst du, was der Onkel sagt
04:13In ihrer Stimme
04:14lag eine unmißverständliche Schärfe
04:17Tommy versteifte sich und sah aus, als wollte er weinen
04:21Er konnte sich beherrschen
04:23Weil stülpte ihm den Helm über den Kopf, er tat es behutsam und wartete etwa
04:28eine halbe Minute, damit sich der Junge selbst überzeugen konnte, dass es eine
04:32harmlose Sache war und dass er sich an den Kontakt
04:35der haarfeinen Drähte gewöhnen konnte, die seine Kopfhaut unmerklich
04:39durchbohrten und die Schädelnähte abtasteten
04:43Dann sagte er
04:44Würdest du jetzt etwas für uns denken?
04:48Worüber?
04:49Vom Kopf des Jungen
04:51waren nur noch Mund und Nase zu sehen
04:54Was du willst
04:55Was würdest du am liebsten tun, wenn die Schule aus ist?
04:59Der Junge dachte einen Moment nach
05:01Mit einem Stratosphärenkreuzer fliegen
05:04Warum nicht?
05:05Das ist eine hübsche Sache
05:07Du steigst in so eine riesige Düsenmaschine ein
05:10Sie startet gleich
05:12Er gab Dooley ein Zeichen, der die Apparatur einschaltete
05:16Weil behielt den Jungen nur fünf Minuten bei sich, dann ließ er ihn und seine
05:20Mutter von Dooley hinaus geleiten
05:22Tommy sah verwirrt aus, aber sonst hatte er die Feuerprobe ohne Schaden
05:26überstanden
05:28Weilenden Mr. Slutsky, wenn Ihr Junge bei diesem Test gut abschneidet,
05:32zahlen wir Ihnen gerne 500 Dollar im Jahr, bis er die höhere Schule hinter
05:36sich hat
05:37Dafür erwarten wir nur,
05:39dass er einmal wöchentlich eine Nachmittagsstunde in unserer
05:42Spezialschule verbringt
05:45Muss ich ein Papier unterschreiben?
05:48Slutskys Stimme klang ein wenig misstrauisch
05:50Gewiß, es ist eine geschäftliche Abmachung, Mr. Slutsky
05:55Ich weiß nicht recht
05:56Träumer sind ziemlich selten, habe ich gehört
05:59Es sollen sehr gefragte Leute sein
06:01Das ist zweifellos richtig, Mr. Slutsky
06:04Aber Ihr Sohn ist kein Träumer
06:06Noch nicht
06:07Vielleicht wird niemals einer aus ihm
06:10500 Dollar im Jahr sind ein Risiko für uns, aber nicht für Sie
06:14Wenn er mit der höheren Schule fertig ist, stellt sich möglicherweise heraus,
06:18dass er kein Träumer ist
06:20Sie haben da nichts verloren,
06:22sondern insgesamt vielleicht 4000 Dollar gewonnen
06:25Wenn er aber ein Träumer ist,
06:27wird er ein hübsches Einkommen erzielen
06:30Er wird eine Spezialausbildung haben müssen, nicht wahr?
06:33Oh ja, eine sehr intensive sogar
06:36Aber darüber wollen wir uns erst Gedanken machen,
06:39wenn er die höhere Schule hinter sich hat
06:41Wenn er dann zwei Jahre bei uns gewesen sein wird,
06:43ist er ein gemachter Mann
06:45Verlassen Sie sich auf mich, Mr. Slutsky
06:48Garantieren Sie diese Spezialausbildung?
06:52Weil der ihm ein Vertragsformular zugeschoben hatte und ihm einen
06:55Füllhalter entgegenhielt, ließ die Hand sinken und schmunzelte
06:59Eine Garantie?
07:01Nein, Mr. Slutsky
07:02Wie könnten wir etwas garantieren, wenn wir nicht einmal mit Sicherheit wissen,
07:06ob er junge Talent hat?
