Frankreich und Deutschland sind zwei der 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Sie machen fast ein Viertel des Gebietes und ein Drittel der Bevölkerung der EU aus. Und sie erwirtschaften fast die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes. Ihr Anteil am EU-Haushalt beträgt 36 % und sie verfügen zusammen über 31 % der Stimmen im Europäischen Rat.
Die Einführung des Euro, wie sie im Maastricht-Vertrag vorgesehen war, war von Bundeskanzler Kohl und Präsident Mitterrand auf den Weg gebracht worden. Solche deutsch-französischen Großprojekte sind seit der Jahrhundertwende seltener geworden. Denn es kam zu Spannungen, nicht etwa zwischen Deutschen und Franzosen, sondern zwischen der deutschen und der französischen Politik.
In den neuerlichen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich kommt die Entwicklung in der EU und in Deutschland seit dem Fall der Berliner Mauer zum Ausdruck. Denn das geographische Zentrum der EU hat sich seitdem verlagert, was auf der Karte deutlich zu sehen ist. Durch den Fall der Mauer und den darauf folgenden Beitritt der neuen Bundesländer rückte die Bundesrepublik weiter nach Osten.
In mehreren Bereichen kam es zwischen Deutschland un Frankreich in den vergangenen Jahren wiederholt zu Spannungen.In Nizza bereitete sich die EU im Dezember 2000 auf den Beitritt von 10 Staaten vor. Sie sollte von 15 auf 25 Mitglieder anwachsen, und zwar durch den Beitritt von 8 osteuropäischen und 2 Mittelmeerländern. Die EU-Institutionen sollten reformiert werden. Dazu musste die Anzahl der Stimmen im Rat und der Sitze im Parlament neu ausgehandelt werden, wovon man in Berlin und Paris allerdings unterschiedliche Vorstellungen hatte.
Auch in militärischer Hinsicht kam es zu einer Zäsur, denn die Bundeswehr nahm zum ersten Mal seit Kriegsende zur Durchsetzung außenpolitischer Ziele an Einsätzen außerhalb des Bundesgebietes teil. Sie beteiligte sich 1999 an den Bombenangriffen der NATO auf Serbien, um die ethnische Säuberung in Kosovo zu beenden. Danach kam es zu weiteren Außeneinsätzen in Bosnien, im Sudan, in Georgien, im Libanon und in Afghanistan.
Die unterschiedlichen Auffassungen in Paris und Berlin traten erneut 2007/2008 bei der vom französischen Staatspräsidenten angestrebten Mittelmeerunion zu Tage. Der französische Vorschlag war gut, und das Projekt beschränkte sich auf zehn Anrainerstaaten des Mittelmeeres:• Frankreich, Portugal, Spanien, Italien und Malta im Norden• Mauretanien, Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen im SüdenDie Nichteinbeziehung der übrigen EU-Staaten missfiel Deutschland, das Frankreich verdächtigte, im Mittelmeerraum eine Führungsrolle einnehmen zu wollen.
Beitragslänge: 11:58 Minuten
Erstausstrahlung: 13.11.2010
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Quelle: ddc.arte.tv/de
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