00:00Schüsselwort für unseren Landschleicher und in den allermeisten Fällen begegnet er Brandenburgerinnen
00:13und Brandenburgern, die stolz darauf sind. So auch in Wolsier in der Gemeinde Havelauer.
00:19Das liegt im Westen Brandenburgs im Landkreis Haveland, eingebettet vom Fluss und vom Göpersee
00:24im Norden. Irgendwann im Mittelalter ist Wolsier mal wegen ständigen Hochwassers zwei Kilometer
00:30verlegt worden an seinen heutigen Platz. Und dort fühlen sich 103 Einwohner offenbar ziemlich wohl
00:37und es ist sehr wahrscheinlich, dass Wolsier noch Zuwachs bekommen wird.
00:45Wir drehen gerade unsere ersten Bilder, da spürt uns Bill Neubüßer auf, Ortsvorsteher von Wolsier.
00:54Ich sage immer Ortsvorsteher, weil man muss, ich bin hierher gekommen vor genau 15 Jahren,
00:59stand viel leer zu der Zeit. Ich habe den ersten Hof ausgebaut, war gerade fertig und dann kamen
01:06die ersten Freunde, Bekannte, oh, hier ist es aber schön, hier würden wir gerne wohnen. Ich sag,
01:10zieh doch ein und bin auf die nächste Baustelle gezogen, ins nächste Doppelhaus und hab dann
01:14weiter gebaut und weiter gebaut und weiter gebaut. Und so ist aus Bill, der ursprünglich nur einen
01:19Platz für seine Bienen suchte, einer geworden, der Häuser vermietet und jeden hier kennt. Dorit
01:25zum Beispiel, die Chefin des Feuerwehrvereins. Die Feuerwehr ist natürlich vorbeugender Abwehr
01:29und der Brandschutz ist klar, aber wir machen so viel mehr. Also wir machen eben hier, denke ich
01:34mal, vor allen Dingen stehen wir für das gemeinschaftliche Leben. Osterfeuer, Erntefest,
01:38Sommerfest, Feuerwehrball, so eine Sache. Und Sie mittendrin? Ja. So, jetzt will Bill mit uns
01:45eine Runde drehen und macht sich dabei auch gleich mützig. Er hat schon Karl-Heinz, den
01:50Dorfältesten, informiert. Kommt mal schnell, bevor ich euch ein Zeug erzähle. Karl-Heinz und Anneliese
01:56Lindner leben schon ganz lang in Wolsia. Karl-Heinz ist hier vor 83 Jahren geboren. Anneliese hat aus
02:03dem Nachbarort eingeheiratet. Früher war sowas selten. Heute besteht fast das halbe Dorf aus
02:09Zugezogenen. Kennt man sich da noch in Wolsia? Ja, außer jetzt die neuen Wolsierer, die kennt man nicht mehr.
02:14Nicht so genau. Die leben auch anders. Wie denn? Wie denn? Da kann das Unkraut so hoch vorm Haus stehen, da fühlen sie sich wohl bei.
02:25Und früher war es so gewesen, jeden Sonnabend wurde die Dorfstraße gemacht von jedem Besitzer vor
02:34sein Haus. Ist heute nicht mehr. Das ist doch kein Unkraut, das sind die Blühstreifen.
02:41Das ist ökologisch wertvoll. Die Zugezogenen bringen eben neue Ideen ins Dorf. Manche finden die
02:50Einheimischen aber auch super, wie den Eselhof zum Beispiel. Bill erzählt, hier werden gestresste
02:56Großstädter mit Ruhe und Tierliebe therapiert.
03:04Aber es ist niemand zu Hause. Schade. Dafür treffen wir auf der Straße Hartmut, auch ein interessanter Neu-Wolsierer.
03:12Passt auch zu Wolsier, weil er so schön wollig ist. Sie auch. Hartmut ist der Blaudrucker im Dorf.
03:22Voriges Jahr wurde das alte Handwerk UNESCO-Weltkulturerbe und Hartmut, eigentlich gelernter
03:28Koch, ist einer der wenigen in Deutschland, die Stoffe so färben. Über 3000 Modeln, so etwas wie
03:35Druckstöcke, hat Hartmut gesammelt. Und wenn er über das Färben spricht, könnte man meinen, er habe
03:40gerade seine beiden Berufe verwechselt. Man muss sich vorstellen, wenn man Hefeteig macht, da gibt es ein
03:46prima Rezept. Aber wenn man das einfach nur so zusammenschmeißt, dann wird es alles nix. Da muss
03:50man die Temperatur noch mit beachten und alles nach und nach, das Fett nicht gleich am Anfang rein machen,
03:56weil es dann die Hefe hemmt. Und so ähnlich ist es dann mit der Färbeküpe. Die lebt auch.
04:01Und dann stellt uns Bill noch den Kräuterexperten des Dorfes vor. Udo Schäfers Traum war es immer
04:09schon, einen eigenen Biohof zu bewirtschaften. Vor 13 Jahren wurde er im kleinen Wolsier nun
04:15wahr. 250 Sorten Kräuter und Gewürze, darunter 60 verschiedene Chili und 20 Basilikum, baut Udo an
04:25und hat sogar schon eigene Sorten kreiert. Am Dorfrand mit viel Platz klingt eigentlich ja super, aber...
04:31Es ist leider so, dass wir von konventioneller Landwirtschaft umgeben sind und so ein bisschen
04:38auch betroffen sind von ganzen Schutzmitteln. Dagegen wehre ich mich so ein bisschen. Ich werde natürlich da
04:43dann auch von den konventionellen Landwirten gemieden oder beschimpft oder so. Das spaltet auch so ein
04:49bisschen das Dorf, aber... Es gibt natürlich auch Verbindendes, wie die Feuerwehr mit ihren
04:55unzähligen Pokalen. Und damit zurück zu Bill und Dorit vom Anfang, die aufs Feiern jetzt symbolisch
05:01mal anstoßen. Aber bei Feiern werden ja auch Ehen geschmiedet und man muss sich ja austauschen über
05:07Baumaterialien. Man braucht Netzwerke. Hier findet das Dorf zusammen. Heute nennt man es Netzwerk.
05:12Also dann Prost. Prost Wolfsir.
05:19Untertitel von Stephanie Geiges
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