07:07Die 500 Dollar im Jahr sind schon eine erhebliche Investition, glauben Sie mir
07:13Slutsky grübelte und schüttelte seinen Kopf
07:16Ich will Ihnen die Wahrheit sagen, Mr. Weil
07:18Nachdem Ihr Mann bei uns gewesen war,
07:20rief ich bei der Laster Think an
07:23Dort sagte man mir, dass die Spezialausbildung garantiert wird
07:27Weil seufzte
07:29Mr. Slutsky, ich sage nicht gern etwas über meine Konkurrenten
07:32Wenn Sie sagen, dass Sie eine Ausbildung garantieren, werden Sie es tun
07:36Aber Ausbildung oder nicht
07:39Sie können aus einem Jungen keinen Träumer machen,
07:41wenn er das Zeug dazu nicht in sich hat
07:44Wenn Sie einen einfachen Jungen ohne Talent nehmen
07:46und durch einen Kurs gehen lassen,
07:48werden Sie ihn höchstens ruinieren
07:50Ein Träumer wird nicht aus ihm, das kann ich garantieren
07:54Und ein normaler Mensch auch nicht
07:57Sie sollten sich wirklich überlegen,
07:59ob Sie Ihren Sohn dieser Gefahr aussetzen wollen
08:03Die Dreams Incorporated wird Ihnen gegenüber ganz offen sein
08:07Wenn Tommy ein Träumer werden kann, machen wir ihn dazu
08:10Wenn nicht, geben wir ihn unverdorben zurück und sagen,
08:13geben Sie ihn in eine Lehre
08:15Das wird für Ihren Sohn besser und gesünder sein
08:18Ich habe selbst Söhne und Töchter und Enkel, Mr. Slutsky
08:21Und ich weiß, was ich sage
08:23Ich würde nie zulassen, dass eines meiner Kinder
08:25zum Träumen gedrängt wird, wenn es nicht die Anlagen dazu hat
08:28Nicht für eine Million Dollar
08:32Slutsky wischte sich den Mund mit dem Handrücken
08:34und griff zum Füllhalter
08:36Was steht da drin? Das ist nur eine Option
08:39Wir zahlen Ihnen jetzt 100 Dollar in bar
08:41ohne irgendwelche Verpflichtungen für Sie
08:44Wir studieren die Träumerei des Jungen
08:47Wenn wir das Gefühl haben, dass die Sache sich lohnt,
08:49werden wir Sie wieder verständigen
08:51und den Vertrag über die 500 Dollar im Jahr machen
08:55Slutsky unterzeichnete
08:57Nachdem Slutsky gegangen war, stülpte sich Weil den Helm über
09:00und absorbierte aufmerksam die Träumerei des Jungen
09:04Es war ein typischer kindischer Tagtraum
09:07Der Junge sah sich darin als Pilot einer Düsenmaschine,
09:10deren Form stark an Darstellungen in gewissen Sensationsfilmen
09:14und Magazinen erinnerte
09:17Als er den Helm abnahm, fand er Doolies Augen auf sich gerichtet
09:22Nun, Mr. Weil, wie denken Sie darüber?
09:25Könnte sein, Joe, könnte sein
09:28Er hat die Obertöne
09:29und für einen Zehnjährigen ohne jedes Training ist es hoffnungsvoll
09:33Als die Maschine durch eine Wolke flog,
09:35war eine deutliche Assoziation mit Kissen spürbar
09:39Wir können es mit Kissen gut
09:41Aber ich sage Ihnen, Joe,
09:43wir müssen Sie wirklich noch früher ausfindig machen
09:45und warum eigentlich nicht?
09:47Eines Tages wird man jedes Kind schon kurz nach der Geburt testen
09:51Ein Unterschied im Gehirn muss existieren
09:54und es wird Zeit, dass man ihn aufspürt
09:56Dann könnten wir die Träume schon ganz am Anfang aussondern
10:00Aber, Mr. Weil, sagte Dooley verletzt,
10:03was würde dann aus mir und meinem Job werden?
10:06Weil lachte, kein Grund zur Sorge, Joe
10:09Wir werden es nicht mehr erleben
10:11Wir werden noch viele Jahre von guten Talentsuchern wie Ihnen abhängen
10:14Gehen Sie einfach auf die Straßen und Spielplätze
10:17und machen Sie noch ein paar Hillarys und Jenners aus
10:20Und Luster Think wird unseren Vorsprung nie einholen
10:25Um zwei Uhr erschien ein jüngerer, bebrillter Mann in Jesse Weils Büro
10:30und stellte sich als John J. Byrne,
10:32Beamter des Informationsministeriums, vor
10:36Guten Tag, Mr. Byrne, sagte Weil
10:37Kann ich Ihnen auf irgendeine Weise behilflich sein?
