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    Die Zwanziger Jahre - 2v3 - Tanz auf dem Vulkan - 2005 - by ARTBLOOD

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    Kaan Karma

    von Kaan Karma

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    Frauen zeigen erstmals Bein, zumindest die untere Hälfte. Damenwaden, kurze Kleider und Bubikopf - die knabenhafte Erscheinung der "Neuen Frau" wird alltäglich und bleibt zugleich umstritten. Viele der Zeitzeugen erinnern sich an die ungeheure Aufregung, die es gab, wenn Eine den Bubikopf tragen und die langen Zöpfe abschneiden wollte. Eine Symbolhandlung - das veränderte Auftreten junger Frauen im Deutschland der zwanziger Jahre macht den ungeheuren Modernisierungsschub dieser Zeit augenfällig. Dennoch bleibt die "Neue Frau" vor allem ein Mode- und Medienphänomen. Die abfällig "Tippmamsells" genannten kleinen Angestellten füllen die riesigen Kinopaläste, die Mitte der Zwanziger die kleinen Eckkinos ablösen, und träumen von ihrem gesellschaftlichen Aufstieg - vor Filmen, in denen der Chef die Sekretärin heiratet. In der Weimarer Zeit sind zwar kaum mehr Frauen berufstätig als vorher, aber sie haben den bisher ihnen zugedachten häuslichen Bereich verlassen und werden nun Sekretärinnen statt Dienstmädchen - ein Beruf, der bis dato als Sekretär Männern vorbehalten war.


    In den Zwanzigern entsteht auch die moderne Freizeit. Eine Vielzahl von vorher ungekannten Vergnügungen wird populär. Plötzlich gibt es Revuen, bei denen splitternackte Damen, ganz in Gold, auf die Bühne schweben.

    An der Oberfläche gleicht die Zeit einer Bühne. Stars von Theater und Kino werden Idole einer Moderne, die vor allem eine Veränderung hin zu einer Massenkultur ist. Wo vordem nur einige wenige an Ausstellungen, Konzerten, Opern- oder Theateraufführungen teilhaben, bringt jetzt das Radio die musikalischen Ereignisse aus aller Welt in die gute Stube. Das Radio verbreitet sich rasant seit 1923,aber auch Grammophon und Schallplatte demokratisieren die Gesellschaft. Angehörige unterschiedlicher Schichten beginnen, die gleichen Programme zu hören, gleiche Kinofilme zu sehen und gemeinsam die neuen Tänze zu tanzen. An der Oberfläche lebendig, modern, demokratisch, bleiben dennoch tradierte autoritäre Strukturen und Werte tief verwurzelt.

    Erst in der Rückschau, mit dem Wissen um die kommende Weltwirtschaftskrise 1929 und die nationalsozialistische Barbarei, wird deutlich, wie sehr die Ausgelassenheit der "Goldenen Zwanziger" ein Tanz auf dem Vulkan war.