10:41Sind wir hier ungestört? fragte der Beamte
10:44Selbstverständlich
10:46Dann würde ich Sie bitten, dies hier in sich aufzunehmen
10:50Byrne zog einen kleinen, zylinderförmigen Gegenstand aus der Brusttasche
10:53und hielt ihn zwischen Daumen und Zeigefinger
10:57Weil nahm ihn,
10:58untersuchte ihn kurz und sagte mit einem Lächeln, das ein künstliches Gebiß entblößte
11:04Das ist kein Produkt der Dreams Incorporated, Mr. Byrne
11:08Das hatte ich auch nicht angenommen, sagte der Beamte
11:11Trotzdem würde ich Sie bitten, den Inhalt zu abzunehmen
11:13Eine Minute wird genügen
11:15Sie meinen, mehr kann man nicht ertragen
11:18Weil zog den Empfänger an seinen Schreibtisch und steckte den Zylinder in den Entforsterteil
11:23Er wartete,
11:24nahm ihn wieder heraus und putzte die Enden des Zylinders mit seinem Taschentuch
11:29Der Kontakt ist nicht gut, sagte er
11:32Eine amateurhafte Arbeit
11:34Er versuchte es noch einmal
11:36und stülpte sich den Aufnahmehelm über den Kopf
11:39Dann lehnte er sich zurück,
11:40faltete die Hände über der Brust und begann den Traum in sich aufzunehmen
11:46Nach einer Minute
11:47schaltete sich die Empfangsanlage selbsttätig aus
11:50Weil entledigte sich des Helms
11:52und machte ein ärgerliches Gesicht
11:54Ein primitiv gemachtes Stück, sagte er
11:57Ich bin froh, dass ich ein alter Mann bin,
11:59der über diese Dinge hinaus ist
12:02Byrne sagte steif
12:04Es ist noch nicht das Schlimmste von denen, die wir gefunden haben
12:07und die Verbreitung scheint rasche Fortschritte zu machen
12:11Weil zog die Achseln
12:12Pornografische Träume
12:15Diese Entwicklung ist logisch, denke ich
12:17Logisch oder nicht
12:19Sie stellt eine tödliche Gefahr für die Moral der Nation dar
12:23Die Moral der Nation, sagte Weil,
12:25hält eine Menge aus
12:27Erotika in der einen oder anderen Form hat es in der Geschichte der Menschheit
12:30schon immer gegeben
12:31Aber nicht in dieser Form, ist der Weil
12:34Eine direkte Übertragung von Geist zu Geist
12:37ist wesentlich wirksamer als obszöne Literatur oder schmutzige Bilder
12:41Diese werden durch die Sinne des Menschen gefiltert
12:44und verlieren auf diesem Weg einiges von ihrer Wirkung
12:47Gegen dieses Argument konnte Weil nichts ins Feld führen
12:51Was erwarten Sie von mir, Mr. Byrne, fragte er vorsichtig
12:56Können Sie mir vielleicht einen Tipp geben,
12:58welcher Quelle dieser Zylinder entstammt?
13:01Mr. Byrne,
13:03ich bin kein Detektiv
13:05Nein, nein
13:06Ich verlange auch nicht von Ihnen, dass Sie der Polizei Ihre Arbeit abnehmen
13:10Aber vielleicht können Sie uns mit Ihrem Spezialwissen helfen
13:13Sie sagen, dass dieser Schund nicht von Ihrer Firma auf den Markt gebracht worden ist
13:18Wer kann es gewesen sein?
13:20Jedenfalls keine Traumfabrik von Ruf, das ist ganz sicher
13:23Dafür ist es zu billig gemacht
13:26Das könnte absichtlich geschehen sein
13:29Der Traum stammt von keinem professionellen Träumer
13:32Sind Sie sicher, Mr. Weil?
13:34Könnte nicht auch ein berufsmäßiger Träumer so etwas machen? Es wäre doch
13:37möglich,
13:38dass er von irgendeiner kleinen,
13:39eleganten Firma Geld dafür bekommt
13:43Theoretisch ja
13:45Aber bei diesem Traum hier
13:46ist es ausgeschlossen
13:48Es fehlen die Obertöne
13:50Er ist zweidimensional
13:51Natürlich bedarf ein Traum wie dieser hier keiner Obertöne
13:55Was meinen Sie damit, Obertöne?
13:58Weil, lachten Sie,
14:00Sie sind kein Traumgeschichten-Fan, wie?
14:03Ich ziehe Musik vor
14:04Nun, das ist doch eine gute Sache, meinte Walt Tolerant
14:08Aber es erschwert mir die Erklärung der Obertöne
14:11Selbst Leute, die regelmäßig Traumgeschichten absorbieren,
14:14könnten es wahrscheinlich nicht erklären, wenn man sie fragte
14:17Trotzdem wissen Sie, dass eine Traumgeschichte nicht gut war
14:21Sehen Sie,
14:22wenn ein erfahrener Träumer seinen Eingebungen nachhängt, um eine Geschichte
14:26zu machen,
14:27denkt er sie sich nicht einfach aus,
14:29wie etwa die altmodischen Fernsehautoren oder die Verfasser von
14:32Filmdrehbüchern
14:34Bei ihm ist es wie eine Serie kleiner Visionen
14:37Jede hat mehrere Bedeutungen
14:39Wenn man sie sorgfältig studiert,
14:41kommt man manchmal auf fünf oder sechs
14:44Der durchschnittliche Kunde merkt nichts davon
14:46Aber es ist ein sehr wichtiger Punkt, glauben Sie mir
14:49Mein Psychologenstab verwendet darauf besondere Aufmerksamkeit
14:53Alle Obertöne,
14:54die verschiedenen Bedeutungen,
14:56verschmelzen miteinander zu einer Masse gelenkter Emotionen
14:59Ohne sie wäre alles flach,
15:01schal und geschmacklos
15:04Heute morgen habe ich zum Beispiel einen Jungen getestet
15:07Einen Zehnjährigen mit Möglichkeiten
15:09Eine Wolke
15:10ist für ihn nicht nur eine Wolke, sie ist auch ein Kissen
15:14Da man beide Empfindungen gleichzeitig hat,
15:16war es mehr als nur eins von beiden
15:19Natürlich ist der Junge noch sehr primitiv
15:21Aber wenn er mit seiner Ausbildung fertig ist,
15:24wird er brauchbar sein
15:25Er wird die klassischen Traumgeschichten der Vergangenheit studieren
15:29und analysieren
15:30Er wird lernen, wie er seine Gedanken kontrollieren und dirigieren kann
15:34Obwohl ich immer der Meinung war,
15:36daß ein guter Träumer improvisieren
15:39Pfeil brach ab und lächelte entschuldigend
15:42Nun, ich wollte Ihnen keine Vorlesung halten
15:44Ich möchte nur noch herausstellen,
15:45daß jeder professionelle Träumer seine eigenen Obertöne hat,
15:49die er nicht maskieren kann
15:51Für einen Experten ist es,
15:52als unterschriebe er die Traumgeschichte mit seinem Namen
15:56Und ich, Mr. Byrne,
15:57kenne alle Unterschriften
16:00Dieses Stück Dreck hier hat keinerlei Obertöne
16:02Es wurde von einer gewöhnlichen Person aufgenommen
16:04Ein wenig Talent vielleicht
16:06Aber keineswegs mehr als Durchschnittsmenschen wie Sie oder ich
16:10In Wirklichkeit
16:12kann er nicht denken
16:14Byrne errötete ein wenig
16:16Viele Leute können denken, Mr. Weil,
16:18auch wenn sie keine Traumgeschichten machen
16:22Weil hob beide Hände
16:23Oh gewiß,
16:24seien Sie nicht böse über das, was ein alter Mann sagt
16:27Ich meine nicht das Denken im vernunftmäßigen Sinn
16:30Ich meine Denken wie in einem Traum
16:32Wir alle können träumen, genauso wie wir alle laufen können
16:36Aber können Sie oder ich die Meile in vier Minuten laufen?
16:41Wenn ich zum Beispiel an ein Steak denke,
16:43denke ich an das Wort
16:44Vielleicht sehe ich ganz kurz das Bild eines gebratenen Steaks auf einem Teller vor mir
16:49Sie haben vielleicht ein besseres Vorstellungsvermögen als ich
16:52und sehen auch noch das Fett, die Zwiebeln
16:55und die Bratkartoffeln
16:57Ein Träumer
16:58Er sieht, riecht und schmeckt das Steak und alles, was damit zusammenhängt
17:02Das befriedigte Gefühl im Magen, das Messer, wie es das zarte Fleisch zerteilt
17:06und so weiter, hundert Dinge auf einmal
17:09Sie und ich können das nicht
17:12Also gut, sagte Byrne,
17:14dieses Ding stammt nicht von einem berufsmäßigen Träumer
17:17Das ist immerhin schon etwas
17:19Er steckte den Zylinder wieder in seine Brusttasche zurück
17:22Ich hoffe, wir können beim Unterdrücken dieser Auswüchse mit ihrer vollen
17:26Unterstützung rechnen
17:27Selbstverständlich, Mr. Byrne
17:31Byrne sprach jetzt im vollen Bewusstsein seiner Macht
17:34Mr. Weil, ich kann nicht sagen, was unternommen werden wird, aber solche
17:38Erzeugnisse wie dieses hier
17:40werden es sehr verlockend erscheinen lassen, für alle Traumgeschichten
17:43eine strikte Zensur einzuführen
17:46Er stand auf
17:47Guten Tag, Mr. Weil
17:50Guten Tag, Mr. Byrne
17:54Francis Ballenger stürmte temperamentvoll in Jez Weil's Büro, sein rötliches
17:58Haar war ungeordnet
17:59und auf seiner Stirn glänzten Schweißtropfen
18:02Bei Weil's Anblick
18:03blieb er wie angewurzelt stehen
18:05Weil hatte sein Gesicht in den auf der Tischplatte verschränkten Armen
18:09vergraben und nur sein dichtes weißes Haar war sichtbar
18:12Ballenger schluckte
18:13Boss!
18:15Weil hob den Kopf
18:17Frank?
18:18Was ist los, Boss? Sind Sie krank?
18:21Ich bin alt genug, um krank zu sein, aber ich bin auf den Beinen
18:25Ein Regierungsbeamter war hier
18:28Was wollte er?
18:30Er drohte mit Zensur
18:32Er hatte ein Muster von dem Zeug bei sich, das gegenwärtig überall auftaucht
18:36Billige Traumgeschichten für Schnapspartys und dergleichen
18:39Verdammt!
18:40sagte Ballenger mitfühlend
18:42Sie werden jetzt überall herum schnüffeln und um die Wahrheit zu sagen, Frank
18:47Wir sind verwundbar
18:49Was?
18:50Unser Zeug ist sauber
18:51Wir machen ehrliche Abenteuer und Romanzen
18:54Weil schob seine Unterliebe vor und runzelte die Stirn
18:58Wir brauchen uns nichts vorzumachen, Frank
19:00Sauber
19:01kommt darauf an, wie man es betrachtet
19:04Man sollte nicht davon reden, aber wir wissen beide,
19:07dass jede Traumgeschichte ihre freudschen Symbole hat, das kann sie nicht leugnen
19:12Gewiß
19:13wenn man danach sucht, wenn man ein Psychiater ist
19:16auch wenn man ein gewöhnlicher Mensch ist
19:19der gewöhnliche Betrachter merkt nichts davon und wahrscheinlich kann er nicht
19:22einmal ein fallisches Symbol von einem Mustersymbol unterscheiden
19:26aber sein Unterbewusstsein weiß es
19:30Meinetwegen?
19:31Aber was will die Regierung machen?
19:33Das Unterbewusstsein zäubern?
19:35Weiß ich auch nicht, wir müssen abwarten
19:38Weswegen sind sie gekommen?
19:40Ballenger warf einen Gegenstand auf Weils Schreibtisch und stopfte sein Hemd
19:44tiefer in den Hosenbund
19:46Weil öffnete die Plastikumhüllung und nahm den Zylinder heraus
19:50Plastikbehälter und Zylinder
19:52waren mit verschnörkelten Buchstaben kitschig und himmelblau beschriftet
19:57Unterwegs im Himalaya
19:59darunter befand sich das Warenzeichen der Lafazin Company
20:04Ein Konkurrenzprodukt, sagte Weil mit gespitzten Lippen
20:08und noch nicht veröffentlicht
20:10Wie sind sie da rangekommen, Frank?
20:13Unwichtig
20:14Ich möchte nur, dass sie es absorbieren
20:16Weil seufzte
20:18Heute verlangt jeder von mir, dass ich Träume in mich aufnehme
20:22Es ist doch nicht schmutzig, oder?
20:25Es hat ihre freudschen Symbole,
20:27erwiderte Ballenger, gereizt. Enge Schluchten zwischen den Bergspitzen
20:32Ich hoffe, das wird sie nicht stören
20:34Ich bin ein alter Mann
20:36Es stört mich schon seit Jahren nicht mehr, aber dieses andere Ding war so
20:39schlecht gemacht, dass es direkt schmerzte
20:43Dann Weil
20:45Diesmal verharrte Weil volle 15 Minuten unter dem Helm
20:49ruhig in seinem Stuhl zurückgelehnt, während Ballenger hastig zwei Zigaretten rauchte
20:55Als Weil schließlich den Helm abnahm und den Traum aus seinen Augen zwinkerte,
20:59fragte Ballenger nun
21:00Was sagen Sie dazu, Boss?
21:03Weil wiegte nachdenklich den Kopf
21:05Nichts für mich
21:06Es steckte voller Wiederholungen
21:08Bei solcher Konkurrenz brauchen wir uns vorerst keine Sorgen zu machen
21:12Das ist ein Irrtum, Boss
21:14Mit solchem Zeug wird uns Laster Think den Rang ablaufen
21:17Wir müssen etwas unternehmen
21:19Aber, Frank, nein
21:21Hören Sie mich an
21:22Das ist die kommende Sache
21:24Dies
21:25Weil war für einen spätischen Blick auf den Zylinder ein abgeschmackter, billiger Traum
21:29ohne feine Assoziationen und Obertöne
21:33Das finden Sie, Boss, weil Sie nicht mit der Zeit gehen
21:36Ich muss offen mit Ihnen reden
21:38Als Sie die Patente aufkauften
21:40und mit dem Traumgeschäft anfingen, waren Traumgeschichten ein Luxusartikel
21:44Der Markt war klein und individuell
21:46Sie konnten es sich erlauben, spezialisierte Traumgeschichten herauszubringen
21:50und sie teuer zu verkaufen
21:52Ich weiß, sagte Ball
21:54Und dabei sind wir geblieben
21:55Aber wir haben noch ein Massengeschäft
21:58Das haben wir
21:59Aber es genügt nicht
22:00Unsere Träume haben alle Feinheiten, ja
22:03Man kann sie immer wieder verwenden und noch beim zehnten Mal findet man neue
22:07Dinge darin
22:08Aber wie viele Leute sind Kenner und Liebhaber?
22:10Und noch etwas
22:12Unser Zeug ist zu sehr auf das Individuum zugeschnitten
22:15Alle unsere Träume sind in der ersten Person
22:19Und? Und?
22:22Last of Thinker öffnet Traumpaläste
22:24In Nashville haben sie einen mit 300 Boxen eingeweiht
22:27Man geht hinein, setzt sich den Helm auf, macht er sich bequem
22:30und bekommt seinen Traum
22:32Alle Anwesenden
22:33kriegen denselben
22:35Ich habe davon gehört, Frank
22:37Und das ist früher schon gemacht worden, damals war es kein Erfolg
22:41Und diesmal wird es auch keiner werden
22:43Wollen Sie wissen warum? Weil Träumen Privatsache ist
22:47Möchten Sie, dass Ihr Nachbar weiß, was Sie träumen?
22:50Außerdem müssen die Träume in einem Traumpalast nach Plan beginnen
22:53Man hat also zu träumen, nicht wann man will, sondern wann der Besitzer sagt,
22:57dass man es soll, über die sind die Geschmäcker verschieden
23:01Von 300 Kunden werden 150 enttäuscht sein
23:04Und wenn sie enttäuscht sind, kommen sie nicht wieder
23:07Ballinger krempelte seine Ärmel hoch und öffnete den Hemdkracken
23:11Boss, sagte er
23:13Was nützt der Beweis, dass Sie keinen Erfolg haben werden?
23:16Sie versuchen es und es scheint zu klappen
23:18Heute ist die Nachricht gekommen, dass Last of Think in St. Louis
23:21einen Traumpalast mit 1000 Boxen baut
23:24Man kann die Leute daran gewöhnen, dass alle im Raum denselben Traum haben
23:28Und solange es billig und bequem ist, werden sie sich sogar damit abfinden,
23:32ihre Träume zu einer gegebenen Zeit zu haben
23:35Es ist alles eine Frage der Gewöhnung, Boss
23:38Ein Junge und ein Mädchen gehen in einen Traumpalast und absorbieren
23:41irgendein billiges romantisches Ding
23:43mit Stereotypen, Obertönen und alltäglichen Situationen
23:47Aber trotzdem kommen sie zufrieden und beglückt heraus
23:50Sie hatten gemeinsam denselben Traum
23:53Sie haben identische Emotionen durchgemacht und sind aufeinander eingestimmt
23:58Man kann darauf wetten, dass sie wieder hingehen werden
24:02Und wenn ihnen der Traum nicht gefällt?
24:04Last of Think bringt billige Ware in der dritten Person heraus
24:07So machen sie es beiden Geschlechtern recht
24:09Zeug von der Art, wie sie es eben absorbiert haben
24:13Sie zielen auf den niedrigsten gemeinsamen Nenner ab
24:16Vielleicht wird niemand davon begeistert sein, aber niemand wird es ablehnen
24:21Ich klange und Ballinger beobachtete ihn
24:24Dann sagte Weil
24:26Frank, ich habe mit Qualität angefangen und ich bleibe dabei
24:30Vielleicht haben sie recht und Traumpaläste sind die kommende Sache
24:33Dann werden wir auch welche eröffnen, aber wir werden guten Stoff bieten
24:38Vielleicht unterschätzt Last of Think das Publikum
24:41Meine Politik hat immer auf der Theorie beruht,
24:44dass es stets einen Markt für Qualität geben wird
24:47Wir wollen abwarten und nicht gleich in Panik verfallen
24:51Boss
24:52Die Sprechanlage unterbrach Ballinger
24:55Was ist rot? fragte Weil
24:57Die Stimme der Sekretärin sagte
24:58Mr. Hillary, Sir
25:00Er möchte Sie sofort sprechen, es sei wichtig
25:03Hillary, wiederholte Weil verdutzt
25:06Schicken Sie ihn herein, Ruth
25:08Weil wandte sich an Ballinger
25:11Heute ist keiner meiner guten Tage, Frank
25:13Der Platz eines Träumers ist zu Hause bei seinem Denker
25:16Und Hillary ist unser bester Träumer
25:18Also sollte gerade er zu Hause sein
25:21Wie war sein letzter Traum? Ich meine den, den er letzte Woche geliefert hat
25:25Ballinger rümpfte die Nase
25:27Nicht so gut
25:29Warum nicht?
25:30Etwas unzusammenhängend
25:32Ich habe nichts gegen scharfe Übergänge und unerwartete Wendungen
25:35Sie beleben die Sache, aber es muss ein Zusammenhalt da sein
25:39Ist es ein totaler Verlust?
25:42Kein Hillary-Traum ist ein totaler Verlust
25:44Aber er erforderte einen Haufen herausgeberischer Arbeit
25:48Wir haben ihn gekürzt und einige Szenen eingeblendet, die er uns als
25:51Fülsl früher einmal geschickt hatte
25:53Er ist immer noch nicht Klasse A, aber er geht durch
25:57Haben Sie mit ihm darüber gesprochen, Frank?
26:00Halten Sie mich für verrückt, Boss?
26:01Glauben Sie, ich würde einem Träumer ein hartes Wort sagen?
26:05In diesem Augenblick öffnete sich die Tür
26:07und Weil-Sekretärin führte Sherman Hillary ins Büro
26:12Sherman Hillary, 31 Jahre alt, hätte von jedermann auf Anhieb als Träumer
26:17erkannt werden können
26:18Seine Augen hatten den sanften, abwesenden Blick eines Mannes, der
26:21entweder eine Brille braucht oder nur selten mit irgendwelchen weltlichen
26:26Problemen konfrontiert wird
26:28Er war mittelgroß und mager
26:30mit zu langem schwarzen Haar, einem schmalen Kinn und bleicher Hautfarbe
26:34Er murmelte
26:36Hello, Mr. Weil
26:37und nickte Ballinger kurz zu
26:40Sherman, mein Freund, Sie sehen prächtig aus, sagte Weil herzlich
26:43Was gibt es?
26:44Setzen Sie sich, setzen Sie sich
26:47Der Träumer ließ sich auf eine Stuhlkante nieder
26:49und schlug die Augen nieder
26:53Ich bin gekommen, Mr. Weil, um
26:55Ihnen zu sagen, dass ich kündige
26:57Sie wollen kündigen?
26:59Ich möchte nicht mehr träumen, Mr. Weil
27:02Weils altes Gesicht
27:04schien plötzlich noch mehr gealtert zu sein
27:07Warum, Sherman?
27:09Die Lippen des Träumers zuckten
27:11Weil ich nicht mehr lebe, Mr. Weil, platzte es heraus
27:14Am Anfang war es nicht so schlimm
27:16es war sogar entspannend
27:17Ich träumte abends oder an den Wochenenden, wann immer mir danach zumute war
27:22Aber jetzt, Mr. Weil, bin ich ein alter Profi
27:25Sie sagen mir, dass ich einer der Besten bin
27:28Und ist etwa jemand besser als Sie, Sherman?
27:31Ihre kleine Szenenfolge über das Dirigieren eines Orchesters
27:34ist immer noch ein Verkaufserfolg nach zehn Jahren
27:37Das freut mich, Mr. Weil
27:39Aber ich habe mein Teil getan
27:41Ich bin soweit gekommen, dass ich überhaupt nicht mehr ausgehe
27:45Ich vernachlässige meine Frau, meine kleine Tochter kennt mich kaum
27:49Letzte Woche waren wir abends bei Bekannten eingeladen
27:52Aber ich erinnere mich an nichts mehr
27:55Sarah sagt, ich hätte den ganzen Abend auf der Couch gesessen, hätte ins Leere gestarrt
27:59und vor mich hingesummt
28:01Sie sagt, alle hätten mich angeschaut
28:03Sie weinte die ganze Nacht
28:05Ich halte das nicht mehr aus, Mr. Weil
28:08Ich will ein normaler Mensch sein und in dieser Welt leben
28:12Ich habe meiner Frau versprochen, dass ich aufhöre
28:15Und es ist mein eigener Wille
28:17Also heißt es Abschied nehmen, Mr. Weil
28:20Hillary stand auf und streckte linkisch die Hand aus
28:25Weil winkte freundlich ab
28:27Wenn Sie gehen wollen, Sherman, ist es in Ordnung
28:30Aber tun Sie einem alten Mann einen Gefallen
28:32und lassen Sie mich Ihnen etwas erklären
28:34Ich werde meine Meinung nicht ändern, sagte Hillary
28:37Ich will Sie nicht dazu überreden
28:39Aber ich bin ein alter Mann und war schon in diesem Geschäft, als Sie noch nicht auf der Welt waren
28:44Daher spreche ich gern darüber
28:46Bitte behalten Sie noch einen Augenblick Platz, Sherman
28:50Hillary setzte sich wieder, seine Zähne nagten an der Unterlippe
28:53und erstarrte mürrisch auf seine Fingernägel
28:56Weil sagte
28:58Wissen Sie, was ein Träumer ist, Sherman?
29:01Wissen Sie, was er normalen Menschen bedeutet, die keine Fantasie haben
29:05und keine Gedankengebäude errichten können?
29:08Leute wie ich, gewöhnliche Leute
29:10müssen dann und wann einmal ihrem Alltagsleben entkommen
29:13aber wir können es nicht aus eigener Kraft, wir brauchen Hilfe
29:17In alten Zeiten gab es Bücher, Theaterstücke, Radio, Filme und Fernsehen
29:23Aber die Übertragung der Gedanken und Stimmungen
29:26war bei keinem dieser Kommunikationsmittel perfekt
29:29Doch jetzt, mit der Traumaufnahme
29:31kann jedermann träumen und alles andere für eine Weile vollständig vergessen
29:36Sie, Sherman
29:38und eine Handvoll anderer Männer
29:39vermitteln diese Träume direkt
29:42Sie gehen von ihrem Kopf in unseren, ohne an Kraft und Intensität zu verlieren
29:47Jedes Mal, wenn Sie träumen, träumen Sie für 100 Millionen Menschen
29:51Sie träumen 100 Millionen Träume auf einmal, das ist eine große Sache, mein Freund
29:56Sie geben allen diesen Menschen etwas, was sie anders nicht haben können
30:02Ich habe mein Teil getan, murmelte Hillary
30:05Er stand verzweifelt, es ist mir gleich, was Sie sagen und wenn Sie mich verklagen wollen
30:09weil ich unseren Vertrag vielleicht nicht genau eingehalten habe, tun Sie es
30:12Es ist mir gleich
30:14Wald stand auf
30:15Das trauen Sie mir zu
30:19Ruht, sagte er in die Sprechanlage, bringen Sie unsere Kopie von Mr. Hillarys Vertrag
30:25Die drei Männer, wachbei, lächelte leise
30:28und seine gelben, faltigen Finger trommelten auf die Tischplatte
30:32Die Sekretärin erschien mit dem Vertrag
30:34Weil nahm ihn, zeigte ihn Hillary und sagte
30:38Sherman, mein Freund
30:39Wenn Sie nicht länger bei mir bleiben wollen, möchte ich Sie nicht zurückhalten
30:44Dann, bevor Bellinger mehr noch als den Anfang einer entsetzt abwehrenden Geste
30:49zu Wege bringen konnte, zerriß er den Vertrag in vier Stücke und warf sie in den Abfallschacht
30:55Das ist alles
30:58Hillary ergriff Wales Hände, Danke Mr. Weil, sagte er bewegt
31:02Sie haben mich immer sehr anständig behandelt
31:04und ich bin Ihnen dankbar, es tut mir leid, dass es so kommen musste
31:08Es ist schon gut, mein Freund
31:10Es ist schon gut
31:12Sherman, Hillary ging, immer noch Dankesworte murmelnd
31:16Um Gottes willen, Boss, warum haben Sie ihn gehen lassen, fragte Bellinger fassungslos
31:21Spiel nicht, er wird sofort zu Laster Fink gehen, Sie haben ihn gekauft
31:26Weil lächelte überlegen
31:28Irrtum, Frank, ganz falsch
31:30Ich kenne den Jungen und das wäre nicht sein Stil
31:33Außerdem fügte er trocken hinzu
31:35Es droht eine gute Sekretärin und weiß, was sie zu bringen hat, wenn ich den Vertrag eines Träumers verlange
31:42Was ich hatte, war eine zweite Ausfertigung
31:44Der echte Vertrag liegt immer noch im Safe, das können Sie mir glauben
31:50Jess Weil seufzte
31:51Ein schöner Tag
31:53Zuerst musste ich mich mit einem Vater herumschlagen, um ein neues Talent zu gewinnen
31:57Dann mit einem Regierungsbeamten, um eine Zensur zu verhindern, dann mit Ihnen
32:02Und nun mit meinem besten Träumer, damit er mir nicht davonläuft
32:07Den Vater habe ich wahrscheinlich für mich gewonnen
32:09Bei den Regierungsbeamten und Ihnen weiß ich es nicht
32:12Vielleicht ja, vielleicht nein
32:14Aber wenigstens bei Sherman und Hillary gibt es keinen Zweifel
32:18Er wird wiederkommen
32:21Woher wissen Sie das?
32:23Weil lächelte Ballinger verschmitzt zu und ein Netzwerk feiner Linien überzog seine Wangen
32:29Frank, Sie wissen, wie man Traumgeschichten redigiert und auf den Markt bringt
32:33Und darum glauben Sie, alle Seiten dieses Geschäfts zu kennen
32:37Aber ich will Ihnen etwas sagen
32:39Das wichtigste Werkzeug in unserem ganzen Gewerbe ist der Träumer selbst
32:43Er ist der Mann, den Sie am besten verstehen müssen
32:47Machen Sie sich einmal Folgendes klar, Frank
32:50Sie oder ich, wir können unsere Arbeit jederzeit hinwerfen
32:53Es ist unser Job, nicht unser Leben
32:56Aber nicht Sherman, Hillary
32:58Wo immer er ist, was immer er tut, er wird träumen
33:02Solange er lebt, muss er denken
33:05Solange er denkt, muss er träumen
33:08Wir halten ihn nicht gefangen
33:09Unser Vertrag ist keine eiserne Wand für ihn
33:12Sein eigener Schädel ist sein Gefängnis, Frank
33:16Darum wird er wiederkommen
33:19Was bleibt ihm anderes übrig?
33:22Ballinger zuckte die Achseln
33:24Wenn Sie damit Recht haben, tut mir der Bursche leid
33:29Weil nickte
33:31Mir tun Sie alle leid
33:33In all den Jahren habe ich eins gelernt
33:36Es ist Ihr Geschäft, die Leute glücklich zu machen
33:39Andere Leute
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